Kleine Wildkräuter sind äußerst wertvoll

Konrad Schützeneder aus Winklham bei Simbach konnte beim Ackerwildkräuter-Wettbewerb in der Kategorie „Ökologischer Landbau“ den 3. Preis erringen. Mit ihm freute sich seine Ehefrau Gerti (links). Es gratulierte auch die Vorsitzende der BN-Ortsgruppe „Unterer Inn“, Marianne Watzenberger (rechts). – Foto: Hascher

Simbach. Einen sehr schönen Erfolg konnte der Öko-Landwirt Konrad Schützeneder, der mit seiner Frau Gerti einen Biohof in Winklham bei Simbach betreibt, für sich verzeichnen: Er errang beim diesjährigen Ackerwildkräuter-Wettbewerb in Niederbayern in der Kategorie „Ökologischer Landbau“ den 3. Preis. Insgesamt 36 Ackerwildkräuter, darunter zwei „Rote Liste Arten“ wurden von einem Fachmann bei ihm auf einem bebauten Acker gefunden und katalogisiert - was zu dieser Preisbewertung geführt hat. Marianne Watzenberger, die Vorsitzende der Ortsgruppe „Unterer Inn“ des BUND Naturschutz, überreichte dem Preisträger nun in Anerkennung seiner Arbeit und der erfolgreichen Teilnahme am Wettbewerb ein Präsent.

Der Ackerwildkräuter-Wettbewerb wurde gemeinsam ausgeschrieben vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL), der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), dem Biolandverband und dem BUND Naturschutz in Bayern (BN). Er fand heuer zum dritten Mal in einem der bayerischen Regierungsbezirke statt, nachdem er 2016 in der Oberpfalz und 2014 in Unterfranken ausgetragen wurde.

Konrad Schützeneder ist der einzige Ökobauer aus unserem Landkreis, der einen Preis erringen konnte. Wie kam es dazu?  Aufgrund der Einschätzung durch einen kundigen Beobachter wurde er ermuntert, beim Wettbewerb teilzunehmen. Das tat der seit 1984 in der Öko-Landwirtschaft und seit 2009 nach Demeter-Richtlinien wirtschaftende Landwirt dann auch. „Eigentlich dachte ich nicht, dass so viele und sehr seltene Ackerwildkräuter auf meinem Acker zu finden seien“, so der Öko-Landwirt, „aber durch einen Fachmann wurde dies dann doch bestätigt. Letztlich sind diese Ackerwildkräuter, die ja eigentlich Beikräuter sind, bei näherer Betrachtung wertvolle Zeiger-Pflanzen für die Bodenchemie, den Wasserhaushalt und den allgemeinen Bodenzustand. Man sollte sich eigentlich damit auskennen, denn es ist die Kunst des Bauern, die jeweiligen Bodenverhältnisse zu erkennen, zu verbessern und zu nutzen, um ohne Chemie und Kunstdünger optimal arbeiten zu können.“

Der Acker von Konrad Schützeneder war zur Zeit des Fundes der Ackerwildkräuter mit Triticale bebaut, einer speziellen und sehr robusten Futtergetreide-Art, die eine Kreuzung zwischen Roggen und Weizen darstellt. „Mir sind die zusätzlichen Wildkräuter im Acker schon aufgefallen“, so der Öko-Landwirt, „aber dass deren Zahl gleich zu einer Preisbewertung führen könnten, war mir damals nicht bewusst. Umso mehr freue ich mich darüber.“ Mit der Preis-Urkunde für die Förderung der Artenvielfalt, die von Jakob Opperer, dem Präsidenten der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, unterzeichnet wurde, bekam der Preisträger auch eine Liste der in seinem Acker gefundenen Wildkräuter-Arten. Darunter sind u.a. der Feld-Ehrenpreis, der Hopfenklee, der Klatschmohn, die Kornblume, der Ehrenpreis, das Wiesen-Lieschgras und der Ackerfrauenmantel. Auch zwei gefährdete Arten sind darunter: der Acker-Hahnenfuß und der Acker-Zahntrost.

Dazu Marianne Watzenberger vom BUND Naturschutz: „Diese Ackerwildkräuter sind deshalb so wertvoll, weil sie das ganze Jahr über Nahrung für Insekten bieten und damit wenigstens einen kleinen Ausgleich in dem ansonsten heute relativ eintönigen Nahrungspflanzen-Angebot der heutigen Landwirtschaft darstellen. Wir freuen uns sehr, dass ein Öko-Landwirt aus unserem Gebiet diese Auszeichnung erringen konnte.“   -wh


Großer Preis für kleine Wildkräuter

Katrin Veicht, die Vorsitzende der BUND-Naturschutz-Ortsgruppe „Kollbachtal“ (Mitte) überreichte Landwirt Josef Greiler (links) aus Roßbach und seiner Frau Maria ein Dankes-Präsent für ihren Sieg beim Ackerwildkräuter-Wettbewerb. – Foto: Hascher

Roßbach. Einen sehr schönen Erfolg konnte Landwirt Josef Greiler, der mit seiner Frau Maria einen Nebenerwerbs-Hof im Gemeindebereich Roßbach betreibt, für sich verzeichnen: Er errang beim diesjährigen Ackerwildkräuter-Wettbewerb in Niederbayern in der Kategorie „Konventionelle Landwirtschaft“ den ersten Platz. Insgesamt 30 Ackerwildkräuter, darunter der gefährdete „Gefurchte Feldsalat“ wurden im Sommer bei ihm auf seinem (eigentlich ökologisch bewirtschafteten) Weizenacker gefunden und von einem Fachmann katalogisiert. Katrin Veicht, die Vorsitzende der Ortsgruppe „Kollbachtal“ des BUND Naturschutz, überreichte dem Preisträger nun in Anerkennung seiner Arbeit und der erfolgreichen Teilnahme am Wettbewerb zusätzlich zu der schon erfolgten offiziellen Würdigung durch die Veranstalter ein Präsent und dankte für die Bemühungen um die Artenvielfalt.

Der Ackerwildkräuter-Wettbewerb wurde gemeinsam ausgeschrieben vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL), der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), dem Biolandverband und dem BUND Naturschutz in Bayern (BN). Er fand heuer zum dritten Mal in einem der bayerischen Regierungsbezirke statt, nachdem er 2016 in der Oberpfalz und 2014 in Unterfranken ausgetragen wurde. Heuer nahmen insgesamt 24 Landwirte aus den neun Landkreisen Niederbayerns daran teil, davon 19 ökologisch und fünf konventionell wirtschaftende Betriebe.

Seit langem ist Josef Greiler bekannt, dass Ackerwildkräuter Nahrung und Lebensraum für Insekten bedeuten und dass sie auch die natürliche Grundlage für einen lebendigen und gesunden Ackerboden sind. Und so hält sich der Nebenerwerbs-Landwirt bei der Bewirtschaftung seiner Ackerfläche schon immer an Richtlinien, die aus dem ökologischen Landbau stammen: Seit jeher verwendet er keinerlei Spritzmittel, auch keine Düngung – eigentlich ist das schon ökologischer Landbau, doch lohne sich, wie er meint, bei ihm wegen des großen Bürokratie-Aufwandes für einen kleineren Betrieb wie bei ihm die Bio-Zertifizierung nicht. Zusammen mit seiner Frau Maria war er sich darüber im Klaren, dass auf seinem Acker durchaus Wertvolles aus dem Bereich der Ackerwildkräuter zu finden sei. Josef Greiler: „Mit der Teilnahme an dem Wettbewerb wollten wir schauen, was dabei herauskommt und was Fachleute zu unseren Ackerwildkräutern sagen, denn schließlich führen wir schon seit ganz langer Zeit eine äußerst naturnahe Bewirtschaftung ohne Chemie-Einsatz durch: Auch achten wir auf strenge Ackerruhe bis Ende Juni, und nach dem Dreschen steht bis Mitte September die Stoppelbrache.“

So kam nach der Bewerbung für den Wettbewerb ein Fachmann auf die Ackerfläche von Josef Greiler und begutachtete die vorkommenden Arten. Insgesamt 30 verschiedene Wildkräuter fand der Experte, darunter der Ackerfrauenmantel, die Kornblume, der Persische Ehrenpreis, das Acker-Vergissmeinnicht, das Hornkraut, der weiße Gänsefuß und die behaarte Wicke. Auch eine gefährdete Art war dabei, nämlich der Gefurchte Feldsalat. Und so kam es, dass er mit all den Ackerwildkräuter-Arten schließlich den ersten Preis im Bereich Niederbayern für sich verbuchen konnte und zur Preisverleihung nach Mamming gebeten wurde. Dort würdigten Regierungs-Vizepräsident Dr. Helmut Graf und Dr. Annette Freibauer, die Institutsleiterin der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, die besonderen Verdienste der teilnehmenden Landwirte und überreichten eine Urkunde, die von Jakob Opperer, dem Präsidenten der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, unterzeichnet worden war. Bei der Bewertung entschied nicht nur die Anzahl der Ackerwildkräuter, es gab vielmehr auch Pluspunkte für Betriebe, die durch Zuhilfenahme eines Vertrags-Naturschutzprogrammes, wie hier bei Familie Greiler, ihre Fläche wildkraut-freundlich bewirtschaftet haben.

Den mit der Preisverleihung verbundenen Glückwünschen schloss sich nun auch für die Kreisgruppe des BUND Naturschutz die Vorsitzende der BN-Ortsgruppe „Kollbachtal“, Katrin Veicht, an. Auch sie würdigte die Anstrengungen und die Verdienste von Maria und Josef Greiler: „Wir freuen uns sehr, dass gerade in unserem Bereich ein landwirtschaftlicher Betrieb zu finden ist, der den Beweis dafür liefert, wie man der Artenvielfalt, und darunter insbesondere bei den Insekten, etwas sehr Positives tun kann. Wir hoffen natürlich, dass auch viele andere Landwirte ermuntert werden, sich diesem Beispiel anzuschließen.“    - wh


Glyphosat: Fluch oder Segen?

Beim Vortrag zum Thema Glyphosat im Stadtsaal Eggenfelden (von links nach rechts): Alfred Hainthaler (Kath. Landvolkbewegung Rottal-Inn), Josef Mühlthaler (Bundesverband Deutscher Milchviehhalter), Edith Lirsch (Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft), Hans Maier, Vorsitzender des Kreisverbandes Bayerischer Imker, Referentin Prof. Dr. Monika Krüger sowie Matthias Schmöller (ehem. Vorsitzender) und Dr. Jürgen Riedler (jetzt Vorsitzender) des BUND Naturschutz Kreisgruppe Rottal-Inn

Wie wirkt Glyphosat, welche Risiken für  Umwelt und Gesundheit sind mit der Anwendung verbunden und welche Ausstiegs-Szenarien sind denkbar?- Diese und weiter Informationen finden Sie im neuen BN aktuell "Glyphosat - nein danke!"Die Broschüre zum download hier. Da in vielen Diskussionen von den Glyphosatbefürwortern die immer gleichen Argumente gebraucht werden, hat der BN eine Argumentationshilfe zusammengestellt. Die wichtigsten Gründe warum die Glyphosatanwendung baldmöglichst beendet werden muss finden Sie hier.

Hier ergänzend der Bericht zum Vortrag von Frau Prof. Dr. Krüger (Ein Download der Vortrags-Präsentation als pdf hier):

Glyphosat. Bei diesem Begriff kommen einem schnell allerlei Assoziationen: Bienensterben, Krebs, Monokulturen. Andererseits liest man immer wieder, der Einsatz des Herbizids sei harmlos und ganz unbedenklich. Das Thema erlangte wieder besondere Relevanz, als in diesem Jahr die Firma Bayer das amerikanische Unternehmen Monsanto kaufte.

Der am 10. Oktober im Stadtsaal von Eggenfelden gehaltene Vortrag der Veterinärmedizinerin und Mikrobiologin Prof. emer. Dr. Monika Krüger von der Universität Leipzig schaffte mehr Klarheit und viel Betroffenheit. Unter dem Motto: „Glyphosathaltige Herbizide – Fluch oder Segen für Landwirtschaft und Verbraucher?“ wurden die Wirkungen des Mittels aufgezeigt.

Die von der BUND Naturschutz Kreisgruppe Rottal-Inn, in Kooperation mit  der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, der Katholischen Landvolkbewegung, dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter und dem Kreisverband Bayerischer Imker organisierte Veranstaltung war mit weit über 100 Teilnehmern – darunter auch vielen Landwirten - sehr gut besucht.

Hier in wenigen Stichpunkten die Erkenntnisse der Forscherin:

Zunächst wurde geklärt, was Glyphosat überhaupt  ist, nämlich ein systemisches und nicht selektives Herbizid, das seit den 70er Jahren von Monsanto produziert und seit Mitte der 90er Jahre mit der Entwicklung von glyphosatresistenten Saatgütern verstärkt eingesetzt wird. Weltweit wird das Totalherbizid in mehr als 100 Ländern benutzt.  Mit einer Ausbringung von  4700 Tonnen (Stand:2017) ist es in Deutschland  nach wie vor das am häufigsten eingesetzte Pflanzengift . 80% der Menge wird in der Landwirtschaft v.a. beim Ackerbau eingesetzt aber auch auf Nicht-Agrarflächen, wie z.B.  in Baumschulen, auf den Gleisen der Deutschen Bahn (65 Tonnen)  und in Haus-und Kleingärten und Kommunen (100Tonnen) kommt es zur Anwendung.

Anhand  einer Vielzahl von internationalen Studien und eigenen Forschungen erläuterte die Referentin die Wirkungen des Totalherbizids. Der langfristige Einsatz über mehrere Jahre reduziert eindeutig die mikrobielle Biodiversität von Böden und somit auch die Bodenfruchtbarkeit. Es wirkt u.a. wie ein Antibiotikum, hemmt somit das Wachstum von Bakterien und Pilzen mit positiver Wirkung auf unseren Organismus und fördert die Ausbreitung von krankheitserregenden Keimen, die letztlich über die Nahrungsmittel auch in den menschlichen Körper gelangen…

Glyphosat kann in Proben von Menschen, Tieren und in Futtermitteln nachgewiesen werden. Da jährlich ca. 38 Millionen Tonnen GVO-Soja (Gentechnisch veränderte Organismen) insbesondere von USA, Brasilien und Argentinien importiert werden, erfolgt die Kontamination von Menschen und Tieren in Europa hauptsächlich über die Nahrung oder durch importiertes Tierfutter. Sogar Katzen- und Hundefutter enthalten hohe Mengen an Glyphosat. Nicht nur im Urin, sondern auch in Organen und Fleisch ist die Chemikalie nachweisbar. In USA und Südamerika, wo das Mittel schon in den 70ern zugelassen wurde, ist es schon im Trinkwasser angelangt. Außerdem ist es in Baumwollprodukten, wie zum Beispiel Verbandsmaterial und Tampons, aber auch im Bier zu finden… Ganz besonders erschreckend ist, dass Kleinkinder inzwischen sogar stärker kontaminiert sind als Erwachsene.

Danach widmete sich die Referentin den Erkrankungen, die durch Glyphosat ausgelöst werden. Auffallend ist zunächst ein im Zusammenhang mit verstärktem Einsatz proportionaler Anstieg von chronischem Botulismus, einer lebensbedrohlichen Vergiftung, bei Kühen. Das Herbizid erzeugt außerdem Mangelsituationen in Tieren; insbesondere bestimmte Spurenelemente und Vitamine können nicht mehr aufgenommen werden, sodass der Stoffwechsel schwer geschädigt wird. Es beeinflusst insbesondere die Magen-Darm-Flora letztlich auch im Menschen, aber beispielsweise auch bei Bienen, schwächt das Immunsystem und erhöht das Risiko von Autoimmunerkrankungen. Es schädigt Organe, beeinflusst den Leberstoffwechsel, zerstört Hormone, reduziert die Fruchtbarkeit und produziert u.a. langsame, kaum heilbare Entzündungen. Laut einer Studie der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) von 2015 ist es wahrscheinlich krebserregend. Die Fotos von schwer missgebildeten Ferkeln, in denen Glyphosat nachgewiesen wurde,  erzeugten bei allen Teilnehmern tiefes Unbehagen.

Zuletzt sprach Prof. Dr. Monika Krüger Lösungsansätze an. Kurz- und mittelfristig sei durch Einsatz von Huminsäuren, Pflanzenkohle und Zeolithen die Glyphosatwirkung auf Menschen, Tiere und Böden zu neutralisieren. Langfristig sei ein schrittweiser Ausstieg erstrebenswert und möglich. Auch digitale Technologien und moderne  Bewirtschaftungsformen aus dem Biolandbau sollten vermehrt in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen.

„Wir erkennen wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs“, sagte die Referentin. Es müsse mehr nach komplexen Zusammenhängen geforscht werden, um die Wirkungen auf Gesundheit und Insektensterben abzuklären. Notwendig seien auch mehr Forschungsmittel für unabhängige Institute zur Erstellung tiefergehender Studien.

Im Anschluss an den spannenden Vortrag fand eine lebhafte Diskussion statt, in der verschiedene Standpunkte über konventionelle und ökologische Landwirtschaft ausgetauscht wurden mit dem Ziel, zukunftsträchtige Lösungen zu ermitteln. Alle Teilnehmer nahmen von dem anregenden Abend viele, teils beunruhigende Erkenntnisse und viel Nachdenklichkeit mit.