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Willkommen bei der Kreisgruppe Rottal-Inn

Wir geben Ihnen hier einen Einblick in unsere Umweltschutz-Arbeit. Bei Fragen wenden Sie sich bitte mit einer E-Mailan uns oder kontaktieren Sie die Geschäftsstelle (Tel. 08561-3834).



Mit den „Spitzmäusen“ bei Dinosauriern, Riesenbambus und Kakaobäumen

Massing. Betreut und organisiert von Anne Hennersperger, der Leiterin der Bund-Naturschutz-Kindergruppe „Spitzmäuse“ und erwachsenen Begleiterinnen durfte eine große Kinderschar einen lehrreichen Tag in München verbringen.
Erstes Ziel war das Museum „Mensch und Natur“ am Nymphenburger Schloss. Staunend erkundeten die kleinen Besucher die Ausstellungen zur Entstehung des Sonnensystems, die Geschichte der Erde und die Entwicklung des Lebens, aber auch die Biologie des Menschen, Ernährung, Umweltprobleme sowie das Verhältnis des Menschen zur Natur. Ein Highlight war die Abteilung „Spielerische Naturkunde“, die mit interaktiven Elementen Wissen vermittelte. Auch der ausgestopfte, 2006 abgeschossene Problembär Bruno zog viel Aufmerksamkeit auf sich.
Der Nachmittag war ganz dem Besuch des Botanischen Gartens gewidmet. Im Rahmen einer Kinderführung konnten bei spätherbstlichem Sonnenschein am Insektenpavillon noch einige Wildbienenarten beobachtet werden. Warum der Ginkgo-Baum zu den Nadelbäumen zählt und dass die riesigen Urwelt-Mammutbäume zu Zeiten der Dinosaurier schon genauso ausgesehen haben, löste bei den Kindern viel Erstaunen aus.
Ein Höhepunkt des Ausfluges war dann aber der Besuch der Glashäuser. Die jungen Besucher standen mit großen Augen vor den riesigen Kakteen. Sie erfuhren, dass der baumdicke Riesenbambus zu den Gräsern zählt, bewunderten die reifen Zitrusfrüchte und schnupperten an der Rinde des Zimtrindenbaumes. Eifrig sammelten sie reife Kaffeebohnen unter dem Kaffeestrauch und verkosteten die gerösteten Bohnen. Am Kakaobaum konnten sie die winzigen, unscheinbaren Blüten entdecken, reife, handgroße, dunkelbraune Kakaoschoten fühlen und nach den Erläuterungen über die Weiterverarbeitung ein Stückchen Schokolade probieren.
Zur Erinnerung an diesen erlebnisreichen Tag bekam jedes Kind am Schluss  eine kleine Versteinerung aus dem „Haus Mensch und Natur“ geschenkt.


Verstummt das Summen der Bienen?

Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller (2. von rechts) dankte dem Experten Johannes Selmansberger (links daneben) für seinen informativen Vortrag über das Bienensterben. Mit dabei auch der stellvertretende BN-Kreisvorsitzende Dr. Jürgen Riedler (links) sowie Pfarrkirchens 2. Bürgermeister und CSU-Kreisvorsitzender Martin Wagle. - Foto: Hascher

In der diesjährigen Jahreshauptversammlung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe im bis auf den letzten Platz gefüllten Schachtl-Saal präsentierte Kreisvorsitzender Matthias Schmöller zunächst die Aktivitäten der letzten zwölf Monate.

Er wies darauf hin, dass vor allem der Arten-, Flächen- und Biotopschutz vorrangige Bedeutung gehabt hatten. In diesem Zusammenhang nannte er unter anderem das vom stellvertretenden Kreisvorsitzenden Dr. Jürgen Riedler initiierte und noch weiter in mehreren Kommunen laufende Blühpflanzen-Projekt „Rottal-Inn blüht auf“, die Amphibien-Schutzmaßnahmen und die zahlreichen Informations- und Film-Abende. Er erwähnte gleichermaßen die Anstrengungen bezüglich ökologischer Landbewirtschaftung und zum Thema erneuerbarer Energien. Gewürdigt wurde auch die beispielhafte Arbeit in den Kinder- und Jugendgruppen, die unter Leitung von Marianne Watzenberger kontinuierlich durchgeführt werde und die ein wichtiger Faktor der Naturschutzarbeit sei.

Schatzmeister Franz Schustereder gab dann eine Übersicht über die Finanzlage, die zufriedenstellend sei und deren vorbildliche Verwaltung durch Kassenprüfer Herbert Eggerdinger bestätigt wurde, was zu einstimmiger Entlastung durch die Versammlung führte.

Im Hauptreferat des Abends schilderte anschließend der Imker-Fachmann und stellvertretende Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Landshut, Johannes Selmansberger, viele Faktoren rund um Bedeutung und Gefährdung von Insekten im Allgemeinen und von Bienen im Speziellen. Zunächst erläuterte er, dass rund 80 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzen auf die Honigbienen als Bestäuber angewiesen seien. „Der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubungsleistung durch die Bienen übersteigt den Wert der Honigproduktion um ein Vielfaches. Diese Bestäubungsleistung ist weltweit rund 200 Milliarden Dollar pro Jahr wert“, so der Referent. „Damit sind Bienen eines der drei wichtigsten Nutztiere neben Rind und Schwein. Auch Obst und Gemüse würden deutlich profitieren, denn Erträge und Qualitätsmerkmale würden deutlich gesteigert. Diese Leistung darf doch nicht gefährdet werden.“

Als Gefährdungsfaktoren nannte er zum einen die in der modernen Landwirtschaft eingesetzten chemischen Unkraut-, Schädlings- und Pilz-Bekämpfungsmittel. Vor allem die immer häufiger verwendeten Neonicotinoide, welche für die Bienen nachweislich viel-tausendfach giftiger seien als das längst verbotene DDT, seien katastrophal. Auch das Glyphosat („Roundup“) gelte mittlerweile als extrem bedenklich. „Selbst kleinste Dosiswerte können massiv schädigend sein“, gab Selmansberger zu bedenken, „und entgegen den Behauptungen der nur auf größtmöglichen Gewinn ausgerichteten Chemie-Industrie sind diese Stoffe jahrelang draußen nachweisbar. Das gesamte Nervensystem der Bienen und anderer Insekten ist davon massiv betroffen. Das kommt alles noch zur ohnehin vorhandenen Schädigung durch die aus Fernost eingeschleppte und von der Industrie gern als alleinige Schadensursache bezeichneten Varroa-Milbe hinzu, so dass die Imker oft vergebens kämpfen. Die Summe der schädigenden Faktoren ist es, die für viele Bienenvölker und andere Tiere in der natürlichen Nahrungskette das Todesurteil bedeutet.“

Hinzu kämen die Monokulturen in ausgeräumter Landschaft, die gemulchten, tot gespritzten oder bis zum letzten Zentimeter umgepflügten Randstreifen sowie fehlende Feldraine. Und mit der Bemerkung „Es gibt keine Blumenwiesen mehr, nicht einmal mehr in den Hausgärten, die permanent abgemäht werden“ leitete der Referent über auf die Maßnahmen, die sofort getroffen werden müssten.

Der Bio-Landbau müsste massiv gefördert und gut bezahlt werden, bienengefährdende Stoffe dürften nicht weiter verwendet werden, was auch durch den Verbraucher unterstützt werden müsste, erläuterte der Referent. Hausgärten sollten wieder naturnah gestaltet werden, Blumen, blühende Sträucher und Randstreifen sowie Obstbäume sollten selbstverständlich sein, um den Bienen und anderen Insekten Nahrung zu geben. Auch Kommunen sollten für blühende Flächen sorgen und auf das Mulchen verzichten.

Johannes Selmansberger beendete sein Referat mit den Worten: „Uns muss allen klar sein, dass es so nicht weitergehen kann. Landwirte, Imker, Naturschützer und Verbraucher müssen sich um ein besseres gegenseitiges Verständnis bemühen und dringend gemeinsam handeln, denn es geht um unser aller Zukunft.“

BN-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller dankte dem Referenten für seine Ausführungen und bemerkte, dass nicht zuletzt aus diesem Grund die Kreisgruppe Rottal-Inn das Jahr 2018 zum „Jahr der Insekten“ erklärt habe und zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen dazu durchführen werde. Schmöller äußerte ausdrücklich den Wunsch, die Landwirte und speziell den Bayerischen Bauernverband mit ins Boot zu holen und auszuloten, wo es Kooperations-Ansatzpunkte und auch gemeinsame Veranstaltungen zum Thema „Schutz von Insekten und Artenvielfalt“ geben könnte. 


Kreisgruppe besichtigt blühende Standorte in Eggenfelden

Im Rahmen einer Exkursion der Kreisgruppen-Vorstandschaft besuchten deren Mitglieder die blühenden Flächen der Aktion "Rottal-Inn blüht auf" in Eggenfelden. Alle Vorstands-Mitglieder waren sich einig, dass hier beste Arbeit geleistet worden sei. Vor allem die Resonanz aus der Bevölkerung habe gezeigt, dass der BN und die beteiligten Kommunen, allen voran die Pilot-Stadt Eggenfelden, hier genau den richtigen Weg eingeschlagen hätten.


Mit dem Radl zu den schönen Blüh-Flächen

Die Teilnehmer der Radl-Exkursion zu den Blüh-Flächen der Aktion „Rottal-Inn blüht auf“ in Eggenfelden mit Dr. Jürgen Riedler (5.v.l.), Bürgermeister Wolfgang Grubwinkler (6.vl.) und mit den Stadträten Helmut Gabriel (4.v.r) und Helmuth Lugeder (rechts).
Die „Wilde Karde“ wirkt auf Wildbienen wie ein Magnet.

Eggenfelden. Der stellvertretende Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzende Dr. Jürgen Riedler stellte im Rahmen einer abendlichen Radl-Exkursion interessierten Bürgern und Stadträten – allen voran Bürgermeister Wolfgang Grubwinkler - die sieben Wildblumenflächen vor, die im Rahmen der landkreisweiten Aktion „Rottal-Inn blüht auf!“ in der Pilotgemeinde Eggenfelden letztes Jahr neu angelegt wurden. Mit dieser Aktion will der Bund Naturschutz u.a. auf heimische Wildpflanzen als wichtige  Pollen- und Nektarlieferanten und auf die Schaffung naturnaher Lebensräume  für wildlebende Insekten wie Wildbienen  und Schmetterlinge  aufmerksam machen. Auch seien, so der BN, viele Gärten und öffentliches Grün leider geprägt von sterilen Rasen- oder Schotterflächen und exotischen Zierpflanzen, die für die heimischen Bestäuber wertlos wären.

„Die Wildblumensäume am Closenanger und Albanweg werden übrigens erst im März gemäht, um auch die Vogelwelt von dem Samenangebot profitieren zu lassen. So sind zum Beispiel für Stieglitze die Samen der Wilden Karde im Winter  ein Leckerbissen“, erläuterte Dr. Riedler, „während die Pflanze jetzt im Juli und August mit Ihrer ansprechenden  ringförmigen Blüte ein Wildbienenmagnet ist“.

Beeindruckt waren die Teilnehmer auch von den großen Samenständen des Färberwaid, aus dem bis ins Mittelalter der blaue Indigo gewonnen wurde. „Zahlreiche Redewendungen wie ‚Sein blaues Wunder erleben‘, ‚grün und blau schlagen‘  und ‚blau machen‘ kommen aus dieser Zeit“, erläuterte Dr. Jürgen Riedler, „aber auch der blaue Lein, der Flachs, zählt zu unseren ältesten Kulturpflanzen und war bis zum Siegeszug der Baumwolle die bedeutendste Pflanze für Textilien in Europa“.

Weiter erfuhren die Teilnehmer, dass aus der  Wurzel der Wegwarte (Cichorium intybus) eine Kaffee-Ersatzmischung, der „Zichorienkaffee“ hergestellt wurde, dass ihre himmelblauen Blüten nur einmal und nur  an Sonnentagen vormittags aufblühen und dass dieses  botanische Verhalten der Pflanze in der Steiermark den  volkstümlichen Namen „Faule  Gretl“ gegeben hat. Abschließend zeigte sich Dr. Jürgen Riedler erfreut über die große Resonanz, die die Einladung zu dieser Radl-Exkursion gefunden hatte und hofft im Zuge der Förderung der Artenvielfalt auf etliche Nachahmer in Privatgärten und öffentlichen Grünanlagen.


„Bufdi“ für die Kreisgruppe gesucht

Beispielhaftes Engagement für Natur und Umwelt: Hier beim Mähen einer Biotop-Fläche der bisherige "Bundesfreiwillige" beim Bund Naturschutz, Herbert Richly, für den jetzt ein Nachfolger / eine Nachfolgerin gesucht wird. - Foto: BN

Pfarrkirchen. Viele wertvolle und geschützte Pflanzenarten in den Biotopen des Rott- und Inntals haben bereits ihre Samen abgeworfen – nun darf also gemäht werden. Diese Art der Biotop-Pflege ist ein wichtiger Beitrag für den Erhalt der Artenvielfalt, um seltene Lebensräume zu bewahren und die darin vorkommenden Arten zu fördern und die durch die zunehmende Boden-Versiegelung und die Intensivierung der Landwirtschaft verschwundenen Lebensräume zu schützen. In Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband (LPV) führt der Bund Naturschutz (BN) deshalb unterschiedliche Pflegeeinsätze durch: Mähen von Wiesenflächen einschließlich Trockenrasen, Feuchtwiesen und Streuobstwiesen, Anlegen und Schneiden von Hecken und Mähgutausbringung von wertvollen Blumenwiesen auf Ausgleichsflächen etc.

Einen besonderen Beitrag leisten dabei die aktiven Mitglieder des BN, die sich freiwillig für den Naturschutz engagieren. Vor allem aber ist der "Bundesfreiwillige" (kurz: "Bufdi"), der nach den Richtlinien für Bundesfreiwilligendienst in Voll- oder Teilzeit eingestellt wird, nicht mehr von den vielen abwechslungsreichen Arbeiten wegzudenken. Von der Planung und Organisation bis zur Ausführung  eines Auftrages im Biotop ist sein Einsatz gefragt. Ebenso wirkt er oder sie beim Amphibienschutz genauso mit wie bei zahlreichen Aufgaben in der Geschäftsstelle.

 Anfang August 2017 beendet der derzeitige Bufdi, Herbert Richly, sein Freiwilliges Jahr beim BN. Somit wird diese Stelle wieder frei und sie ist nicht nur für Schulabgänger offen, sondern altersunabhängig auch für jeden an Naturschutzthemen interessierten Menschen. So würde sich die Geschäftsstelle in Pfarrkirchen sehr freuen, wenn sich Interessenten, ob männlich oder weiblich, wieder für dieses sehr sinnvolle, auf ein bis eineinhalb Jahre begrenztes Engagement unter Tel. 08561-3834 oder per Email: bn-rottal-inn@t-online.de melden würden.   - wh


BN in Arnstorf weiter mit bewährtem Team

(Klick vergrößert) - Die in ihren Ämtern bestätigte Vorstandschaft der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe „Kollbachtal“ in Arnstorf (vorne von links): Vorsitzende Katrin Veicht, Stellvertreter Herbert Weiss, Schatzmeister Hermann Koch und Schriftführerin Annegret Müller. Hinten von links die Beisitzerinnen Mia Schöpke und Monika Brunner, Mitarbeiterin Barbara Hilz sowie Beisitzer Dieter Treffer. - Foto: Hascher

Arnstorf. In der turnusgemäßen Jahreshauptversammlung der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Kollbachtal in Arnstorf standen diesmal Neuwahlen der Vorstandschaft an. In den Ämtern bestätigt wurde dabei das bestehende Vorstands-Team unter Leitung von Katrin Veicht.

Zunächst gab Hermann Koch als Schatzmeister einen Überblick über die Kassenlage, die sich nach seinen Worten zufriedenstellend zeige. Maria Watzl als Jugendleiterin schilderte dann die Aktivitäten ihrer „Umweltbande“, in der mittlerweile 20 Kinder sehr aktiv dabei seien: „Die Kinder und Jugendlichen zeigen wirklich sehr großes Engagement und entwickeln beachtliches Verständnis für die Belange des Naturschutzes, wobei natürlich Spiel und Spaß im Vordergrund stehen“, so Maria Watzl. Sie schilderte dann die zahlreichen Aktivitäten, die vom Bau von Fledermaus-Quartieren über Waldbegehungen, Gewässeruntersuchungen, Wald- und Pilzwanderungen bis hin zur Vogel-Exkursion, dem Bau von Nistkästen und der Teilnahme an Naturschutz-Zeltlagern und den Waldweihnacht-Ereignissen reichten. Die Jugend-Betreuerin erhielt für ihr Engagement große Zustimmung der Mitglieder und auch ein herzliches Dankeschön durch die Vorsitzende für ihre beispielhafte Jugendarbeit.

Katrin Veicht gab dann einen Überblick über die gesamten Aktivitäten in der Ortsgruppe. Das Programm habe von einer Waldexkursion mit besonderer Betonung auf dem Aspekt des Klimawandels und des damit verbundenen Wald-Umbaues bis hin zur Amphibien-Wanderung mit Erfassung der verschiedenen Amphibienarten im Frühjahr dieses Jahres gereicht. Sie erwähnte auch eine Vogelstimmen-Exkursion im letzten Jahr mit Hans Watzl, ein Terra-Preta-Workshop mit Edmund Schäffler, die Teilnahme an der Aktion „Rottal-Inn blüht auf“ und die Beteiligung an der Eröffnung der Arnstorfer Au. Leider buchstäblich ins Wasser gefallen sei jedoch das Streuobstwiesen-Fest. An demnächst anstehenden Aktionen erwähnte sie den Sensen-Dengel-Kurs am 27. Mai und auch eine Herbst-Pilzwanderung.

Nach der Entlastung der gesamten Vorstandschaft wurden die Neuwahlen durchgeführt, die das bewährte Vorstands-Team jeweils einstimmig in ihren Ämtern bestätigten: Vorsitzende ist wie bisher Katrin Veicht, zu ihrem Stellvertreter wurde erneut Herbert Weiss gewählt. Schatzmeister bleibt Hermann Koch, Schriftführerin ist auch weiterhin Annegret Müller. Zu Beisitzern wurden schließlich bestimmt: Mia Schöpke, Dieter Treffer, Monika Brunner und Edmund Schäffler. Die Vorsitzende dankte allen Aktiven und wünschte weiterhin gutes Arbeiten im Sinne des Natur- und Umweltschutzes. Zum Abschluss wurde noch der Film „Pflanzen – geheimnisvolle Lebewesen“ gezeigt. Er schilderte die erstaunlichen Dinge, die in der Welt der Pflanzen geschehen: Denn sie kommunizieren miteinander, sie spüren äußerst viel, sie sind untereinander vernetzt, warnen sich gegenseitig und entwickeln gemeinsame Abwehrstrategien. Der Film erläuterte, wie Pflanzen unglaublich lange vor dem Erscheinen des Menschen auf der Erde schon Strategien entwickelt hätten, die gemeinsames Überleben sicherstellen. In dem Film kamen auch Forscher zu Wort, die sich mit der Statik der Bäume, dem Kommunikationsverhalten der Pflanzen und der Abwehr von Feinden beschäftigen. Vorsitzende Katrin Veicht dankte abschließend allen Mitgliedern für die Beteiligung an der Jahreshauptversammlung und wünschte weiterhin ein gutes Arbeiten.    -wh


„Das Smartphone auch mal ausschalten“

Beim Vortrag am Gymnasium Eggenfelden über Gefahren der modernen digitalen Kommunikation für Jugendliche (v. links): Magelone Diehl-Zahner von der Katholischen Erwachsenenbildung Rottal-Inn-Salzach, Stellvertretender BN-Kreisvorsitzender Dr. Jürgen Riedler, Experte Peter Hensinger, Schulleiter Markus Enghofer und BN-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller. – Foto: Hascher

Eggenfelden. Zu einem Informations- und Diskussions-Abend über das Thema „Jugend in der digitalen Welt – sind Smartphones und Tablet-PCs Freiheit oder smarte Diktatur?“ hatte die Kreisgruppe Rottal-Inn des Bund Naturschutz zusammen mit der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) Rottal-Inn-Salzach in das Gymnasium Eggenfelden geladen. Referent war Peter Hensinger, Leiter des Bereichs "Wissenschaft" in der Verbraucherschutzorganisation „diagnose:funk e.V.“

Schulleiter Markus Enghofer begrüßte die zahlreich anwesenden Gäste und zeigte sich erfreut, einen Kommunikations-Fachmann am Gymnasium willkommen heißen zu können. BN-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller, gleichzeitig Rektor der Grundschule Eggenfelden, betonte, dass der BN als Institution, die den Schutz der Umwelt und damit das Wohl des Menschen als Zielsetzung hat, sich auch mit Risiken und Gefahren der digitalen Kommunikation befassen müsse, da hiervon großer Einfluss auf das menschliche Umfeld ausgehe. Dr. Jürgen Riedler als stellvertretender BN-Vorsitzender hob insbesondere hervor, dass die ungeheure Menge an persönlicher Information, die man den Kommunikations-Konzernen preisgebe, auch Auswirkungen auf das soziale Leben habe, dass man in diesem Umfeld zu einem gläsernen Menschen werde und damit die Gewinne der Konzerne steigere. Auch würden durch die kurzen Lebens-Zyklen der Smartphones und durch den immensen Abbau wertvoller Rohstoffe sowohl Umwelt wie auch Menschen in fremden Ländern geschädigt, so dass ein äußerst sorgsamer Umgang mit den Geräten und der damit verbundenen Informationsflut notwendig sei.

Peter Hensinger schilderte dann, dass 96 Prozent der Jugendlichen ein Smartphone besäßen: „Möglich ist damit natürlich viel Positives, zum Beispiel das Benachrichtigen von Freunden, aber es wird in den Kommunikations-Netzen alles gemessen, gespeichert, analysiert und mit diesen Informationen ein riesiges Milliarden-Geschäft angeschoben. Außerdem hat sich die Strahlenbelastung durch diese Funk-Kommunikation deutlich erhöht, und viele Studien weisen biologische Wirkungen der elektromagnetischen Strahlung nach. Zum Beispiel besteht siebenfaches Krebsrisiko bei Viel-Telefonierern. Das ist auch der Grund, warum an vielen Schulen die bestehenden WLAN-Netze durch Kommunikation auf Basis von Licht ersetzt werden.“ Er empfahl auch, die Geräte vom Körper entfernt zu halten und Hör-/Sprech-Garnituren zu benutzen.

Bezüglich der sozialen Effekte wies der Referent darauf hin, dass die Privatsphäre des Menschen fast völlig verloren gehe, denn es werde beispielsweise jeder Klick bei Google von rund 50 Firmen mit erfasst. Das damit verbundene Geschäft sei viele Milliarden Euro schwer, und der Mensch nur noch Zielobjekt für die Gewinnmaximierung der Konzerne. „Fachleute sagen mittlerweile, dass Kinder vor dem 14. Lebensjahr kein Smartphone bekommen und Eltern mit bewusster Handy-Nutzung auch Vorbild sein sollten“, empfahl der Experte. Und weiter: „Untersuchungen haben erwiesen, dass Aufmerksamkeit, Konzentration, die körperliche Bewegungsfreude und das Lernen durch die exzessive Handy-Nutzung gestört werden. Letztlich kann das zu einer veränderten Gehirn-Entwicklung, zur Reizüberflutung, zu Schlafstörungen, Konzentrations-Problemen und zu Verhaltens-Auffälligkeiten führen. Auch steigt der Stress bei Kindern, denen ein künstliches Weltbild gezeigt wird, das  auch noch mit Werbung gespickt ist. Die Kommunikation wird oberflächlicher und kann sogar zu Vereinsamung führen. Im Gegensatz dazu fördert das Lesen von Büchern die Gehirnentwicklung, da man sich zum Text die Bilder selbst im Gehirn erzeugen muss.“

Der Referent erwähnte auch ein mögliches Suchtverhalten, das sogar ärztliche Hilfe notwendig mache: „Zudem verlieren Eltern die Kontrolle über ihre Kinder, die sich beliebige und nachteilige Informationen beschaffen könnten“, so Peter Hennsinger, der allerdings einräumte: „Es geht nicht darum, Excel im Mathematikunterricht, die Datenerfassung in der Physik oder ein online-Nachschlagewerk zu verbieten. Doch dürfen wir nicht das Denken unserer Kinder der gierigen Konsumindustrie und den Medien überlassen. Vielmehr ist der menschliche Lehrer nach wie vor dringend erforderlich, unseren Kindern Wissen und Werte  zu vermitteln. Wir sollten auch mit ihnen gemeinsam spielen, Sport treiben und als Erwachsene stets Vorbild sein. Es geht darum, Kinder medienmündig zu machen. Und letztlich sollte man die Geräte auch des Öfteren einmal ausschalten.“   - wh


Papst: „Wir müssen das gemeinsame Haus erhalten“

Josef Holzbauer, Agrar-und Umweltreferent sowie Umweltbeauftragter des Bistums Passau beim Bund Naturschutz in Pfarrkirchen erläuterte am Beispiel einer Weltkarte: „Diese ganze Erde meint Papst Franziskus, wenn er uns in der Enzyklika ‚Laudato Si‘ dringend ermahnt, sie als unser gemeinsames Haus sorgsam zu schützen und nachhaltig zu handeln, um auch soziale Verwerfungen zu verhindern.“ - Foto: Hascher

Pfarrkirchen. Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe ging Josef Holzbauer, Agrar- und Umweltreferent sowie Umweltbeauftragter des Bistums Passau, auf die wesentlichen Aussagen der Enzyklika von Papst Franziskus „Laudato Si – über die Sorge für das gemeinsame Haus“ ein: „Die Arbeit des Bund Naturschutz hat stark damit zu tun, was Papst Franziskus fordert“, so der Referent, „nämlich den Erhalt einer lebenswerten Erde für alle folgenden Generationen. Die Erde ist im Sinne des Kirchen-Oberhauptes dabei unser gemeinsames Haus, für das wir sorgen müssen, und zwar auf ökologische und nachhaltige Weise. Auch fordert der Papst, dass den Worten jetzt deutliche Taten folgen müssten.“  - Der Referent schilderte dann, dass - laut Franziskus - die Umweltprobleme immer auch soziale Verwerfungen nach sich ziehen würden, dass aber die Menschheit noch die Fähigkeit besitze, in universaler Solidarität für die Erde zu sorgen.

Holzbauer weiter: „Der Papst spricht von Umwelt- und Wasserverschmutzung, Verlust der biologischen Vielfalt, dem Müllproblem, dem sozialen Niedergang und von den Bedürfnissen der Armen, wobei er sich auf wissenschaftliche Studien und deren Fakten bezieht. Er fordert von uns die Reduzierung von CO2-Emissionen durch Fossil-Brennstoffe, eine Kreislauf-Wirtschaft sowie die Abkehr von Gewinn-Maximierung, Maßlosigkeit und Technik-Hörigkeit. Franziskus sagt hierzu: Die Menschen setzen sich an Gottes Stelle.“  - Angemahnt werde vom Kirchen-Oberhaupt auch die Abkehr von der „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ und ein neues Gemeinwohl-Prinzip im Rahmen einer franziskanischen Schöpfungs-Spiritualität.

„Der Heilige Vater ermahnt uns ernsthaft“, so Josef Holzbauer, „diese Erde und letztlich auch uns alle selber zu schonen, den Fortschritt im Sinne von echter Nachhaltigkeit neu zu definieren und nicht nur in unserer eigenen Religion, sondern auch in Kooperation der Welt-Religionen untereinander in gemeinsamer Erkenntnis die Umkehr einzuleiten.“ Abschließend schilderte der Referent noch beispielhaft zahlreiche Aktivitäten, die im Bistum Passau eingeleitet worden seien, um in diesem Sinne zu handeln. Er nannte in diesem Zusammenhang Energieeinsparung, Recycling, Nutzung nachwachsender Rohstoffe sowie Verkehrs-Optimierung.

Eine intensive Diskussion der anwesenden Mitglieder und ein Dank des Ortsgruppen-Vorsitzenden an den Referenten bildeten den Abschluss dieser Mitgliederversammlung.  -wh


Klima: „Es ist schon nach Zwölf“

Bei der offiziellen Eröffnung der Ausstellung „Klima Faktor Mensch“ im Pfarrkirchener Hans-Reiffenstuel-Haus (v. links): Dr. Werner Wahlhiß (Landesanstalt für Umwelt), Bund-Naturschutz-Ortsvorsitzender Karl-Heinz Steiner mit seinem Enkel Samuel, Initiatorin Anja Gaßner, Bürgermeister Wolfgang Beißmann und stellv. Landrat Kurt Vallee. – Foto: Hascher
Karl-Heinz Steiner (rechts) bei seinem Fachvortrag. Links Bürgermeister Wolfgang Beißmann.

Anlässlich der im Pfarrkirchener Hans-Reiffenstuel-Haus abgehaltenen Ausstellung „Klima Faktor Mensch“ hielt der erste Vorsitzende der Bund Naturschutz-Ortsgruppe Pfarrkirchen, Karl-Heinz Steiner, ein fachliches Einführungs-Referat, das mit einer dringenden Aufforderung als Fazit endete: „Wir müssen bei unserem Energieverbrauch und unserer gesamten Lebensweise umdenken, um unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Welt zu hinterlassen.“

Bei der offiziellen Ausstellungs-Eröffnung mahnte auch Pfarrkirchens erster Bürgermeister Wolfgang Beißmann: „Es ist meiner Meinung nach bezüglich des Klimaschutzes nicht mehr „Fünf vor Zwölf“, sondern bereits „Kurz nach Zwölf“, und wir sollten darauf achten, dass der Zeiger dieser Uhr nicht noch weiter vorrückt. Denn wir greifen momentan bereits auf die Basis-Substanz der Erde zu. Diese Ausstellung soll dazu Fakten liefern, die zum Nachdenken über den Klimafaktor Mensch anregen und uns auch zu einem eigenen Umdenken und Handeln bringen sollen.“

Auch der Fachmann vom Bayerischen Landesamt für Umwelt, Dr. Werner Wahlhiß als Konzeptverfasser der Ausstellung, wies auf die Bedeutung des Klimawandels hin. Er schilderte die Faktoren „Ernährung, Konsum, Energieverbrauch und Mobilität“ als die wesentlichen Zugriffs-Momente, bei denen jeder einzelne etwas für die Umwelt tun könne. Die Ausstellung solle hierzu informieren, aufklären und zum Handeln anregen sowie eine Motivation dazu erzeugen.

In der fachlichen Eröffnungsrede erläuterte Bund-Naturschutz-Ortsvorsitzender Karl-Heinz Steiner zunächst die Bedeutung des Treibhaus-Effektes, der durch den steigenden Kohlendioxid-Gehalt in der Atmosphäre weiter gefördert werde: „Eigentlich ist das Kohlendioxid durchaus nützlich, weil es die Wärme auf der Erde hält – ähnlich einem Treibhaus, denn sonst wäre unser Planet eiskalt und unbewohnbar. Doch der Mensch stößt seit rund 200 Jahren im industriellen Zeitalter sehr viel Kohlendioxid zusätzlich zum natürlichen Vorkommen aus, so dass sich die Durchschnittstemperatur des gesamten Planeten seit 1880 schon um 1 Grad erhöht hat. Bei einer Erhöhung von rund 2 Grad wäre ein so genannter Kipp-Punkt für die Umwelt erreicht, und die Regenwälder, die Ozeane und das gesamte Klima würden in äußerst fataler Weise noch mehr geschädigt werden und ganz aus den Fugen geraten. Auch verbrauchen wir deutlich mehr an Ressourcen als natürlich nachgeliefert wird bzw. nachwachsen kann. „Diese Daten sind eindeutig und sollen nicht nur – sie müssen vielmehr – uns zum Nachdenken und zum wirksamen Handeln bringen“, schloss Karl-Heinz Steiner seine fachlichen Ausführungen.


Erfolgreicher Filmabend: Kühe auf die Weide!

Mit über 40 Landwirten sehr gut besucht war ein von der BN-Kreisgruppe  organisierter Film- und Diskussionsabend zum Thema „Naturgemäße Rinderzucht und –haltung“ in der Bacchusstub‘n in Eggenfelden. In den beiden Filmen des Regisseurs  Bertram Verhaag „Vom Glück der Tiere“ und „Das liebe Rindvieh“ kommen Rinderzüchter, Tierärzte und Bauern zu Wort, die der modernen Hochleistungsmilchwirtschaft den Rücken gekehrt haben. „Es freut uns sehr, dass gerade so viele Landwirte  gekommen sind. Wir alle wissen, dass die momentan falschen politischen und betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen industrielle Prozesse wie Intensivierung, Technisierung, Spezialisierung und Standardisierung in unserer Landwirtschaft fördern und die hauptverantwortliche Ursache des Höfesterbens und des zunehmenden Verlusts unser kleinbäuerlichen, bodengebundenen Landwirtschaft sind“, so Dr. Jürgen Riedler, der 2. Kreisvorsitzende des BN, in seiner Begrüßung der Filmabend-Besucher.

In den Filmen wurde anschließend verdeutlicht, dass eine tier- und artgerechte Haltung mit täglichem Weidegang und hofeigenes Futter in Form von Gras und Heu, muttergebundener Kälberaufzucht und einer Tierzucht auf Lebensleistung ein Schlüssel zu mehr Tiergesundheit seien. „Diese Kühe geben zwar weniger Milch als die Turbokühe, die das ganze Jahr über im Stall stehen und mit umweltbelastendem Sojaschrot, Mais-und Grassilage sowie mit Antibiotika zu Spitzenleistungen gepusht werden. Dafür halten das die heutigen Hochleistungskühe aber nur 2-3 Jahre durch und sind nach maximal 4 - 6 Jahren verbraucht.“ meint Dr. Günter Postler, ein Rinderzüchter und Wissenschaftler, der im Film zu Wort kommt. Ein Credo des Abends war, dass die Haltungs- und Lebensbedingungen den Tieren angepasst werden sollten und nicht umgekehrt. Der Neuburger Tierarzt Dr. Rupert Ebner plädierte im Film in diesem Zusammenhang, auch das grausame Enthornen der Rinder zu beenden - nur damit mehr Tiere in den Stall passen würden.

In der anschließenden regen und kritischen Diskussion gaben viele Landwirte zu bedenken, dass nur einige über genügend Weideflächen in Stallnähe verfügen würden und auch der zunehmende Straßenverkehr ein Problem für den Weidebetrieb bei uns darstelle.

In seinen Schlussworten gab Dr. Jürgen Riedler der Hoffnung Ausdruck, dass gerade bei uns im Rottal im Zeichen des Klima- und Erosionsschutzes wieder mehr Weidehaltungbetriebe entstehen sollten. Eine Möglichkeit wäre hier die Gründung bäuerlicher Erzeugergenossenschaften und die Direktvermarktung. Gerade die Verbraucher müssten aber ergänzend dazu mit einer stärkeren Nachfrage nach regionalen Produkten von Weidetieren in Form von Fleisch, Milch und Käse auch bereit sein, einen angemessenen Preis für hochwertige und gesunde Lebensmittel zu bezahlen – „denn Qualität gibt es nicht zum Nulltarif“, so Dr. Riedler abschließend.


Schöner Erfolg beim Simbacher Weihnachtsbasar

Auf reges Interesse von Seiten der Bevölkerung stieß der Info- und Geschenke-Stand der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe auf dem vorweihnachtlichen Markt am Kirchenplatz. Viele Bürger erwarben dann auch die zahlreichen großen und kleinen Weihnachtsgeschenke, wie z.B. Holzspielzeug, Vogel-Futterhäuschen, Schlüsselanhänger, handgefertigte Kerzen oder Handarbeiten. Aber auch Tees, Kuchen und Weihnachtsgebäck waren sehr gefragt. Und natürlich erhielten die Besucher auch fundierte Auskunft zu aktuellen Fragen des regionalen Natur- und Umweltschutzes oder auch ganz einfach zur richtigen Vogelfütterung im Winter. Laut Marianne Watzenberger, der Vorsitzenden der Simbacher Bund-Naturschutz-Ortsgruppe, wird auch heuer wieder der Verkaufserlös ausschließlich der aktiven Naturschutz- und Jugendarbeit zugute kommen, beispielsweise dem Schüler-Ferienprogramm oder den Kinder-Ausflugsfahrten.


„Hochwasserschutz ist eine Gemeinschaftsleistung“

Bei der Jahreshauptversammlung der Bund-Naturschutz Kreisgruppe (v. rechts): Pfarrkirchens Zweiter Bürgermeister Martin Wagle, Fachreferent Alexander Schraa vom Wasserwirtschaftsamt, BN-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller und sein Stellvertreter Dr. Jürgen Riedler. – Foto: Hascher
Ein großes Dankeschön erhielt anlässlich der Jahreshauptversammlung Uschi West, die fast zwei Jahrzehnte die Kinder- und Jugendarbeit in der Kreisgruppe wesentlich mitgeprägt hatte. - Foto: Hascher

Pfarrkirchen. In der diesjährigen Jahreshauptversammlung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe im vollen Schachtl-Saal präsentierte Kreisvorsitzender Matthias Schmöller zunächst die Aktivitäten der letzten zwölf Monate.

Er wies darauf hin, dass vor allem der Arten-, Flächen- und Biotopschutz vorrangige Bedeutung gehabt hatten. In diesem Zusammenhang nannte er die sehr gut besuchten Biber-Ausstellungen im Landkreis, das auf beste Resonanz gestoßene und noch weiter laufende Kommunal-Projekt „Rottal-Inn blüht auf“, die Amphibien-Schutzmaßnahmen und die zahlreichen Informations- und Film-Abende, darunter besonders die Veranstaltung über Glyphosphat, über den „Wald der Zukunft“ und über die Probleme des heutigen Wirtschaftssystems. Auch die Exkursion zur „Symbiotische Landwirtschaft“ sei nach seinen Worten ebenso auf große Resonanz gestoßen wie der Filmabend über das Donautal und die Aktionen gegen die TTIP- und CETA-Abkommen. Großen Wert legte Schmöller auf die Vorstellung der Kinder- und Jugendarbeit, nicht zuletzt im Rahmen der vielen Ferienprogramme. Er würdigte insbesondere Mitarbeiterin Uschi West, die 18 Jahre lang maßgeblich beteiligt war sowie Anne Hennersperger, die unlängst eine Kindergruppe im Bereich Massing gegründet hatte. Nicht zuletzt dankte er Marianne Watzenberger als Geschäftsstellen-Leiterin und Koordinatorin sämtlicher Kinder-und Jugendprojekte.

Schatzmeister Franz Schustereder gab dann eine Übersicht über die Finanzlage, die zufrieden stellend sei und deren vorbildliche Verwaltung durch Kassenprüfer Herbert Eggerdinger bestätigt wurde.

Pfarrkirchens 2. Bürgermeister Martin Wagle würdigte in seinem Grußwort die Arbeit des BN, die sich daran orientiere, den Lebensraum für uns alle zu schützen. „Immer mehr wird auch durch das Tun des Menschen die Natur geschädigt und verdrängt“, so Martin Wagle, „deshalb ist die Arbeit von Ihnen im Sinne der Umwelt und letztlich im Sinne des Menschen. Durch die Hochwasser-Katastrophe haben wir auch gezeigt bekommen, dass in der Natur noch mehr zu tun ist, zum Beispiel flächensparend und verdichtet zu bauen, ohne die ‚grüne Lunge‘ zu vernachlässigen. Ich bedanke mich für Ihr Engagement und wünsche auch weiterhin eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt Pfarrkirchen.“

Im Hauptreferat des Abends schilderte anschließend Alexander Schraa vom Wasserwirtschaftsamt Deggendorf, Dienststelle Pfarrkirchen, was zum Hochwasserschutz in Bayern getan werde und welche Strategien von behördlicher Seite her ergriffen würden. Er schilderte zunächst, dass es sich bei der zurückliegenden Katastrophe um ein 1000-jähriges Ereignis gehandelt habe, gegen das man sich nicht und in allen Bereichen komplett schützen könne. „Zur Zeit wird dieses Ereignis von Fachleuten bei uns und auch in Wien untersucht, konkrete Abfluss-Daten zum Beispiel für den Simbach werden wahrscheinlich im Frühjahr 2017 vorliegen“, so der Fachmann. Nach seinen Worten seien die meisten Schutzmaßnahmen auf 100-jährige Hochwasser-Ereignisse ausgelegt, man unterscheide insgesamt den technischen Hochwasserschutz, zum Beispiel durch Deiche, und den natürlichen Schutz durch Renaturierung von Gewässern oder natürliche Rückhalteflächen – all dies sei in der Summe durchaus wirksam. „Dem Menschen muss aber bewusst sein“, so Alexander Schraa, „dass auch jeder Einzelne etwas zum Schutz tun muss, beispielsweise durch entsprechende Baumaßnahmen, und dass die Kommunen sehr genau schauen müssen, wo Baugebiete ausgewiesen werden. Hochwasserschutz ist letztlich eine Gemeinschaftsleistung.“ Er schilderte auch neuartige Konzepte, wie beispielsweise den resilienten Ausbau von Deichen, der zwar bei extremem Ereignis überströmt werde aber nicht breche, auch die Gestaltung von Flutpoldern sei sehr wirksam. „Letztlich muss man immer ein Bündel an Schutzmaßnahmen unterschiedlicher Wirkungsweisen aufeinander abstimmen, und großen Wert auf natürliche Rückhalte- und Speichermöglichkeiten legen“, so der Fachmann abschließend, „immer muss aber abwägend auch auf ökologische Verträglichkeit, auf Landschaftsschutz, auf Förderung der Biodiversität und auf Erosionsverhinderung geachtet werden.“

Kreisvorsitzender Matthias Schmöller dankte dem Referenten und zeigte sich erfreut, dass man guten Kontakt mit der Wasserwirtschaft habe. Er legte auch Wert auf die Feststellung, dass der Bund Naturschutz die Schwerpunkte auf den natürlichen Schutzsystemen sehe, wenngleich es nicht ohne den rein technischen Hochwasserschutz gehen könne. „Wir fordern in diesem Zusammenhang auch immer wieder die Ausweitung und Realisierung von Uferrandstreifen-Programmen, den Schutz natürlicher Rückhalteflächen, den Erhalt von Auen- und natürlichen Fluss-Landschaften sowie den Erosionsschutz von Seiten der Flächenbesitzer und -bewirtschafter.“ – In der Diskussion hierzu forderten einige Zuhörer, dass gerade von politischen Akteuren und von Landwirtschafts-Behörden mehr wirksame Maßnahmen gegen Erosionsschäden gefordert werden müssten.   –wh


„Manche gewinnen - viele verlieren“

Einen Dank für das informative Referat zu den Problemen des heutigen Wirtschaftssystems an Prof. Dr. Christian Kreiss (Mitte) richteten Magelone Diehl-Zahner von der KEB-RIS und Dr. Jürgen Riedler vom Bund Naturschutz.

Eggenfelden. Gut besucht war eine Vortragsveranstaltung der Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN) in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung Rottal-Inn-Salzach(KEB-RIS)  zum Thema „Umweltgerechte und menschenwürdige Wirtschaft“. Interessiert verfolgte das  Publikum die Ausführungen des Hochschulprofessors und  ehemaligen Investmentbankers Prof. Dr. Christian Kreiss (Hier können Sie den gesamten Original-Vortrag herunterladen, pdf, 3 MByte): “Unbegrenztes Privateigentum an Grund und Boden, Geldvermögen und Unternehmen sowie eine Wirtschaft, die auf Zinseszins und Profitmaximierung beruht, ruinieren unser Land und führen seit  den letzten 35 Jahren zu einer zunehmender Ungleichverteilung der Einkommen.“  Und weiter: „Wachstumswahn und unkontrollierte Werbeflut  erzeugen in der Wirtschaft krebsartige Strukturen mit immerzu steigenden Ressourcen- und Energieverbräuchen und sind“, so der Referent, „nicht nachhaltig. Leistungslose Einkommen sollten  deshalb wieder dahin wo sie gebraucht werden: zu den leistungslosen Menschen – also zu Kindern, Kranken, Alten, Schülern und Studenten. Bereits im alten Israel gab es daher alle 50 Jahre  ein Erlassjahr, auf dass jedermann  wieder zu dem Seinen kommen solle“.

Ökonomisch voll bestätigt sieht Prof Kreiss die Aussagen  von Papst Franziskus in seiner Umweltenzyklika „Laudatio Si“, wonach unser Eigentums- und Zinssystem schlecht für unsere Umwelt sei und eine „Nach-uns- die- Sintflut“-Einstellung fördere. Als Beispiel erläuterte der Referent die  Kosten für Rückstellungen für Atomabfälle, die in die heutige Kalkulation nur in Cent-Beträgen einfließen und Atomstrom scheinbar billig machen würden.  Gesellschaftspolitische Lösungsansätze sieht Prof Kreiss  u.a. in der Einschränkung der Werbung, in der Änderung der Eigentümerstruktur unserer Medien und   in einer Trennung zwischen Wirtschaft, Politik und Kultur. „Wir brauchen eine Bannmeile für Lobbyisten um den Bundestag“, so der Referent abschließend, „und auch jeder Einzelne kann durch sein Konsumverhalten nach dem Motto ‚Wo kann ich auf Unnötiges verzichten?‘ zu einer Verbesserung  beitragen.“. Als Dank für sein aufschlussreiches Referat überreichten Magelone Diehl-Zahner von der KEB-RIS und der Stellvertretende Vorsitzende der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe, Dr. Jürgen Riedler, dem Referenten ein Dankes-Präsent. Hier nochmals zum Download des Original-Vortrages, pdf, 3 MByte.


Die Tanne als Hoffnungsträger im Klimawandel

Beim Vortrag zur Zukunft des Waldes (von links): Dr. Edgar Wullinger, Vorsitzender Ökologischer Jagdverband Bezirk Niederbayern (ÖJV), Johann Lindinger, 2. Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Eggenfelden-Arnstorf (WBV), Jakob Merk, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Gangkofen, Referent Dr. Georg Meister, BN-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller und sein Stellvertreter Dr. Jürgen Riedler sowie Maria Watzl, Stellvertretende Bereichsleiterin Forsten vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Pfarrkirchen. – Foto: Hascher

Dr. Georg Meister mit Vortrag zur Wald-Zukunft – Allianz zum Schutz der Tanne gefordert 

Pfarrkirchen. Die Kreisgruppe des Bund Naturschutz veranstaltete mit Unterstützung durch die Waldbesitzervereinigungen Gangkofen sowie Eggenfelden-Arnstorf im bis auf den letzten Platz voll besetzten Saal des Gasthauses Schachtl einen Vortrag mit Diskussion zum Thema "Die Zukunft des Waldes im Zeichen des Klimawandels“. Referent war der Buchautor und Forstdirektor i.R. Dr. Georg Meister, der langjähriger Mitarbeiter der Bayer. Staatsforstverwaltung, Planer des Nationalparks Berchtesgaden, langjähriger Leiter des Forstamts Bad Reichenhall war und Autor zahlreicher Fachliteratur ist.

In seinem Vortrag schilderte er, angereichert mit zahlreichen Lichtbildern, zunächst die Geschichte der Waldnutzung in Deutschland. „In neuer Zeit kommen hinzu die Käfer-Belastung und massiv der Klimawandel, der in vollem Gange ist“, erläuterte Dr. Meister. Und weiter: „Es wird mehr Wetterextreme geben, mehr Stürme und Starkniederschläge abwechselnd mit Trockenheit. In vielen Wäldern ist auch ein starker Humusschwund zu verzeichnen. Ein klimatoleranter Wald kann aber helfen, die schlimmsten Folgen des Klimawandels wie etwa Hochwasser, Waldbrände oder Wassermangel abzumildern. Die Wälder der Zukunft müssen drei Hauptaufgaben erfüllen: Sie sollten allen Menschen helfen, dass sich die Folgen des Klimawandels nicht allzu negativ auswirken, sie sollten einer waldtypischen Artenvielfalt dienen und sie sollten Waldbesitzern und der Holzindustrie ein befriedigendes Einkommen sichern. Dazu wird man einen angemessenen Anteil an Nadelholz benötigen. Und damit kommt“, betonte der Referent, „die heimische Tanne ins Spiel: Wenn künftig weniger stärkeres Fichtenholz auf den Markt kommt, kann Tannenholz die entstehende Lücke füllen. Die Tanne kann als wichtige Mischbaumart auch wesentlich dazu beitragen, Aufgaben des Umweltschutzes sowie einer waldtypischen Artenvielfalt zu erfüllen.“

Dr. Meister bedauerte sehr, dass Waldbesitzer, Förster, Jäger und Naturschützer in letzter Zeit oft gegeneinander arbeiteten. Er mahnte an, dass diese Gruppierungen dringend zusammenhelfen sollten, nämlich am „Weckruf zur Rettung der Tanne“. Denn damit könne die heutige Generation im Sinne einer vorausschauenden Nachhaltigkeit dafür sorgen, dass der Wald auch in 50 Jahren  Mensch und Natur befriedigend dienen könne. In diesem Zusammenhang sah er auch die Reduktion des Rehbestandes als wesentlichen Faktor. Dr. Meister: „Die Jagd sollte sich in diesem Sinne als Dienstleister für die ganze Gesellschaft sehen.“

Die anschließende Diskussion ergab eine breite Zustimmung zu den Vorschlägen von Dr. Meister. Kritik gab es an einer zu starken Holzentnahme besonders in Teilen des Staatswaldes, an Bodenzerstörungen bei der Holzbringung sowie an einer nach wie vor falschen Jagdstrategie mit zu geringen Abschüssen bei Rehwild, einem viel zu hohen Wildverbiss und zu vielen Zäunen im Wald. Der Referent betonte, dass bei der Holznutzung moderne Technik verwendet werden sollte, dass es aber dringend notwendig sei, diese Technik so weiter zu entwickeln, dass der Waldboden möglichst wenig geschädigt werde. Beispiele würden auch zeigen, dass durch eine andere Jagdstrategie  wieder waldverträgliche Wildbestände erreicht werden und der Wildverbiss so niedrig werde, dass auch junge Tannen in befriedigender Zahl aufwachsen können. Auch wurde geraten, dass Waldbesitzer mehr auf ihren Rechten bestehen und strenge Abschusszahlen durchsetzen sollten: „Die Waldbesitzer haben es in der Hand, dass die Wälder eine Zukunft haben.“ Der Referent mit einem Fazit: „Die nächste Generation hat nicht mehr die Entscheidung zwischen Fichte und Tanne, weil die Fichte keine Chance mehr haben wird. Unsere Generation muss das Problem jetzt lösen – zugunsten der Tanne in gesunden Mischwäldern.“

Der Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzende Matthias Schmöller, der als Veranstalter auch die Diskussion geleitet hatte, dankte allen Besuchern sowie dem Referenten und hoffte, „dass wir in Zukunft vielfältige und gesunde Wälder als Ausdruck des gemeinsamem Konsens-Willens haben und dass der Weckruf zur Tanne im Mischwald sich weiter ausbreitet. Wir beim Bund Naturschutz sind jedenfalls mit dabei.“  - wh


Schwammerl am Schellenberg: auch Raritäten dabei

Experten-Rat war sehr gefragt: Hier erläutern (von links) Gudrun – mit Parasolpilzen – und Gotthard Grimbs (mit einem Samtfußkrempling) bei der Schwammerl-Exkursion einige interessante Merkmale dieser Pilze. Neben ihnen Marianne Watzenberger als Organisatorin der Wanderung. – Fotos: Hascher
Eigenartiges Pilz-Gespann: eine Zungenkernkeule (links), die als Parasit an einem Hirschtrüffel – hier bereits aufgeschnitten – lebt und von diesem schmarotzt.
Rund 90 verschiedene Arten konnten die Pilzfreunde am Schellenberghaus zählen und sich von Gotthard Grimbs (links) viele gute Hinweise zu deren Merkmalen geben lassen.

Pilz-Exkursion des Bund Naturschutz Simbach – Der Hasenröhrling ist sehr selten

Simbach. Zwei Dutzend Pilzfreunde hatte sich in Kirchberg eingefunden, um an der seit über 20 Jahren von der Ortsgruppe „Unterer Inn“ des Bund Naturschutz durchgeführten Herbst-Schwammerl-Wanderung teilzunehmen. Die Leitung hatten wiederum die Experten Gudrun und Gotthard Grimbs übernommen, um Schwammerl-Interessierte mit Bestimmungs-Hinweisen, vielen Ratschlägen und auch Kochrezepten zu unterstützen.

Heuer war das Gebiet von Kirchberg hinauf zum Schellenberghaus als Such-Gegend von Organisatorin Marianne Watzenberger gewählt worden: „Wir wollen nicht Mengen von Schwammerln sammeln“, so die BN-Ortsvorsitzende, „es geht uns vielmehr darum, die auch im Zuge des Klimawandels sich ändernde Schwammerl-Welt zu beobachten und Arten und Verbreitung zu erfassen.“ Gotthard Grimbs ergänzte dazu: „Wir beobachten zunehmend, dass sich natürlich die Arten ausbreiten, die eigentlich in den wärmeren Gegenden vorkommen, was zu erwarten ist, denn auch die Wald-Vegetation ändert sich in dieser klimatischen Richtung.“

Doch trotz der nicht optimalen Schwammerl-Witterung, die in letzter Zeit geherrscht und dafür gesorgt hatte, dass man eher mit mäßiger Fund-Vielfalt rechnete, füllten letztlich immerhin 90 Arten die Sammelkörbe. Gotthard Grimbs bezeichnete dieses Ergebnis durchaus als "ordentlich für diese nicht optimale Saison". Eine wirkliche Besonderheit wurde auch entdeckt: der Hasenröhrling. Er ist ein sehr seltener, aber gut zu bestimmender und essbarer Pilz, der in manchen Ländern auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht. Bei der abschließenden Besprechung der Funde am Schellenberghaus hatten sich auch noch andere Pilz-Enthusiasten zusätzlich eingefunden, sie alle konnten viel vom reichen Erfahrungsschatz der beiden Experten profitieren, die auch einige Küchen-Tipps parat hatten.

Genau gruppiert auf Tischen erläuterten die Schwammerl-Fachleute viele Details zu den Funden. Zu den genießbaren zählten z.B. der Rotfußröhrling, der Frauentäubling, die Ziegenlippe, die Maronen, Steinpilze und Parasolpilze, der Goldröhrling, der Perlpilz, der Butterröhrling und der Schopftintling. Hingewiesen wurde auch darauf, dass man manche Pilze erst nach Hitzebehandlung genießen dürfe. „Interessant gleichermaßen der Birkenporling, den der Gletschermann Ötzi auch bei sich hatte, denn schon vor über 5000 Jahren wusste man um die blutstillende  und antiseptische Wirkung dieses Pilzes“, wie die Experten den aufmerksamen Naturfreunden erläuterten.

Aber auch zahlreiche ungenießbare oder gar giftige Schwammerl wurden gefunden – und auch sie dienten als gutes Anschauungsmaterial, da Gudrun und Gotthard Grimbs viele spezielle Details erläuterten. Zunächst mahnten sie jedoch zu einer Grundregel: „Was man nicht genau kennt und als genießbar einstufen kann, soll man stehenlassen, auch nicht einfach ausreißen und wegwerfen, denn jeder Pilz, ob Delikatesse oder höchst gefährlich, hat eine wichtige Funktion im Naturhaushalt“, lernten die Teilnehmer, „denn entweder arbeitet der Pilz altes Holz auf oder er hilft den Bäumen bei deren Versorgung“. Genau erläutert mit eindringlicher Warnung wurden dann der Kahle Krempling, die verschiedenen Knollenblätterpilze, der Fliegenpilz, der porphyrbraune Wulstling, der Pantherpilz, der grünblättrige Schwefelkopf und der Risspilz. Interessantes erfuhr man auch über ein eigenartiges und nicht häufiges Pilz-Gespann: eine Zungenkernkeule, die als Parasit an einem Hirschtrüffel existiert und von diesem schmarotzt.

Abschließend wiesen die Experten noch darauf hin, dass man bei Verwendung von Bestimmungsbüchern stets neueste Ausgaben verwenden solle: „Denn oft führen neue wissenschaftliche Erkenntnisse dazu, dass früher als genießbar erachtete Pilze heute nicht mehr als solche gelten, da sie mehr Wechselwirkungen im Körper hervorrufen als früher vermutet“, so Gotthard Grimbs abschließend, dem Organisatorin Marianne Watzenberger als Vorsitzende der BN-Ortsgruppe ebenso dankte wie seiner Frau Gudrun für ihre vielen Tipps und Hinweise rund um die Schwammerlwelt.   -wh


Achtsam sein bei den Schwammerln

BN-Ortsvorsitzender Karl-Heinz Steiner (Mitte) bei einer ersten Begutachtung verschiedener Pilz-Arten anlässlich der Schwammerl-Exkursion im Ederhölzl. Der junge Pilzfreund im Hintergrund hat einen sehr praktischen „Schwammerl-Rucksack“ mit dabei, der sehr luftdurchlässig aufgebaut ist. – Fotos: Hascher
Pilz-Expertin Anna Hauser (Mitte) erläuterte zum Abschluss der BN-Exkursion viele Einzelheiten zu den gefundenen Pilzen. Hier erklärt sie gerade die typischen Merkmale eines Knollenblätterpilzes.

Pfarrkirchen. Erneut hat es sich die schon traditionelle Schwammerl-Exkursion der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Pfarrkirchen unter Leitung des Vorsitzenden Karl-Heinz Steiner zur Aufgabe gemacht, in einem bestimmten Gebiet die Vielfalt der vorkommenden Schwammerl-Arten unter die Lupe zu nehmen. Heuer hatte die Gruppe sich das Gebiet im Ederhölzl vorgenommen. Organisator Karl-Heinz Steiner bemerkte zunächst, dass mit dem im Gefolge des Klimawandels stattfindenden Wald-Umbau sich auch die Pilz-Welt verändern werde, weil ja Pilze durch ihren gemeinsamen Lebensraum mit ganz spezifischen Baum-Arten ebenfalls diesen Veränderungen unterworfen seien. „Die Pilze leben in einem sehr engen biologisch-chemischen Verbund mit den Bäumen“, erläuterte Karl-Heinz Steiner einleitend, „und am Ende eines Baum-Lebens sorgen die Pilze dann dafür, dass das Holz aufgearbeitet wird. Pilze und Bäume sind letztlich aufeinander angewiesen. Hier im Ederhölzl findet man allerdings von Haus aus eine klimatolerante Mischung verschiedener Baum-Arten im Sinne einer potenziell natürlichen Vegetation, wir haben hier die Buche, die Kiefer, die Eiche, die Fichte, Tanne und die Hainbuche, so dass sich auch die entsprechenden Pilz-Arten finden lassen.“

Bei der anschließenden Exkursion fanden die Teilnehmer dann rund 40 verschiedene Schwammerl-Arten, das sind etwas weniger als man bei Exkursionen in den früheren Jahren feststellte. Wie Karl-Heinz Steiner dazu erläuterte, sei sicherlich auch das sehr trockene Wetter der letzten Wochen mitverantwortlich für die etwas geringere Ausbeute: „Aber wir wollen ja nicht eine Riesen-Menge finden, sondern nur jeweils einzelne Pilz-Exemplare, um sie zu bestimmen und um aus den Arten auf die Umweltverhältnisse zu schließen und in künftigen Jahren auch Veränderungen feststellen zu können. So gewinnt man letztlich einen sehr guten Überblick über die lokalen Pilzarten.“

In den Sammel-Körben landeten dann einige essbare Varianten, zum Beispiel der Semmelstoppelpilz, der Ockertäubling, der rehbraune Dachpilz und der violette Lacktrichterling, der trotz seiner bläulich-violetten Farbe eher nicht zum Essen einlädt, der aber dennoch ein passabler Speisepilz ist. Die überwiegende Anzahl der gesammelten Pilze ist allerdings der Kategorie „ungenießbar“ bis „sehr giftig“ zuzuordnen, wie die am Ende der Exkursion hinzugezogene Schwammerl-Expertin Anna Hauser bei der genaueren Bestimmung der einzelnen Pilz-Arten bestätigte. Unter diesen Exemplaren fanden sich der grünblättrige Schwefelkopf, mehrere Arten der Knollenblätterpilze, der Kartoffelbovist, der netzstielige Hexenröhrling und der seinem Namen alle Ehre machende Speitäubling. Anna Hauser wies abschließend darauf hin, dass es auch unter den hier vorkommenden Pilzen solche gebe, die beispielsweise giftverdächtig sind, wie der ebenfalls gesammelte brandige Ritterling, und dass manche erst in allerjüngster Zeit von der Wissenschaft für giftig erklärt worden seien, wie beispielsweise der Grünling, der zu schweren Muskelschädigungen führe. „Es ist also sehr wichtig, dass man sich mit den Schwammerln gut auskennt und nie leichtsinnig wird“, so die Expertin, „und dass man immer nur allerneueste Bestimmungs-Literatur zurate zieht, denn nur so ist sichergestellt, dass man aktuelle Informationen zur Verfügung hat“, mahnte die Schwammerl-Spezialistin zum Abschluss der Exkursion.  – wh


Symbiotische Landwirtschaft: Viel Positives für Tiere, Umwelt und Menschen

(Ein Klick auf ein Bild öffnet Vergrößerung und die ganze Bilder-Serie)

Eggenfelden. Über eine so große Resonanz freute sich Dr. Jürgen Riedler als stellvertretender Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz: Rund 50 interessierte Gäste wollten bei der Betriebsbesichtigung auf den Landwirtschafts-Flächen des Unternehmers Ulrich Brunner in Eggenfelden und Arnstorf mit dabei sein und mehr über die „Symbiotische Landwirtschaft“ erfahren. Dabei handelt es sich um ein Konzept, wie Dr. Jürgen Riedler einleitend erwähnte, das von Karl-Ludwig Schweisfurth stammt. Dieser aus der industriellen Fleischverarbeitung stammende Unternehmer hatte vor rund 30 Jahren der Fleischindustrie den Rücken gekehrt und begann auf dem Gut Hermannsdorf bei Glonn, südöstlich von München, Schweine nach den Grundsätzen der ökologischen Landwirtschaft zu halten. „Aus dieser Zeit stammt auch“, so Riedler, „das Zitat von Karl-Ludwig Schweisfurth: „Fleisch von gequälten Schweinen aus industrieller Massentierhaltung kann keine lebensfördernde Nahrung für uns Menschen sein.“

Im Betrieb von Ulrich Brunner wird nun dieses Konzept seit bereits fünf Jahren mit großem Erfolg umgesetzt. „Resultate sind hochwertige direkt vermarktete Lebensmittel von ausgezeichneter Qualität ganz ohne Antibiotika, Massentierhaltung und Gen-Soja“, so Ulrich Brunner in einer kurzen Erläuterung. Und weiter: „Das Prinzip ist, dass die Tiere ein gutes Leben haben, Gutes zu fressen bekommen und am Ende einen würdevollen Tod sterben. Ihr Fleisch soll am gleichen Ort ganz frisch verarbeitet werden.“ Wie Dr. Riedler ergänzend erläuterte, sei das ganze Konzept, das vom Bund Naturschutz sehr befürwortet werde, keinesfalls Öko-Romantik, sondern das heute im Zeitalter der Lebensmittel-Skandale und der Massentierhaltung gutartig Denkbare und Machbare. Und er zitierte erneut Karl-Ludwig Schweisfurth, der gesagt hatte: „Fleisch muss wieder kostbar und wertvoll werden. Lieber halb so viel, dafür dreimal so gut“.

Bei der anschließenden Betriebsbesichtigung in Eggenfelden und bei Arnstorf, an der auch sehr viele interessierte Landwirte teilnahmen, zeigte sich dann deutlich, dass dieses Konzept gut geeignet erscheint für kleinere Nebenerwerbs-Landwirte mit Flächen ab 4 ha Größe. Schweine und Hühner leben bei Ulrich Brunner miteinander in festen aber mobilen Stallungen, die auf den Wiesenflächen aufgestellt sind und die je nach Bedarf weiterbewegt werden können. Auf symbiotische (also sich ergänzende) Weise schützen die Schweine dabei die Hühner vor Raubzeug, die Hühner sind dem Schweinen dann bei der Hygiene-Arbeit behilflich. Wie Ulrich Brunner erläuterte, sei hier mit wenig Maschinen-, Kapital-, Zeit- und Arbeitseinsatz ein extensives System realisierbar, das ohne Pestizide oder Antibiotika auskomme und eine artgerechte Freiland-Tierhaltung sicherstelle. Man vermeide auch lange Transportwege, importiere nicht Futtermittel rund um den Globus, habe nicht die Umweltschäden und den Chemie- und Medikamenten-Einsatz der industriellen Massentierhaltung, lasse die Tiere bestmöglich artgerecht leben, sorge für absolut stressfreies Schlachten und könne gute Fleischprodukte aus der Region anbieten.

In seinem Dank an Ulrich Brunner, der alle Teilnehmer auch mit hervorragenden Essens-Kostproben bewirtete, betonte der stellvertretende BN-Kreisvorsitzende: „Wünschenswert wären bei uns im Landkreis Rottal-Inn sicherlich in diesem Zusammenhang viele Initiativen von Landwirten in Form von Erzeuger-Genossenschaften mit Direktvermarktung hochwertiger Produkte und auch direkter Verarbeitung, beispielsweise in Form der Haltung von Freiland-Schweinen, Weidelämmern oder Rindern. Das wären sehr gute Wege aus den vielen Zwängen der industriellen Landwirtschaft und der Agrar- sowie Chemie-Industrie, die sowohl für den Naturschutz als auch für die Landwirtschaft und die Verbraucher viel Positives bewirken könnten.“              wh


An den Bauernverband - so geht es nicht: BN ist kein "geistiger Brandstifter"

Großflächig abgeschwemmter Maisacker bei Gschöd nach der Hochwasserkatastrophe: Schwere Maschinen (wie an den Reifenspuren zu sehen) verdichten den Boden immer noch mehr. Die Pfützen verschwinden auch nach Tagen nicht. - Foto: Hascher

 BN-Leserbrief zum PNP-Artikel vom 02.07.2016: „Etzel warnt vor geistiger Brandstiftung“:

Vom Unterschied zwischen Ursachen und Auswirkungen

Die Ursachen der jüngsten Hochwasserkatastrophe im Landkreis waren die schlimmen Unwetter mit ihren massiven Starkregenereignissen. Darüber besteht klarer Konsens. Diesbezüglich wird uns in Zukunft kaum etwas anderes übrig bleiben, als effektive Hochwasserschutz- und Renaturierungsmaßnahmen zu ergreifen und endlich viel stärker als bisher vorsorgenden Klimaschutz in allen Bereichen zu betreiben. Darauf muss unser Hauptaugenmerk liegen und hierin dürften wir uns hoffentlich alle einig sein.
Für uns und für viele Betroffene und Beobachter liegt aber ebenfalls auf der Hand, dass die Auswirkungen der Katastrophe durch die auch in unserer Region so verbreitete Monokulturisierung in der Landwirtschaft sehr wohl zumindest verstärkt wurden. Beachten Sie, meine Herren vom Bayerischen Bauernverband, bitte genau den inhaltlichen Unterschied zwischen Ursache und Auswirkung. Wir sprechen, sehr geehrter Paul Schwarz, ausdrücklich nicht nur von der speziellen Simbacher Situation mit noch existierenden Wildbächen bzw. weit von den Bächen liegenden Hangmaisfeldern, sondern wir sprechen von vielen Orten und Kommunen innerhalb und außerhalb des Landkreises und wir sprechen von den Problemen des Maisintensivanbaus in Hanglagen mit Bodenverdichtung, mangelnder Rückhaltefähigkeit der Böden, fehlenden Fruchtfolgen und Erosionsschäden insgesamt. Woher kommt wohl ein großer Teil des Schlamms in den Bächen, der in die Häuser und Gärten der Menschen gespült wurde?
Diese offensichtlichen Probleme, gegen die unbestritten viele Landwirte etwas zu tun bereit sind, können nicht geleugnet werden und sie werden auch durch verbale Entgleisungen nicht gelöst. Bezeichnen Sie, sehr geehrter Kreisobmann Hermann Etzel, uns tatsächlich als geistige Brandstifter? Das ist eine schwere und kaum nachvollziehbare persönliche Beleidigung unter ehrenamtlich Aktiven. Bislang war der Umgang der Verbände in unserer beider Amtszeit zwar durchaus von Meinungsunterschieden oder unterschiedlichen Sichtweisen geprägt, aber in Ton und Umgang doch stets verbindlich und kooperativ. Wenn Sie dieses unausgesprochene Gentlemen`s Agreement nun derart mit Füßen treten, wirft das wahrlich kein gutes Licht auf die Art und Weise, wie Sie mit unliebsamen oder unbequemen Meinungen umgehen. Die gesamtgesellschaftliche öffentliche Anerkennung und Wertschätzung, nach der Ihr Verband so sehr verlangt, wie zuletzt wieder durch Ihren Präsidenten Joachim Rukwied auf dem Deutschen Bauerntag in Berlin, bekommen Sie so bestimmt nicht. Meine persönliche übrigens auch nicht mehr.

Matthias Schmöller
Kreisvorsitzender BUND Naturschutz Rottal-Inn


BN fordert: Endlich Konsequenzen aus Hochwasserkatastrophe

Exemplarische Bilder aus dem Einzugsgebiet des Simbachs belegen die enormen Ackerabschwemmungen nach den Starkregenereignissen (die ersten beiden Bilder). Das unterste Bild zeigt einen Maisacker, dessen verdichteter Boden auch drei Tage nach dem Unwetter das Wasser (im Gegensatz zur Wiese nebenan) noch nicht aufgenommen hat.

Die dramatischen Folgen der Hochwasserkatastrophe vom 1. Juni 2016 sind für die BUND Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn (BN) ein Alarmsignal, welches endlich dazu führen müsse, dass wesentlich konsequenter als bisher der Klimawandel bekämpft wird und endlich vorbeugende Schutzmaßnahmen zur Reduktion der Folgen der Klimaerwärmung ergriffen werden.

In ihrer Pressemitteilung stellt die BN-Vorstandschaft fest, dass als zentrales Kennzeichen des Klimawandels in unserer Klimaregion sowohl die Sturm- als auch die Niederschlagsintensität zunähmen. Gleichzeitig käme es aber auch zu immer längeren Phasen der Trockenheit wie beispielsweise im Sommer 2015. Die Extreme zwischen Trockenheit und Nässe würden immer größer. „Niemand kann sich mehr sicher sein“, so der BN-Kreisvorsitzende Matthias Schmöller, „dass er nicht von den Folgen des Klimawandels unmittelbar betroffen wird. Deshalb ist es umso wichtiger, den Klimawandel im Rahmen dessen, was jetzt noch möglich ist, zu reduzieren.“ Eine Änderung der Verkehrspolitik, weg von Straßenbau und Förderung des Straßenverkehrs hin zu einer Förderung der Schiene und des ÖPNV, sei deshalb ebenso längst überfällig wie eine klimaverträglichere Landwirtschaft. Dazu sei es erforderlich, dass die Agrarpolitik Rahmenbedingungen schaffe, damit Landwirte wieder umweltverträglich produzieren und davon auch leben könnten. „Rottal-Inn ist natürlich nicht zuletzt auch deshalb so massiv von den Starkregenfällen betroffen, weil wir hier ein Zentrum des Maisanbaus in Bayern haben. Schon seit vielen Jahren sind in unserer Region bei Starkregen die höchsten Bodenabträge zu verzeichnen“, so der BN-Vorsitzende weiter. „Laut Erosionsatlas der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft ist unser Landkreis ein Hochrisikogebiet. Die mit Abstand meisten Erosionsschäden gehen auf Maisanbau in Hanglagen zurück.“ Mit 25.000 Hektar Anbaufläche zähle Rottal-Inn zu den Schwerpunkten des Maisanbaus in Bayern.

Der BN fordere deshalb, dass nicht nur den großen Flüssen mehr Platz gegeben werde, sondern dass überall dort, wo es möglich sei, dezentrale Hochwasserrückhaltemaßnahmen ergriffen würden, wie zum Beispiel durch den Bau sogenannter Grünbecken. Gleichzeitig müsse die Wasserrückhaltefähigkeit in der gesamten Landschaft durch bodenschonende Landbewirtschaftung, durch Umwandlung von Ackerflächen in Wiesen und Weiden, durch Renaturierung von Mooren und durch Renaturierung von Fließgewässern verbessert werden. Auch Waldbaumaßnahmen seien dringend notwendig, wie der stellvertretende BN-Vorsitzende Dr. Jürgen Riedler ergänzt. „Der Waldboden in einem naturnahen, gestuften Laubmischwaldwald hat mehr als die fünffache Wasserspeicherfähigkeit im Vergleich zur reinen Fichtenmonokultur. Leider sind noch immer 60% unserer Wälder im Landkreis von Fichten geprägt. Hier wäre ein Umbau aus Gründen der Hochwasserschutzvorsorge dringend angeraten.“ Auch die enorme Bodenverdichtung durch schwere Forstgeräte wie den Harvester sei schlecht für die Wasserspeicherkapazität.

„Entscheidend für uns alle wird es sein, die Rückhaltefähigkeit der Böden zu verbessern, das heißt die Bodenverdichtung, wie sie gerade beim Maisanbau entsteht, zu reduzieren und den Humusgehalt in den oberen Bodenschichten wieder aufzubauen“, ist sich Matthias Schmöller sicher. Unbedingt müssten auch Gewässerrandstreifen verpflichtend werden, um den Eintrag von Schlamm in die Gewässer zumindest erheblich zu verringern. Notwendig sei ebenso eine deutliche Verringerung des in Bayern nach wie vor viel zu hohen Flächenverbrauchs und der Bodenversiegelungen durch Baugebiete und Straßenprojekte, denn pro Jahr verlöre der Landkreis rund 200 Hektar wertvollen landwirtschaftlichen Bodens unter Asphalt und Beton.

„Viele BN-Aktive sind massiv durch das Hochwasser geschädigt worden oder waren als Helfer aktiv. Wir wissen also genau, wovon wir reden. Das Wetter können wir sicherlich nicht ändern, aber wir müssen zumindest versuchen, die selbstgemachte Wucht der Auswirkungen zu reduzieren“, appelliert die BN-Vorstandschaft an die Öffentlichkeit, ernsthafte Konsequenzen aus der Katastrophe zu ziehen und nachhaltig zu handeln.


Natur in eindrucksvollen Bildern

Über die Multivisions-Schau „Das Naturschutzgebiet Donauleiten von Passau nach Schlögen“ des Fotografie-Experten Ingo Zahlheimer (Mitte) freuten sich am Karl-von-
Closen-Gymnasium Eggenfelden (von links) Studienrat Matthias Röckl, Schulleiter Oberstudiendirektor Markus Enghofer, Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller und sein Stellvertreter Dr. Jürgen Riedler. - Foto: Hascher
Die bedrohte Äskulapnatter war eine der Tierarten, die in eindrucksvollen Lichtbildern dem Publikum gezeigt wurde. - Foto: Zahlheimer

Eggenfelden. Das Naturschutzgebiet "Donauleiten" zwischen Passau und Schlögen ist Lebensraum für über 1000 Tier- und etwa 400 Pflanzenarten, darunter auch Äskulapnattern, Hirschkäfer, Smaragdeidechsen, Feuersalamander und viele mehr. All dies sind Arten für die dort vorkommenden kühlen und feuchten Bachtäler sowie für die ebenfalls anzutreffenden sonnenexponierten Felswände. Diese Natur-Vielfalt zeigte der mehrfache Gewinner nationaler und internationaler Medien-Preise, Ingo Zahlheimer, auf Einladung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn in einer Multivisions-Fotoschau in der Aula des Karl-von-Closen-Gymnasiums in Eggenfelden.

Der Fotograf, der seine vielfältigen High-Tech-Aufnahme-Varianten auch als Mediengestalter künstlerisch optimal kombiniert, wurde vom Schulleiter, Oberstudiendirektor Markus Enghofer, begrüßt: „Da wir am Gymnasium auch großen Wert auf Umweltbildung legen, passt dieser Multivisions-Vortrag sehr gut an unsere Schule.“

Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller dankte dem Gymnasium für die Gastfreundschaft und freute sich, einen auch international preisgekrönten Fotografie-Experten als Vortragenden zu haben. Er wies darauf hin, dass der gezeigte Donauraum ein für die Ökologie und die Artenvielfalt sehr wertvolles Gebiet sei: „Uns als Bund Naturschutz ist es wichtig, mit solchen Veranstaltungen erstens die Artenkenntnis an ein breiteres Publikum weiterzugeben und zweitens auch die ästhetischen Aspekte an der Natur zu vermitteln, denn was man an Schönem kennt, das schützt man auch.“ Sein Dank galt gleichermaßen dem stellvertretenden Kreisvorsitzenden Dr. Jürgen Riedler als Initiator und Studienrat Matthias Röckl für die Organisation.

Einleitend zu seinem in siebenjähriger Aufnahme- und Gestaltungsarbeit entstandenen Multivisions-Vortrag gab Ingo Zahlheimer, der im letzten Jahr sein Abitur in Passau abgelegt hatte und der demnächst ein Geographie-Studium beginnen möchte, den Grund an, warum er genau dieses Gebiet für seine aufwändigen Foto-Aufnahmetechniken gewählt hat: „Die Schönheit der Natur fasziniert mich vor allem auch im Lauf der Jahreszeiten.“ In technisch perfekter Art gab dann die Präsentation einen tiefgehenden Einblick in die Natur des Donauleiten-Gebietes. Sehr prägnant und sensibel ausgewählte Musik-Sequenzen ergänzten dabei akustisch den visuellen Eindruck auf der Bild-Leinwand. Hierbei lösten sich - in technisch perfekter Art kombiniert - Standbilder, Animationen, Stroboskop-Aufnahmen, Zeitraffer- und Langzeit-Belichtungen sowie Makro-Aufnahmen und Filmsequenzen einander ab, sodass man insgesamt von der rund 50 Minuten dauernden Präsentation den Eindruck eines Films gewinnen konnte.

Bezüglich der Motiv-Auswahl zeigt Ingo Zahlheimer dabei auch seine einfühlsame Sichtweise der Landschaft, der Flora und Fauna in den Donauleiten: Nebelstimmungen, Nachtaufnahmen, Sonnen-Motive, Landschafts-Übersichten, Tier- und Makro-Aufnahmen von Pflanzen lösen sich dabei ab, die Motive jeweils in perfekter technischer Detailtreue. Nicht zuletzt die eindrucksvollen Bilder der sehr bedrohten Äskulapnatter zeigten, wie schützenswert dieses Gebiet entlang der Donau doch ist. Ingo Zahlheimer hat auch diesen Aspekt der Naturbetrachtung in optisch-technischer Perfektion, kombiniert mit künstlerischer Bildgestaltung und Präsentation sowie Musik-Untermalung, dem Publikum am Gymnasium hervorragend präsentiert. „Wer nicht dort war, hat etwas versäumt“, schloss der Bild-Künstler unter dem Beifall des Publikums seinen Vortrag.   -wh


"Land muss von Bauern, nicht von der Industrie bewirtschaftet werden"

Beim Informationsabend über Glyphosat (v. links): Alfred Hainthaler von der Kath. Landvolkbewegung, BN-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller, Agrarreferent Karl Bär vom Umweltinstitut, Edith Lirsch von der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft und Erwin Schneiderbauer vom Bund Deutscher Milchviehhalter. - Foto: Hascher

Pfarrkirchen. Die Zulassung für Glyphosat, den in Deutschland und weltweit am meisten eingesetzten Wirkstoff zur Unkrautvernichtung - häufiger Handelsname: "Roundup" - läuft Ende Juni in der EU aus. Im Mai muss nun entschieden werden, ob das Mittel erneut zugelassen wird. Um nun alle Fakten rund um das Glyphosat darzustellen, veranstaltete die Kreisgruppe des Bund Naturschutz in Kooperation mit der Katholischen Landvolkbewegung, dem Bund Deutscher Milchviehhalter, der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft, dem Kreisverband Bayerischer Imker und der Katholischen Landjugendbewegung Rottal-Inn einen Informationsabend.

Für den Bund Naturschutz begrüßte Kreisvorsitzender Matthias Schmöller die Zuhörer im voll besetzten Schachtl-Saal: "Am 18. bzw. 19. Mai will die EU-Kommission endgültig über die Glyphosat-Wiederzulassung entscheiden. Als Berichterstatter-Land kommt Deutschland eine besondere Verantwortung zu. Für den Bürger sind die Fakten rund um dieses Unkrautvernichtungsmittel schwer nachzuvollziehen. Deshalb haben wir diese Informationsveranstaltung angeregt." Damit begrüßte Schmöller den Experten Karl Bär, Agrarreferent beim Umweltinstitut München.

"Glyphosat ist ein Totalherbizid, es wird durch alle grünen Blattteile aufgenommen, in der Pflanze weitertransportiert und blockiert die Produktion bestimmter Aminosäuren, infolgedessen welkt die Pflanze und stirbt ab. Glyphosat ist im menschlichen Körper mittlerweile nachweisbar, die Weltgesundheitsorganisation stuft Glyphosat mittlerweile als krebserregend ein", begann der Experte.

Es gebe Glyphosat seit 1974 vom Agrarchemie-Weltkonzern Monsanto, so Karl Bär weiter. Der Grund für die vom Konzern forcierte Vermarktung sei, dass Monsanto auch Pflanzen entwickelt habe,  die Roundup widerstehen - die „Roundup ready"-Pflanzen, die die Landwirtschaft deshalb auch kaufen solle. Und so ist Glyphosat mittlerweile das am meisten verwendete Herbizid der Welt, es werde in Deutschland auf 40 % aller Ackerflächen eingesetzt, entweder oft vor der Aussaat, kurz nach der Aussaat und nach der Ernte.

Der Vorteil für den Landwirt sei u.a., dass Arbeitsschritte, z.B. das Pflügen, eingespart würden und dass deshalb der Glyphosat-Einsatz auch umweltfreundlich wegen der Einsparung von Kraftstoff sei.

"Glyphosat wird heute eingesetzt auch im Gartenbau, zum Grünlandumbruch, im Obstbau, sogar auf Friedhöfen und in Privatgärten. Dabei ist es nur für Kulturpflanzen zugelassen, verboten ist es z.B. im Privatgarten, in kommunalen Bereichen wie z.B. Friedhöfen oder Garageneinfahrten", so Karl Bär. Er nannte auch die Bahn als größten Anwender, der allein pro Jahr 90 Tonnen Wirkstoff brauche, um den Gleis-Unterbau freizuhalten.

"Ein weiterer Einsatzbereich in der Landwirtschaft ist die Sikkation", erläuterte der Referent, "dabei wird die Pflanze abgetötet, damit sie trocken wird, dies ist nur auf Teilflächen erlaubt und zur Abwendung von Schäden, z.B. bei erheblichen zu erwartenden Ernteverlusten bei Getreide und Leguminosen. Erlaubt sind im Kalenderjahr nur max. zwei Behandlungen im Abstand von mindestens 90 Tagen."

Glyphosat sei mittlerweile in Oberflächengewässern und in Brunnen sowie in allen Formen von Getreiden und Leguminosen nachgewiesen, dazu auch bei Tier und Mensch im Urin und in Organen, sogar in der Muttermilch. Es sei offensichtlich widerstandsfähig gegen viele Formen der thermischen Behhandlung wie Backen und Brauen.

"Studien belegen", so Karl Bär, "dass beim Menschen akute Effekte wie Haut- und Augenreizung, Schwindel, Kopfschmerzen und Husten auftreten, Glyphosat stört die Zellteilung, auch schädigt es nützliche Bakterien im Darm. Auch bei Tieren gibt es Fehl- und Missbildungen. Von der Politik werden entsprechende Studien als 'nicht den Standards genügend' zurückgewiesen."

Unter dem Wirkstoff leiden würden auch Insekten wie z.B. Bienen, deren Futtergrundlage durch Glyphosat zerstört werde und die zusätzlichen Stress erleiden würden. Darüber hinaus würden nützliche Pilze zerstört, überhaupt das ganze Bodenleben mit den vielen Kleinlebewesen, so der Referent. Geschädigt würden auch Wasserorganismen wie Fische und Wasserflöhe, dazu die Amphibien, die ohnehin bereits auf der roten Liste stünden. Karl Bär bilanzierte: "Es leidet die gesamte Artenvielfalt in der Natur, dadurch geht die  Stabilität des Ökosystems verloren."

"Wahrscheinlich ergibt sich im Mai ein Kompromiss mit Verlängerung der Zulassung aber mit kürzerer Laufzeit und anderen Einschränkungen wie z.B. kein Verkauf an Privathaushalte oder Kommunen", vermutete Karl Bär. Und weiter: “Es müsste letztlich eine Umstellung der Landwirtschaft auf ökologische Arbeitsweise erfolgen. Man sollte die Zulassungsverfahren ändern, die Einflüsse der Industrie ausschalten, nur wissenschaftlich und transparent und unabhängig bei den Bewertungen und Entscheidungen arbeiten. Denn schließlich muss unser wertvolles Land von verantwortungsbewussten Bauern, nicht von der Industrie und der zugehörigen Lobby bewirtschaftet werden. Auf Dauer kommen wir um einen größeren Umbau in ökologische Richtung nicht umhin", schloss der Referent seine Ausführungen.

In der anschließenden Diskussion wurde als Alternative die mechanische Unkrautbekämpfung genannt, auch solle man durchaus ein paar Unkräuter hinnehmen, um weniger Spritzmittel einsetzen zu können. Landwirte hätten mittlerweile leider keinen Einfluss mehr, das Spritzen sei zum Muss geworden, und die Firmen würden Spritzmittel und geeignetes Saatgut aus Gewinnstreben in den Markt drängen. Gefordert sei aber auch der Verbraucher, der sich endlich entschließen solle, lieber etwas mehr zu bezahlen, aber dafür gesunde Umwelt und Nahrung für die nächsten Generationen zu haben.


Von Wildpflanzen, Hexen und Liebeszauber

Bund-Naturschutz-Ortsvorsitzende Marianne Watzenberger bedankte sich bei Dr. Gertrud Scherf (links) für den interessanten Vortrag im Heimatmuseum. - Foto: Hascher

Simbach. Ihren Abschluss fand die im Heimatmuseum seit Anfang April abgehaltene Ausstellung „Wildpflanzen der Stadt“ durch einen Lichtbilder-Vortrag der Ausstellungs-Mit-Initiatorin Dr. Gertrud Scherf. Sie hatte viel Interessantes zum Thema „Wildpflanzen der Stadt in Mythos, Magie und Brauchtum“ zu berichten.

Nachdem Marianne Watzenberger für den Bund Naturschutz als Veranstalter und auch die 3. Bürgermeisterin Christa Kick die rund 60 Vortrags-Besucher im Heimatmuseum begrüßt hatten, schilderte die Referentin zunächst, dass man immer schon den Pflanzen besondere Eigenschaften zugesprochen hatte: „Über den unmittelbaren Nutzen als Nahrungs-, Gewürz- und Arzneipflanze hinaus hat man seit Urzeiten schon Zauberkräfte mit bestimmten Pflanzen, auch und gerade denen vor der Haustür, verbunden. Sie sollten beispielsweise für Glück, Schönheit, Gesundheit, Reichtum und Liebe sorgen oder böse Geister fernhalten. Auch das Brauchtum bediente sich vieler zugedachter Eigenschaften der Pflanzen, beispielsweise des Bärlauchs oder der Schlüsselblume als Schutz vor Hexen in der Walpurgisnacht.“

Dr. Gertrud Scherf schilderte auch, mit eindrucksvollen Lichtbildern ergänzt, wie man beispielsweise mit der Wegwarte früher das Glück aktiv herbeizwingen wollte oder wie man hoffte, mit dem Eisenkraut oder der Brennnessel bei einem anderen Menschen Liebe und Zuneigung erwecken zu können. Und als Beispiel für die Kräuter der „Sympathiemedizin“ nannte sie das Schöllkraut oder den großen Wegerich, die nicht zuletzt  durch magische Kräfte heilen sollten – wenngleich sehr wohl bekannt war, dass beispielsweise das Schöllkraut beim Verzehr sich als giftig erwies, aber als Amulett getragen eben eine mystisch-heilende Wirkung entfalten sollte.

In der Landwirtschaft hatte man dem „Gundermann“ besondere Bedeutung beim Milchzauber zugesprochen: „Wenn die Kühe zu wenig Milch gaben“, so die Referentin, „vermutete man oft Verzauberung dahinter, die man mit Gundermann, Weihwasser und Salz im Stall aufzuheben hoffte. Und das Johanniskraut wurde nicht nur als Arzneimittel wegen seiner bekannten Wirkungen genutzt, sondern es erinnerte beispielsweise mit seinem roten Saft an das Blut Jesu und sollte deshalb bei Blutungen schützen. Das Johanniskraut sollte aber auch wegen seiner gelben Blüten den ebenfalls gelben Blitz fernhalten. Zu diesem Zweck wurde es an die Fenster gesteckt oder aufs Hausdach geworfen. Und sogar bei angezauberter Liebe sollte das Johanniskraut helfen.“

Dr. Gertrud Scherf berichtete auch, dass man zahlreiche Pflanzen nicht zuletzt auch als Orakel benutzt hatte, zum Beispiel den Klatschmohn, dessen Blütenblätter beim Klatschen darauf durch das erzeugte Geräusch kundtun sollten, ob man Erfolg in der Liebe haben würde. „Und der uns allen bekannte gewöhnliche Löwenzahn wurde nicht nur in der Pflanzenheilkunde zur Anregung des Magen-Darm-Traktes verwendet“, so Gertrud Scherf, „der weiße Milchsaft sollte auch beim gegenseitigen Sich-Bestreichen den jeweiligen Partner schön und begehrenswert machen. Oder: Je mehr der Flugsamen man wegblasen konnte, so viele Jahre sollte man angeblich noch leben.“

Die Referentin erklärte natürlich, dass diese magischen Eigenschaften, die man früher den Pflanzen zugedacht hatte, heute nicht mehr gesehen werden, sehr wohl aber noch viele reale Arzneimittel-Wirkungen, die man in der modernen Phytotherapie heute noch mit großem Erfolg anwende. Dennoch sei es sehr interessant, in all den Mythen, Erzählungen und Sagen nachzuforschen, welche über die medizinische Wirkung hinausgehende Bedeutung manche Pflanzen gehabt hätten.

„Aber auch wir brauchen heute noch die Pflanzen“, so schloss Dr. Gertrud Scherf ihren Vortrag, „natürlich nicht wegen der mystischen Bedeutung, sondern wegen der Wirkung als Pflanzen-Arzneimittel und vor allem auch deshalb, weil wir uns durch die Wertschätzung aus der früheren Zeit anregen lassen sollten, gerade heute die Natur und die Pflanzen achtsam und schonend zu behandeln.“

Nach einem begeisterten Applaus der Besucher wurden noch zahlreiche Fragen an die Referentin gestellt, die auch noch in der Ausstellung auf manch interessantes Exponat in diesem Zusammenhang hinwies. Marianne Watzenberger bedankte sich abschließend bei Frau Scherf mit einem Präsent für Ihre interessanten Ausführungen, und gab noch bekannt, dass über 500 Besucher die Ausstellung gesehen hätten und auch die vier Rahmenprogramm-Veranstaltungen bestens besucht worden waren.          - wh


Im Ederhölzl den Vogelstimmen gelauscht

Einige der Teilnehmer bei der Vogelstimmen-Exkursion im Ederhölzl. Hier erläutert Exkursionsleiter Walter Sage (vorne, 2. v. links) gerade einige Vogelarten. In seiner Hand ein kleiner elektronischer Stift, der hunderte Vogelstimmen gespeichert hat und sie auf Knopfdruck zu Lernzwecken vorspielt. In der Mitte (mit Fernglas) der Ortsvorsitzende des Bund Naturschutz, Karl-Heinz Steiner und rechts (ebenfalls mit Fernglas) der LBV-Vorsitzende Hubert Szücs. –Foto: Hascher

Pfarrkirchen. Etwa 20 natur- und vogelkundlich interessierte Teilnehmer fanden sich zu einer Vogelstimmen-Exkursion im Ederhölzl ein. Organisiert hatte diese Exkursion, die in Kooperation mit dem Landesbund für Vogelschutz unter Führung des Flora- und Fauna-Experten Walter Sage stattfand, der Bund-Naturschutz-Ortsvorsitzende Karl-Heinz Steiner, der auch die Teilnehmer begrüßte. Steiner zeigte sich sehr erfreut, dass das Interesse an dieser Veranstaltung, die - im Jahres-Rhythmus abgehalten - nun schon zum 16. Male stattfinde, ungebrochen groß sei, vor allem auch bei jungen Naturfreunden. "Der Nutzen unserer Exkursion ist hauptsächlich, zu erkunden, wie sich die Vogelwelt in den verschiedenen Lebensräumen im Bereich Pfarrkirchen über die Jahre hinweg entwickelt und welche markanten Veränderungen festzustellen sind", ergänzte Exkursionsleiter Walter Sage, der sich auch mit Karl-Heinz Steiner einig war, dass wegen des kalten Wetters wahrscheinlich etwas weniger "Aktivität" in der Vogelwelt herrsche, wenngleich die grundlegenden Verhaltensweisen wie Revierabgrenzung, Familienaufbau und Futtersuche stets gleich wären, weil sie von der Jahreszeit bestimmt würden.

Bei der anschließenden Wanderung im Ederhölzl konnten dann über 20 verschiedene Vogelarten entweder an ihrem Gesang oder optisch direkt mit den Ferngläsern erkannt und bestimmt werden. Hauptsächlich die Revier-Abgrenzungs- und Kontakt-Aktivitäten konnten an den Rufen und Gesängen erkannt werden. Interessant zu hören waren beispielsweise der Kernbeißer, der Zaunkönig, die Singdrossel, der Kleiber und der Zilpzalp.

Als Besonderheit ließ sich auch ein Waldlaubsänger hören; darüber hinaus waren neben den vielen anderen Vogelarten auch die in Pfarrkirchen bekannten Dohlen und der Buntspecht zu hören. Walter Sage hatte für die Vogelfreunde auch eine interessante und sehr moderne "Lernhilfe für Vogelstimmen" vorgeführt: einen elektronischen Stift, der bei Antippen eines bestimmten Vogel-Bildes in einem zugehörigen Bestimmungsbuch gleich dessen Stimme aus einem kleinen Lautsprecher ertönen ließ. Dies und noch vieles andere über Leben und Lebensräume der Vögel, über Evolutions-Biologie und über die Bedrohung durch die Aktivitäten des Menschen erfuhren die Teilnehmer während der Wanderung. Ein Dank galt zum Abschluss dem Exkursionsleiter Walter Sage für seine umfangreichen und fundierten Erläuterungen.   -wh


Junge Blumen-Künstler im Heimatmuseum

Schauten den jungen Künstlern beim Basteln der Blumen-Karten über die Schulter (v. links): Dr. Gertrud Scherf, Naturpädagogin Marianne Watzenberger, Dieter Scherf und Museumsleiterin Franziska Rettenbacher. - Fotos: Hascher
Einige der Kinder zeigten zum Schluss ihre kleinen Kunstwerke mit den blütenbestückten Karten.

Simbach. Sehr gut angekommen ist im Heimatmuseum der Kindernachmittag, der im Rahmen der derzeit laufenden Ausstellung "Wildpflanzen in der Stadt" abgehalten wurde. Naturpädagogin Marianne Watzenberger hatte sich einiges einfallen lassen, um den Kindern einiges an Neuem rund um Wildpflanzen spielerisch zu vermitteln.

Auf ganz besonderes Interesse stieß dabei das Selber-Gestalten von kleinen Wildpflanzen-Bildkarten: Marianne Watzenberger hatte dabei für die Kinder postkartengroße Kartons vorbereitet, die auf einer Seite mit doppelseitigem Klebeband bestückt waren. Auf der offenliegenden Klebefläche konnten nun kleine Blätter und vor allem Blüten angebracht werden, die durch leichten Druck auch problemlos anhafteten.

Die Wildpflanzen-Blüten und Blätter wurden natürlich vorher selber gesucht, und zwar direkt auf der Wiese vor dem Heimatmuseum, die nicht gemäht ist und die deshalb eine Vielzahl an kleinen Blumen und Blütenkelchen anbot. Marianne Watzenberger ging mit den jungen Blumen-Künstlern hinaus, erklärte alle Pflanzen, wusste auch viel über ihre Eigenarten zu erzählen und empfahl auch einige, die sich besonders für die Bildgestaltung der Karten eigneten: Wiesenschaumkraut, Günsel, Gundermann, Löwenzahn, Gänseblümchen und  Hirtentäschel waren nur einige, die fleißig gesammelt wurden und dann im Museum künstlerisch zu schönen Bildern auf den Karten angeordnet wurden.

Auch Museumsleiterin Franziska Rettenbacher und die Haupt-Initiatoren der Ausstellung, Dr. Gertrud Scherf und Dieter Scherf waren mit dabei, schauten den jungen Blumen-Künstlern über die Schultern und lobten deren Eifer beim Gestalten der kleinen Kunst-Karten. Ihr einhelliges Urteil: So können die Kinder auf spielerische Weise einiges über die Blüten und Pflanzen lernen und gleichzeitig kleine Kunstwerke schaffen, die sich übrigens, wie Marianne Watzenberger abschließend bemerkte, auch sehr gut als Geschenke beispielsweise zum kommenden Muttertag eignen. Jedenfalls nahmen die jungen Künstler ihre Werke dann sehr erfreut mit nach Hause.  - wh


Besucher-Andrang bei "Wildpflanzen in der Stadt"

Über die zahlreichen Gäste bei der Eröffnung der Ausstellung "Wildpflanzen in der Stadt“ freuten sich im Simbach Heimatmuseum (von links): Pflanzen-Experte Professor Michael Hohla, Museumsleiterin Franziska Rettenbacher, BN-Ortsvorsitzende Marianne Watzenberger, die Konzept- und Ideengeber Dieter und Dr. Gertrud Scherf, BN-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller sowie Schirmherrin und dritte Bürgermeisterin Christa Kick. - Fotos: Hascher
Äußerst kurzweilig schilderte Prof. Michael Hohla Details zur Wildpflanzen-Botanik aus der Simbacher Bahnhofsgegend sowie aus der Stadt und der näheren Umgebung.
Über 100 interessierte Gäste, darunter auch der frühere Bürgermeister Günther Wöhl (Mitte) betrachteten die Exponate der Ausstellung, führten Fachgespräche und ließen sich auch thematisch passende Appetit-Häppchen schmecken.

Simbach. Die im Jahre 2015 von der PNP-Lokalredaktion in Kooperation mit dem Bund Naturschutz veranstaltete Leser-Fotoaktion „Mauerblümchen – wenig beachtete Naturschönheiten in der Stadt“ stieß damals schon auf große Resonanz. Und auch die Eröffnungsveranstaltung zu der aus dieser Fotoaktion abgeleiteten Ausstellung im Heimatmuseum unter dem Titel „Wildpflanzen in der Stadt“ konnte einen in dieser Form kaum erwartetes Besucher-Interesse verbuchen: Man hatte mit rund 50 Eröffnungsgästen gerechnet – gekommen sind rund 120 Natur-Interessierte, die die Fotos, die zugehörigen ausführlichen Erläuterungs-Texte sowie andere Exponate rund um das Thema der Wildpflanzen-Flora in und um Simbach gleich zu Beginn der Ausstellung sehen wollten.

In ihrer Begrüßung konnte die Vorsitzende der Simbacher Bund-Naturschutz-Ortsgruppe, Marianne Watzenberger, neben den Haupt-Initiatoren und Konzeptgebern zu dieser Veranstaltung, dem Ehepaar Dieter und Dr. Gertrud Scherf, auch die Schirmherrin und dritte Bürgermeisterin, Christa Kick, begrüßen. Sie hieß auch die Museumsleiterin Franziska Rettenbacher, Prälat Alois Messerer, Vertreter der Banken sowie des Kreistages und Stadtrates, der Schulen, Kindergärten und die Vereinsvertreter, nicht zuletzt aus dem benachbarten Oberösterreich, herzlich willkommen. Dazu auch den Haupt-Referenten des Abends, Professor Michael Hohla sowie den Kreisvorsitzenden des Bund Naturschutz, Matthias Schmöller. Sie bedankte sich beim Museums-Förderverein und in Abwesenheit bei Altbürgermeister Richard Findl sowie bei der Stadt Simbach für die gute Zusammenarbeit.

Die Vorsitzende betonte, dass die oft unscheinbaren Wildpflanzen, die man in der Stadt durchaus antreffen könne, sehr schützenswert seien. In diesem Sinne dankte sie dem Ehepaar Scherf, dass diese Ausstellung jetzt einen fundierten Überblick über die Welt der oft nicht beachteten Schönheiten dieser Pflanzenwelt zeige. Dieter Scherf wies anschließend auf die Entstehung der Ausstellung und das von Dr. Gertrud Scherf gestaltete Grundkonzept der Ausstellung hin, das in acht Stationen unter anderem darstelle, was Wildpflanzen überhaupt sind, welche ökologische Bedeutung für Tiere und Menschen sie haben, welche Lebensbedingungen sie brauchen, welche Rolle sie in Medizin, Kunst, Malerei und Mystik spielen und welcher Gefährdung sie zum großen Teil unterliegen: „Wir wollen mit dieser Ausstellung auch vermitteln, dass sich die Pflanzenwelt sogar dort entwickelt, wo wir es eigentlich nicht erwarten.“

Schirmherrin Christa Kick betonte: „Schlagzeilen in dieser heutigen Zeit befassen sich oft mit grellen Dingen dieser Welt – hier haben wir es aber mit eher unscheinbaren Pflanzen zu tun, und sie lehren uns in ihrer Unscheinbarkeit Demut und Ehrfurcht vor der Schöpfung. So ist diese Ausstellung auch zum Nachdenken anregend, eben über das unscheinbare, das man im Getriebe einer Stadt leicht übersehen kann. Die Ausstellung hier zeigt deshalb in Bild und Text eindrucksvoll, wie schön und nützlich doch diese Pflanzen sind."

Diesen Gedanken schloss sich auch Museumsleiterin Franziska Rettenbacher an, die wünschte, dass alle Besucher der Ausstellung dann mit anderen Augen durch die Stadt gehen sollten. Bund- Naturschutz-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller richtete ebenfalls einen herzlichen Dank an das Ehepaar Scherf und betonte, dass die Ausstellung einerseits viel an Wissen um ökologische Zusammenhänge, aber auch zahlreiche Aspekte zur ästhetischen Weiterbildung gebe.

In seinem Lichtbildervortrag wies der Hauptreferent des Eröffnungs-Abends, Prof. Michael Hohla, darauf hin, dass die Stadt Simbach und insbesondere die Gegend rund um den Bahnhof besonders interessant für Natur- und Pflanzenliebhaber sei: "Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Wild- und so genannten Ruderal-Pflanzen bereits vor rund 130 Jahren hier in Simbach vom Apotheker August Loher erfasst und detailreich aufgezeichnet worden sind. So haben wir einen guten Vergleich zur heutigen Zeit. Dies ist insofern bedeutsam, da sich die Natur laufend ändert. Wir finden viele Pflanzen, die sowohl heimisch sind wie auch durch den Verkehr, eben durch die Bahn, herangebracht wurden. Leider sind seit damals schon viele Pflanzen ausgestorben. Aber auch heute noch ist die Bahnhofs-Gegend ein Paradies für zum Teil seltene Pflanzen aber auch für die zugehörige Tierwelt.“ Michael Hohla zeigte dann in äußerst kurzweiliger Art zahlreiche Bilder von Pflanzen und hatte auch einige Anekdoten aus der Welt der Botaniker parat. Der Vortrag wurde mit großem Applaus bedacht.

Beim anschließenden Steh-Empfang konnten sich dann die Besucher gleich einen Überblick über die Exponate verschaffen, wobei die angebotenen Appetit-Häppchen auch unter dem Aspekt des kulinarischen Bezugs zu schmackhaften Pflanzen standen. - Die Ausstellung ist noch bis einschließlich 1. Mai zu den üblichen Öffnungszeiten Dienstag, Freitag und Sonntag zu sehen.


Große BN-Familienexkursion: Dem Biber auf der Spur

Besonders erfreulich war bei der Biber-Exkursion des Bund Naturschutz, dass sich sehr viele Kinder für die Lebensweise dieses wasserliebenden Tiers interessierten. In der Mitte (braune Jacke) Biberberater Roland Menzel von der Unteren Naturschutzbehörde, rechts neben ihm der stellvertretende Kreisvorsitzende des BN, Dr. Jürgen Riedler. - Foto: Richter-Pöhlmann

Hebertsfelden. Die Bund Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn veranstaltete zusammen mit dem Biberberater Roland Menzel von der Unteren Naturschutzbehörde eine sehr gut besuchte Führung in einem beeindruckenden Biberbiotop im Gemeindebereich Hebertsfelden. „Angesichts der langen 'Roten Listen' der im Landkreis vom Aussterben bedrohten Tier-und Pflanzenarten ist die Heimkehr des Bayerischen Ureinwohners in unsere  Heimat einer der größten Erfolge des Naturschutzes, denn mit dem Biber haben wir es mit einer Schlüsselart an Gewässern zu tun, von der viele andere Tier-und Pflanzenarten wie z.B. Fische, Amphibien, Reptilien, Libellen  und Vogelarten wie Schwarzstörche, Spechte und Eisvögel profitieren. Außerdem leistet der Biber einen enormen Beitrag zur Renaturierung von Gewässern, zur Hochwasserrückhaltung und zur Stärkung der Selbstreinigungskraft“, so der stellvertretende BN-Kreisvorsitzende Dr. Jürgen Riedler in seinen einleitenden Worten. Nach einem sehr aufschlussreichen Referat über die Lebensweise und Biologie des Bibers betonte Biberberater Roland Menzel, „dass es sich beim Biber um eine nach europäischen  FFH-Richtlinien und Bundesnaturschutzgesetz besonders streng geschützte Art handelt: Ohne vorherige Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt dürfen diese Tiere nicht gefangen oder auch Biberdämme beseitigt oder beschädigt werden,  ansonsten macht man sich strafbar und das Ganze kann mit Freiheitsstrafe oder empfindlichen  Bußgeldern geahndet werden. Leider gibt es auch in diesem Revier in letzter Zeit immer wieder Probleme mit Dammzerstörungen gegen die wir einschreiten werden.“ Konflikte entstünden vor allem dort, wo Biber und Menschen denselben schmalen Uferstreifen nutzten. Zu 90% entfernten sich Biber nicht weiter als zehn Meter vom Ufer. „Wir Biberberater finden Lösungen für fast jedes Problem mit Bibern und manche Konflikte lassen sich erstaunlich einfach beseitigen- manchmal reicht ein wenig Maschendraht“, so das Resümee von Roland Menzel zum Abschluss der Exkursion. 


Die Bio-Kennzeichnungen besser kennenlernen

Thomas Lehner, Leiter des Fachzentrums für ökologischen Landbau vom Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten in Niederbayern, gab anlässlich der BN-Hauptversammlung in Pfarrkirchen einen Überblick über die aktuellen Bio-Kennzeichnungen auf Lebensmitteln. Hier erläutert er gerade praxisnah zahlreiche Details zum neuen bayerischen Bio-Siegel. – Foto: Hascher

Pfarrkirchen. Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe gab Vorsitzender Karl-Heinz Steiner zunächst einen umfassenden Überblick über die zurückliegenden Aktivitäten. Diese hätten neben einer Vogelstimmen-Exkursion am Rottauensee auch eine Besichtigung des Wasserkraftwerks von Stadtpfarrer Hans Eder mit der sehr gut angelegten Fischtreppe umfasst. Auch sei wieder im Rahmen des Ferienprogramms in den Rottauen eine Wasseruntersuchung mit Bestimmung der Kleinlebewesen im "Grünen Klassenzimmer" erfolgt. Und man war mit einem Stand auf der Rottaler Herbstschau recht erfolgreich vertreten gewesen. Zusätzlich habe die traditionelle Herbst-Schwammerl-Exkursion trotz des sehr trockenen Wetters eine erstaunliche Vielfalt an Pilzen gezeigt, die auch alle genau bestimmt werden konnten. "Mein Dank gilt in diesem Zusammenhang", so Karl-Heinz Steiner, "allen Aktiven und Mitgliedern, die wieder teilgenommen und sich engagiert haben."

Nach dem Kassenbericht durch Norbert Riedel, der eine zufrieden stellende Finanzlage ergab, schilderte zweiter Vorsitzender Erhard Scheffel einige Fakten aus den Stellungnahmen, die der BN Pfarrkirchen als Träger öffentlicher Belange abzugeben hatte. Sein Fazit: Es würden in Planungen zwar oft naturverbessernde Maßnahmen erwähnt, aber oftmals nicht in dem gewünschten Maße realisiert. Scheffel weiter: "Letztlich gibt es dann zu viel eintönige Standard-Begrünung statt einer Blumenvielfalt, statt Hecken, Laubbäumen, Streuobstwiesen und abwechslungsreichen Bepflanzungen. Gerade diese Flächen-Ausgestaltungen wären viel naturnaher, sie würden eine Biotop-Vernetzung fördern und würden ein ausgezeichnetes Mikroklima mit großer Artenvielfalt fördern. Auch Amphibien-Schutzmaßnahmen werden von uns weiter angemahnt."

Im anschließenden Fachvortrag informierte Thomas Lehner, Leiter des Fachzentrums für ökologischen Landbau vom Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (AELF), Deggendorf, zunächst über die Anzahl der Öko-Betriebe in Bayern, die ständig steige, was nicht zuletzt auch auf die Milchpreis-Problematik zurückzuführen sei. „In Ostbayern ist allerdings bezüglich ökologischem Landbau noch viel Luft nach oben“, fuhr der Experte fort und ging auf die Praxis dieser Form der Landbewirtschaftung ein, die verschiedene zu beachtende Punkte umfasse. Darunter seien im Wesentlichen die Art der Bodenbearbeitung, die Fruchtfolge, die Bodenfruchtbarkeit und die Zulässigkeit bestimmter Düngemittel. Wichtig sei nach den Worten des Fachmannes auch, dass die jeweiligen Umstellungszeiten beachtet würden. Auch die Tierhaltung müsse ganz bestimmten Richtlinien genügen, vor allem bezüglich Besatzdichte und Fütterung. In jedem Fall aber gebe es durch die entsprechenden Dienststellen z.B. beim AELF geeignete und fachlich fundierte Unterstützung.

In einem weiteren Teil seines Vortrages ging der Referent auf die verschiedenen Bio-Siegel und die anderen Kennzeichnungen im Umfeld des ökologischen Landbaues ein und verglich sie auch untereinander. „Besondere Aktualität gewinnt diese Thematik gerade jetzt, da oftmals Probleme von chemischen Rückständen in Lebensmitteln bekannt werden und sich deshalb der Verbraucher intensiver mit den verschiedenen Kennzeichnungen befasst“, erläuterte Thomas Lehner. Er schilderte dann, dass nur diejenigen Produkte die Basis-Kategorie “Bio“ beanspruchen dürften, die der EU-Öko-Verordnung genügen würden. Großen Anteil seiner Erläuterungen hatte aber die Übersicht über die bezüglich der Anforderungen noch weiter gehenden, verschiedenen Bio-Kennzeichnungen, die es gebe. Im Speziellen seien auch Verbände wie Bioland, Biopark, Demeter oder Naturland mit eigenen Kennzeichnungen im Markt vertreten. Allgemein aber sei von sehr großem Interesse das erst unlängst eingeführte und durch seine elliptische Form mit blauer Farbe gekennzeichnete bayerische Bio-Siegel, das er an einem Produkt auch in der Praxis zeigte. Thomas Lehner: „Bayern möchte regional die Bio-Produkte auch als solche gekennzeichnet haben, wobei die Bedingungen und deren Überwachung auch sehr streng gehandhabt werden. Der Verbraucher kann also durchaus zu dieser Kennzeichnung Vertrauen haben, da sie vor allem auch den regionalen Bezug zur ökologischen Landwirtschaft in Bayern darstellt.“ Einige spezielle Charakteristika dieser Kennzeichnung bildeten den Abschluss des sehr informativen Vortrags, der von allen Zuhörern mit dankendem Beifall bedacht wurde.

Ortsgruppen-Vorsitzender Karl-Heinz Steiner ergänzte, dass es bei den allgemeinen Bio-Kennzeichnungen sicherlich um die Art der Produkt-Herstellung gehe, aber nicht um die gesamte Ökobilanz. Insofern sei das blaue bayerische Siegel sehr beachtenswert, denn bei Produkten, die nur mit dem grünen EU-Bio-Siegel gekennzeichnet seien, würden oft sehr lange Transportwege mit entsprechender Umweltschädigung anfallen, was die gesamte Ökobilanz deutlich verschlechtere. „Man sollte also auch darauf achten“, so Karl-Heinz Steiner, „dass man Bio-Produkte aus der näheren Region bzw. aus Bayern einkauft“. Der ebenfalls anwesende BN-Kreisvorsitzende Matthias Schmöller ergänzte, dass die Siegel-Vielfalt sehr groß sei, dass deshalb Aufklärung ungemein wichtig wäre und sich möglichst alle Verbraucher über die aktuellen Kennzeichnungen informieren sollten. In diesem Zusammenhang wies er auch auf einen Vortrag hin, der am 21. April in Pfarrkirchen von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe angeboten werde: Dort gehe es um die gerade sehr aktuell gewordene Glyphosat-Problematik und den Nachweis dieses Herbizids in mittlerweile immer mehr Lebensmitteln.  -wh


BN-Filmabend „10 Milliarden“: Plädoyer für ökologische Landwirtschaft

BN-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller (2. von rechts) und stellvertretender Kreisvorsitzender Dr. Jürgen Riedler stellten zusammen mit AbL- Vorsitzender Edith Lisch (2. von links) und KLB-Sprecher Alfred Hainthaler (links) nach der Filmvorführung fest, dass das Ernährungs- und Konsumverhalten der Industrieländer bei steigender Weltbevölkerung nicht globalisierbar sein könne.

Eggenfelden. Die Bund Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn (BN) veranstaltete in der Bacchus- Stub`n in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL) und der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) einen interessanten Film-und Diskussionsabend. Auf dem Programm stand Valentin Thurns ausgezeichnete Dokumentation: „10 Milliarden - Wie werden wir alle satt?“

„Kann man nachhaltig und umweltschonend für alle Menschen ausreichend gesunde Nahrung produzieren, auch wenn wir davon ausgehen, dass die Weltbevölkerung bis 2050  wahrscheinlich die Marke von 10 Milliarden erreicht und bereits jetzt fast eine Milliarde Menschen an Hunger leidet? Eine hochkomplexe, ökonomische, ökologische und damit gesamtgesellschaftliche Frage, die der Film zu beantworten versucht“, so BN- Kreisvorsitzender Matthias Schmöller in seinen einleitenden Worten. Vertreter der Agrarkonzerne und der industriellen Landwirtschaft setzten als Lösungsmöglichkeit auf eine Produktivitätssteigerung durch maximale Industrialisierung der Produktionsprozesse mit hochwirksamen Pestiziden, Gentechnik und mehr Nährstoffzufuhr in Form von Düngemitteln. „Solange  aber mehr als die Hälfte unserer Ernte  für Agrarsprit, Fleischproduktion und für die Abfalltonne produziert wird, werden wir das Welternährungsproblem nicht lösen. Der Schlüssel liegt in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, einer ökologischen Intensivierung und der Fähigkeit der Bevölkerung eines Landes, selbst ausreichend Nahrung zu produzieren. Wir brauchen eine ökologische Intensivierung der Agrarproduktion, die sorgsam mit unseren Ressourcen umgeht, denn industrielle Landwirtschaft verbraucht in Bezug auf den Einsatz  fossiler Energien und   künstlicher Düngemittel sowie der Biodiversität mehr als uns zusteht“, fasste der stellvertretende Kreisvorsitzende Dr. Jürgen Riedler die BN-Position zusammen. Ein „Weiter wie bisher“ könne es demnach nicht mehr geben.

Dies bekräftigten auch AbL-Landesvorsitzende Edith Lirsch und KLB-Sprecher Alfred Hainthaler in der anschließenden Diskussion mit einem emotionalen Plädoyer für eine bodengebundene Tierhaltung und eine ökologische Landwirtschaft mit regionalen Strukturen und Direktvermarktung. Verbunden wurde dies mit einer Forderung nach einer Änderung der Agrarsubventionspolitik, damit das Höfesterben in unserer Region endlich ein Ende habe und auch kleinere Betriebe wieder überleben könnten. „Das Prinzip Wachsen oder Weichen ist die falsche Politik für unsere Landwirtschaft“, so Edith Lirsch.


"Biber-Probleme einvernehmlich lösen"

Bei der Eröffnung der Ausstellung "Biber - die guten Geister des Wassers" in den Räumen der Sparkasse Rottal-Inn, Eggenfelden hinter einer nachgebauten Biberburg (v. links): Andreas Zagler, Leiter der Hauptgeschäftsstelle Eggenfelden, Leonhard Kapser, Sparkassen-Regionaldirektor, Abgeordnete Reserl Sem, 3. Bürgermeisterin Eggenfelden, Johanna Leipold, BN-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller, BN-Biberberater Gerhard Schwab, Stellv. Landrat Helmuth Lugeder und Gerhard Franz, Leiter des Sparkassen-Marktgebietes Eggenfelden. - Foto: Hascher
Bei der Eröffnung der Ausstellung "Biber - die guten Geister des Wassers" in den Räumen der VR-Bank Pfarrkirchen hinter einer nachgebauten Biberburg (v. links): VR-Bank-Prokurist und Geschäftsstellenleiter Franz Zehentreiter, BN-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller, Naturpädagogin Marianne Watzenberger, Bürgermeister Wolfgang Beißmann und VR-Bank-Direktor Albert Griebl. - Foto: Hascher
Bei der Eröffnung in Arnstorf (von links): Sparkassendirektor Martin Ruhland, Bürgermeister Alfons Sittinger, Kreisvorsitzender Matthias Schmöller, Ortsvorsitzende Katrin Veicht, Regionaldirektor Keonhard Kapser, Hauptgeschäftsstellenleiter Arnstorf Klaus Maier, Naturpädagogin Marianne Watzenberger und Sparkassen-Marktgebietsleiter Martin Mühlthaler.
Auch Kinder erkundeten gleich die Biberburg in der Sparkasse Arnstorf.

Eggenfelden. Anlässlich der Eröffnung einer Wander-Ausstellung zum Thema „Biber – die guten Geister des Wassers“ konnte Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller in den Räumen der Sparkasse Rottal-Inn rund 50 interessierte Gäste begrüßen. Besonders hieß der Kreisvorsitzende Landtagsabgeordnete Reserl Sem, den stellvertretenden Landrat Helmuth Lugeder, die dritte Bürgermeisterin der Stadt Eggenfelden, Johanna Leipold, von der Sparkasse Rottal-Inn den Regionaldirektor Leonhard Kapser, den Leiter des Marktgebietes Eggenfelden, Gerhard Franz sowie Andreas Zagler als Leiter der Hauptgeschäftsstelle Eggenfelden, den Kreisobmann Rottal-Inn des Bauernverbandes, Hermann Etzel, Vertreter der Fischereiverbände sowie die Leiter von Schulen und Kindergärten willkommen. Als Hauptreferent und Experten hatte man den Wildbiologen und Bibermanager für Bayern beim BN, Gerhard Schwab, eingeladen.
Leonhard Kapser betonte für das Geldinstitut, dass die Sparkasse gerne ihre Räume für informative Veranstaltungen zur Verfügung stelle und dass sich bestimmt durch die Ausstellung und den Fachvortrag die gute Gelegenheit ergebe, eigenes Naturwissen aufzufrischen und Neues zu erfahren.
BN-Vorsitzender Matthias Schmöller dankte der Sparkasse für die Möglichkeit, diese Ausstellung zu präsentieren und bemerkte, dass gerade zum Thema Biber Diskussionsbedarf bestehe: „Anlass zu dieser Ausstellung und dem folgenden Vortrag war für uns beim Bund Naturschutz die Tatsache, dass es Stimmen gab, den Biber, der prinzipiell eine geschützte Tierart darstellt, bei auftretenden Schäden in der Landwirtschaft zur "Entnahme“ freizugeben. Wir möchten hingegen herausstellen, dass dieses Tier nicht nur aus naturschutzfachlicher, sondern auch als wasserwirtschaftlicher Sicht wertvolle Leistungen als Landschaftsgestalter für die Renaturierung von Gewässern und die enorme Förderung der Artenvielfalt dort erbringt. Aber insgesamt soll natürlich ganz offen über dieses Thema diskutiert werden, gerne auch kontrovers.“
Reserl Sem schloss sich dieser Auffassung an und betonte, dass es aus Sicht des Landwirts auf jeden Fall auch Probleme gebe: "Ich stehe nach wie vor zur Aussage 'Mensch vor Tier'. Letztlich ist es aber gut, dass über unterschiedliche Meinungen diskutiert wird und dass es bei uns im Landkreis das so genannte 'Bibermanagement' gibt. Diese Ausstellung kann sicher einen Beitrag leisten, Informationen und Fakten zu liefern, was nicht zuletzt für unsere Jugend sehr nützlich ist.“
Stellvertretender Landrat Helmuth Lugeder plädierte dafür, dass man mit Fingerspitzengefühl an einvernehmlichen Lösungen arbeiten solle, dass der Naturschutz aber nicht an den Landwirten vorbeigehen dürfe und dass man auch auf die Interessen von Grundeigentümern achten müsse. Insofern sei auch seiner Meinung nach diese Ausstellung ein wesentlicher Faktor, für die notwendige Diskussion eine entsprechende Informations-Grundlage zu liefern.
Nach einer kleinen Erfrischung am Büffet und einer Erläuterung der Ausstellung, die neben Informations-Plakaten auch als Blickfang eine nachgebildete Biber-Burg zeigt, informierte der BN-Biberberater Gerhard Schwab das mittlerweile auf rund 100 Personen angewachsene Publikum über Leben und Wirkungskreis des Bibers in der Natur, über dessen vielfältigen Nutzen, aber auch über die Problemlösungsmöglichkeiten, die es in Form des "Bibermanagements" gebe. „Die Biber-Bestände regulieren sich grundsätzlich selbst“, so der Referent, „sein Vorkommen beschränkt sich auf die ufernahen Bereiche von fließenden Gewässern, wo er durch Damm-Bauten Wasser anstaut, um den Eingang zu den seitlich im Trockenen liegenden Wohnhöhlen unter Wasser und damit geschützter zu halten. Dadurch schafft der Biber ein reichhaltiges Mosaik von Lebensräumen für die unterschiedlichsten Tierarten wie Amphibien, Fische, Vögel und Kleinlebewesen. Durch das Aufstauen von Wasser bilden sich auch Rückhalte-Räume bei drohenden Hochwasserlagen. Dies hat übrigens auch schon Edmund Stoiber erkannt, der einmal gesagt hatte, dass die Wiederherstellung natürlicher Rückhalteflächen dem Hochwasser- und Artenschutz gleichzeitig dienen sollte. Genau das tut der Biber. Und entsprechend der staatlich gewollten biologischen Artenvielfalts-Steigerung arbeitet der Biber auch hierbei sehr sinnvoll. Für den Landwirt ergeben sich aber einerseits durch das angestaute Wasser, durch die Dämme, unterirdischen Gänge und Höhlen und eventuell durch Fraß-Schäden Probleme.“
Doch als Konfliktlösung gebe es seit rund zwei Jahrzehnten in Bayern das Bibermanagement, das über die untere Naturschutzbehörde im Landratsamt zur Verfügung stehe und das immer auch die Interessen betroffener Grundstückseigentümer berücksichtige, so der Referent. Geschulte Biberberater würden dabei vor allem einen Schadens-Ausgleich anstreben. "Aber wenn es gar nicht anders geht, muss auch eine fachgerechte Entnahme in Betracht gezogen werden“, so Gerhard Schwab. Als präventive Maßnahmen empfahl der Experte Elektrozäune, die Sicherung von Durchlässen mit Drahtgittern, den Draht-Schutz wertvoller Bäume, die Damm-Entfernung mit entsprechender Genehmigung, Damm-Drainagen oder die Vergitterung. "Wichtig ist aber, dass man sich zuerst mit der unteren Naturschutzbehörde in Verbindung setzt und fachlichen Rat beschafft. Man muss miteinander reden, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen", resümierte der Referent, der mit den Worten schloss: "In 10 oder 15 Jahren brauchen wir hier dieses Thema hier nicht mehr zu erörtern, weil sich bis dahin garantiert alles eingespielt hat, wie es viele Landkreise bereits gezeigt haben.
Besucherfragen bezogen sich großenteils auf Einzelfälle, für deren Problemlösung der Referent die unbedingte Kontaktaufnahme mit der unteren Naturschutzbehörde empfahl.
BN-Vorsitzender Matthias Schmöller dankte abschließend dem Referenten, der Sparkasse und allen Zuhörern, und hob erneut hervor, dass man auch in einem Spannungsfeld mit gegensätzlicher Meinung stets gut miteinander auskommen müsse, und dass man sowohl die Interessen des Naturschutzes als auch der Landwirtschaft nötigenfalls in Form von Kompromissen in Einklang bringen müsse. 

 Eröffnung in Pfarrkirchen

Pfarrkirchen. Im Rahmen einer Eröffnungsveranstaltung wurde in der Schalterhalle der VR-Bank am Stadtplatz die Bund-Naturschutz-Informationsausstellung "Biber - die guten Geister des Wassers" dem Publikum vorgestellt. Vorstand und Direktor Albert Griebl und Geschäftsstellenleiter Franz Zehentreiter konnten neben Bürgermeister Wolfgang Beißmann auch die BN-Initiatoren, den Kreisvorsitzenden Matthias Schmöller, den BN-Ortsvorsitzenden Karl-Heinz Steiner sowie Naturpädagogin Marianne Watzenberger, mehrere Stadträte und zahlreiche interessierte Gäste begrüßen. Direktor Griebl freute sich, dass diese informative Natur-Ausstellung für Kunden und Mitarbeiter zustande gekommen sei und dass sich dadurch die gute Gelegenheit ergebe, eigenes Naturwissen aufzufrischen und Neues zu erfahren. Matthias Schmöller wies auf den Nutzen des Bibers in der Natur hin, er erwähnte aber auch, dass es in der Landwirtschaft Probleme gebe: „Wenn menschliches Wirtschaften und tierische Lebensweise kollidieren, entsteht nun mal ein Spannungsfeld.“ Durch das "Bibermanagement" und die über das Landratsamt erreichbaren Biberberater seien aber in der Regel einvernehmliche Lösungen zu finden. Bürgermeister Wolfgang Beißmann bezeichnete den Biber als beeindruckendes Tier, mit dem man durchaus achtsam umgehen solle, da er viele Renaturierungs-Maßnahmen des Menschen kostenlos unterstütze: "Wenn es Probleme gibt, soll man nicht gleich zur Entnahme, also zum Abschuss schreiten, sondern zunächst Präventivmaßnahmen wie z.B. Elektrozäune oder Vergitterungen nutzen. In jedem Fall muss man Probleme aktiv angehen und sich fachlichen Rat bei den Biberberatern holen. In diesem Zusammenhang begrüße ich es, dass der Bund Naturschutz ausgewogen sowohl Nutzen als auch Probleme anspricht, was unter anderem mit dieser Ausstellung geschieht."
Schließlich erläuterte Naturpädagogin Marianne Watzenberger die einzelnen Plakate der Ausstellung, die den Lebensraum, die Verbreitung, die Leistungen des Bibers als Landschaftsgestalter und die Reibungspunkte aufzeigen. Sie wies darauf hin, dass zur Vermeidung von Konflikten so genannte Ufer-Randstreifen-Programme sehr hilfreich seien: "Wenn man allein einen 5 m breiten Streifen neben Gewässern frei ließe, wären 90 Prozent der Probleme vermieden, denn der Biber lebt nur sehr nahe am Wasser, wo er seinen Unterschlupf hat." Als Blickfang wies die Referentin noch auf eine ebenfalls zur Ausstellung gehörende, nachgebildete Biber-Burg hin, die vor allem für Kinder sehr interessant sei.

Eröffnung in Arnstorf

In Arnstorf hatten Bürgermeister Alfons Sittinger und Kreisvorsitzender Matthias Schmöller einen Dank an die Sparkasse gerichtet. Alfons Sittinger betonte weiter, dass man den Biber durchaus achten solle und bei Problemen unbedingt fachlichen Rat durch die Biberberater einholen solle. Seiner Meinung nach ist die Bewirtschaftung nahe an den Gewässern mit schweren Maschinen natürlich problematisch - ein wenig Abstand und Uferrandstreifen würden hier helfen. Der Bürgermeister: "Viele Menschen schätzen den Biber, denn durch ihn entstehen letztlich wieder eine große Naturvielfalt und schöne Biotope. Er ist es wert, dass er geschützt wird. Und der Biber hilft auch den Kommunen Geld sparen, denn er unterstützt deren Bemühungen, naturnahe Ausgestaltungen an den Gewässern dritter Ordnung zu schaffen." Sparkassendirektor Martin Ruhland würdigte in seinem Grußwort schließlich die Bemühungen des BN um den Erhalt einer artenreichen Umwelt, wozu auch der Schutz des Bibers gehöre. Anschließend führte Naturpädagogin Marianne Watzenberger die anwesenden Gäste durch die informativen Ausstellungs-Poster. Und einige Kinder erkundeten gleich die aufgebaute Biberburg. - In der Sparkasse Arnstorf war die Ausstellung bis zum 26. Februar zu sehen.


Dr. Holzner: "Der Natur helfen, sich selbst zu helfen"

Für seinen interessanten Vortrag zum Thema "Gewässersanierung nach der Biogas-Havarie an Zeller Bach und Kollbach" dankten dem Experten Dr. Manfred Holzner (Mitte) der Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzende Matthias Schmöller (rechts) und sein Stellvertreter Dr. Jürgen Riedler. - Foto: Hascher

Pfarrkirchen. In der diesjährigen Jahreshauptversammlung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe im Schachtl-Saal präsentierte Kreisvorsitzender Matthias Schmöller zunächst die Aktivitäten der letzten zwölf Monate. Er wies darauf hin, dass vor allem der Arten-, Flächen- und Biotopschutz vorrangige Bedeutung gehabt hatten. Auch die Themen rund um die Landwirtschaft, den Ökolandbau, die Tierhaltung, die Energiewende, die Informations-, Ausstellungs- und Aufklärungsarbeit seien wieder im Mittelpunkt gestanden. Als wichtigsten Problempunkt des abgelaufenen Jahres nannte er die durch Gülle aus einer Biogas-Anlage südwestlich Arnstorf verursachte massive Gewässer-Verschmutzung im Zeller Bach und der Kollbach. In diesem Zusammenhang erwähnte er, dass es im Landkreis etwa 100 Biogasanlagen gebe, bei denen man seit  dem Jahre 2007 insgesamt 50 Havarien registriert habe - bei wahrscheinlich noch größerer Dunkelziffer. Der BN habe deshalb wiederum die Forderungen zur Einführung eines "Betreiber-Führerscheins", zu verbindlich einzuhaltenden  Sicherheitsstandards und zu einem Anlagen-TÜV erheben müssen. Schmöller: "Es muss doch möglich sein, die Umweltgefährdungen endlich zu stoppen." Dieses Thema sei übrigens auch Anlass für das Hauptreferat des Abends gewesen.

Auch die Arbeit mit Kindergruppen, die Erwachsenen-Umweltbildung, Ferienprogramme und Exkursionen, die von der Naturpädagogin Marianne Watzenberger koordiniert würden, hätten wieder breiten Raum eingenommen, so Schmöller. Erfreut zeigte er sich über die nunmehr nahe bei 2000 liegende und weiter steigende Mitgliederzahl im Landkreis. In seinem Ausblick ging Schmöller auf mögliche Schwerpunkte des BN-Jahres 2016 ein: So stünden ab Januar die großen Biber-Ausstellungen in Eggenfelden, Pfarrkirchen und Arnstorf auf der Agenda, ebenso wie die Beschäftigung mit den Themen „Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft“ oder das Kommunal-Projekt „Rottal-Inn blüht auf“.

Im anschließenden Hauptreferat erwähnte der Gewässerökologe und Gutachter Dr. Manfred Holzner zunächst, dass man derzeit nur eine allgemeine Übersicht über die Gewässerverschmutzung und Renaturierungsmaßnahmen an Kollbach und Zeller Bach durch die Biogas-Anlagen-Havarie im Sommer dieses Jahres vorstellen könne. Zum Schadensverlauf erwähnte er, dass am 15. und 16. Juni eine erhebliche Schadstoffeinleitung aus einer Biogasanlage südwestlich Arnstorf erfolgt sei, woraus u.a. ein drastischer Abfall des Sauerstoffgehalts resultierte, auch eine massive Giftwirkung z.B. durch Ammoniak sei erfolgt und deshalb die Tier- und Pflanzenwelt massiv geschädigt worden. Das sei umso fataler, weil mit Zeller Bach und Kollbach noch relativ naturnahe Gewässerstrukturen mit großer Vielschichtigkeit vorhanden gewesen seien.

Bezüglich der Verbesserungsmaßnahmen erwähnte er, dass am Zeller Bach schon Arbeiten begonnen hätten. Dr. Holzner: „Im Wesentlichen müssen saubere Kiesstrukturen geschaffen werden, um die Laichmöglichkeiten zu verbessern. Auch die Fisch-Wanderungsbedingungen vor allem an der Kollbach müssen weiter optimiert werden. Man muss der Rest-Fauna möglichst gute Bedingungen bieten, um sich durch Neu-Besiedelung aus den nicht betroffenen Zuläufen zu erholen. Dadurch bleiben auch die speziellen genetischen Bedingungen der hier vorkommenden Gewässer-Tierwelt erhalten. Ein Besatz aus anderen Gewässern kann dies nicht leisten. Wir müssen aber mit einem guten Jahrzehnt rechnen, bis ein einigermaßen brauchbarer Zustand durch Regenerierung der örtlichen Bestände wieder hergestellt ist. Der Mensch kann jetzt nur die Randbedingungen schaffen, dass sich das Ökosystem wieder erholt. Man muss der Natur helfen, sich selbst zu helfen. Das bedeutet in erster Linie, die Durchgängigkeit der Gewässer zu erhöhen, damit durch Wanderungsbewegungen die Wiederbesiedelung vorankommt." Breite Uferrrandstreifen, wie sie z.B. der BN seit Jahren unermüdlich fordert, würden hierbei ebenfalls die Entwicklung gesunder und stabiler Gewässer unterstützen.

Für die Zukunft wünschte sich Holzner, dass rasch Alarmpläne geschaffen werden, um bei Schadensfällen besser reagieren zu können und dass genauere Regeln zum Betreiben von Biogas-Anlagen geschaffen werden müssten, die dann aber auch durchgesetzt und deren Nicht-Einhalten sanktioniert werden müsse. Dem stimmte Kreisvorsitzender Schmöller zum Schluss der Veranstaltung zu: „Es ist für uns und übrigens alle beteiligten Verbände wie die Fischer und viele Landwirte völlig unverständlich, dass es immer noch keine verbindlich greifenden präzisen technischen Vorschriften und Betreiber-Führerscheine, Notfallpläne und TÜV-Richtlinien für Biogas-Anlagen gibt. Entsprechende Forderungen werden wir als Bund Naturschutz aber weiterhin unermüdlich stellen, alles rund um die Biogas-Problematik aufmerksam beobachten und auch auf Missstände weiter deutlich hinweisen.“


"Ein ewiges Wachstum kann es nicht geben"

BN-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller (rechts) und sein Stellvertreter Dr. Jürgen Riedler (links) überreichen Prof. Dr. Wild ein Dankeschön-Präsent nach seinem interessanten Vortrag.

Pfarrkirchen. „Viele Menschen stellen sich heute die Frage, ob die von Politik und Wirtschaft stets propagierten Wachstums-Forderungen in unserer begrenzten Welt auf Dauer Bestand haben können“. Mit diesen Worten eröffnete der Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzende Matthias Schmöller vor über 70 Zuhörern in der Aula des Gymnasiums Pfarrkirchen einen Informations- und Diskussionsabend, der unter dem Thema stand "Wachstum stößt an Grenzen – Was kommt nach dem Wirtschaftswachstum?"  Als Referent war Prof. Dr. Werner Wild geladen, der Dozent an der technischen Hochschule Nürnberg ist und auch im Arbeitskreis für Wirtschaft und Finanzen beim BUND mitwirkt.

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„Mit dem Bund Naturschutz setzen wir uns für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen ein, also auch für den schonenden Umgang mit Ressourcen aller Art. Daher bezweifeln wir, dass dauerhaftes, exponentielles Wachstum gesund und nachhaltig sein kann, vor allem wegen der endlichen Ressourcen auf unserem Planeten“, so Schmöller einleitend. „Aber was ist die Antwort darauf? Gibt es bereits Konzepte für eine Wachstumswende?“ Mit dieser Fragestellung übergab er das Wort an den Experten.

Prof. Dr. Werner Wild nannte zunächst das stets als Maßzahl für Wohlstand und Wachstum herangezogene „Bruttoinlandsprodukt“, das heute aber nicht mehr sinnvoll tauglich wäre, da zum Beispiel Ressourcen-Abbau, die Wertigkeit von Energie, die Folgekosten von Umweltzerstörung sowie sozial relevante Faktoren wie zum Beispiel Zufriedenheit, Bildung und sozialer Zusammenhalt der Menschen nicht in dieser Maßzahl enthalten seien. Wirtschaftswachstum erhöhe wegen Rationalisierung auch nicht, wie oft propagiert, die Beschäftigtenzahl, bestenfalls im Niedriglohnsektor, sodass soziale Ungerechtigkeit entsteht. „Und die Vergangenheit hat gezeigt“, so Professor Wild, „dass die Sozialsysteme gerade nicht durch Wachstum besser finanziert sind, da die Gelder zweckentfremdet werden und dass auch die Staatsverschuldung trotz Wachstum nicht geringer, sondern sogar gesteigert wird. Und ein Freihandelsabkommen wie TTIP könnte an diesen Negativ-Fakten erst recht nichts ändern, da bestenfalls die Machtgier der Großkonzerne gesteigert wird. Herkömmliches Wirtschaftswachstum geht an die Substanz unseres Planeten und schadet letztlich dem Menschen.“

In diesem Zusammenhang ging der Referent auch mit dem menschlichen Verhalten ins Gericht: „Global betrachtet gibt es immer mehr Menschen, die – allen voran die Bevölkerung der Industrienationen – für immer weniger Geld immer mehr und unterschiedliche Waren besitzen wollen. Diese Gier führt einerseits zur Ausbeutung von Menschen, zu Tierquälerei und zu einem Raubbau bald auch der letzten Ressourcen unseres Planeten. Letztlich ist heutzutage der Wachstums-Begriff mit einer Zerstörung unserer Lebensgrundlagen eng verkoppelt. Das kann und darf nicht so weitergehen. Die Beanspruchung der Natur müsste erheblich mehr in Kostenbilanzen einbezogen werden, Politik und Wirtschaft arbeiten aber Hand in Hand hier dagegen. Wenn wir uns alle nicht mäßigen, gerät unser ganzes Lebensumfeld aus den Fugen. Übrigens hat selbst Ludwig Erhard schon 1957 zur Mäßigung aufgerufen, sicher all diese Negativ-Aspekte schon ahnend.“

Professor Wild nannte als Ausweg eine nachhaltige Wirtschaftsweise, die die Ressourcen schont, das CO2 verringert und Maßnahmen zum Schutz des Ökosystems ebenso verbessert wie die Biodiversität. „Doch die Anreize, in Richtung wirklich nachhaltiger Wirtschaftsweise zu gehen, sind derzeit sehr gering, weil auch mit höheren Kosten verbunden, was unsere Billig-Gier natürlich nicht möchte“, so Werner Wild, „das derzeitige VW-Debakel entstammt übrigens derselben Denkweise.“

Eine bessere Zukunftsfähigkeit könne aber erreicht werden durch größere Effizienz, also mehr Nutzen aus dem Einsatz von Materie und Energie zu ziehen. Darüber hinaus müssen naturverträgliche Technologien genutzt und entwickelt und schließlich die so genannte „Suffizienz" gefördert werden: „Gut leben statt viel haben, sich regional und ökologisch zu ernähren, die Entschleunigung als Marktchance zu erkennen, die Fixierung auf Arbeit und Konsum aufzuheben und die Forderung nach Produktpreisen, die die ökologischen Kosten widerspiegeln - das sind hier die Stichpunkte. Hinzu muss eine neue Ordnungspolitik mit Rücksicht auf Mensch und Umwelt kommen, die auch den gnadenlosen Turbo-Kapitalismus bremst und für mehr soziale Gerechtigkeit sorgt“, ermahnte Wild. Konkret müsse man wieder mehr Wert auf die Lebensqualität in Stadt und Land legen, umweltschonende Mobilität fördern, Arbeitsbedingungen und Gesundheit verbessern, die Natur schonen und die Abkehr vom Konsum als primären Wachstumsmotor unterstützen.

Professor Wild abschließend: „Das großflächige Umdenken in diese Richtung ist allerdings extrem schwer“, resümierte er, „aber jeder sollte versuchen, von der Politik die Abkehr vom Paradigma des ewigen Wachstums zu verlangen und gesellschaftliche Debatten über Nachhaltigkeit, über ein besseres und gerechteres Leben für alle sowie die Schonung der Ressourcen unseres begrenzten Planeten anzuregen.“ Schmöller, der zu Beginn neben mehreren Stadt- und Kreisräten auch Regionaldirektor Jürgen Müller von der Sparkasse Rottal-Inn sowie Direktor Albert Griebl von der VR-Bank Rottal-Inn begrüßt hatte, bedankte sich nach einer angeregten Diskussion abschließend beim Referenten und entließ die Zuhörer mit einem Appell: „Jeder von uns ist für sein Handeln selbst verantwortlich. Bitte lassen Sie uns diese Verantwortung auch tatsächlich übernehmen, als Bürger und als Konsument, für uns und vor allem auch für die Generationen nach uns.“     -wh

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Prof. Wild Wachstumsgrenzen-Vortrag