OG Unterer Inn (Simbach)

Vorsitz: Marianne Watzenberger, Hinterholz 1, 84359 Simbach, Tel: 08571-4775, Mail: mawatzenberger@t-online.de


„Den Wald wieder Wald werden lassen“

Vortrag von Prof. Josef Reichholf – Buchen-Mischwald ist zu fördern

Kirchdorf, 4. Okt. 2022. In einem Vortrag auf Initiative der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe „Unterer Inn“ informierte der Zoologe und Evolutionsbiologe Prof. Josef Reichholf das sehr zahlreich erschienene Publikum zum Thema „Wald, Wild und Waldwandel“. Dabei stellte er gleich zu Beginn fest: „Das Abwälzen der heutigen Waldzustands-Problematik allein auf den Klimawandel verschleiert das Problem.“ Vielmehr hätten nach seinen Worten auch die Überdüngung durch Schadstoffeintrag aus der Luft, ungünstige Waldzusammensetzung durch schnell wachsende Fichten-Reinbestände mit wenig genetischer Vielfalt an ungünstigen Standorten und ein oftmals zu rascher Wasserabfluss durch gewollte Umgebungsgestaltung große negative Auswirkungen. Auch Entwässerungsmaßnahmen zum Beispiel durch Landnutzung mit Intensiv-Monokulturen seien mit zu berücksichtigen.
Er ging auch auf das Thema der Jagd ein und meinte: „Die Bejagung macht Wildpopulationen hochproduktiv und dazu noch nachtaktiv. Wenn durch Jagdentnahme der Bestand gesenkt wird, versucht die Population dies durch größere Vermehrungsaktivität auszugleichen. Seit den sechziger Jahren kommt auch die Düngung der Feldfrüchte und damit deren Qualitätssteigerung als besseres Nahrungsangebot noch hinzu. Durch Bejagung werde der Bestand zwar gesenkt, aber die „Umweltkapazität“ – also das Nahrungsangebot und die Möglichkeiten des Lebensraumes – ist andererseits aber auch größer geworden und lässt die Vermehrungsaktivität ansteigen. Ein weiterer Beleg hierfür ist das Schwarzwild, das fast überall beste Nahrungsquellen vorfindet und sich deshalb ausbreitet.“
Durch die Bejagung ziehe sich das Rehwild in den Wald zurück, so Prof. Reichholf, wo mehr Deckung gegeben sei, dort werde aber auch dann der Verbiss gefördert. „Eigentlich ist das Reh kein Waldtier“, so der Referent, „es ist durch Menscheneinfluss zum Waldtier gemacht worden. Rehe auf freiem Feld verursachen keinen Verbiss im Wald. Ein eigentlich bei uns standortgerechter Buchen-Mischwald würde dem Rehwild keine Nahrungsquelle bieten. Selbst ein lichter Nadelwald bietet kaum Nahrung. Durch menschliche Kulturen ist demgegenüber auch das Nahrungsangebot und damit die Umweltkapazität größer geworden. Unter diesen Umständen ist es hoffnungslos, mit den gegenwärtigen Jagdmethoden die Bestände unter der halben Umweltkapazität zu halten. Das wäre eine Größe, deren Einhaltung aber eigentlich sinnvoll wäre, um den Wald-Verbiss gering zu halten. Eigentlich sind die Jagdreviere hier bei uns zu klein, um ein effektives Management durchzuführen.“
In weiteren Ausführungen ging Prof. Reichholf auf den Klimawandel und die Waldzukunft ein: „Der entscheidende Kreislauf in der Natur ist der von Zersetzung und Wiederaufbau. Die Tiere spielen dabei kaum eine Rolle, mit Ausnahme der Schadinsekten. Hinzu kommt, dass die Forstwirtschaft primär an wirtschaftlichen Faktoren interessiert ist, nicht an ökologischen Fakten. Auch die Düngung der Wälder durch Stickstoffeintrag aus der Luft führt dazu, dass sie zu schnell wachsen und dadurch Widerstandsfähigkeit verlieren. Letztlich ist ein Waldumbau notwendig, denn akute Bedrohungen gehen nicht vom Klimawandel aus.“
Weitere Faktoren für die Wald-Problematik seien, so Prof. Reichholf, neben dem Übermaß an Stickstoff-Eintrag durch die Luft auch die Vernichtung der von der Natur eigentlich vorgesehenen Biodiversität durch menschlichen Einfluss. Und weiter wäre es äußerst wichtig, zu verhindern, dass sich das Klima überhaupt erwärmt. Prof. Reichholf abschließend: „Wälder sollen das CO2 speichern. Wir müssen sie aber so gestalten, dass sie das auch können. Wir müssen den Wald wieder natürlichen Wald werden lassen.“   -wh


Die wundersame Welt der Pilze erkundet

Großes Interesse an Pilz-Exkursion des Bund Naturschutz - 104 Arten gefunden

Simbach, Sept. 2022. Trotz regnerischen Wetters hatten sich bei der traditionellen und seit über 30 Jahren von der Ortsgruppe „Unterer Inn“ des Bund Naturschutz durchgeführten Herbst-Schwammerl-Wanderung rund 30 Pilz-Freunde mit Regenjacke, Gummistiefel und Schwammerlkorb an der Kapelle am Schellenberg eingefunden. Die Leitung der Exkursion hatten wiederum die Experten Gudrun und Gotthard Grimbs übernommen, die unterstützt wurden durch Rosi Denk-Gottschaller.
Organisatorin Marianne Watzenberger zum Thema der Exkursion: „Wir wollen nicht Mengen von Schwammerln für den Kochtopf sammeln“, so die BN-Ortsvorsitzende, „es geht uns vielmehr darum, die auch im Zuge des Klimawandels sich ändernde Schwammerl-Welt zu beobachten und Arten und Verbreitung zu erfassen.“
Nachdem es aufgrund des trockenen Sommers lange fast gar keine Pilze gab und unlängst doch der Regen einsetzte, haben die Schwammerl pünktlich und kurz vor der Pilzwanderung angefangen zu wachsen.
Im Anschluss daran ging es dann in das Waldgebiet rund um die Kapelle. Und bei vielen gefundenen Exemplaren tauchten gleich Fragen z.B. nach Art und Essbarkeit auf. Insgesamt wurden 104 Arten gefunden. Giftige und essbare. Häufige und seltene. Heilpilze wie der Birkenporling, der als Tee entzündungshemmend und antiviral wirken soll. Duftpilze wie der Echte Knoblauchschwindling oder der Rettichhelmling, die schon am markanten Geruch erkennbar sind.
Gefunden wurden beispielsweise von den essbaren Pilzen der Goldröhrling, der Rotfußröhrling, der Stachelbart und der Anhängselröhrling, beide sind geschützte Arten. Von den giftigen Pilzen wurden vor allem Knollenblätterpilze, Fliegenpilze, und grüne Schwefelköpfe entdeckt. Auch zahlreiche ungenießbare bzw. nicht als Speisepilze zu bezeichnende Arten waren dabei, darunter der Ockertäubling, der Schwarztäubling und der Ziegelrote Schwefelkopf.
Am Ende der Exkursion wurden dann die Funde genau gruppiert auf Tischen ausgelegt und mit Namensbezeichnungen versehen. Bei der abschließenden Besprechung konnten die Schwammerl-Enthusiasten viel vom reichen Erfahrungsschatz der Experten profitieren, die auch einige Küchen-Tipps parat hatten. Zum Schluss mahnte Gotthard Grimbs jedoch noch mit einer uralten aber nicht minder dauernd gültigen Grundregel: „Was man nicht genau kennt und als genießbar einstufen kann, soll man stehenlassen, auch nicht einfach ausreißen und wegwerfen, denn jeder Pilz, ob Delikatesse oder höchst gefährlich, hat eine wichtige Funktion im Naturhaushalt, insbesondere diejenigen, die Totholz zersetzen“, lernten die Teilnehmer. Abschließend dankte Organisatorin Marianne Watzenberger als Vorsitzende der BN-Ortsgruppe den Experten ebenso wie den Schwammerl-Freunden, die an der Exkursion teilgenommen hatten.   -wh


Spende für Igelstation

Simbach, März 2022. Ein etwas verspätetes Weihnachtsgeschenk gab es für Marianne Watzenberger, die Geschäftsstellenleiterin des Bund Naturschutz Rottal-Inn. Anna Biermeier, Chefin des “Friseursalon Roscher by Anna” in Rotthalmünster (im Bild rechts) überreichte ihr im Beisein des Vorstandsmitgliedes Daniel Renner (links) eine Geldspende in Höhe von 203,64 Euro. Der Erlös kam durch Kerzen zustande, die von der Friseursalon-Chefin aus Wachsresten selbst gemacht und die dann den Kunden gegen eine kleine Spende an der Geschäftskasse angeboten worden waren. Den Gesamterlös spendete sie nun an Frau Watzenberger und ihre Igelstation. Die gesamte Vorstandschaft bedankt sich recht herzlich bei allen Spendern und vor allem bei Geschäftsführerin Anna Biermeier.