OG Kollbachtal (Arnstorf)

Vorsitz: Katrin Veicht, Wiesenstr. 1, 94424 Arnstorf, Mobiltel.:0152-54 26 65 45, Mail: veichtk@gmx.de



Naturschutzarbeit: Erfolge, aber auch Probleme

Jahreshauptversammlung der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Kollbachtal – Vortrag zu Ökoflächen-Schädigung

Arnstorf. Unlängst trafen sich die Mitglieder der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Kollbachtal zu ihrer Jahreshauptversammlung im Kirchenwirt. Bei der Begrüßung hieß die Vorsitzende Katrin Veicht besonders auch den 1. Bürgermeister Christoph Brunner und den Chronisten Hans Hagn willkommen; letzterer hatte vor allem die Geschichte des Weilnbachs und der ökologisch wertvollen Fläche dort dokumentiert.

Es folgte ein Rückblick der Vorsitzenden auf das Jahr 2021 und das bisherige 2022. Sie erwähnte die Streuobstwiesenfeste 2021 in Kumpfmühl und im April 2022 in Westerndorf, die hervorragend gut besuchte Pilzwanderung im Oktober 2021 mit dem Pilzsachverständigen und dem BN-Ortsgruppen-Vorsitzenden aus Landau, Franz Meindl. Auch die naturfachlich hochinteressante Wanderung durch das Niedermoor im Mai 2022 mit dem Experten Christoph Stein fand Erwähnung. Besonders freute sich die Vorsitzende über die junge „Umweltbande“, die in Wald und am Stausee in Postmünster aktiv gewesen sei. Auch erwähnte sie, dass von den Jugendlichen im April 2022 fünf Obstbäume mit den dankenswerterweise von einem Mitglied zur Verfügung gestellten 1000 Euro gepflanzt worden seien.

Die Vorsitzende begrüßte auch, dass nach 2-jähriger Pause nun auch wieder eine Haus- und Straßensammlung durchgeführt wurde und vom Mitglied Hermann Koch gut 1000 Euro für die praktische Natur- und Artenschutz-Arbeit gesammelt worden seien. Ebenfalls erwähnte sie lobend, dass von Monika Brunner-Lenz in Sattlern bei Mariakirchen bei der jährlichen Rettungsaktion anlässlich der Amphibien-Wanderungen in diesem Frühjahr rund 600 Kröten, Frösche und andere Amphibien vor dem Straßentod gerettet worden seien.

„Ich danke allen Aktiven, die sich in den zurückliegenden und leider durch die Corona-Pandemie in den Aktivitäten nur eingeschränkt nutzbaren Jahren so um die Natur- und Artenschutz-Belange in unserem Bereich engagieren“, schloss die Vorsitzende ihren Rückblick und leitete damit über zum Kassenbericht, der durch Herman Koch erteilt wurde und eine zufriedenstellende Bilanz ergeben hatte.

Den Informationsteil der Hauptversammlung bildete ein Bildervortrag von Hans Hagn zur Geschichte und zur ökologischen Bedeutung der Fläche bei Hainberg, die ein Feuchtbereich mit wertvoller Verlandungs-Vegetation mit für den Landschaftswasserhaushalt günstiger Rückhaltefunktion gewesen sei. Leider sei diese Fläche im Frühjahr durch überzogene Hochwasserschutzmaßnahmen der Gemeinde zerstört worden. Unzureichende Information über schützenswerte Gebiete und daraus resultierend eine mangelhafte Kommunikation in der Marktgemeinde mit zuständigen Fachdienststellen hätten demnach in der Auffassung des Bund Naturschutz und anderer Experten zu dieser Schädigung geführt.
Abschließend dankte die Vorsitzende nochmals  allen Mitgliedern in der Ortsgruppe sowie allen Helfern und Förderern des Naturschutz für die stets zuverlässige Arbeit.  


50 Jahre Naturschutz auf den Kollbachwiesen

Bund Naturschutz lud zu einer Exkursion ein – Klimawandel deutlich bemerkbar

Arnstorf, Mai 2022. Pünktlich zum europäischen Natura 2000-Tag lud die Ortsgruppe Arnstorf des Bund Naturschutz zu einer kleinen Exkursion über die Kollbachwiesen bei Jägerndorf ein. Anlass war u.a., dass vor 50 Jahren mit einem botanischen Gutachten die Bedeutung der Kollbachwiesen für die natürliche Artenvielfalt offenbar wurde und daraufhin Flächenkauf und Biotoppflege durch den Bund Naturschutz einsetzten und bis heute weitergeführt wird.
BN-Ortsvorsitzende Katrin Veicht konnte neben Arnstorfs Bürgermeister Christoph Brunner und seinem Stellvertreter Konrad Stadler auch Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde Rottal-Inn, der Landschaftspflegeverbände Rottal-Inn und Dingolfing-Landau, der BN-Kreis- und Ortsgruppen Rottal-Inn, Arnstorf, Eichendorf und Landau begrüßen. Auch örtliche Landwirte waren der Einladung gefolgt.
Als Exkursionsleiter wies Ortskenner Christoph Stein auf die bis heute hohe Artenvielfalt des Gebietes hin: „Nach 50 Jahren Betreuung der Kollbachwiesen sowie ca. 40 Jahren intensiver Pflege wie Streuwiesen- und Schilfmahd kann man feststellen, dass das in den 1980er Jahren ausgegebene Leitbild, das früher übermannshohe Schilf entscheidend zurückzudrängen und eine Feucht- und Streuwiesenvegetation herzustellen, auch eingetreten ist. Das ist ein sehr schöner Erfolg für die Biotop- und Flächenpflege, die darin gipfelte, dass die Kollbachwiesen in das europäische Naturschutz-Netzwerk Natura 2000 aufgenommen wurde“.
Er bedankte sich bei allen Engagierten, die sich in den letzten Jahrzehnten mit großer Anstrengung, mit innovativem Einsatz und großem Beharrungsvermögen für den Erhalt der Artenvielfalt hier eingesetzt hätten.
Gleich zu Beginn stieß die Gruppe auf einen kleinen Bestand des Schmalblättrigen Wollgrases, das im Landkreis Rottal-Inn nur mehr wenige Vorkommen besitzt. Per Bohrstock wurde auch der Bodenaufbau der Wiesen ermittelt. Dabei zeigte sich, dass auf einer blauen, tonig-lehmigen Schicht ein flacher Torfhorizont mit vielen unzersetzten Pflanzenfasern aufliege. „Die flache Lage der Kollbachwiesen sowie eine natürliche Senke an deren Nordrand führt zu dauernassen Bedingungen, so dass sich hier ein flaches Moor entwickeln konnte“, erläuterte Gebietskenner Rudi Tändler. „Diese flache Moor-Schicht ist Existenzgrundlage für botanische Raritäten wie Fieberklee, Sumpf-Blutauge und Schwarzschopf-Segge“, führte Botaniker Christoph Stein weiter aus. Er erinnerte daran, dass vor ca. 10 Jahren bereits ein ähnlicher Spaziergang unternommen wurde. „Damals konnten wir noch einen größeren Bestand des Moor-Greiskrautes sehen, der aber leider aus den Kollbachwiesen verschwunden sei“, bedauerte Stein.
„Der Klimawandel macht sich leider auch auf den Kollbachwiesen bemerkbar, da die früher hier nicht bekannte temporäre Bodentrockenheit offenbar einigen Moorpflanzen schwer zu schaffen macht“, fasste Stein seine Beobachtungen zusammen.
Nach 40 Jahren der Biotoppflege müsse man sich hier nun neuen Aufgaben stellen und sehen, dass der Bodenwasserhaushalt stabilisiert werden könne. „Die Winternässe muss möglichst lange in das Frühjahr hinübergerettet werden“, so Stein. Falle der Torfhorizont trocken, würde sich dieser zersetzen und eine Art natürliche Aufdüngung der Feuchtfläche eintreten. Dies gelte es zu verhindern, da ansonsten trotz der sorgfältigen Pflege mit weiteren Artenverlusten zu rechnen sei. Beispiel hierfür sei die Trollblume, die in den letzten 10 Jahren einen dramatischen Einbruch im gesamten Landkreis aber auch auf den Kollbachwiesen hinnehmen musste, bedauerte Botaniker Stein, der sich mit dieser Art seit vielen Jahren beschäftigt.
Die Kollbachwiesen wurden in den letzten Jahren weiterhin botanisch intensiv untersucht. So konnten verschiedene sehr seltene Gold-Hahnenfuß-Arten entdeckt werden, die den hohen Artenschutz-Wert des Areals erneut belegten. Diese Gold-Hahnenfüße wurden erst vor wenigen Jahrzehnten für die Wissenschaft beschrieben und kommen weltweit praktisch nur in Ober- und Niederbayern vor. „Damit haben wir also auf den Kollbachwiesen auch eine endemische Flora, wie man das nur von abgelegenen Inseln oder Berggipfeln kennt“, erläuterte Stein. Zu nennen seien Abgestutzter Gold-Hahnenfuß und Gestielter Gold-Hahnenfuß.
Eine Augenweide bot eine bunte, von den Eigentümern vorbildlich bewirtschaftete Feuchtwiese mit ihrem noch sehr schönen Bestand des Breitblättrigen Knabenkrautes. Auch die violett blühende Bach-Kratzdistel und seltene Grasarten konnte man auf dieser Fläche entdecken. Spontaner Applaus für die Eigentümer belohnte dieses vorbildliche Engagement. In diesem Zusammenhang dankte man unter anderem Anton Goldbrunner aus Bach und der Familie Braumüller aus Wabach für ihr Engagement bei der Pflege.
Zum Abschluss bedankte sich Katrin Veicht mit einem kleinen Umtrunk bei allen Teilnehmern, bat auch weiterhin um tatkräftiges Engagement für die Kollbachwiesen sowie um Unterstützung durch Eigentümer, Verbände und Behörden.    -wh