• Home  › 
  • Aktuelles

Aktuelle Meldungen

Keine Nachrichten verfügbar.

Willkommen bei der Kreisgruppe Rottal-Inn

Veranstaltungen können aufgrund der Corona-Krise abgesagt werden.

Wir geben Ihnen hier einen Einblick in unsere Umweltschutz-Arbeit. Aufgrund der Corona-Krise können bestimmte Veranstaltungen abgesagt und Teilnehmerzahlen begrenzt werden. Bitte entnehmen Sie aktuelle Informationen der Presse, der Rubrik Veranstaltungen oder wenden Sie sich mit einer E-Mailan uns oder kontaktieren Sie die Geschäftsstelle (Tel. 08562 / 96 36 086).



Zahlreiche interessante Exkursionen auf dem Plan

Die Kreisgruppe Rottal-Inn des Bund Naturschutz veranstaltet in nächster Zeit wieder einige interessanten Exkursionen für Mitglieder und interessierte Gäste. Für alle Veranstaltungen ist zu beachten, dass Erwachsene eine medizinische Maske tragen müssen, wenn der geltende Abstand nicht eingehalten werden kann, für Kinder reicht ein einfacher Mund-Nasen-Schutz aus.

Zunächst findet am Samstag, 12. Juni, eine Reptilienexkursion unter dem Thema „Heimische Reptilien“ mit dem Reptilien- und Amphibienbeauftragten Daniel Renner von der Bund Naturschutz-Ortsgruppe Unterer Inn statt, und zwar bei den neuen Holzstapeln in der Seibersdorfer Au. Mit etwas Glück und gutem Wetter wird man vielleicht Zauneidechsen, Blindschleichen oder sogar Äskulapnattern sehen können. Dauer: ca. 2 Stunden. Treffpunkt: 9:00 Uhr an der Kirche in Seibersdorf. Anmeldung erforderlich unter Tel. 08573-2613114, die Teilnehmerzahl ist begrenzt.     

Am Samstag, 19. Juni, folgt in Kooperation mit der Seniorenunion und dem Landesbund für Vogelschutz eine Exkursion mit dem Artenschutz-Experten Walter Sage am Bahndamm in Niedertrennbach. Treffpunkt ist um 9:00 Uhr beim Klosterbräu in Seemannshausen. Auf dem Weg wird je nach Witterung besonders auf die Vogelwelt, die Reptilien, die Schmetterlinge und andere Insekten geachtet. Aber auch die auffälligsten und für die Artenvielfalt wichtigsten Pflanzen sollen vorgestellt werden. Dabei wird auch auf die Notwendigkeit der Pflege eingegangen, ohne die es diesen Artenreichtum auf der Fläche nicht geben würde. Anmeldung bei der Geschäftsstelle unter Tel. 08562-9636086 (Anrufbeantworter) oder bn-rottal-inn@t-online.de. Dauer ca. 2 Stunden.

Eine weitere Exkursion findet ebenfalls am Samstag, den 19. Juni, statt: "Waldnaturschutz. Mit welchen Maßnahmen kann man den Naturschutz im bewirtschafteten Wald voranbringen?" Antworten auf diese Fragen gibt es bei dem Waldspaziergang in einem Waldgebiet nahe Mariakirchen. Bund Naturschutz, Forstverwaltung und Vertreter des Bischöflichen Ordinariats Passau stellen Beispiele für gelungenen Waldnaturschutz vor. Treffpunkt ist am Kirchenplatz Mariakirchen um 14:00 Uhr. Im Anschluss ist je nach aktueller Lage eine Einkehr im Bräustüberl in Mariakirchen geplant. Auch hierfür ist Anmeldung bei der Geschäftsstelle unter Tel. 08562-9636086 (Anrufbeantworter) oder bn-rottal-inn@t-online.de erbeten.   – wh


„Auf geht`s in ein nachhaltiges Leben“

Online-Vortrag beim Bund Naturschutz – „Jeder kann etwas tun“

Pfarrkirchen. Mit über 40 Teilnehmern gut besucht war der Online-Vortrag der BN-Kreisgruppe mit Dr. Maiken Winter, der Vorsitzenden des Vereins „WissenLeben“, zum Thema „Nachhaltiges Leben“.  In seiner Begrüßung stellte Dr. Jürgen Riedler als BN-Kreisvorsitzender klar,  dass es gerade jetzt wichtig sei, „ den Klimawandel im Kontext der gesamten Ökologie zu sehen denn es  gebe es unter dem Deckmantel der „Klimafreundlichkeit“  Themenbereiche wie Digitalisierung , Elektromobilität, Biospritplantagen oder Ausbau von Wasserkraft in unverbauten Flusslandschaften  deren Kollateralschäden in Bezug auf Ressourcenverbrauch und drastischen Eingriffen in unsere Ökosysteme  gerade von uns als Naturschutzverband  durchaus kritisch diskutiert werden müssen.“

Aus der Sicht von Frau Dr. Winter bedeutet Nachhaltigkeit, dass man nicht mehr verbrauche als das was nachwachsen könne, dass man nicht mehr verschmutzen solle als die Menge, die sich wieder regenerieren könne. Auch solle man darauf achten, dass der eigene ökologische Fußabdruck so klein bleibe, dass eine Erde ausreicht. Momentan seien wir aber von diesem Ideal weit entfernt, so Dr. Winter: „Wenn alle Menschen so leben würden wie wir in Deutschland, dann bräuchten wir drei Erden“, so die Expertin, und weiter: „Gerade der Klimawandel verdeutlicht uns, dass jetzt dringend gehandelt werden muss und jeder versuchen sollte, sein Konsum- und Mobilitätsverhalten zu überdenken.“

In einer anschließenden Diskussion gab die Referentin noch  wertvolle Tipps  zur praktischen  persönlichen Umsetzung  und motivierte die Zuhörer, in kleinen Schritten anzufangen  und nannte Beispiele wie Carsharing, Tauschbörsen, Mehrgenerationenhäuser, Regio-Währung, solidarische Landwirtschaft sowie unverpackt und ökologisch einzukaufen und fairtrade-Angebote zu nutzen.


Kneippen in den Rottauen - muss das sein?

In den Rottauen, nahe dem "Grünen Klassenzimmer" der Ortsgruppe Pfarrkirchen, ist im letzten Abschnitt des Dr.-Bayer-Baches kurz vor seiner Einmündung in die Rott eine Kneipp-Anlage geplant. Hierzu hat der Pfarrkirchener Ortsgruppen-Vorsitzende Karl-Heinz Steiner einen Leserbrief für die Passauer Neue Presse verfasst. Hier dessen Wortlaut:

Leserbrief zum Artikel „Kneippen in den Rottauen rückt näher“ in der PNP/C vom Dienstag, dem 27. April 2021

Obwohl ich nur ungern Anderen ungefragt Ratschläge erteile, muss ich bei der geplanten Kneipp-Anlage im letzten Abschnitt des Dr.-Bayer-Baches in den Rottauen darauf hinweisen, dass sie in mehrfacher Hinsicht kontraproduktiv ist.
Zum einen wird durch den baulichen Eingriff in das Bachbett der Lebensraum für die Tierwelt nachteilig verändert. Durch das Kneippen im Dr.-Bayer-Bach wird darüber hinaus der Nährstoffeintrag (die Eutrophierung) erhöht, was mit einer Verschlechterung der Wasserqualität, einem Rückgang der Biodiversität und damit einem Verlust an Attraktivität verbunden sein wird. Wenn man erlebt hat, mit welcher Begeisterung unsere Kinder und Enkel in den 12 Jahren seit Bestehen des „Grünen Klassenzimmers“ jeden Sommer die ganze Vielfalt der Insekten und Kleinlebewesen aus dem Bach beim Kinderferienprogramm freudig untersucht haben, möchte man auf diesen sehr emotionalen Beitrag zum Erlernen der Gewässerbiologie für die Kinder und Jugendlichen nicht mehr verzichten.
Daneben ist anzumerken, dass eine „Gesundheitskonkurrenz“ zu dem von Pfarrkirchen aus leicht erreichbaren Bad Birnbach durch eine Kneipp-Anlage in Pfarrkirchen nicht nötig ist. Die durch die Corona-Pandemie ohnehin gebeutelten Orte des Bäderdreiecks sollten nicht durch Planungen in der Nachbarschaft, die auch noch bezuschusst werden, zusätzlich unter Druck geraten.
Wegen des Klimawandels ist außerdem zu erwarten, dass Starkregenereignisse in Zukunft noch häufiger auftreten werden als heute. Es wäre daher nachhaltig und sinnvoll, nicht nur die aktuellen Ausgaben und die Zuschussmöglichkeiten für die Kneipp-Anlage in den Rottauen auszuloten, sondern auch Folgekosten für das Säubern der Einrichtung, die für die Stadt Pfarrkirchen nach jedem Hochwasser anfallen können, langfristig zu berücksichtigen.
Um all das zu klären, ist es deshalb wünschenswert, auch bei solchen kleineren Planungsmaßnahmen die Träger öffentlicher Belange und die Nachbargemeinden mit einzubeziehen und zu befragen, selbst wenn dies baurechtlich nicht zwingend vorgeschrieben ist.

Karl-Heinz Steiner
BN-Ortsvorsitzender Pfarrkirchen und ehemaliger Stadtrat

 


„Naturschutz auch für die Seele“

Online-Vortrag beim BUND Naturschutz – „Diese Arbeit ist wichtig für die junge Generation“

Pfarrkirchen. In einer zum ersten Mal in der Kreisgruppe Rottal-Inn des BUND Naturschutz ausschließlich online durchgeführten Vortragsveranstaltung referierte der Natur- und Bienen-Experte Johannes Selmansberger. Der erfahrene Naturschützer zeigte in seinem Vortrag Zusammenhänge auf, wie Naturschutz positive Auswirkungen auf den Menschen hat und wie Naturschutz trotz vieler Widrigkeiten erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden kann. Auch erläuterte er, wie der Schutz der Natur und der Erhalt der Artenvielfalt auf unsere innere Verfassung wirkt.

BN-Kreisvorsitzender Dr. Jürgen Riedler begrüßte als Gäste neben der BN-Regionalreferentin für Niederbayern, Rita Rott, auch die sehr zahlreich per Konferenz-Software zugeschalteten Teilnehmer und meinte: "Gerade in der jetzigen Zeit passt der Vortrags-Titel, denn Gesundheit und seelisches Wohlergehen sind momentan in dieser Virus-Zeit besonders wichtig. Dieser online-Vortrag wird im Jahreslauf übrigens gefolgt werden von zwei weiteren digitalen Konferenzen: Am 12. Mai folgt das Thema "Mein Weg in ein nachhaltigeres Leben " mit Dr. Maiken Winter und am 11. November der Titel von Prof. Michael Schrödl "Unsere Natur stirbt - außer wir tun was".

Johannes Selmansberger charakterisierte dann zu Beginn seines Vortrages das Umfeld der vielfältigen Naturzerstörung auf der Erde mit dem Satz ‚Der Sonne ist es egal, was wir hier mit diesem Planeten treiben‘. Unser Verhalten der Natur und anderen Menschen gegenüber ist immer noch sehr archaisch, zuweilen gar feindlich. Wir benehmen uns den Arten gegenüber dramatisch schlecht, und die Politik schaut überwiegend untätig zu, weil sie von der gewinnorientierten Industrie beeinflusst ist. Das ist auch der Grund dafür, warum es der Bund Naturschutz gegenüber Politikern sehr schwer hat, die ja dem Kapitalismus verpflichtet sind.“

Er erläuterte auch, dass generell in der Gesellschaft etwas nicht stimme, was durch den dramatischen Anstieg der psychischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Burn-out, dokumentiert sei. Johannes Selmansberger gab zudem den Hinweis, dass jede naturschutzfachliche Argumentation so abgefasst sein müsse, dass auch ein Andersdenkender für sich einen Vorteil erkennen könne. Gleichermaßen sollten sich Argumente weniger an das logisch denkende Großhirn wenden, vielmehr an das mehr mit Gefühlen und Instinkten arbeitende Mittel- und Stammhirn: „Wir wissen alle, dass Natur und Umwelt ja die Seele ansprechen sollen, und das können sie nur tun, wenn wir genau diese Umwelt nicht zerstören. Denn wenn wir die Natur vernichten, wird dies auf uns alle zurückschlagen. Letztlich müssen wir dafür sorgen, dass die Harmonie in der Natur wieder regeneriert wird, denn die Zerstörung von Natur heißt auch Vernichtung des eigenen Lebensraumes.“

Allerdings warf der Referent aufgrund der vielfältigen Schwierigkeiten und der schier überwältigenden Aufgaben, denen sich der Natur- und Artenschutz weltweit in großen Teilen der Industrie und Politik gegenübersieht, auch die Frage auf: „Könnte man angesichts der vielfältigen und schier nicht enden wollenden Zerstörung unserer Lebensgrundlagen eigentlich zur Schlussfolgerung kommen, dass man letztlich machtlos ist und aufgeben muss?“

Dem setzte Johannes Selmansberger aber gleich auch ein klares Argument entgegen: „Es lohnt sich, weiterzumachen, um vor allem bei unseren Kindern und Jugendlichen mehr Bewusstsein für die Bedeutung einer intakten Natur zu fördern. Damit kann man der um sich greifenden Gleichgültigkeit entgegenwirken, denn eine gesunde Seele, die im Gleichgewicht ist, ist vor allem für Kinder wichtig“.

Hier sah der Referent auch einen weiteren Ansatz für unermüdliche Naturschutzarbeit: „Was wir machen, ist eine Sisyphus-Arbeit, denn manchmal hat man das Gefühl, immer wieder von vorne anfangen zu müssen. Aber schon wegen unserer jungen Generation lohnt es sich, hier wieder etwas voranzubringen. Dies kann man vor allem dann als Argument verwenden, wenn einem entgegengehalten wird, dass man ja auch ohne die Eidechsen oder ohne diesen oder jenen Baum leben könne – hier muss man dann den Vorteil für denjenigen herausstellen, der einem diese Argumente der Gleichgültigkeit entgegenhält. Aktiv werden, um in Zukunft ein gedeihliches Zusammenleben von Mensch und Umwelt zu haben, das lohnt sich, denn wenn es der Natur gut geht, geht es auch den Menschen gut.“ Der Referent empfahl abschließend auch, sich eine ruhige Gelassenheit anzueignen: „Ein gutes seelisches Gleichgewicht, das auf der Gelassenheit basiert, bringt auch etwas Erleichterndes mit sich, denn wenn man gelassen handelt, kann man auch etwas bewirken.“

Eine lebhafte online-Diskussion, die dem Vortrag folgte, brachte dann noch einmal das gesamte Spannungsfeld zwischen Befürwortung des Naturschutzes und gleichgültiger oder profitorientierter Gegnerschaft zutage, dem sich Naturschutz-Arbeit heute gegenübersieht. Jedoch hatte Johannes Selmansberger auch das beruhigende Fazit parat, das auch aus dem Titel seines Vortrages hervorging: „Nur wer etwas für die Natur tut, tut auch etwas für seine Seele.“    -wh


Amphibien wandern wieder: Vorsicht und Rücksicht beim Autofahren

Bund Naturschutz appelliert an Verkehrsteilnehmer – Gefährdungen für Tiere und Autofahrer vermeiden

9. März 2021. Pfarrkirchen. Mit den demnächst ersten wärmeren Tagen und frostfreien Nächten und vor allem bei regnerischem Wetter machen die Amphibien sich wieder auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Vor allem in den Abend- und Nachtstunden überqueren sie dann scharenweise unsere Straßen. Deshalb sind in den nächsten Wochen wieder die ehrenamtlich Aktiven des BUND Naturschutz an Straßenrändern unterwegs, bauen Amphibienzäune auf und bringen die dort eingesammelten Tiere sicher auf die andere Straßenseite. Im Landkreis Rottal-Inn ist der Beginn der Amphibienwanderung Anfang März zwar durch den Kälteeinbruch mit vielen Frostnächten gestoppt worden. Jetzt dürfte aber die Wanderung der Tiere demnächst überall einsetzen.
Schutzzäune wurden aufgestellt entlang verschiedener Straßen im Landkreis, z.B. bei Julbach, Massing, Reicheneibach, Neukirchen bei Arnstorf , Thannöd bei Triftern, in Pfarrkirchen-Gehring, in Baumgarten bei Dietersburg und in Loh bei Sattlern. Alle Autofahrer werden gebeten, die Warnschilder zu beachten und überall in Nächten mit Regen und Temperaturen um die 5 Grad langsam und vorsichtig zu fahren.
Der Schutz der Amphibien gewinnt immer gravierendere Bedeutung, wie der BN mitteilt, weil gerade diese Tierarten vom weltweit zu verzeichnenden, drastischen Artenrückgang besonders betroffen sind. In diesem Zusammenhang bietet die Kreisgruppe des BN  allen interessierten Bürgern auch Infos über Amphibien und bittet dringend um Meldung über neu entdeckte und von vielen Tieren genutzte Amphibien-Wanderwege an befahrenen Straßen unter der Tel.-Nr. 08562-9636086 an die BN-Kreisgeschäftsstelle in Anzenkirchen.   –wh


Sorge um die Igel geht weiter

Einnahmen vom Igelstand übergeben – Tier-Hilfe auch jetzt noch nötig

Simbach. Immer noch werden kranke Igel zur Naturpädagogin und Artenschutz-Expertin Marianne Watzenberger gebracht. Wie sie erzählt, haben neulich erst Spaziergänger einen Igel gar im Schnee gefunden. „Um diese Jahreszeit darf kein Igel unterwegs sein. So ein Findling muss unbedingt mitgenommen und versorgt werden, sonst ist ihm der Tod gewiss. Man muss ihn Zuhause erst einmal auf eine warme Unterlage legen, z.B. auf eine warme Wärmeflasche, eine mit warmen Wasser gefüllte Plastikflasche oder zur Not auf einen gefüllten Einmalhandschuh, damit der Stoffwechsel wieder in Schwung kommt“, erklärt die Natur-Expertin. Erst wenn der Igel wieder aufgewärmt sei, dürfe ihm Futter angeboten werden, mahnt Marianne Watzenberger, denn zu früh und unterkühlt gegeben, würde das Futter zu Verdauungsstörungen bis hin zum Tod führen. Auch müsse der Igel unbedingt auf Parasiten untersucht werden, denn fast kein Igel sei unter den schwierigen Lebensbedingungen ohne Befall.

Bei dieser Gelegenheit bittet Watzenberger wieder alle um aktive Mithilfe für die Igel im herannahenden Frühling. Denn nach dem kräftezehrenden Winterschlaf seien viele Igel abgemagert und schwach und finden nicht genug Futter. „Wer die Möglichkeit hat, stellt bitte hochwertiges Katzennass- oder Trockenfutter  und eine Schale Wasser in den Garten, möglichst unter ein Kistchen mit kleinen Eingängen, damit es vor Katzen geschützt ist“, erläutert sie und gibt auch weitere Hinweise: „Das meiste verwendete Igelfutter enthält Getreide und Zucker oder Honig, was für Igel als reine Fleisch/Insektenfresser völlig ungeeignet ist. Auch Nüsse sind nicht geeignet, auch wenn sich die Igel beim Vogelfutterhaus aus Hunger oft daran bedienen.  Beim Futterkauf sollte man bitte darauf achten, dass es mindestens 60 Prozent Fleischanteil enthält und getreide- und zuckerfrei ist. Mindestens genauso wichtig sind aber naturnahen Gärten, in denen die Igel gute Unterschlupfmöglichkeiten und Futter finden, damit die Igel die mittlerweile als gefährdet eingestuft sind, eine Chance zum Überleben haben.“ Marianne Watzenberger stellt letztlich fest, dass Einzelpersonen allein die Igel nicht retten könnten, „aber gemeinsam können wir viel bewirken“, hofft die Natur-Expertin.

Doch es gibt auch Positives, wie sie meldet: Stattliche 562 Euro seien zusammengekommen auf dem kleinen Igelhilfestand, der beim Christbaumverkauf der Familie Neubauer stand. 47 Häkel-Mützen, 56 kleine Häkel-Igelchen und diverse Wachstaler und Kerzen seien mitgenommen worden und dafür viele kleine Scheine in die Sammelbox gesteckt worden, die nun corona-konform von Heidi Schmideder in winterlicher Kulisse an Marianne Watzenberger übergeben wurde. Dazu kamen noch 42 Euro von Petra Maier von TonInnTon, die kleine Ton-Trolle zugunsten der Igelhilfe verkauft. So waren in der Box immerhin 604 Euro. „Da gebührt auch der Familie Neubauer noch ein Dankeschön, ohne deren Mithilfe es nicht möglich gewesen wäre, den Stand unbewacht stehen zu lassen“, lobt Marianne Watzenberger, die auch feststellt, dass etliche Igelfreunde direkt auf das Konto des Tierschutzvereines überwiesen hätten, weil ihnen der Betrag zu groß war zum Einwerfen - und so seien insgesamt gut 700 Euro für die Igelhilfe zusammengekommen. „Wir bedanken uns im Namen der bedrohten Igel bei allen Spendern“, stellen die Igelschutz-Damen dankbar fest.   -wh


Was Bäume für uns leisten

Vom Wert großer Bäume in Zeiten des Klimawandels – Bund Naturschutz fordert ein Umdenken bei Baumfällungen.

Pfarrkirchen. Derzeit wird der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn (BN) nicht nur von Kahlschlägen im Außenbereich berichtet. Vielfach betreffen die Baumfällungen auch große, alte Bäume im Innenbereich von Städten und Gemeinden. Deshalb möchte BN-Kreisgruppe für den Erhalt von Altbäumen werben und ihren Gesamtwert beleuchten. Dazu wurden von den Naturschützern einige Fakten zusammengefasst und als Information herausgegeben.
Ein alter Baum komme demnach besonders dann ins Gedächtnis, wenn er im Zuge von Bau- oder Verkehrssicherungsmaßnahmen gefällt werden soll. Bisweilen schlagen die Wellen auch im Landkreis Rottal-Inn sehr hoch, wie in Taufkirchen oder zuletzt in Simbach am Inn, wo rund 20 hundertjährige Eichen der Säge zum Opfer fielen. Mit 700 bis 800 Jahren erreichen Stiel- und Trauben-Eichen ein Alter, das nicht nur das der meisten anderen Baumarten übertrifft, sondern aus menschlicher Sicht fast auf die Ewigkeit ausgerichtet scheint. Hundertjährige Eichen zu fällen bedeutet, ihren Lebenszyklus bereits in der Jugend ihrer Jahre zu beenden. Die Bedeutung und Beliebtheit von Eichen spiegelt sich in unzähligen Familien- und Ortsnamen wider. Kelten und Germanen verehrten die Eiche auch als göttlichen Baum.

Schattenspender und Luftbefeuchter Baum

Der Klimawandel macht sich im Innenbereich von Städten und Gemeinden besonders stark bemerkbar. In den letzten Jahren wurden in verschiedenen Kommunen mehrfach Temperaturen von über 40 Grad gemessen. Vorhersagen für Süddeutschland zeigen, dass die Sommertemperaturen im Vergleich zu ganz Deutschland überdurchschnittlich zunehmen und sich die sommerlichen Niederschläge besonders stark verringern werden. Europaweit hatte die Hitzewelle des Jahres 2003 bereits 70 000 zusätzliche Todesfälle zur Folge.
Um der Belastung durch die extremen sommerlichen Temperaturen entgegenzuwirken, kommt den Bäumen eine wesentliche Rolle zu. Bäume tragen im Vergleich zu Sträuchern und Grasflächen durch Verdunstung und Schattenwirkung am stärksten zur Minderung der Auswirkungen des Klimawandels bei.
Bäume sind hervorragende Schattenspender, ein Vorteil gerade auch für ältere Personen, die im Sommer besonders unter der großen Hitze leiden.
Ein einziger Baumriese verdunstet bis zu 500 Liter Wasser am Tag und hat die Kühlleistung von 10 bis 15 Klimaanlagen. Das bedeutet, dass an heißen Sommertagen im Schatten der grünen Riesen die Temperatur circa 10 Grad niedriger liegt. Im Winter erzeugt ein Baum die umgekehrte Wirkung. Er senkt die Windgeschwindigkeit um 85 Prozent und reduziert so die „gefühlte“ Temperatur. Das lässt den Menschen die Kälte weniger spüren, und ein gut vor dem Haus platzierter Baum kann bis zu 25 Prozent der Energie zum Heizen und Kühlen reduzieren.

Sauerstoffproduzent und Kohlenstoffspeicher Baum

Im Durchschnitt produziert ein hundertjähriger Baum so viel Sauerstoff, wie ihn rund 10 Menschen brauchen. Bäume bremsen auch den Klimawandel, indem sie das Kohlendioxid aus der Luft aufnehmen. Für die Bildung von einem Kubikmeter Holz verbraucht der Baum dabei durchschnittlich eine Tonne CO2.

Feinstaubfilter Baum

Eine ausgewachsene Buche, Eiche oder Kastanie bindet pro Jahr etwa 100 kg Feinstaub und Partikel aus der Luft. Bäume sind damit die „Grüne Lunge“ von Städten und Siedlungsräumen.

Lebensraum und Artenhotspot Baum

In Deutschland sind etwa 6.700 Tierarten auf Bäume angewiesen, die für kleinste Insekten oder für große Raubtiere Nahrung, Lebensraum und Schutz bieten. Ein Baum ist letztlich ein eigenes kleines Biotop. In jeder "Etage" der Baumkrone finden sich eigene, nur darauf spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Rekordhalter-Baumarten mit der höchsten darauf vorkommenden Anzahl an verschiedenen Arten sind die Zitterpappel, verschiedene Weidenarten und die beiden in Deutschland heimischen Stiel- und Traubeneichen. Mit Abstand am schlechtesten hinsichtlich darauf vorkommender Arten sind fremdländische Gehölze wie z.B. Forsythie, Kirschlorbeer, Thuja und Scheinzypresse. Und selbst tote Bäume sind noch ein wertvolles Biotop, wobei auch dort unterschieden werden muss zwischen Arten auf stehendem Totholz und liegendem Totholz. Besonders stehendes Totholz ist ökologisch sehr wertvoll. Aber auch bereits liegende Baumstämme bereichern deutlich das Nahrungs- und Lebensraumangebot von Tieren und Pflanzen.

Menschliche Gesundheit und Baum

Die positive Wirkung von Bäumen auf Menschen hinsichtlich körperlicher, geistiger und seelischer Gesundheit, Lebensqualität und Lebensdauer, bzw. Mortalität ist unbestritten. Nach neueren Studien reduzieren Bäume in Städten Stress und fördern die körperliche Gesundheit, insbesondere die heute so häufigen Herz-/Kreislauferkrankungen und deren Risikofaktoren Diabetes und Hypertonie. Einzeln stehende Bäume in der unmittelbaren Umgebung wirken sich auf die Gesundheit stärker aus als etwa Bäume, die in Grünanlagen in größeren Abständen über die Stadt verteilt sind.

Volkswirtschaftlicher Wert eines Baumes

Ein Baum hat eine Vielzahl von Funktionen. Je nachdem, zu welchem Nutzen er gepflanzt wurde, lässt sich sein exakter wirtschaftlicher Wert nur schwer bestimmen. Unter volkswirtschaftlicher Berechnung der Vielzahl an Dienstleistungen entspricht das für eine hundertjährige Buche im Laufe ihres Lebens etwa einem Wert von 66.000 Euro.

Aus all den positiven Faktoren, die Baumbewuchs dem Menschen bringt, leitet der BN Rottal-Inn einige Anregungen und letztlich Anforderungen an die Politik und kommunale Verwaltungen ab.

Mehr große Bäume erhalten

- Der Wert großer Bäume wird also schnell unterschätzt. Das ganze Jahr über leisten unsere Bäume für die Allgemeinheit ganz Erstaunliches. Privatbesitzer, Städte und Kommunen müssen sich des Wertes ihrer Bäume bewusst sein und noch mehr Anstrengungen zur Erhaltung alter Bäume unternehmen. Dazu soll eine Baumschutzverordnung erlassen und  ein Baumkataster erstellt werden.
-  Die gesetzlich vorgeschriebene zweimalige Untersuchung von Bäumen bzw. Sichtung von neu entstandenen Schäden nach Starkwind und Schneebruch durch zertifizierte Baumsachverständige mit anschließender Beseitigung der Schäden genügen der Sorgfaltspflicht. Es darf keine vorsorgliche Fällung von Altbäumen zur Erfüllung der Verkehrssicherungspflicht mehr geben.
- Die Kommunen sollen mit Rat und Tat die Privatbesitzer einzelner großer Bäume unterstützen, wenn diese die Baumpflege oder Laubentfernung nicht leisten können

Neupflanzung von Bäumen in Städten und Gemeinden

Vor allem die Bäume in Städten und Siedlungsgebieten stehen in Zeiten des Klimawandels unter großem Stress. Viele Bäume werden der Trockenheit, aber auch völlig neuen Schädlingen zum Opfer fallen. Deshalb genügt es nicht, den Altbestand an Bäumen zu erhalten. Es muss umgehend mit einer Pflanzoffensive begonnen werden.
- Dazu soll eine große Menge von Einzelbäumen  über das Stadt- oder Gemeindegebiet verteilt gepflanzt werden, wie z. B. in Pfaffenhofen an der Ilm, wo 2019 der Stadtrat die Pflanzung von 500 Bäumen beschlossen hat. Dadurch werden die Bürger möglichst hohe Ökosystemleistungen erhalten.
- Es soll auf eine möglichst hohe Durchmischung der zu pflanzenden Baumarten geachtet werden. Dadurch wird die Artenvielfalt des bestehenden Baumbestandes erhöht und die Anfälligkeit gegenüber klima- oder schädlingsbedingten Ausfällen verringert.
- Bei der Pflanzung soll die Entwicklung des Altbestandes berücksichtigt werden. Das bedeutet, dass gut klimaverträgliche Bäume nahe an den Standort von Bäumen mit geringer Lebenserwartung und Vitalität gepflanzt werden.
- Den neu zu pflanzenden Bäumen muss mehr durchwurzelbarer Raum als bisher zur Verfügung gestellt werden.

Erhalt von Totholzbäumen

Absterbende und abgestorbene, aber noch nicht gestürzte Bäume sind wertvolle Lebensräume, Nahrungsquelle, Nistgelegenheit, Rückzugsgebiet, Sitzwarte usw. Man sollte an Standorten, die der Verkehrssicherungspflicht unterliegen, einen abgestorbenen, vielleicht auch hohlen Baum, in maximal vier Metern Höhe zu einem Torso oder Baumgerippe schneiden und den Stumpf stehen lassen. Denn sofern kein Pilz am Stammfuß die Standfestigkeit beeinträchtigt, kann unter günstigen Klimabedingungen ein toter Baum noch jahrzehntelang stehen. Auch liegendes Totholz ist ein kleines, äußerst wertvolles Ökosystem.  Auf jeden Fall benötigen die holzzersetzenden Organismen so lange für den Abbau, bis der daneben neu gepflanzte Baum wieder eine stattliche Größe erreicht hat.


Abholzen – muss das immer sein?

Bund Naturschutz: „Verkehrssicherung“ eng auslegen – Wirksame Schutzmaßnahmen überfällig

Simbach. Aus aktuellem Anlass gibt die Bund-Naturschutz-Ortsgruppe „Unterer Inn“ eine Information heraus, die besonders auf das jetzt – so die Umweltschutz-Gruppierung – wieder verstärkt zu beobachtende Abholzen von Baumgruppen oder Gehölzflächen sowohl in Wohngegenden als auch in Siedlungs-Randgebieten eingeht.

Konkret erreichte den BN „Unterer Inn“ der Anruf eines aufgeregten Anwohners, der mitteilte, dass am Stadlecker Weg direkt an der Grenze zwischen Simbach und Kirchdorf der gesamte Bestand (15 bis 20 Stück) der 200- bis 300-jährigen Eichen gefällt wurde. Beim Augenschein habe sich den anwesenden Bürgern ein „erschreckendes Bild“ geboten, wie manche feststellten. Bis auf eine Eiche waren alle gefällt worden, und die jungen Turmfalken von letztem Jahr flogen aufgeregt umher, weil ihre Standplätze weg waren. Bei einem Gespräch mit dem Besitzer sei den Anwesenden schnell klar geworden, dass die dürren Äste, die in die Straße hineinragten, entfernt werden mussten, damit kein Schaden an Mensch und/oder Auto entstehen könne. Aber man stellte sich die Frage, warum alle Bäume hätten weichen müssen, darunter auch die, die in 20 m Entfernung von der Straße standen.

Dazu teilt der Bund Naturschutz mit, dass sicher die so genannte Verkehrssicherungspflicht ein Argument sei, öffentlichen Raum zu sichern, denn laut den rechtlichen Vorschriften habe derjenige, der eine Gefahrenquelle schaffe oder unterhalte, die Pflicht, die notwendigen und zumutbaren Vorkehrungen (Sicherungsmaßnahmen) zu treffen, um Schäden anderer zu verhindern – hier Schäden im öffentlichen Raum. Das Unterlassen der entsprechenden Maßnahmen könne dann im Schadensfall zu Schadenersatzansprüchen führen. Wer sich allerdings unbefugt in einen Gefahrenbereich begebe – also beispielsweise auf ein Privatgrundstück eindringe – habe keinen Anspruch auf Schadenersatz.

Das Argument der Verkehrssicherungspflicht, also beispielsweise für eine Straße, werde allerdings, so die Naturschützer, oftmals neuerdings auch fast „inflationär“ verwendet, um flächigere Abholzungsmaßnahmen durchzuführen – oft über das eigentlich notwendige Maß der Verkehrssicherung hinausgehend. Dies werde, wie man in den letzten Jahren verstärkt beobachtet habe, nicht nur von privaten Grundstückseigentümern so gehandhabt, sondern auch von Verwaltungen und Bauhöfen in Gemeinden, Märkten und Städten. Weit verbreitet sei dann oftmals das komplette Abholzen. Dass damit ein großer Schaden an der Natur und besonders an der ohnehin drastisch abnehmenden Artenvielfalt entstehe, sei vielen Verantwortlichen entweder nicht klar. Oder man schlage bewusst vorsätzlich mehr Holz ab, als nur für die Maßnahmen der reinen Verkehrssicherung nötig seien, um – oft aus weitergehenden Absichten – erst einmal vollendete Tatsachen zu schaffen. Denn ein gefällter Baum sei weg und nicht – zumindest nicht auf unmittelbare Weise – zu ersetzen. Oft werde hinterher auch das Argument gebraucht, „etwas sei bei den Arbeiten aus dem Ruder gelaufen“ oder dass sich die ausführenden Unternehmen unachtsam verhalten hätten. Es gebe hier, wie der Bund Naturschutz feststellt, geradezu eine phantasievolle Vielfalt an scheinbar von Schuld oder Absicht befreienden Argumenten, um Kahlschlag zu realisieren und nicht umkehrbare Tatsachen zu schaffen. In Ermangelung von wirksamer Sanktionierung in Form entsprechender Strafen und auch mangels von Baumschutzverordnungen in Kommunen werde es vielen Grundstückseigentümern und den kommunalen Verwaltungen geradezu leicht gemacht, vollendete Tatsachen zu schaffen, um finanzielle, arbeitssparende oder besitzverändernde Vorteile durch die Abholzungen zu erlangen – die „Verkehrssicherungspflicht“ werde dann oft genug als Argument überdehnt vorgeschoben.

Der Bund Naturschutz sieht in solchen Maßnahmen die Manifestation einer Entwicklung, die alle Bemühungen um den Erhalt der Artenvielfalt in einer intakten Natur entgegenlaufe. Wäre der Schadstoffeintrag durch Heizungen und Verkehr in die „grünen Lungen“ einigermaßen erfolgreich in den 1980er Jahren vermindert worden, so erfahre seit längerem schon das Waldsterben durch die Klima-Katastrophe eine ganz neue Dimension: Wälder in verschiedenen Regionen Bayerns und Deutschlands habe es hart getroffen, auch bei uns. Vor allem die Nadelbaumarten Kiefer und Fichte würden unter den zunehmenden Klimaextremen Hitze, Trockenheit und Stürme leiden. In Nordbayern und in anderen Bundesländern würden in den tieferen und wärmeren Lagen immer mehr Kiefern absterben, teilweise sogar ganze Wälder. Und als ob das noch nicht ausreiche, so beende in den Mittelgebirgen und in Südbayern der Borkenkäfer aktuell das Leiden zahlreicher Fichten, die durch Hitze und Trockenheit stark geschwächt seien. Als gute Alternativen zu diesen besonders gefährdeten Baumarten würden derzeit Buchen, Weißtannen und besonders die Eichen zählen, die eine moderate Erwärmung noch am besten verkraften würden. Aber anstatt diese nun besonders zu schützen, würden zahlreiche gesunde und oft 200-jährige Eichen gefällt – wie im aktuellen Beispiel der Abholzung am Stadlecker Weg.

Der Bund Naturschutz stellt nun die Frage, ob solche Maßnahmen das „Waldsterben 3.0“ einleiten würden, dass nämlich in einer Art Panikreaktion noch schnell mehr und mehr gesunde Bäume gefällt würden, die noch schnell zu Geld gemacht werden, bevor sie vielleicht an Wert verlieren? Sehe man sich in der Gegend um, könnte man genau das glauben, denn sogar Eichen der Waldränder, die als Schutz vor Stürmen bisher den dahinter liegenden Wald schützten, würden verschwinden.

Dabei seien Eichen nicht nur Holz, so die Naturschützer. Schon von alters her sei es den Menschen aufgefallen, dass Eichen eine ungewöhnliche Vielfalt von Insekten beherbergen würden (bis zu 1000 Arten in der Krone) und damit der bedrohten Artenvielfalt entgegenwirken könnten. Außerdem seien Eichen ein Nahrungshabitat der Raupen von über 100 Schmetterlingsarten. Zudem produziere eine alte, gesunde und große Eiche problemlos jeden Tag so viel Sauerstoff, wie 10 Menschen zum Atmen benötigen würden, abgesehen von der Staubfilterung, dem Verdunstungs-Kühlungseffekt, der Lärmminderung, der CO2-Speicherung und der Verschönerung – denn Wälder und auch kleinere Feldgehölze stellten auch Erholungs-Areale für den Menschen dar.

Der BN weist darauf hin, dass die Bäume auch Lebewesen seien wie Menschen, dass sie deshalb besonderen Schutz verdienen würden – weit über ihren Nutzen als CO2-Speicher hinaus. Und es wird gefragt, wo Menschen seien, die große Bäume auch in ihren eigenen Gärten und bei den Nachbarn dulden und sich nicht über Schatten und Laubfall im Herbst aufregen würden. Und wo die Gerichte und Rechtsvorschriften seien, die den Schutz von Gehölzen über persönliche Wünsche von Menschen stellen, die sich von ihnen gestört fühlen? Viel zu selten gebe es auch Kommunen, so monieren die Naturschutz-Verbände, die mit gutem Beispiel vorangehen würden. Und ebenso selten gebe es auch die Gemeinden, die Baumbesitzer in ihren Bemühungen, alte Bäume zu erhalten, tatkräftig unterstützen würden, die auch zum Beispiel eine Baumschutzverordnung erlassen und sie nicht nur auf die Verkehrssicherungspflicht hinweisen würden.

Schließlich appelliert der Bund Naturschutz, dass man die Kettensägen und Harvester auch in vielen Bereichen ruhen lassen solle und dass man an die Kinder und Enkel nicht eine innere Haltung weitergeben dürfe, die Haftungsfragen, Nachlässigkeit und wirtschaftliche Aspekte über alles andere stelle, sondern vielmehr eine positive Einstellung zum Leben, zur Natur und zur Artenvielfalt vermittle.     -wh


2020: Rückblick ohne Hauptversammlung

Sommer-Veranstaltungen im Freien noch durchgeführt - Größter Biotop-Erwerb der Kreisgruppe

19.11.2020_Pfarrkirchen. Die Kreisgruppe Rottal-Inn des Bund Naturschutz teilt mit, dass die für den 25. November in Pfarrkirchen geplante Jahreshauptversammlung aus bekannten Gründen entfallen muss – und damit auch der traditionelle Naturschutz-Jahresrückblick, der stets den Mitgliedern und Gästen bei der Versammlung präsentiert wurde. "Zwar hat die Virus-Krise auch viele unserer Gemeinschafts- oder Vortrags-Veranstaltungen sowie Versammlungen in diesem Jahr verhindert“, so der 1. Vorsitzende Dr. Jürgen Riedler, „aber dennoch konnten wir Exkursionen, Biotop-Besichtigungen und Pflegemaßnahmen im Sommer durchführen, weil sie eben noch vor den Ende Oktober in Kraft getretenen Begegnungs-Vorschriften im Freien stattfanden und deshalb von den äußeren Bedingungen her leichter zu handhaben waren.“

Zu den wesentlichen Ereignissen im Jahr 2020 hätten nach den Worten von Dr. Jürgen Riedler der Umzug der Kreis-Geschäftsstelle nach Anzenkirchen gezählt, für den Erhalt der Artenvielfalt seien aber insbesondere der Erwerb eines Auwalds in der Berghamer Au und ganz besonders der mit zwei benachbarten BN-Kreisgruppen durchgeführte Kauf eines 7 ha großen Biotopgebietes am Sulzbach im Norden des Landkreises als bedeutende Maßnahmen zu erwähnen gewesen.

„Vom Sulzbach-Biotop versprechen wir uns einen beachtlichen Schritt nach vorne was die Unterstützung der heimischen Artenvielfalt betrifft“, wie der Vorsitzende erwähnt. Unter Einhaltung der geltenden Richtlinien seien aber auch Biotop-Begehungen und mehrere Amphibien-Exkursionen mit Fachleuten sowie auch der Geo-Tag der Artenvielfalt am Sulzbach zu nennen gewesen - ebenso die Initiativen bezüglich des Schutzes der heimischen Wälder. Der Vorsitzende erwähnte aber auch das entsprechend den Gesundheits-Richtlinien abgehaltene Ferienprogramm in Pfarrkirchen, den BN-Familientag bei Ering, mehrere Schwammerl-Exkursionen, den Waldzustands-Vortrag in Arnstorf sowie Exkursionen am unteren Inn. „Aber auch einige Stellungnahmen wurden von der Kreisgruppe als Träger öffentlicher Belange verschiedenen Projekten mitgegeben, so beispielsweise bezüglich des dreispurigen Ausbaus der B388 östlich Eggenfelden oder zum Thema des geplanten Gewerbegebiets Neuaich. Insgesamt war es durchaus ein interessantes, arbeitsreiches aber bezüglich der Virus-Krise doch auch belastendes Jahr“, bilanziert der Kreisgruppe-Vorsitzende, „und wir hoffen, dass sich die allgemeine Situation mittelfristig verbessert. Zunächst müssen wir uns jedoch damit abfinden, dass wir heuer keine Jahreshauptversammlung am 25. November durchführen können. Wir werden aber dennoch die Bevölkerung und vor allem die Mitglieder mithilfe von Rundschreiben, Ankündigungen in der PNP oder über unsere Homepage 'Rottal-Inn.Bund-Naturschutz.de' immer aktuell auf dem Laufenden halten und bitten um entsprechende Beachtung“, so der Vorsitzende.   -wh


Sulzbachtal: Größter Biotop-Ankauf der Kreisgruppe

Großes Plus für die Artenvielfalt - Dank an Geschäftsleiterin Marianne Watzenberger

Johanniskirchen. Durch Uferverbauung, Überdüngung und viele weitere schädliche Einflüsse sind von vielen Auwald-Biotopen an Bächen nur wenige Restbestände geblieben. Um aber einem derartigen Biotop wieder zu mehr Artenvielfalt zu verhelfen, haben die Bund-Naturschutz-Kreisgruppen Rottal-Inn, Passau und Dingolfing-Landau ein fast 7 Hektar großes Auwald-Areal erworben. Es liegt  zwischen Uttigkofen (Gemeinde Aldersbach, Landkreis Passau) und Emmersdorf (Gemeinde Johanniskirchen, Landkreis Rottal-Inn) und wird direkt vom Erlbach und dem Sulzbach, einem Nebengewässer der Unteren Vils, durchflossen.

Erworben wurde die Fläche mit Förderung des Bayerischen Naturschutzfonds. Richard Mergner, der Landesvorsitzende des Bund Naturschutz Bayern, kommentiert anlässlich der Vorstellung der neu erworbenen Fläche die Bedeutung dieses Gebietes: „Wir können hier ein Stück wertvollste Natur wiedergewinnen und manche Sünde aus der Vergangenheit korrigieren, da wir versuchen, in ehemals intensiv genutzten Gebieten wieder Rückzugsorte für bedrohte Arten zu schaffen. Das Biotop hier ist deshalb sehr wertvoll, weil es eine schöne Auenlandschaft als entwicklungsfähige Basis hat.“
Marianne Watzenberger, Geschäftsführerin der BN-Kreisgruppe Rottal-Inn äußert sich ebenfalls positiv: „Es gibt im Landkreis Rottal-Inn mehrere schöne Biotope, aber es sind nur kleinere, die man schwerer erhalten kann. Diese 7 Hektar sind etwas ganz Besonderes, weil hier eine doch größere, zusammenhängende Fläche vorliegt, die effizienter zu pflegen ist. Insgesamt ist dieser Biotop-Ankauf bezüglich der Fläche der größte, den die Kreisgruppe Rottal-Inn getan hat. Die Kreisgruppe Rottal-Inn hat in diesem Zusammenhang den Antrag beim Naturschutzfonds und beim Landesverband gestellt, um die Fläche zu erwerben. Ein Dank gilt hier auch der Kreisgruppe Dingolfing-Landau, die den Kauf finanziell sehr unterstützt hat.“

Es ist vor allem dem unermüdlichen Einsatz von Geschäftsleiterin Marianne Watzenberger zu verdanken, wie Kreisgruppen-Vorsitzender Dr. Jürgen Riedler betonte, dass das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Bei Ihr sind alle Fäden in der Geschäftsstelle unserer Kreisgruppe zusammengelaufen.   Um diesen großen Erfolg zu feiern gab es am Mittwoch den 7. Oktober im Gasthaus Johanniskirchen eine Auwaldfeier mit Vertretern der Kreisgruppen von Rottal-Inn , Passau und Dingolfing Landau zusammen mit Richard Mergner und den vielen Aktiven und Mithelfern die zum positiven Abschluss des Projektes beigetragen haben.

Die gekaufte Fläche soll nun schrittweise wieder zu einem naturnahen Fließgewässerabschnitt mit großem Auenbereich entwickelt werden. Entscheidend ist dabei, dass die natürliche Dynamik des Wassers, die typisch und prägend für Auenbereiche ist, wieder in Gang kommt. Die Voraussetzungen am Sulzbach sind gut: Der Bach ist weitgehend unverbaut mit Auwaldsaum und Hochstauden auf beiden Seiten, die Elemente einer klassischen Au sind mit Wiese, Wald und Wasser bereits vorhanden.

„Durch das Grundstück verläuft die Landkreisgrenze. Das war beim Kauf und ist bei der Pflege eine kleine Herausforderung. Aber im Naturschutz arbeiten wir hier sehr gut zusammen“, so Karl Haberzettl, BN-Kreisvorsitzender Passau und Mitglied des Landesvorstands.  

Gemeinsam wurde bereits ein Pflege- und Entwicklungsplan zur ökologischen Optimierung der Weichholzaue erstellt. Das Konzept, das dahinter steht, basiert auf einem einfachen ökologischen Grundprinzip: Der Bach gestaltet seine Umgebung maßgeblich mit und schafft – wenn man ihm den Platz dafür einräumt – so eine Vielfalt an kleinen, unterschiedlichen Lebensräumen. Und diese Vielfalt an Lebensräumen führt zur Vielfalt auf der Artenliste.

Und auf der Artenliste – die beteiligten BN-Kreisgruppen haben beim Geotag der Artenvielfalt im Sommer diesen Jahres systematisch kartiert – stehen bereits jetzt Bekassine, Raubwürger und Flussuferläufer als Arten der Roten Liste 1 (sehr gefährdet). Und natürlich der Eisvogel. Im Bereich der Amphibien und Reptilien konnten Ringelnatter, Laubfrosch, Grasfrosch sowie kleine Restvorkommen an Bergmolch und Teichmolch nachgewiesen werden. Als Vertreter der Insekten wurden Libellen, Schmetterlinge und Heuschrecken gesichtet – und als Besonderheit der Deutsche Sandlaufkäfer, der offene spärlich bewachsene feuchte Bereiche braucht. Als Pflanzenraritäten stehen dort Goldschopfhahnenfuß, Moschuskraut und Froschlöffel.

An der Pflege werden neben den BN-Kreisgruppen auch die Landschaftspflegeverbände aus Rottal-Inn und Passau beteiligt sein: In dieser Kooperation sollen dann zum Beispiel gezielt die Fichten entnommen und wieder Bäume der Weichholzauen wie Schwarzpappeln oder Weiden nachgepflanzt werden. Ein hoher Anteil an Totholz – liegend und stehend – soll die Fläche aufwerten. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Verteilung des Wassers im Gelände: der Erlbach darf wie früher flächig durch das Grundstück fließen und soll die Auwaldwiese wieder vernässen. Interessant sind auch im Gelände die zwei Fischteiche im Zentrum, die umgestaltet werden für Amphibien, Reptilien und Libellen mit Flachwasserbereichen und sanften Uferübergängen sowie standortgemäßer Ufer- und Unterwasservegetation.

BN-Landesvorsitzender Richard Mergner würdigte zusammenfassend die gesamten Bemühungen rund um den Erwerb des Biotops: „Was die ehrenamtlichen Mitglieder des Bund Naturschutz hier schaffen, ist auch eine zentrale Unterstützung der Anliegen der bayerischen Staatsregierung. Wir fordern deshalb vom Staat und den zuständigen Behörden in Niederbayern, dass diese Arbeit fortgesetzt und weiter unterstützt wird, das Ganze ist nicht zuletzt im Sinne der Wasserschutz-Rahmenrichtlinie.   -wh
 

Das Sulzbachtal-Biotop


Und sie bewegen sich doch!

Die geheimnisvolle Welt der Pilze

An der Waldkapelle Schellenberg fanden sich kürzlich bei sonnigem Herbstwetter über 80 interessierte Teilnehmer ein. Die Schwammerl-Exkursion wurde von der BUND Naturschutz (BN)- Ortsgruppe Unterer Inn und dem Obst- und Gartenbauverein Kirchdorf-Julbach veranstaltet.

Zunächst begrüßte die Organisatorin und BN-Ortsvorsitzende Marianne Watzenberger die Anwesenden und stellte die Leiter der Exkursion vor:  Die Pilz-Experten Gudrun und Gotthard Grimbs. Dass Pilze nicht nur zum Essen da seien, wurde schnell klar: „86 % der Pflanzen brauchten Pilze, um wachsen zu können“, so der Spezialist Gotthard Grimbs.

Da sich weitere Pilz-Experten angemeldet hatten, konnten die Teilnehmer in kleinen Gruppen und in unterschiedlichen Richtungen von der Kapelle aus in den Wald ausschwärmen. Dort erfuhren sie, welch unglaubliche Vielfalt an Formen und Farben Schwammerl vorweisen können. Auch der Geruch ist ein Kriterium für die Pilz-Bestimmung. „Die können nach Bittermandel riechen, aber auch nach Camembert, Hering, Leder oder Honig“, erklärte Gudrun Grimbs.

Besonders beeindruckt waren die Pilz-Enthusiasten, als sie erfuhren, dass sich bestimmte Pilze aktiv fortbewegen können! Der Schleimpilz mit dem schönen Namen „Hexenbutter“ sei dazu in der Lage: „Schleimpilze gehen auf Wanderschaft“, schmunzelte Grimbs.

Viele Schwammerl-Namen geben schon eine grobe Beschreibung ihres Aussehens. Dass ältere Exemplare des Stäublings „stauben“, wenn man sie anfasst, konnten alle Anwesenden sehen. Aber auch andere Bezeichnungen waren aufschlussreich. Hier einige Beispiele: Körnchenschirmling, Ziegenbart, Milchling oder Roter Lackpilz. Natürlich wurde auch geklärt, welche Arten giftig, ungenießbar und welche gute Speisepilze seien. Bei der Bestimmung wurden auch immer wieder Koch-Rezepte getauscht. Insgesamt wurden 85 Arten bestimmt. Eine Rarität war auch dabei: der Ziegenfuß-Porling.

Zum Schluss wurde von den Leitern gemahnt, man solle sich bei der Pilzbestimmung keineswegs nur auf Apps verlassen. Diese könnten bei der Grundbestimmung helfen, sollten aber nicht dazu verführen, Schwammerl zu essen, die man nicht kenne. Auch solle man Pilze, die man nicht kennt, nicht einfach aus dem Boden reißen und wegwerfen, sondern stehen lassen. Denn jeder habe in der Natur eine wichtige Funktion.


Impressionen der Schwammerl-Exkursion am Schellenberg


Schwammerl-Vielfalt am Reichenberg begutachtet

Informative Pilz-Exkursion mit dem Bund Naturschutz – Viele praktische Tipps gegeben

Pfarrkirchen. Die traditionelle Schwammerl-Exkursion der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Pfarrkirchen macht es sich alljährlich zur Aufgabe, in einem bestimmten Gebiet die Vielfalt der vorkommenden Schwammerl-Arten unter die Lupe zu nehmen. Heuer hatte die Gruppe sich das nördliche Waldgebiet am Reichenberg vorgenommen.

Nach der Begrüßung der 16 Teilnehmer übergab BN-Ortsgruppen-Vorsitzender Karl-Heinz Steiner an den fachlichen Leiter der Exkursion, den Pilz-Experten Alois Zechmann aus Passau. Dieser hatte bereits am Treffpunkt beim Aussichtspunkt am Reichenberg Erläuterungen zu einigen Pilzen bereit, die die Teilnehmer bereits mitgebracht hatten. Darunter den Schopftintling, der sehr gut von seinem Äußeren her zu bestimmen ist, aber nur im jungen Stadium als Speisepilz verwendet werden kann, als älterer Pilz „zerfließt“ er richtiggehend, wie der Experte erläuterte, zu einer undefinierbaren schwarzen Masse.

Während der Exkursion wurde in Gesprächen daran erinnert, zum Nachschlagen stets neue Pilz-Literatur zu verwenden, auch wurde darauf hingewiesen, dass die Verträglichkeits-Beurteilung zu manchen Pilzen in den letzten Jahren strenger geworden sei, wegen der zum Teil individuellen Unverträglichkeiten. „Hier kommt auf jeden Fall die persönliche Disposition und Empfindlichkeit eines Menschen zur Geltung“, so der Experte, „denn was für manche noch bekömmlich ist, ruft bei anderen Menschen schon starke Magen- oder Darmbeschwerden und sogar Vergiftungs-Erscheinungen hervor. Man darf also nur diejenigen Schwammerl verwenden, die man ganz sicher erkennt und von denen man weiß, dass sie für einen persönlich unkritisch sind.“

Bei der Exkursion wurden dann gefunden: Von den essbaren die Semmelstoppelpilze, der eher minderwertige Violette Schleierling, die mild schmeckende Krause Glucke und verschiedene ungenießbare Täublinge, aber auch weitere ungenießbare Arten wie der schwerverdauliche Falsche Pfifferling, der nicht nur in rohem Zustand sehr giftige Kahle Krempling und der oft als „Wurstsalatpilz“ bezeichnete Samtfußkrempling. Dabei waren auch der minderwertige Purpurfilzige Holzritterling, der essbare Kuhröhrling, der giftige Grünblättrige Schwefelkopf, der ungenießbare Weiße Polsterpilz, der giftige Kartoffelbovist und der essbare Birkenpilz.

Eindringlich wies der Fachmann noch auf die Knollenblätterpilze hin, die äußerst giftig für den Menschen seien – anhand einiger gefundener Exemplare erklärte er die charakteristischen Merkmale dieser Pilze, vor allem die oft verborgen ganz unten sichtbare Knolle.

Während einer kurzen Rast zitierte Alois Zechmann auch einige historische Literaturstellen, die manche Pilz-Eigenheit charakterisieren. Der Pilz-Fachmann wies noch darauf hin, dass man nur bei Milchlingen und Täublingen, die ebenfalls gefunden worden waren, vor Ort eine Geschmacksprobe machen könne, sie aber nie schlucken solle. Ebenfalls durch eine Geschmacksprobe könne man den Gallenröhrling vom wohlschmeckenden Steinpilz unterscheiden. Er erklärte auch die wichtigsten Funktionen der Pilze allgemein, nämlich die Zersetzung abgestorbener Biomasse, die Symbiose-Funktion und den Austausch von Nährstoffen sowie die Lieferung von Wasser an bestimmten Baumarten und nicht zuletzt das Leben als Parasit an Bäumen.

Karl-Heinz Steiner bedankte sich am Ende der sehr informativen Pilz-Wanderung beim Referenten und kündigte an, dass auch im kommenden Jahr wieder eine Pilz-Wanderung durchgeführt werde.   -wh


„Der Wald der Zukunft muss anders aussehen“

Jahreshauptversammlung Bund Naturschutz in Arnstorf – Spende für Baumpflanzungen erhalten

Arnstorf. Eine sehr erfreuliche Nachricht konnte die Vorsitzende der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe „Kollbachtal“, Katrin Veicht, anlässlich der Jahreshauptversammlung ihren Mitgliedern im Gasthaus Kirchenwirt mitteilen: Gabriele Hess aus Arnstorf hat der Ortsgruppe eine Spende in Höhe von 1000 Euro für die praktische Naturschutzarbeit im Bereich Arnstorf zugedacht. Wie Katrin Veicht weiter mitteilte, hatte die Spenderin diese Summe von Nachbarn, Bekannten, Arbeitskolleginnen, von der Arnstorfer Caritas-Sozialstation und aus einem eigenen finanziellen Beitrag zusammengefügt. Und wie die Vorsitzende weiter versicherte, werde dieser Betrag, wie von der Spenderin gewünscht, für Pflanzungs-Maßnahmen von Bäumen und Sträuchern zugutekommen.

Katrin Veicht begrüßte nach dieser erfreulichen Mitteilung als Ehrengäste der Jahreshauptversammlung auch den ersten Bürgermeister Christoph Brunner sowie vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten den Forstdirektor Gerhard Huber und nannte anschließend in ihrem Rechenschaftsbericht die verschiedenen Initiativen und Aktionen, die von der Ortsgruppe durchgeführt worden waren. Ergänzt um zahlreiche Lichtbilder berichtete sie von verschiedenen Pflanzungs-Initiativen,  der Amphibien-Rettungs- und einer Müll-Sammel-Aktion sowie von verschiedenen Mäh-Arbeiten und den Pflegemaßnahmen vor allem im Niedermoor-Biotop Jägerndorf. Da auch der Bericht des Schatzmeisters Hermann Koch eine zufriedenstellende Bilanz widerspiegelte, konnte von den Mitgliedern einstimmig Entlastung für die Arbeit der Vorstandschaft erteilt werden.

In einem Grußwort versicherte Bürgermeister Christoph Brunner, dass eine intakte Natur in der Marktgemeinde ein großes Anliegen sei. Er versicherte, dass er deshalb auch großen Wert auf eine gute Kooperation mit dem Bund Naturschutz lege. „Ich danke der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe für das ehrenamtliche Engagement, das hier geleistet wird. So etwas ist heutzutage beileibe nicht mehr selbstverständlich. Ich wünsche der Gruppierung weiterhin eine gute Arbeit und kann ein stets offenes Ohr für Anliegen im Sinne von Natur und Umwelt zusichern.“

Den fachlich-informativen Teil der Jahreshauptversammlung gestaltete anschließend der stellvertretende Behördenleiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Pfarrkirchen, Forstdirektor Gerhard Huber. Er war stellvertretend für die Försterin und Leiterin der BN-Jugendgruppe „Umweltbande“, Maria Watzl, zur Jahreshauptversammlung gekommen. Sein Referat trug den Titel „Wie steht es um unsere Wälder im Landkreis Rottal-Inn?“ Angereichert um viele informative Lichtbilder erwähnte der Forstdirektor zunächst, dass im Landkreis 25 Prozent (also 32.000 Hektar) der Fläche aus Wald bestünden (Bayern 37 Prozent), hauptsächlich mit Fichte (52 Prozent) zusammen mit Kiefern (21 Prozent) sowie Tanne und Buche und zahlreichen Beimischungen weiterer heimischer Baumarten wie Bergahorn, Lärche oder Schwarzpappel in den Innauen. „Aber wir erleben nun leider den Klimawandel mit höheren Temperaturen, mit Trockenheit und Sturm-Ereignissen sowie aktuell verschärft durch die Borkenkäfer-Problematik. Und besonders die dominierende Fichte leidet massiv unter diesen veränderten Umwelt-Bedingungen. Das alles zeigt uns, dass der Wald der Zukunft anders aussehen wird“, erläuterte Gerhard Huber, der diese Feststellung mit Zahlen und Daten des „Dürre-Monitors“ und der Agrarmeteorologische Wetterstationen im Landkreis belegte.

„Rund 7 bis 9 Prozent der Fichten-Fläche sind in den letzten drei Jahren durch den Borkenkäfer vernichtet worden, der sich bei diesen klimatischen und trockener werdenden Verhältnissen unglaublich schnell verbreitet und dazu zwingt, befallene Bestände sofort einzuschlagen und zu entfernen. Der Holzpreis liegt deshalb am Boden“, bedauerte der Forstdirektor diese Situation. Anschließend ging der Experte darauf ein, wie der Wald der Zukunft angesichts des Klimawandels aussehen könnte: „Es muss ein Mischwald sein, der mehr Klimatoleranz und Stabilität aufweist, mit deutlich weniger Fichten zugunsten anderer Baumarten und mehr Laubholz. Die Frage ist nur: Können wir uns auf eine selbstständig ablaufende Natur-Verjüngung verlassen?“ Er gab auch die Antwort dazu: „Natürliche Verjüngungsmethoden, die es ermöglichen, die neue Waldgeneration im Schutz der Altbestände bereits anzulegen, haben einen großen Vorteil. Kahlschläge sind zu vermeiden.“ Der Referent forderte auch, dass Schäden im Wald v.a. der vorhandenen Naturverjüngung durch Harvester-Arbeiten unbedingt vermieden werden müssten und dass auch Schalenwild-Bestände durch die Jägerschaft auf ein für den neuen Wald verträgliches Maß zu reduzieren seien, um den Wald eine Chance zu geben.

Gewinner im Klimawandel seien nach neuen Untersuchungen unter anderem die Eiche, die Tanne und Buche aber auch die Elsbeere sowie die Esskastanie. Hinzu kämen auch die Schwarzkiefer und die Douglasie - alternative Baumarten, die für die Holzversorgung wichtig seien. Letztere sei allerdings nicht „die neue Fichte - eine Leitbaumart wird es nicht mehr geben“. Überhaupt erinnerte Gerhard Huber daran, dass bei allen Umbau-Maßnahmen auch die ganz individuellen Standortbedingungen großen Einfluss hätten und dass natürliche Sukzession nur dann sinnvoll sei, wenn die gewünschten Baumarten bereits vorhanden wären. Neue Baumarten, die in den Altbeständen nicht vorkommen, müssen durch Pflanzung aktiv eingebracht werden, um den Wald zukunftsfähig zu machen. Und dies werde in vielen Bereichen des Landkreises notwendig sein. Die heimischen Eichenarten, die Trauben- und Stieleiche, könnten hier eine wichtige Rolle spielen: „Was heute die Spessarteiche in Unterfranken ist, könnte zukünftig vielleicht die Rottaler Eiche bei uns sein. Wir müssen unser benötigtes Holz auch bei uns selber produzieren“, meinte Gerhard Huber abschließend, um es nicht klimaschädlich und mit erheblichem Energieeinsatz aus anderen Ländern einzuführen, „es gibt durchaus Potenzial für den neuen Wald – es muss nur konsequent mit neuesten Erkenntnissen genutzt werden“. Gerhard Huber wies auch auf die vielen Fördermöglichkeiten für Waldbesitzer hin, über die man sich beim AELF in Pfarrkirchen informieren könne. Um das Einbringen von klimatoleranten Mischwald-Arten finanziell zu erleichtern, seien nach seinen Worten auch die Fördersätze des Waldförderprogramms 2020 deutlich erhöht worden. Abschließend erwähnte er die „Initiative Zukunftswald Rottal-Inn 2.0“, zu der es auf der Internet-Seite www.aelf-pk.bayern.de/forstwirtschaft weitere Informationen gebe. Mit dem Projekt sollen Waldbesitzer begleitet werden, die ihren Wald konsequent in einen klimaneutralen Mischwald umbauen wollen. Dabei sollen auch die Belange des Waldnaturschutzes und der Biodiversität stärker als bisher berücksichtigt werden.

Katrin Veicht dankte im Namen aller Zuhörer dem Referenten und rief dazu auf, bei Wald-Umbau-Maßnahmen vorher stets den zuständigen Revierförster zu kontaktieren, der auch die Beratung übernehme und über Fördermöglichkeiten informiere. Abschließend gab die BN-Ortsvorsitzende der Hoffnung Ausdruck, dass die Maßnahmen zum Waldumbau auf gute Resonanz stoßen und dass auch die Arbeit des Bund Naturschutz im Bereich Arnstorf weiterhin Positives für Umwelt und Natur bewirken könne.    -wh


ANKÜNDIGUNG Pilzwanderung der OG Pfarrkirchen

Schwammerl bestimmen lernen

Sa., 26. Sept.: Pilzwanderung der OG Pfarrkirchen in den Wäldern rund um den Reichenberg in Pfarrkirchen. Treffpunkt: Parkplatz beim Schloßberghaus auf dem Reichenberg („Fassl-Wirt“), Herzog Heinrich Straße 5, 84347 Pfarrkirchen. Zeit: 13.30 Uhr bis ca. 16.00 Uhr. Gebühr: 3 Euro pro Person. Weitere Informationen: OG Pfarrkirchen, Tel. 08561-3130 und www.bn-pfarrkirchen.de


BUND Naturschutz-Besichtigung der Umgehungsgewässer am Unteren Inn

„Eine tolle Sache“

Ering am Inn. Kürzlich veranstaltete die BUND Naturschutz (BN)-Ortsgruppe Unterer Inn eine Besichtigung der Umgehungsgewässer und des Insel-Nebenarmsystems am Innkraftwerk Ering-Frauenstein. Die Ortsgruppenleiterin Marianne Watzenberger begrüßte die 20 Teilnehmer, die bei strahlendem Wetter eingetroffen waren sowie den Exkursionsleiter und Landschaftsarchitekten vom Büro "Landschaft+ Plan Passau", Thomas Herrmann.

Zunächst blieb die Gruppe am Kraftwerk stehen: Von dort aus ist ein Großteil der im Rahmen des Verbund-Projekts „Durchgängigkeit und Lebensraum“ neu entstandenen Umgehungsgewässers sichtbar. Der Exkursionsleiter erläuterte, welche Beteiligte an dem Projekt mitgewirkt hatten. Das Projekt der Innwerk AG wurde in Zusammenarbeit mit „ezb TB Zauner GmbH“ (Technisches Büro für Gewässerökologie) der „Wasserbau Ringler GmbH“ sowie dem Büro "Landschaft+Plan Passau“ umgesetzt. Letzteres sei unter anderem für das Monitoring zuständig.

Der Referent gab nun einen kurzen Überblick über die erfolgten Maßnahmen. Ziel des Projekts seien die Wiederherstellung der flussauf gerichteten Durchgängigkeit der Staustufe, die Stärkung und der Schutz der Fischpopulation sowie die Entwicklung eines inntypischen Fluss- und Auenlebensraums.  Ein 2,5 Kilometer langes dynamisch dotiertes Umgehungsgewässer mit Fließgewässercharakter sei entstanden. Das bedeutet, dass mithilfe ausgetüftelter technischer Verfahren unterschiedlich viel Wasser durch die Umgehungsgewässer geschleust werden kann. Der Inn sei nämlich der schwebstoffreichste Fluss Mitteleuropas; so sei es nötig, in regelmäßigen Abständen die offenen Kiesbetten durch stärkere Strömung zu erhalten. Viele Fische brauchten solche flachen Kiesufer zum Laichen: Schon jetzt habe man laichende Huchen beobachtet. „Die haben richtig auf das Gewässer gewartet, der Erfolg ist beachtlich!“, so der Exkursionsleiter.

Auch für die Auenlandschaft, die bisher durch den Inndamm abgeschnitten war, sei ein schwankender Wasserspiegel extrem wichtig. Auwälder, wie z.B. Weichholzaue mit vielen Weidenarten und einheimischen Schwarzpappeln, seien auf das Wechselspiel zwischen Überschwemmung und Trockenphasen angewiesen.

Viele der erfolgten Maßnahmen seien einmalig, wie zum Beispiel der Bau des Umgehungsgewässers als Rampe mit Gefälle und Verbindung zum Altwasser an drei Stellen. So sei es möglich, Wassergeschwindigkeit und -pegel zu beeinflussen und naturnahe Lebensräume auch ohne Pflegeaufwand wieder entstehen zu lassen. „Mit großer Spannung erwarten und beobachten wir die Veränderungen in der Pflanzen- und Tierwelt“, so Thomas Herrmann. Man habe ja keine Vergleichsobjekte und könne nur hoffen, dass hier eine Landschaft entstehe, wie sie einmal gewesen war.

Nach den Erläuterungen führte der Referent die Teilnehmer noch an besonders interessante Stellen des Fließgewässers, um in der Praxis zu zeigen, wie heimische Pflanzen sich ihre Lebensräume zurückerobern. „Eine tolle Sache“, schloss der Landschaftsarchitekt mit Blick auf die Innauen.

Text und Foto: Nadia Baumgart


Impressionen der Besichtigung der Umgehungsgewässer am Unteren Inn


Sa., 19. Sept.: Mit dem BN am Unteren Inn

Besichtigung der Umgehungsgewässer

Die BN-Ortsgruppe Unterer Inn veranstaltet am 19. September eine Besichtigung der Umgehungsgewässer und der Insel-Nebenarmsysteme am Inn. Die Exkursion wird geleitet von Thomas Herrmann, Landschaftsarchitekt vom Büro "Landschaft+ Plan".

Wann? 19. Sept., 14 Uhr

Wo? Treffpunkt am Kraftwerk Ering

Die geltenden Hygiene-Vorschriften (Abstands-Regeln, bzw.  Maskenpflicht, wenn Abstände nicht eingehalten werden können) sind einzuhalten.

Da die Anzahl der Teilnehmer beschränkt ist, ist eine Anmeldung über die Geschäftsstelle per E-Mail oder per Telefon unbedingt erforderlich!

E-Mail: bn-rottal-Inn@t-online.de

Telefon: 08562 96 36 086


14.Sept.: JHV und Vortrag der BN-Ortsgruppe Kollbachtal

Vortrag zum Thema: „Der Zustand unserer Wälder“

Arnstorf. Am Montag, den 14. September um 19 Uhr findet die Jahreshauptversammlung der BN-Ortsgruppe Kollbachtal in Arnstorf mit Kassenbericht, Bericht zu den Aktivitäten der „Umweltbande“ 2019/2020 und Rückblick auf das laufende Jahr statt. Ab 19:30 Uhr hält die Försterin und Leiterin der „Umweltbande“ Maria Watzl einen Vortrag zum Thema „Zustand des Waldes im Landkreis Rottal-Inn“. Alle Interessierten, auch Waldbesitzer, sind herzlich zum Vortrag eingeladen.

Aufgrund der derzeitigen Corona-Maßnahmen wird um Anmeldung per Email (veichtk@gmx.de) oder Anruf unter der Nummer 01525 426 65 45 gebeten.

Ort: Gasthaus zum Kirchenwirt - Kirchenstraße 11, 94424 Arnstorf

Beginn: 19:30 Uhr – Eintritt frei

 


Wir bedanken uns für die Spende!

BUND Naturschutz (BN)-Kreisgruppe Rottal-Inn freut sich sehr über eine Spende von 1000 EURO

Rottal-Inn. Die BUND Naturschutz (BN)-Kreisgruppe Rottal-Inn freut sich sehr über eine Spende von 1000 EURO und die Würdigung ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Im Rahmen der Aktion der Sparda Bank Ostbayern eG und Radio Trausnitz "Wir haben ein Herz für Helden der Heimat" wurde letztens die BN-Kreisgruppe vorgeschlagen. Im Interview erläuterte die Geschäftsstellenleiterin und Vorsitzende der Ortsgruppe Unterer Inn, Marianne Watzenberger, auf Radio Trausnitz, wie wertvoll diese Spende gerade jetzt sei, da die jährliche Sammelaktion Corona-bedingt ausfiel. Denn der BN finanziere sich als unabhängiger Verein vor allem aus Mitglieds- und Spendenbeiträgen. Auch die Vielfältigkeit der ehrenamtlichen Aufgaben rund um Umweltschutz und Umweltbildung wurde kurz aufgezeigt. Die BN-Kreisgruppe bedankt sich ganz herzlich bei der Sparda Bank Ostbayern für die wertvolle Unterstützung, die für Maßnahmen im Bereich Artenschutz verwendet werden soll.

 


BN- Familientag – Insekten am „Biotop-Acker Ering – Eglsee“

Kleine Naturforscher auf der Pirsch

Ering. Der „Familientag Insekten“ fand kürzlich auf einer Biotop-Fläche in der Nähe des Vogelbeobachtungsturms Eglsee statt. Die Veranstaltung wurde von der Bund Naturschutz (BN)- Kreisgruppe Rottal-Inn, der Zoologischen Gesellschaft Braunau (ZGB) und dem Naturium am Inn organisiert. Bereits 2018 war eine solche Exkursion mit dem Ziel, Kindern und Jugendlichen die Insektenwelt näher zu bringen, veranstaltet worden. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde der Familientag unter der Leitung des BN-Artenschutz-Experten Walter Sage nun wiederholt. Eveline Merches von der BN-Kreisgruppe Altötting, brachte den Teilnehmern die Spinnen näher.

Bei strahlendem Sonnenschein trafen die zehn Familien, die sich bereits angemeldet hatten, mit ihren Kindern ein. Fachmann Walter Sage begrüßte die Teilnehmer und erläuterte die Funktion der Basisstation, ein aufgebautes Zelt mit Info- und Anschauungsmaterial, Spielen zum Thema Wiese und Insekten sowie Kescher und den Lupenbechern zum Beobachten der gefangenen Insekten. „Insekten sind auch Lebewesen“, betonte BN-Ortsgruppenleiterin Marianne Watzenberger. Die jungen Forscher sollten „schleichen wie die Indianer“, die Tiere behutsam fangen und nach der Bestimmung wieder freilassen.

Nun begaben sich die kleinen Naturforscher mit Konzentration auf die Jagd und konnten schon sehr bald den Experten unter dem Zeltdach ihre Funde zeigen. Rasch füllte sich die Liste mit sehr vielen Insektennamen, darunter beispielsweise Feuerlibellen, Streifenwanzen, Zikaden, Schwebfliegen, gemeine Grashüpfer und Schwertschrecken. Ganz besonders erfreulich waren die häufigen Funde eines ansonsten sehr seltenen und schönen Schmetterlings, des Idas-Bläulings. Dieser gehe eine Symbiose mit Ameisen ein, erklärte Sage, und auf dem Biotop-Acker gebe es sehr viele Ameisen.

Nach der Begutachtung durch die Fachleute entließen die Kinder die Tiere wieder in die Freiheit. Für sie war das Naturerlebnis sichtlich ein Vergnügen, das durch das Durchstreifen der nach Thymian duftenden und blühenden Magerwiesen noch gesteigert wurde. Wegen der Corona-bedingten Maßnahmen musste auf das Grillen von Würstchen verzichtet werden. Dafür wurde abschließend gemeinsam die mitgebrachte Brotzeit verzehrt.

Text und Fotos: Nadia Baumgart

 

Erste Eindrücke unseres Familientags – Insekten am „Biotop-Acker Ering – Eglsee“.


Tiere und Pflanzen an der Rott kennengelernt

Bund Naturschutz Pfarrkirchen mit Ferienprogramm – Kinder machten eifrig mit

Pfarrkirchen. Das traditionelle Ferienprogramm der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Pfarrkirchen fand auch heuer statt, jedoch in einem der momentanen Situation angepassten und etwas reduziertem Umfang – denn leider konnte das „Grüne Klassenzimmer“ nahe dem Theatron wegen der räumlichen Einschränkungen für diese Gruppengröße nicht genutzt werden. Damit mussten auch die interessanten Detail-Beobachtungen mit den Mikroskopen und Binokularen entfallen. Aber dennoch wurde den zehn wissbegierigen jungen Naturforschern durch den BN-Ortsvorsitzenden Karl-Heinz Steiner, der unterstützt wurde von den Orts- bzw. Kreisgruppen-Vorstandsmitgliedern Birgit Steiner, Martina Blaurock, Christian Reif und  Philipp Schoske, ein abwechslungsreiches und lehrreiches Programm geboten – eben lediglich im Freien. Das Thema lautete „Wasser, Pflanzen und Tiere an der Rott“, und auf dem Plan stand, die Tier- und Pflanzenwelt im Dr.-Bayer-Bach und im Uferbereich an der Rott zu erkunden. So wurden in den Baumgruppen nördlich des Theatron zum Beispiel viele Einzelheiten zu Linden, Erlen, Eschen, Sal- und Trauerweiden, Eiche, Haselnuss, Hartriegel, Ahorn und Birke erläutert, zusammen mit Geschichten aber auch mit biologischen Details über das Zusammenleben von Kleintieren und Pflanzen. Sehr gefreut hatten sich die Kinder dann aber über die vielen Kleinlebewesen, die man aus dem Dr.-Bayer-Bach mit kleinen Keschern herausgefischt hatte und kurz in Wasserbehältern beobachten konnte, bevor sie wieder in ihre natürliche Umgebung entlassen wurden. So wurden beispielsweise Wasserskorpione, die zu den Wasserwanzen gehören, Köcher- und Eintagsfliegen-Larven, Zuckmückenlarven, Wasserflöhe und auch ein grüner Wasserfrosch genau betrachtet. Karl-Heinz Steiner und seine Mitarbeiter gaben dazu viele Erläuterungen, beantworteten die Fragen der Kinder und vermittelten so einen anschaulichen Überblick, was sich so alles im Wasser tummelt und wie man an der vorhandenen Tierwelt die Gewässergüte erkennen kann. Unter einer Schatten spendenden Eiche erläuterte Karl-Heinz Steiner abschließend den Lebensraum der zum Teil blühend zu sehenden Magerrasen-Flächen östlich des Theatron. Dabei erfuhren die Ferienkinder, wie Kartäusernelken, Spitzwegerich, Rotklee, Wiesensalbei, Hornklee, Lab- und Johanniskraut, die Schafgarbe, die Flockenblume, die Wilde Möhre und die Ackerwitwenblume aussehen und welche oft medizinisch positiven Eigenschaften sie haben. Alle Kinder waren sich am Schluss einig: Das „Lernen direkt in der Natur macht auch in den Ferien viel Spaß“ – stellt es doch eine sehr kurzweilige Art dar, ergänzend zum Biologie-Unterricht in der Schule viel Neues in der Praxis über die heimische Tier- und Pflanzenwelt zu erfahren.   -wh


8. Aug.: Familientag – Insekten am „Biotop-Acker Ering – Eglsee“.

Vielfalt der Insektenwelt erfassen

Ering. Am 08.08.2020 von 09:00 bis 13:00 Uhr findet der „Familientag Insekten“ statt. Treffpunkt: am Parkplatz „Vogelturm Eglsee“um 9:00 Uhr.

Zwanzig Jahre ist es nun her, seit das ehemalige Ackergelände zu einem artenreichen Lebensraum umgewandelt wurde. Auf einer Fläche von ca. acht Hektar wurde der nährstoffreiche Oberboden abgetragen und abgefahren. Einige Bereiche wurden weiter bis zum Grundwasser abgetragen und es entstanden grundwassernahe Standorte. An anderen Stellen wurden Tümpel, Teiche und altwasserähnliche Wasserflächen angelegt. Mit Mähgutübertragung aus noch intakten Flächen wurden wiesenartige Bestände auf den offenen Schotter- und Sandflächen angelegt. Seither haben sich Tier- und Pflanzenarten und insbesondere die Insektenvielfalt am sogenannten „Biotopacker“ fantastisch entwickelt.

Beim Familientag Insekten wollen wir diese Vielfalt erfassen. Nach einer kurzen Einführung können Kinder und ihre Eltern mit Gläsern Insekten und Spinnen einsammeln, die am Basislager bestimmt, erklärt und anschließend wieder frei gelassen werden. Auch der NaTourWagon des Landkreises wird vor Ort sein und Aktionen zum Thema anbieten.

Wegen Corona muss leider auf das Grillen von Würstchen, wie geplant verzichtet werden. Daher bitte etwas für eine Brotzeit selbst mitbringen. Für Getränke ist aber gesorgt.

Die geltenden Hygiene-Vorschriften (Abstands-Regeln, bzw.  Maskenpflicht wenn Abstände nicht eingehalten werden können) sind einzuhalten.

Anmeldung per Email unter bn-rottal-Inn@t-online.de oder per Telefon erforderlich:

Marianne Watzenberger (BN-OG Unterer Inn), Tel.: 08571-4775.

Walter Sage (ZGB), Tel.: 08571-930695

Veranstalter sind: Bund Naturschutz- Kreisgruppe Rottal-Inn, Zoologische Gesellschaft Braunau (ZGB) und Naturium am Inn.


Stellungnahme zum geplanten dreispurigen Ausbau der B388

Kreisverkehr statt Kleeblatt

Pressemitteilung des BUND Naturschutz (BN) zum geplanten dreispurigen Ausbau der B388;

Alle Stellungnahmen zu dem Thema sowie diese Pressemitteilung finden Sie auch unter Stellungnahmen zum Download.

BUND Naturschutz fordert vertretbare Alternativen statt überdimensioniertem Ausbau

Kreisverkehr statt Kleeblatt

Im laufenden Planfeststellungsverfahren für den dreispurigen Ausbau der B388 zwischen Eggenfelden und Hebertsfelden hat der BUND Naturschutz in Bayern (BN) mit seiner Kreisgruppe Rottal-Inn eine klare Stellungnahme gegen das Projekt abgegeben und bringt Alternativen ins Spiel – mit weniger Eingriff und mehr Entlastung für die Anwohner.

„Wir gehen davon aus, dass wir keinen dreispurigen Ausbau brauchen, um den Verkehr auf diesen drei Kilometern flüssiger und sicherer zu bekommen“, erläutert Dr. Jürgen Riedler, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Rottal-Inn.

Tempo 80 für den gesamten Abschnitt

Ein wesentlicher Punkt in den Forderungen des BN ist es, zwischen Eggenfelden und Edhof/Linden eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 80 festzulegen, um den Überholdruck zu Lastwägen zu senken und so den Verkehrsfluss zu verbessern.

„An diesem Abschnitt haben wir viele betroffene Anwohner. Wir fordern Tempo 80 allein schon in deren Namen – um sie nicht übermäßigem Straßenlärm auszusetzen und um langfristig ihre Lebensqualität zu sichern“, so Dr. Riedler.

„Anhaltende Diskussionen – wie etwa an der A94/Isentalautobahn – zeigen, dass Anwohner vom Verkehrslärm betroffen sind und daher so gut es geht davon entlastet werden müssen. Das muss ein wesentlicher Bestandteil von Verkehrsplanungen werden“, ergänzt Rita Rott, Regionalreferentin des BN für Niederbayern.

Die Statistiken sprechen auch im Punkt Verkehrssicherheit für sich: Seit Einführung der Geschwindigkeitsbegrenzung bei Edhof haben die Unfälle auf freier Strecke deutlich abgenommen.

Kreisverkehr statt Kleeblatt

Für völlig überdimensioniert hält der BN den geplanten Ausbau der Kreuzung B388 / PAN 20 bei Edhof zu einem halben Kleeblatt und schlägt statt dessen einen Kreisverkehr vor – eine Alternative, die Kosten und Fläche sparen würde. Auch hier im Bereich des Kreisverkehrs würde eine Geschwindigkeitsbegrenzung den Verkehr spürbar entschleunigen und entzerren. Auch dort wären die Anwohner deutlich vom Straßenlärm entlastet.

„Der dreispurige Ausbau der B388 ist nicht einmal im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen. Die öffentliche Hand sieht hier keinen besonderen Bedarf. Wir auch nicht. In diesem Fall ist ein bestandsnaher Ausbau geboten. Eine dritte Spur ist darunter nicht zu verstehen“, so Rita Rott.

In Zeiten anhaltender Diskussionen um Klimaschutz und Flächenverbrauch müssen alle geplanten Straßenbauprojekte auf den Prüfstand. In diesem konkreten Fall gibt es klimafreundlichere und günstigere Alternativen, die stattdessen realisiert werden sollten.

Der BN fordert ein Umdenken in der Verkehrsplanung im Landkreis. Auch über leistungsfähige Radwege und den Ausbau des ÖPNV müsse man sprechen – in diesem Fall vor allem über eine Verbesserung des Angebots der Rottal-Bahn und des Busverkehrs.

Sollte das Planungsverfahren weitergeführt werden, wird der BN sich weiter dagegen stellen.


Erfolgreiche naturkundliche Exkursion

Viele Reptilien zeigten sich am Inn

Seibersdorf. Bei strahlendem Sonnenschein fand die von der BUND Naturschutz (BN)-Ortsgruppe Unterer Inn organisierte Exkursion zum Thema „heimische Reptilien“ statt. Es war die erste öffentliche BN-Veranstaltung seit der Lockerung der Corona-bedingten Maßnahmen.

Experte Daniel Renner begrüßte die 13 Teilnehmer, unter denen sich mehrere Kinder befanden und begann seine Führung an der kürzlich vom BN erworbenen Weichholzaue. Mit fünf der zehn in Bayern vorkommenden Reptilienarten (Äskulap-, Ringel- und Schlingnatter, Zauneidechse und Bindschleiche) zeigen die Innauen eine hohe Artenvielfalt.

Auf einem Holzstapel konnten schon nach kürzester Zeit die ersten Äskulapnattern vorgezeigt werden. Sie gilt in Bayern als vom Aussterben bedroht und ist nur noch an der Donau, dem Inn und der Salzach zu finden. Auch eine kleine Ringelnatter versteckte sich hier. Da Äskulapnattern, wie alle anderen Reptilien in Deutschland, streng geschützt seien, dürfe der Laie sie allerdings nicht anfassen oder gar fangen. Da Hobby-Herpetologe Daniel Renner eine Ausnahmegenehmigung seitens der Unteren und Höheren Naturschutzbehörde besitzt, darf er sie allerdings zu Lehrzwecken und im Rahmen von Kartierungsarbeiten fangen und den interessierten Teilnehmern zeigen.

Beim ersten Fund, einer adulten Äskulapnatter, wies der Experte nun auf die kennzeichnenden Merkmale hin, die erlauben, diese Schlangenart von anderen zu unterscheiden. Eine hellbraune bis anthrazitfarbene Grundfärbung mit weißen Strichen an den Schuppenrändern und ein einheitlich gelber oder weißlicher Bauch sind die markantesten Merkmale der Äskulapnatter. Jungtiere hingegen ähneln durch ihre noch sehr ausgeprägten „Nackenflecken“ der Ringelnatter, sodass diese Arten von Laien oftmals miteinander verwechselt werden.

Das ca. 1, 5 Meter lange Exemplar befand sich gerade in der Häutungsphase, was unter anderem an der Augentrübung des Tieres zu erkennen war. Die später abgestoßene alte Hautschicht nenne man Natternhemd; sie werde am Stück abgestreift. Auch im nächsten Stapel fanden sich gleich mehrere Äskulapnattern verschiedener Größen, was auf einen Reproduktionsstandort hinweisen dürfte.  „Bis zu 25 Jahre können die Tiere im Freiland alt werden“ erklärte Renner. Auf die Frage, ob es bei uns im Landkreis giftige Schlangen gäbe, antwortete der Experte mit einem klaren „Nein!“. Die oftmals genannte Kreuzotter kommt im Landkreis nicht vor. Sie wird sehr oft mit der Schlingnatter verwechselt. Diese wird aufgrund ihrer versteckten Lebensweise oftmals für die giftige Kreuzotter gehalten.

Auch eine trächtige Blindschleiche zeigte sich unter einer Folie. Sie gehört nicht zu den Schlangen, sondern zu den Echsen. Später sprang ein junger Grünfrosch den Exkursions-Teilnehmern vor die Füße. Danach ging es auf die benachbartes BN -Grundstück, wo Reptilienburgen angebracht wurden, auf denen ebenfalls nach kurzer Suche mehrere Schlangen zum Vorschein kamen. Insgesamt wurden 11 adulte Äskulapnattern, eine Ringel- und eine Schlingnatter gefunden. Letztere war im Vergleich zu den anderen Schlangen mit ihren 12 Zentimetern geradezu winzig, da es sich um ein Jungtier aus dem letzten Jahr handelte, das allen Anwesenden ein Lächeln ins Gesicht zauberte.

„Das war ein wirklich erfolgreicher Tag“, so der Experte, „die feucht-warme Witterung hat dazu beigetragen.“ Zuletzt beantwortete Daniel Renner die zahlreichen Fragen der interessierten Teilnehmer und freute sich mit ihnen über die gelungene Exkursion.

Foto/ Text: Baumgart


Eindrücke der Exkursion "Heimische Reptilien"


Wald und Trockenheit - Was tun?

BN-Kreisgruppe Rottal-Inn bezieht Stellung

In den letzten Jahren haben sich die Nadelholzforste im Landkreis Rottal – Inn dramatisch verändert. Dazu bezieht die BN-Kreisgruppe Rottal-Inn nun Stellung.

Kahlflächen in bisher unbekanntem Ausmaß prägen nun das Landschaftsbild. Die Gründe für diese Entwicklung liegen in der Massenvermehrung des Borkenkäfers, der sich auf Grund der Trockenheit der letzten Jahre in den Fichtenbeständen ungehemmt entwickeln konnte. Der Natur fehlten in den Jahren 2018 und 2019 bis zu einem Drittel der Niederschläge, die in früheren Jahren üblich waren. Dieses Defizit macht sich mittlerweile bis in eine Bodentiefe von 2,50 Metern bemerkbar. Die bei uns vorkommenden Baumarten bilden ihr Wurzelsystem meist bis zu einer Tiefe von 1,50 Meter aus und leiden deshalb unter Trockenstress. Besonders von der Situation betroffen ist die flachwurzelnde Fichte, deren Vitalität und Harzproduktion als Abwehr gegen den Borkenkäfer stark beeinträchtigt ist. Zusätzlich verschärft wird die Situation durch die Tatsache, dass die Fichten überwiegend als Monokultur angebaut und noch dazu unzureichend gepflegt wurden. Auch wenn die Niederschläge in den letzten Wochen erfreulich waren, ist zu befürchten, dass sich die Tendenz zu Frühjahrstrockenheit und längeren Trockenphasen fortsetzt.

Jetzt ist es an der Zeit den Grundstein für den Aufbau trockenheitsresistenter, zukunftsfähiger, laubholzreicher Wälder zu legen. Diese Wälder werden sich deutlich von den momentan gewohnten Waldbildern unterscheiden. Zu den neuen Wäldern gehören gestufte strauchreiche Waldränder, mit Pionierbaumarten und heimischen Sträuchern, und Mischbestände mit für unsere Böden geeigneten Baumarten wie beispielsweise Weißtanne, Rotbuche, Spitzahorn, Bergahorn, Stiel- und Taubeneiche und  Vogelkirsche. In 10 bis 15 Jahren können auf den derzeitigen Kahlflächen wieder geschlossene Jungbestände entstehen. Bis diese allerdings die Baumhöhen von 30 bis 35 Metern erreichen werden, dauert es 60 bis 80 Jahre.

Besonders den Pionier-Baumarten, nämlich Aspe, Birke, Eberesche und Weidenarten, kommt momentan eine besondere Bedeutung bei der Wiederbewaldung der teils großflächigen Borkenkäfer-Befallsflächen zu. Sie sind Wegbereiter und langjährige Begleiter der Wirtschaftsbaumarten. Durch den Rückgang der bevorzugten Nadelbaumarten Fichte und Kiefer werden die Wälder zwar vordergründig ertragsschwächer aber deutlich risikoärmer, was sich auf der Ertragsseite wiederum positiv auswirken wird.

Der von manchen Forstexperten empfohlene Anbau von exotischen Baumarten, wie etwa Douglasie, Schwarzkiefer, Atlas- und Libanonzeder oder Baumhasel wird vom BUND Naturschutz kritisch gesehen, weil sie negative Auswirkungen auf die Waldlebensgemeinschaften haben können. So nutzen Arten, die nur an unseren heimischen Eichen leben, die Roteiche nicht. Zu finden sind stattdessen vor allem Generalisten. Douglasien werden im Winter kaum von Vögeln genutzt, weil die Douglasieim Winter eine äußerst geringe Dichte an Gliederfüßlern aufweist. Vieles ist aber auch noch unerforscht, selbst bei exotischen Baumarten, die schon länger hier angebaut werden. Ein Beispiel: Der Einfluss auf die Mykorrhiza-Pilze, deren Leben sich im Boden abspielt, ist noch unbekannt.

Einige dieser „neuen“ Baumarten werden auch als invasiv eingeschätzt. Aus Sicht der BN-Kreisgruppe müssen die Auswirkungen exotischer Baumarten umfassend wissenschaftlich untersucht werden, in jedem Fall intensiver als bisher. Untersucht muss grundsätzlich auch, inwieweit sogenannte „neue“ Baumarten gegenüber dem Klimawandel und Erwärmung resilienter sind als heimische Baumarten. Viele der häufig diskutierten Baumarten wie Douglasie, Roteiche, Sitkafichte sind es nicht, weil es eine ganze Reihe von heimischen Arten gibt, die als trockenheits- und hitzeresistenter gelten. So zum Beispiel Traubeneiche, Stieleiche, Feldahorn, Spitzahorn, Vogelkirsche, Sommer- und Winterlinde, Elsbeere, Speierling und Mehlbeere sowie auf entsprechenden Standorten auch Hainbuche, Buche und Weißtanne.

Bei der Erneuerung der Wälder empfiehlt die BN-Kreisgruppe auf Naturverjüngung  aus heimischen Baumarten zu setzen. Diese besitzen bei Trockenheit einen großen Vorteil gegenüber gepflanzten Bäumen, weil ihr Wurzelwerk nicht durch einen Pflanzvorgang gestört wurde. Die meisten Baumarten investieren in den ersten Jahren viel Energie in die Anlage eines weitreichenden Wurzelsystems. Solche Bäumchen können sich bei Trockenheit schneller anpassen und ihr Wurzelwachstum dahin lenken, wo noch Feuchtigkeit zu finden ist. Deshalb kommt der natürlichen Verjüngung unserer heimischen Baumarten eine große Bedeutung zu.

In diesem Zusammenhang spielt auch die Jagd die entscheidende große Rolle. Baumarten wie Tanne oder Eiche werden vom Rehwild sehr gern als Nahrung angenommen. Das bedeutet, dass sie bei überhöhten Wildbeständen oft gar nicht aufwachsen und einen zukünftigen stabilen Mischwald bilden können. Auch die gepflanzten Baumarten sind oft einem starken Verbissdruck ausgesetzt, so dass sie mit aufwendigen Zäunen geschützt werden müssen. Diese Schutzmaßnahmen lassen sich aber immer nur kleinflächig einsetzen und sind bei den ansteigenden Wildschweinbeständen keine Lösung mehr, weil diese die Zäune „überrennen“ und undicht machen.

Aber vor allem sind Zäune keine Lösung, weil angesichts der Klimakrise in vielen Wäldern eine Waldverjüngung benötigt wird, die ja am besten als Naturverjüngung heranwachsen sollte, bevor der „alte“ Wald sich auflöst (Borkenkäfer, Sturm). Zudem sind Zäune für die Waldbesitzer sehr kostenintensiv und verringern den vorhandenen Lebensraum für Wildtiere. Die zentrale Lösung für dieses Problem ist es, die Wildbestände an ihren Lebensraum Wald anzupassen! Und auch wenn man sich als Spaziergänger freut, wenn man Rehe bei einem Waldbesuch beobachten kann, so ist deren Reduzierung durch eine effektive Jagd unabdingbar. Der BN setzt sich dafür ein die Jagd auf einige Monate zu konzentrieren. In den Zeiten der „Jagdruhe“ sind die Wildtiere dann auch besser zu beobachten. Nur mit angemessenen Wildbeständen lassen sich die vielen Kahlflächen wieder bewalden und der notwendige Waldumbau kann gelingen!


Von Bienenschwärmen und Naturwaben

Mit dem BUND Naturschutz beim Imker

Münchham. Da die von der BUND Naturschutz-Ortsgruppe Unterer Inn geplante Imkerei-Führung aufgrund der Corona-Maßnahmen nicht stattfinden konnte, begleitete Martina Blaurock (BN-Kreisgruppe Rottal-Inn) den Hobby-Imker Sebastian Ganzer bei seinem Kontrollgang durch seine Bienenstöcke bei Müncham. Ganzer beschäftigt sich seit etwa zehn Jahren mit wesensgemäßer Bienenhaltung. Dazu nutzt er eine sogenannte „Bienenkiste“.

Die Bienen werden naturnah gehalten mit Naturwabenbau, Schwarmvermehrung und nur geringer Honigernte, da nur Honigüberschüsse geerntet werden. Für den Eigenbedarf reiche der Honig aus, erklärte der Imker, aber dies sei auch nicht der Hauptgrund, warum er Bienen halte: „Für mich sind einfach die Bienen und ihre Lebensweise spannend, und gerade mit der Bienenkiste kann man die Bienen sehr gut in ihrer natürlichen Art beobachten und unterstützen“.  Die Bienenkiste ähnelt vom Prinzip her der traditionellen Korbimkerei und erlaubt einen guten Blick auf die Waben und das Bienenvolk, sobald der Boden der Kiste abgenommen wird.

Bei dem Rundgang konnte aufgrund des regnerischen Wetters nur ein Blick von hinten in die Kisten geworfen werden. Die freihängenden Naturwaben sowie die Wächterbienen am Flugloch waren jedoch gut zu erkennen. Nun wurden die Bienen mit Zuckerwasser gefüttert, weil sie bei Temperaturen unter 10 Grad nicht ausfliegen können.

Bei längeren und kälteren Perioden, wie in den vergangenen zwei Wochen, bräuchten die Bienen jedoch viel Energie, da sie ihre Brut wärmen, erklärt mir Sebastian Ganzer. Daher könne es auch im Frühsommer notwendig sein, zu füttern. Dass der Imker seine Bienen im Sommer füttern muss, hänge oft auch damit zusammen, dass das Angebot an Nektar, Pollen und Honigtau nach der Obstbaum- und Rapsblüte stark zurückgeht. Es mangele gerade im ländlichen Raum an einer ausgewogenen Vielfalt an blühenden Hecken, geeigneten Blühflächen und Bienennährbäumen wie Kastanie, Ahorn oder Linde.

Sebastian Ganzer erzählte nun von dem natürlichen Zyklus der Honigbiene und der spannenden Schwarmzeit im Frühjahr: Eine Besonderheit der Bienenkiste sei, dass man die Bienen schwärmen, also sich natürlich vermehren lasse.

„Noch kurz bevor eine neue Königin im Bienenstock schlüpft, zieht die alte Königin mit etwa der Hälfte der Bienen aus, um eine neue Bleibe zu suchen. Der Schwarm, der sich in der Regel zunächst in der Nähe sammelt, wird eingefangen und in eine neue Bienenkiste einlogiert“, so der Imker. Die junge, noch unbegattete Königin bleibe mit der anderen Hälfte der Bienen im alten Stock zurück und begebe sich einige Tage später auf Begattungsflug. Wenn dieser hoffentlich erfolgreich verläuft, kehrt Sie in den Stock zurück und beginnt mit dem Eierlegen. Aufgrund des trockenen und sehr warmen Frühjahrs habe dieses Jahr die Schwarmzeit bereits ausgewöhnlich früh begonnen.

Trotz des Nieselwetters konnte Martina Blaurock spannende Einblicke in das Leben der Honigbiene und deren Haltung mit der Bienenkiste gewinnen. Es wurde auch deutlich, wie abhängig das Treiben der Bienen vom Wetter, aber auch von der Blühsituation und somit einer möglichst großen Vielfalt in unserer Landschaft und unseren Gärten ist.


Mit dem BUND Naturschutz beim Imker


GEO-Tag der Artenvielfalt am Sulzbach

Ein spannendes „Fleckerl“ für heimische Tiere und Pflanzen

Eggerting. Der GEO-Tag der Artenvielfalt fand dieses Jahr aufgrund der Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. So fanden sich kürzlich Mitglieder der Vorstandschaft der BUND Naturschutz (BN)-Kreisgruppen Passau und Rottal-Inn sowie der BN-Ortsgruppe Aldersbach und mehrere Experten unserer heimischen Fauna und Flora auf einem Auwald-Grundstück am Sulzbach ein.

Zunächst begrüßten die Organisatorinnen Marianne Watzenberger und Helgard Gillitzer alle Teilnehmer und freuten sich, dass die Kreisgruppen diese Fläche gemeinsam erwerben konnten. Durch den Ankauf und die Pflege wertvoller Biotope könnten seltene Tiere und Pflanzen gerettet werden. Finanziert wurde der Ankauf durch die BN-Kreisgruppen Passau, Rottal-Inn, Dingolfing-Landau und den Bayerischen Naturschutzfonds.  Da die Landkreisgrenze quer durch das Grundstück verlaufe, sei der Kaufprozess komplex und langwierig gewesen. „Das hat uns graue Haare gekostet, aber jetzt freuen wir uns umso mehr“, so die Kreisgruppen-Geschäftsstellenleiterin Watzenberger.

Danach beschrieb der Naturschutzfachberater Rudi Tändler die Fläche. Diese sei reich strukturiert und etwa 7 Hektar groß. Auf dem Grundstück, durch das der Sulzbach fließt, befänden sich zwei angelegte Fischteiche mit Karpfen, Stör und Zander sowie ein kleiner Teich als Ausgleichsfläche. „Ein interessantes Fleckerl für viele Libellen und Frösche“. Außerdem gehörten viele offene Flächen sowie ein Auwald mit viel Totholz zu dem Biotop. „Durch Pflegemaßnahmen soll nun das Gelände aufgewertet werden. Die Waldbereiche sollen optimiert, die Teiche umgestaltet werden mit Flachbereichen für Amphibien und Reptilien.“ Der Biber habe schon gute Arbeit geleistet und den angrenzenden Erlbach so aufgestaut, dass dieser wieder wie früher durch das Gebiet fließe.

Nun teilten sich die Anwesenden in mehrere Gruppen auf, die schwerpunktmäßig das Gebiet nach Pflanzen, Pilzen, Vögeln, Amphibien, Spinnen und Insekten durchsuchten, um die Arten zu bestimmen und zu kartieren. Dabei wurden die Listen mit den bestimmten Arten so lang, dass hier nur einige genannt werden: Bei den Vögeln zeigten sich gleich zu Beginn Pirol, Eisvogel und Rohrsänger; auch Zaunkönig und Mönchsgrasmücke ließen ihren melodischen Gesang hören. Der Bodenbewuchs wird noch von Brennnesseln dominiert, es wurden aber auch Kälberkropf, Johanniskraut, gelbe Schwertlilie, Wiesen-Storchschnabel und Knotige Braunwurz bestimmt. Unter den Bäumen befinden sich Eiche, Ahorn, Weide, Faulbaum, Flatterulme und in der Sonne duftender Holunder. Bei den Insekten fielen die Libellen auf: Königslibellen und Plattbauchlibellen schwirrten über den Teich, während blaue Prachtlibellen in der Luft tanzten und die zarten Federlibellen durch die Gräser streiften. Weitere Insekten seien hier erwähnt: Distelbock, Streifenwanzen, Trauerrosenkäfer, Dickkopffalter und viele Blattkäfer sowie als Rote Liste Art der Vorwarnstufe, den Blauhals-Schnellläufer.

Als Naturexperten fungierten: Rudi Tändler (Vögel und Pflanzen), Walter Sage (Insekten), Gotthard und Gudrun Grimbs und Rosi Gottschaller (Pilze), Eveline Merches (Spinnen), Stephan Selbach (Hautflügler), Eva Knon (Amphibien und Reptilien), Günter Weber (Gehölze) und Roland Menzel (Biberfachberater).

Zuletzt dankte Marianne Watzenberger den Teilnehmern und Experten für Ihr Engagement und freute sich über die vielen spannenden Funde, die im Laufe der Kartierung gemacht worden seien. Man sei nun gespannt auf die Entwicklung der Fläche nach den ersten Pflegemaßnahmen und hoffe darauf, dass das Grundstück zu einem optimalen Lebensraum für viele heimische Arten werde.

Fotos: Baumgart

-nb


Eindrücke des GEO-Tags der Artenvielfalt bei Eggerting


BN-Biotoppflege als Kampf um den Erhalt seltener Arten

Biotop-Begehung quer durch den ganzen Landkreis Rottal-Inn

Dass Biotoppflege eine Wissenschaft für sich sein kann, erfährt man bei einer Biotop-Begehung, wie sie kürzlich auf sechs Grundstücken stattfand.

Die Flächen befinden sich überwiegend im Eigentum des BUND Naturschutz. Regionalbotaniker Christoph Stein kennt die Flächen seit Jahrzehnten und stand dabei den für das Pflegemanagement Verantwortlichen der BN-Kreisgruppe Rottal-Inn sowie des Landschaftspflegeverbandes beratend zur Seite. Denn auch bestehende Pflegekonzepte müssen regelmäßig an veränderte Bedingungen angepasst und optimiert werden. Da die Flächen über den ganzen Landkreis verteilt sind, erstreckte sich die Inspektion über den ganzen Tag: Sie begann auf einem Grundstück bei Wurmannsquick und endete auf den Kollbachwiesen bei Jägerndorf. Der Bund Naturschutz hat sich dem Schutz der heimischen Artenvielfalt schon vor Jahrzehnten verschrieben und z.B. schon in den 1970er Jahren Teile der ungemein bedeutenden Kollbachwiesen bei Jägerndorf erworben und seither gepflegt und entwickelt.

Ziel der Biotoppflege ist es, seltene Lebensräume zu erhalten und die darin vorkommenden Tier- und Pflanzenarten zu fördern sowie gefährdete Arten zu schützen. Bei den Pflege-Maßnahmen stelle sich eine grundlegende Frage, so Stein: „Wie organisiere ich das Gebiet so, dass alle wichtigen Tiere und Pflanzen etwas davon haben? Auf den Kollbachwiesen seien in den letzten gut zwanzig Jahren zum Beispiel bereits ausgestorben: Der Lungen-Enzian, das Sumpf-Läusekraut und neuerdings leider auch das Moor-Greiskraut. „Das ist herb“, so der Experte, „aber nicht unbedingt einem etwa falschen Management zuzuschreiben, sondern der unaufhörlichen Nährstoffanreicherung der Landschaft sowie dem neuerdings signifikant auswirkenden Klimawandel.“ Diesen großen Herausforderungen gelte es durch angepasste Pflegekonzepte möglichst zu begegnen, was aber nicht immer einfach sei. „Die Feuchtbiotope sind im Rottal einem ungeheuren Druck ausgesetzt, vielfach klein und leiden daher meist unter Umlandeinflüssen. Oft ist es erstaunlich, dass dennoch immer wieder herausragende Arten vorkommen, die das Rottal nach wie vor als eines der interessantesten botanischen Landstriche zwischen Alpenvorland und Mittelgebirgen auszeichnen“, so der Gebietsexperte.

Wie die Optimierung von Pflegekonzepten während einer Vor-Ort-Begehung geplant werden kann, soll am Beispiel einer Fläche im Aichbachtal erläutert werden:  Um den Bestand von weiß blühendem Fuchs' Knabenkraut und der seltenen Echten Sumpfwurz zu sichern, sollen Gehölze entfernt werden, die sich in den letzten Jahren auf der Pfeifengraswiese und an deren Grenzen entwickelt haben. Pfeifengraswiesen entwickeln sich auf feuchten und nährstoffarmen Standorten und bieten vielen seltenen Arten ein geeignetes Biotop. Auch die Frühlings-Knotenblume wächst hier. Zum Erhalt dieses artenreichen Lebensraumes stellt die ein- bis zweimalige Mahd eine erfolgreiche Naturschutzmaßnahme dar. Während der Begehung wurde beschlossen, in diesem Jahr zweimal zu mähen, um Nährstoffe zu entziehen und erste Degenerationszeiger wie Wasserdost und Brombeere zurückzudrängen. „Es muss hier alles lichter werden; so geben wir dem Lungen-Enzian wieder eine Chance“, erklärt Christoph Stein. Dabei müsse beispielsweise gewährleistet werden, dass das Echte Mädesüß auf der Wiese erhalten bleibe, da dieses den Raupen des Mädesüß-Perlmuttfalters als Nahrung diene. Zielkonflikte müssten bei Pflegemaßnahmen immer beachtet werden, so der Experte und ist sich sicher: „Das wird wieder ein totales Schmuckstückchen“.

Während eines Abstechers in das Dreimühlental bei Triftern zeigte Herr Stein, wie sehr der großflächige Kahlschlag eines Fichtenforstes wohl aufgrund von Borkenkäferbefall einen angrenzenden Quellauwald beeinträchtigt. „Die hydrologische Schutzfunktion des Forstes für den hochwertigen Quellauwald ist vollständig verloren gegangen, die vormals intakten Waldquellen drohen nun zu versiegen, was auch die wertvolle Quell-Artengemeinschaft mittelfristig gefährdet“. Die Fällung größerer Waldflächen im Umkreis von Feucht- und Quellbiotopen hätten Sekundäreffekte wie schnellerer Oberflächenabfluss, Aufheizung des Geländes und größere Verdunstungsraten, die bis heute kaum Beachtung fänden. Es seien Strategien zu überlegen, die den Erhalt des Waldbestandsklimas ermöglichten.

Zuletzt wurden die Kollbachwiesen im "Fauna-Flora-Habitat"-Gebiet (FFH) bei Jägerndorf besichtigt. Hier wurde insbesondere besprochen, wie durch gezielte Mahd das Schilfgras zurückgedrängt werden könne. „Wo jetzt Trollblume, Fleischfarbenes Knabenkraut und Bachnelkenwurz wachsen, war vor Jahrzehnten einmal eine regelrechte Schilfwand“, so der Experte. „Es ist Verdienst der Mitglieder des BUND Naturschutz und weiterer Helfer, dass die Kollbachwiesen sich heute viel offener präsentieren. In diesem Biotop lebt auch die gefährdete Schmale Windelschnecke. „Die Biotoppflege ist angewandter Naturschutz, aber auch unverzichtbar für die Erhaltung vieler unersetzlicher Lebensräume und Landschaftsbestandteile. „Angesichts der großen Veränderungen, die auf das Rottal in nächsten Jahrzehnten zukommen werden, ist es unsere Aufgabe, den nächsten Generationen möglichst viele Bereiche mit ihrer tradierten, ursprünglichen Artenvielfalt zu erhalten“, betonte Christoph Stein.

Eine erneute Begehung der Biotope im nächsten Jahr ist geplant. „Dann können wir sehen, ob unsere heutigen Maßnahmen greifen oder ob man das Konzept noch einmal modifizieren sollte.“ Zuletzt dankte Dr. Jürgen Riedler allen Teilnehmenden für die Unterstützung und freute sich, dass nach Monaten der virtuellen Kommunikation gemeinsame Aktionen wieder möglich werden.

Foto und Text: Nadia Baumgart


Eindrücke der Biotopbegehung


Terminankündigung: Exkursion am 28.Juni

Heimische Reptilien am Unteren Inn

Seibersdorf. Wir freuen uns: Die wegen der Corona-bedingten Maßnahmen abgesagte naturkundliche Exkursion zum Thema „Reptilien am Unteren Inn“ wird nun nachgeholt!

Treffpunkt: Am 28. Juni um 9:30 Uhr auf dem Parkplatz der Kirche in Seibersdorf. Dauer: ca. 2 Stunden

Referent: Daniel Renner

Hygienevorschriften: Die Veranstaltung wird unter den Auflagen der Bayerischen Landesregierung und den Vorgaben des BUND Naturschutz (BN) stattfinden. Es gilt auch im Freien die Abstandsregel von 1,5 m. Da eine Anwesenheitsliste geführt werden muss, sollte jeder Teilnehmer einen eigenen Kugelschreiber mitbringen. Außerdem sollte immer dann, wenn die Abstandsregel nicht eingehalten werden kann, eine Maske getragen werden.

Die Teilnehmerzahl ist auf 8 beschränkt. Eine Anmeldung unter der Nummer 0160 5510562 (Daniel Renner) oder auch über WhatsApp ist erwünscht. Kinder dürfen nur in Begleitung eines Elternteils teilnehmen. Ausweichtermin bei schlechtem Wetter oder zu vielen Anmeldungen: 12. Juli. Die Exkursion wird von der BN-Ortsgruppe Unterer Inn veranstaltet.


BN kauft Auwald in der Berghamer Au

Renaturierung einer Weichholzaue

Kirchdorf am Inn. Kürzlich konnte die BUND Naturschutz – Kreisgruppe Rottal-Inn (BN) ein Grundstück im Flora-Fauna-Habitat (FFH) -Gebiet Salzach und Unterer Inn erwerben. FFH-Gebiete sind spezielle europäische Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz.

Hier handelt es sich um einen Auwald von etwa zwei Hektar, einen Waldstreifen in der Gemarkung Kirchdorf am Inn, nahe der „Seibersdorfer Brenne“.  Der Ankauf wurde vom Bayerischen Naturschutzfonds gefördert.

Typisch für einen Auwald in dieser Gegend wäre ein Grauerlenwald mit eingestreuten Weiden, Pappeln, Faulbäumen und Traubenkirschen. Dies sind allesamt Bäume, die an häufige Überflutungen angepasst sind. Echte Auwälder mit schwankenden Nässeverhältnissen sind nämlich selten geworden, da sie hinter den Dämmen nicht mehr überflutet werden. Deshalb degenerieren auch die Weichholzauen an Inn und Salzach zusehends: die alten Weiden und Pappeln sterben ab oder werden bei Starkwind niedergedrückt. Der aktuelle Zustand des Grundstücks weicht somit leider stark vom Soll-Zustand ab. Der Anteil gepflanzter, hier untypischer Arten, wie des Bergahorns oder der Fichte liegt bei über 70% und entwertet die Fläche aus naturschutzfachlicher Sicht.

Durch den Ankauf der Fläche soll ein Stück Weichholzaue erhalten und optimiert werden. So sollen zum Beispiel gezielt die Fichten entnommen und wieder Bäume der Weichholzauen wie Schwarzpappel, Ulme oder verschiedene Weiden und Grauerlen nachgepflanzt werden. Die Lebensgrundlage der Weichholzaue-Arten bleibt somit möglichst lange erhalten. Die Fichtenstämme werden direkt als Arterhaltungsmaßnahmen für Reptilienburgen und Holzstapel Verwendung finden. Letztere werden von Äskulapnatter und Schlingnatter gerne angenommen. Bei dem vorhandenen Bergahorn soll eine Durchforstung erfolgen, wo Einzelbäumen, die sich zu Biotopbäumen entwickeln können, der Vorzug gegeben wird.

Der Boden im Auwald ist locker bis dicht mit Giersch und Wald-Zwenke bewachsen. Ebenso gibt es schöne Bestände des Großen Zweiblattes, der Einbeere und des Nickenden Perlgrases. Dicht wächst an manchen Stellen auch die Seegras-Segge. Zudem interessant ist der Waldrandbereich: offen und strukturiert. Eine angrenzende knapp zehn Meter breite Ausgleichsfläche der Gemeinde Kirchdorf vom Waldrand zur Ackerfläche bietet außerdem durch die magere, trockene Struktur beste Eigenschaften und Voraussetzungen für die Zauneidechse und die Schlingnatter. Hier fliegt auch ein recht seltener Falter, der Fliegen-Sackträger.

Ausgiebige Kartierungen in den letzten Wochen und Monaten entlang des Auwaldes als auch auf umliegenden Randstrukturen ergaben, dass sowohl im direkten Einzugsbereich als auch auf der Auwaldfläche selbst eine hohe Dichte der Äskulapnatter vorhanden ist. Als in Bayern vom Aussterben bedrohte Art hat die Äskulapnatter einen hohen Stellenwert für diese Fläche. Auch viele Vögel brüten im Auwald. Direkt auf der Fläche wurden beispielsweise der Feldschwirl und der Grauspecht beobachtet.

Mit den geplanten Maßnahmen soll in den nächsten Jahren die Auenlandschaft in dem Gebiet als Lebensraum bedrohter Tiere und Pflanzen wieder gestärkt werden.

Text: Nadia Baumgart


7 Äskulapnattern, 2 Blindschleichen und viele Zauneidechsen!

Auf der Suche nach Reptilien

7 Äskulapnattern, 2 Blindschleichen und viele Zauneidechsen!

So viele Reptilien konnte unser Experte Daniel Renner kürzlich auf drei Flächen in knapp 2 Stunden sichten. Da zwar Exkursionen weiterhin aufgrund der Corona-Maßnahmen ausfallen, Naturführungen aber seit dem 30. Mai unter bestimmten Auflagen wieder erlaubt sind, begleitete eine Familie mit drei wissensdurstigen Kindern bei schönstem Wetter den Hobby-Herpetologen bei seinen Auskundschaftungen in der Berghamer Au, der Seibersdorfer Brenne und in Waltersdorf bei Simbach.

Zu guter Letzt konnte die kleine Gruppe erstmals drei Äskulapnattern auf dem letztes Jahr neu errichteten Holzstapel erspähen. Dieser Stapel war zusammen mit BN-Mitgliedern errichtet worden und ist inzwischen meterhoch von Knöterich umringt. Lediglich 1/3 des Stoßes war besonnt, darauf lagen zwei semiadulte und ein adultes Tier. Am Ende war es ein gelungener Tag mit vielen zufriedenen Gesichtern.

Die seltenste Schlange Bayerns und die größte Mitteleuropas - die Äskulapnatter (Zamenis longissimus). In Bayern stößt sie an ihre westliche Verbreitungsgrenze der Hauptverbreitung und ist hier nur an Donau, Inn und Salzach zu finden.

Fotos:BN


Von Rohrsängern und schwimmenden Rehen

Naturkundliche Mai-Wanderung vom Pumpwerk Bergham zur „Seibersdorfer Brenne“

Kirchdorf a. Inn. Da zurzeit naturkundliche Wanderungen aufgrund der Corona-Krise ausfallen, berichtet nun der Vogelexperte Walter Sage von den aktuellen Entwicklungen in der Region. Der Leser ist eingeladen, virtuell mitzuwandern.

An einem sonnigen Vormittag macht Sage sich beim Pumpwerk Bergham auf den Weg. Schon beim Aufgang zum Damm erklingt der Gesang der Teichrohrsänger, der den Naturexperten auf der gesamten Exkursion begleitet. Auch ein singendes Blaukehlchen ist aus dem Schilf zu hören, während aus der Au ein Gelbspötter seinen strophenreichen Gesang hören lässt.

Nun setzt er sich für einige Minuten auf eine Bank. Haubentaucher schwimmen im Altwasser, aus dem Schilf schmettert ein Drosselrohrsänger seinen weithin hörbaren Gesang, und im Hintergrund hört man Zilpzalp, Stieglitz und Pirol. Plötzlich raschelt es im Schilf gegenüber recht stark. „Da sich hier immer auch einige Wildschweine befinden, hoffte ich, dass ein solches aus dem Schilf kommt“, so der Experte. „Aber es war ein Rehbock, der das kurze Stück über das Altwasser zum Damm schwamm und langsam nur wenige Meter entfernt im Auwald verschwand“. 

Am Flusskilometer 69,2 singen schon der nächste Drosselrohrsänger sowie neben Teichrohrsänger auch Zaunkönig, Rohrammer und Rohrschwirl. Etwas weiter, aus einer offenen Wasserstelle im Schilf, sind die markanten Rufe des Zwergtauchers sowie die quiekenden Rufe der Wasserralle zu hören. 

Am blühenden Gemeinen Schneeball hat sich eine größere Zahl Rosenkäfer eingefunden und im Auwald streiten sich drei Kuckucke.  „Ein Stück weiter steht eine Ansitzkanzel eines Jägers.  An diesem Standort war letztes Jahr während der gesamten Brutsaison eine Nachtigall zu hören, die hier vermutlich auch brütete; leider fiel das Habitat der Dammsanierung zum Opfer. Ebenso einige Weiden, die dem seltenen Weberbock als Lebensraum dienten. So hat sich dieses Jahr auch die Nachtigall noch nicht sehen bzw. hören lassen“, beklagt der Naturexperte. Beim kurzen Verweilen können aber Mönchs- und Gartengrasmücke sowie Rotkehlchen gehört und ein Buntspecht bei der Nahrungssuche  beobachtet werden. Auch Insekten sind zu beobachten: Neben verschiedenen Libellen, sind Blutzikaden und Gartenlaubkäfer zu beobachten.

Bei der „Seibersdorfer Lacke“ fliegt ein Blaukehlchen aus dem Schilf auf die kleine Schlickbank. Über dem Wasser jagt eine einzelne Flussseeschwalbe und aus der Au ist der „Sitzruf“ des Schwarzspechts zu hören. Direkt am Weg flüchtet gerade eine Zauneidechse, im Gras sitzt die große Raupe der Grasglucke und ein paar Meter voraus sucht ein Schwalbenschwanz die Blüten ab. An der „Brenne“ erreicht der Bestand an Helmknabenkraut seine größte Dichte.

„Die Artenzahl an Insekten war leider gering.  Es zeigten sich Schwarzspanner, Braune Tageule, der seltene Fliegensackträger, Zitronenfalter, Hauhechel-Bläuling, Marmorierter Kleinspanner, Ockergelber Blattspanner, verschiedene Zünsler, Hummelschwärmer und ein Schwalbenschwanz bei der Eiablage“, so Walter Sage. Überall zirpten Grillen und an Käfern waren Weichkäfer, Pappelblattkäfer sowie am Holzstapel Ameisenbuntkäfer zu finden. 

-ws


Auf der Suche nach heimischen Reptilien

Spaziergang mit dem BN

Simbach. Aufgrund der Corona-bedingten Maßnahmen mussten auch die Veranstaltungen der BUND Naturschutz (BN) Kreisgruppe Rottal-Inn abgesagt werden, darunter auch die von der BN-Ortsgruppe Unterer Inn organisierte Exkursion zum Thema „Heimische Reptilien“. Um Mitglieder und Interessierte trotz allem über das Thema im Landkreis informieren zu können, berichtete der Experte Daniel Renner über die Reptilien-Vorkommen am Unteren Inn.

Als Vorstandsmitglied des LARS (Landesverband für Amphibien und Reptilienschutz in Bayern e.V.) und Hobby-Herpetologe kartiert Daniel Renner nun schon seit vielen Jahren Reptilien für die Naturschutzbehörde im Landkreis und untersucht im Rahmen der „Arbeitsgruppe Äskulap“ die Verbreitung der hier heimischen Reptilien, explizit der Äskulapnatter. In sicherem Abstand wurde der Referent von Nadia Baumgart (Beisitzerin BN Rottal-Inn) begleitet. 

Zunächst ging es an eine Ausgleichsfläche in Waltersdorf bei Simbach. Dort wurde letztes Jahr zusammen mit BN-Mitgliedern und Ehrenamtlichen ein Holzstapel als Versteck für Schlangen an einem sonnigen Standort in Hanglage angelegt und mit einer Plane überdeckt. An genau diesem Platz hatte Daniel Renner im Jahr 2015 seine erste Äskulapnatter gefunden. Da es sich bei diesem Fund um ein Jungtier handelte, war es klar, dass es sich hier um ein sich reproduzierendes Vorkommen handeln muss. Diese Artenhilfsmaßnahme wurde als Ausgleich für einen Hangwald, der wegen Borkenkäferbefall gerodet werden musste, mit finanzieller Unterstützung des Landschaftspflegeverbandes Rottal-Inn umgesetzt. Da die Äskulapnatter in Bayern als akut vom Aussterben bedroht gilt, war dies zwingend erforderlich. Gesetzlich ist nämlich eine Verschlechterung des Lebensraumzustandes für die Äskulapnatter zu vermeiden. Der Holzstapel dient somit den Tieren als Sonnenplatz, Versteckmöglichkeit und auch als Paarungsort.

„Die Äskulapnatter kann eine Größe von bis zu 2 Metern erreichen, bleibt aber im Durchschnitt mit ca. 1.5 Metern wesentlich kleiner. Für Menschen ist sie vollkommen harmlos und natürlich ungiftig“, so Renner.

Der Reptilien-Kenner lüftete ruckartig die Plane am Holzstapel und an einem weiteren künstlichen Versteck am Boden, um zu kontrollieren, ob sich etwas darunter versteckt hat.  Denn jetzt im Mai – und vornehmlich nach den Eisheiligen - beginnt die Paarungszeit von Reptilien. In dieser Zeit begegnet man ihnen vermehrt. Unter der Plane kamen plötzlich mehrere Blindschleichen zum Vorschein. „Darunter ist ein ganz besonders schönes, altes Männchen mit blauen Punkten“, kommentierte Renner. In dem Grünschnitthaufen entdeckte der Experte auch die abgestreifte Haut einer Blindschleiche. Dass Grüngut- und offene Komposthaufen in sonniger Lage nicht nur geeignete Eiablageplätze für Ringelnatter und Äskulapnatter darstellen, zeigte sich, als Renner einen schwarzen Käfer in der Hand hielt: „Das ist ein junger Balkenschröter“, erklärte er.

Danach ging es an den von der BN-Kreisgruppe jüngst erworbene Auenwald in der Berghamer Au und danach an die Seibersdorfer Brenne. In diesen Gebieten findet man sowohl Schlingnattern als auch Ringelnattern und Äskulapnattern. Begleitet von dem ausdauernden Gequake der Seefrösche am Inndamm, wurde jetzt ein großer Holzstapel am Waldrand abgesucht. Plötzlich hielt Renner eine adulte Äskulapnatter in die Höhe. Nur Personen mit einer entsprechenden Ausnahmegenehmigung der jeweiligen Landesregierung dürfen Reptilien fangen. Die Färbung der Schlange konnte man nun gut beobachten: Sie reicht von oliv-braun bis anthrazit. Die Bauchseite ist meist cremefarben, auch zitronengelb und manchmal auch gelb-weißlich. Benannt wurde die Schlange nach dem griechischen Asklepios, um dessen Wanderstock sich eine solche Natter wickelte. „Meist sind sie ab dem 5. oder 6. Lebensjahr geschlechtsreif“, erklärte der Schlangenforscher, „und ernähren sich von Kleinsäugern, vor allem von Mäusen aller Art, anderen Kleinsäugern als auch Vögeln.“

Auf der Brenne aufgerichtete, sogenannte „Reptilienburgen“, Anhäufungen aus Sand, Stein und Totholz, suchte Renner allerdings erfolglos nach den hier heimischen Zauneidechsen ab. „Es ist noch etwas zu kühl“, so der Experte.

Zuletzt machte Daniel Renner noch auf blühende Orchideen, das Helm-Knabenkraut, aufmerksam und wies darauf hin, wie wichtig der Erhalt von artenreichen Waldrändern und naturnahen, lebendigen Flussauen für Reptilien und Amphibien sei.

-nb


Wir sind umgezogen!

Neue Geschäftsstelle in Anzenkirchen

Triftern-Anzenkirchen. Schon seit einiger Zeit suchte die Kreisgruppe des BUND Naturschutz (BN) Rottal-Inn neue Räumlichkeiten für ihre Geschäftsstelle, da das Haus in Pfarrkirchen den Eigentümer wechseln sollte.

Der BN-Kreisvorsitzende Dr. Jürgen Riedler und die Geschäftsstellenleiterin sowie Vorsitzende der Ortsgruppe Unterer Inn Marianne Watzenberger freuten sich daher sehr, in Anzenkirchen ein zentrales Büro mit Schaufenster und geräumigen Lagerräumen mieten zu können. Seit 24. März 2020 hat die Geschäftsstelle der Kreisgruppe nun eine neue Adresse.

Infolge der Corona-Krise ist die Geschäftsstelle zurzeit nur eingeschränkt erreichbar. Eine feierliche Einweihung soll jedoch erfolgen, sobald die Corona-bedingten Maßnahmen dies wieder zulassen. Bei einem Tag der offenen Tür will die BN-Kreisgruppe dann auch zu einem späteren Zeitpunkt allen Interessierten ihre neue Geschäftsstelle und ihre Arbeit vorstellen.

Dies sind die neuen Kontaktdaten: Kreisgruppe Rottal-Inn BUND Naturschutz in Bayern e.V., Hauptstraße 11, 84371 Triftern-Anzenkirchen, Tel. 08562 / 96 36 086, Fax 08562 / 63 67 01 E-Mail: bn-rottal-inn@t-online.de

-nb


Absage unserer Termine bis 7. Juni

Coronakrise

++ACHTUNG++

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise sagt die BUND Naturschutz Kreisgruppe Rottal-Inn  alle Veranstaltungen vorerst bis einschließlich 7. Juni ab. 


Versammlung und Neuwahlen der Ortsgruppe Hebertsfelden mit Vortrag

„Die Amphibien und Reptilien unserer Heimat“

Hebertsfelden. Am Mittwoch, 25. März 2020 um 19 Uhr findet die BUND Naturschutz - Ortsgruppenversammlung Hebertsfelden mit Neuwahlen statt. Ort der Veranstaltung ist der Gasthof Zoidl, Mühlbauernweg , 84332 Hebertsfelden. Im Anschluss wird der Flora- und Fauna-Experte Walter Sage einen Vortrag mit Titel „Die Amphibien und Reptilien unserer Heimat“ halten. Versammlung und Vortrag werden von der BUND Naturschutz Ortsgruppe Hebertsfelden veranstaltet. Mitglieder der Ortsgruppe und alle Interessenten sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.


Vortrag und Exkursion zum Thema Klimakrise und Waldsterben 2.0

Was muss getan werden, um die Wälder zu retten?

Pfarrkirchen/ Massing. Am Freitag, den 27. März findet ein Vortrag zum Thema Waldsterben mit dem Referenten Dr. Ralf Straußberger, Wald- und Jagdreferent des BUND Naturschutz in Bayern, statt. Am darauffolgenden Samstag, den 28.03. führt Dr. Straußberger eine Waldexkursion im westlichen Landkreis Rottal-Inn durch, um die im Vortrag angesprochenen Aspekte zu veranschaulichen.

Die Klimakrise mit der extremen Dürre, Hitze und Stürmen belastet die Wälder in Bayern massiv. In Franken sterben Kieferwälder, in Südbayern und auch im Landkreis Rottal-Inn setzen die Borkenkäfer und schwere Stürme den verbreiteten Fichtenwäldern zu. Der Referent erklärt in seinem Vortrag, welche Maßnahmen von Seiten der Politik notwendig sind und wie die Waldbesitzer und Jäger auf die kritischen Entwicklungen reagieren können.

Der Vortrag findet im Gasthaus Schachtl, Passauerstrasse 28, Pfarrkirchen am Freitag, den 27.3.2020 statt. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Für die Waldexkursion am Samstag, den 28.03.2020 treffen sich die Teilnehmer um 8.30 Uhr am Parkplatz Gasthof Schwinghammer, Staudach 19, 84323 Massing. Dann wird gemeinsam mit privaten PKWs (Fahrgemeinschaften erbeten) zu den Exkursionspunkten im westlichen Landkreis gefahren. Die Exkursion endet gegen 12 Uhr. Begrenzte Teilnehmerzahl. Anmeldung und Reservierung bis 25.03.2020 bei Dr. Jürgen Riedler (08721/913464 oder per mail (e.j.riedler@gmx.de).

Der Vortrag wird von der Kreisgruppe BUND Naturschutz Rottal-Inn und der Katholischen Erwachsenenbildung Rottal-Inn-Salzach veranstaltet. Eintritt frei, Spenden erwünscht.


Kurzumfrage zur Landratswahl 2020 im Landkreis Rottal-Inn

Stellungnahme der Landratskandidaten

Der Bund Naturschutz ist parteipolitisch neutral und gibt deshalb keine Wahlempfehlung für die Landratswahl am 15. März 2020. Naturschutz, Umwelt- und Klimaschutz werden aber direkt vor Ort umgesetzt.

Wir haben dieses Formular an die Landratskandidatin und die zwei Landratskandidaten im Landkreis Rottal-Inn versendet und geben ihre Antworten und Anmerkungen hier bekannt. Landrat Michael Fahmüller, CSU, hat die Fragen nicht beantwortet, sondern ein separates Schreiben zu diesem Thema verfasst, das wir hier auch veröffentlichen.

Hier die einzelnen Texte:

Hier Text 1-Das Original-Umfrageformular

Hier Text 2-Das von zwei Landratskandidaten ausgefüllte Formular

Hier Text 3-Das Schreiben von Landrat Michael Fahmüller, CSU


Landesvorsitzender Mergner besucht Kreisgruppe

Hier ergänzend eine BN-Pressemitteilung "Umsetzung des Volksbegehrens"

 Hier der Artikel zum Mergner-Besuch in der Passauer Neuen Presse

BN-Landesvorsitzender Richard Mergner besuchte im Februar 2020 die Kreisgruppe Rottal-Inn, um sich ein Bild über die Arbeit der Aktiven unter dem Vorsitzenden Dr. Jürgen Riedler zu machen. Er besuchte mit Jürgen Riedler, den stellv. Vorsitzenden Anne Hennersperger und Dieter Scherf sowie mit Geschäftsführerin Marianne Watzenberger eine neu erworbene Biotop-Fläche bei Seibersdorf am Inn (Bild) und wohnte auch einer Kreisgruppen-Vorstandssitzung in Pfarrkirchen bei, wo er die Kreisgruppe als beispielhaft in ganz Bayern würdigte. Auch konnte er dabei durch die Gespräche mit den Vorstandsmitgliedern einen sehr guten Einblick in die Vielfalt der gesamten Arbeitsgebiete in der Kreisgruppe gewinnen.
 „Wir müssen uns nicht nur auf den Weg machen, wir müssen auf die Rennbahn", sagt Dr. Jürgen Riedler, Kreis-vorsitzender des Bund Naturschutz in Rottal-Inn, bei der Besichtigung zweier Grundstücke, die der BN in der Nähe von Seibersdorf erworben hat.
Von wichtigen Leitarten der heimischen Pflanzenwelt sei innerhalb von 30 Jahren kaum noch etwas übrig, die Verlustbilanzen für Knabenkraut, Wollgras, Sonnentau, Fettkraut, Trollblume und Lungen-Enzian lägen zwischen 60 und 95 Prozent.
Um diesem Trend entgegen zu wirken, setzt sich der BN für den Erhalt der Artenvielfalt ein. Das jüngste Projekt war der Kauf eines zwei Hektar großen Auwald-Grundstücks im letzten Jahr - „kleine Oasen", wie Richard Mergner, Landesvorsitzender des BN, sagt. Für den Gen-Austausch sei es aber wichtig, dass diese Flächen einen Biotopverbund bilden - also über Korridore verbundensind. „Wir brauchen ein grünes Netz im Landkreis", sagt Mergner.
Er fordert eine „Bio-Offensive der öffentlichen Hand". Öffentliche Einrichtungen sollten in Kantinen, Mensen oder bei Empfängen auf ökologisch und regional produzierte Produkte zurückgreifen. Des weiteren fordert der BN ein Umdenken bei der Agrarförderung. Ökologisches Engagement müsse sich für die Landwirte auch finanziell lohnen, betont Dr. Riedler.
Der Bund Naturschutz sehe sich als Partner der Landwirte. In der Vergangenheit habe es viele Missverständnisse zwi-schen den Naturschützern und den Bauern gegeben. Dabei sieht der Kreisvorsitzende viele gemeinsame Interessen. „Immer mehr Betriebe müssen schließen - aber nicht wegen dem Umweltschutz. Nahrungsmittel müssen einen Wert haben und die Landwirte müssen für Naturschutzmaßnahmen angemessen entschädigt werden." Künftig wolle man das Gespräch suchen und so Missverständnisse vermeiden.
Die Besichtigung des Grundstücks im Auwald bei Seibersdorf nahm die neue Regionalreferentin für den Bezirk Niederbayern, Rita Rott, zum Anlass, um sich vorzustellen.
Diese Punkte wurden auch bei der abendlichen Vorstandssitzung betont, bei der Richard Mergner noch einige nützliche Aspekte für die zukünftige Arbeit der Kreisgruppe mit dem Landesverband wie auch für die Initiativen im Landkreis gab.
Richard Mergner bedankte sich nochmals für die wirkungsvolle Arbeit der Kreisgruppe, er würdigte die Aktivitäten als beispielgebend für den BN und wünschte weiterhin ein gutes Gelingen im Sinne der Natur und Umwelt.


Wertvolle Pflanzenarten im Rottal vor dem Zusammenbruch

Experte Christoph Stein mit Fachvortrag zur Biodiversität – Verantwortung der gesamten Gesellschaft eingefordert

Im Bild: Beim Vortrag über die Bedrohung der natürlichen Pflanzenwelt zwischen Isar und Inn waren neben vielen Zuhörern dabei (von links): Rainer Blaschke (Landschaftspflegeverband), Landrat Michael Fahmüller, der Referent Christoph Stein, dem (rechts daneben) BN-Kreisvorsitzender Dr. Jürgen Riedler ein Dankespräsent überreicht, sowie Stefan Radlmair von der höheren Naturschutzbehörde und Alfred Huber vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Pfarrkirchen. Einen fachlich sehr fundierten Einblick in die Pflanzenwelt zwischen Isar und Inn und in deren massive Bedrohung gab ein Vortrag, veranstaltet von der BUND-Kreisgruppe Rottal-Inn in Zusammenarbeit mit der katholischen Erwachsenenbildung Rottal-Inn-Salzach im Gasthof Schachtl. Referent war der Experte Christoph Stein, der seit über drei Jahrzehnten die heimische Flora wissenschaftlich unter dem Aspekt des Vorkommens verschiedener Arten in unterschiedlichen Gebieten untersucht.
Der Experte wurde begrüßt vom BN-Kreisgruppen-Vorsitzenden Dr. Jürgen Riedler, der sich auch erfreut zeigte, dass neben sehr vielen interessierten Zuhörern auch Landrat Michael Fahmüller, die Bezirksrätin Mia Goller sowie Biologin Anita Sinner und vom Landschaftspflegeverband deren Leiter Rainer Blaschke  gekommen waren. Der Vorsitzende betonte, dass es ein großes Anliegen des Bund Naturschutz sei, die Artenvielfalt und Biodiversität möglichst umfassend zu erhalten und in diesem Rahmen alle Bemühungen für artenreiche Wiesen, Schutzgebiete oder für Biotope und Biotopvernetzung allgemein zu fördern: „In diesem Sinne haben wir mit Christoph Stein einen ausgewiesenen Fachmann für uns gewinnen können“, so Jürgen Riedler.
Landrat Michael Fahmüller hob das 3xB-Projekt (Bäche, Böden, Biodiversität) hervor, das von Christoph Stein initiiert worden ist, er würdigte auch die Arbeit des Landschaftspflegeverbandes und erwähnte die Anstrengungen des Landkreises bezüglich umweltgerechter Mahd, die Unterstützung des Vertragsnaturschutzes sowie die Förderung wichtiger Informations-Einrichtungen wie zum Beispiel der Umweltstation im Europareservat Unterer Inn. Fahmüller: „Durch das gute Miteinander von Unterer Naturschutzbehörde, Landratsamt, Bund Naturschutz, der Landwirte und des Landschaftspflegeverbandes sind wir gut aufgestellt, in Zukunft noch mehr für die Natur tun zu können.“
Bezirksrätin Maria Goller würdigte das Engagement des BN für die Umwelt: „Der Bund Naturschutz ist auch für uns als Politiker ein wichtiger fachlicher Ratgeber“. Besonders erwähnte sie auch den neuesten und überparteilich gestellten Antrag auf Bezirksebene, um für öffentliche Institutionen wie zum Beispiel Krankenhäuser die Umstellung auf 30 Prozent Bio- und den Rest Regional-Lebensmittel innerhalb von zehn Jahren sukzessive zu ermöglichen. Goller: „Wir wollen damit Verantwortung übernehmen entsprechend dem Volksbegehren und müssen natürlich im Bezirk diesbezüglich eine Vorreiterrolle übernehmen.“
Christoph Stein richtete in seinem durch zahlreiche Lichtbilder unterstützten Fachvortrag den Blick auf das Isar-Inn-Hügelland und dessen heimische Flora in den Gewässer- und den Offenland-Lebensräumen. Er erläuterte, dass er seit über 30 Jahren die Verbreitung, die Bestandsverhältnisse und deren Entwicklung untersuche und schilderte auch die verschiedenen Naturräume im Isar-Inn-Hügelland mit ihren zahlreichen unterschiedlichen Landschaftsformen und Biotopstrukturen. Für den Schutz der Artenvielfalt seien insbesondere sogenannte Leitarten von zentraler Bedeutung. Für die Gewässer nannte der Referent zum Beispiel den Aufrechten Merk, das Knotige Laichkraut, den Flutenden Hahnenfuß, die Gelbe Wiesenraute, das Flussgreiskraut und zahlreiche andere Arten, die es nur an ganz bestimmten Standorten gebe, jeweils in Abhängigkeit von Bodenbeschaffenheit, Umgebungs-Einflüssen, Lichtverhältnissen, Niederschlag oder Himmelsrichtungen. „Aus der Sicht der Pflanzenartenvielfalt ist die Rott ein Sorgenkind, da einige Arten, die es hier unter intakten Umständen geben müsste, heute leider verschwunden sind“ so der Experte. Diesen Schluss lassen Vergleiche mit der Vils zu, deren Flora in manchen Abschnitten deutlich besser erhalten sei.
Christoph Stein zeigte zahlreiche Beispiele auf, wie durch Veränderungen in der Landschaft die Standortbedingungen für die heimische Flora in den letzten Jahrzehnten immer ungünstiger wurden: „Die Landschaft im Rottal ist heute grundlegend verändert, ja massiv beeinträchtigt worden. Das ist die Ursache für viele Defizite in der heimischen Flora. Anhand von Kartenvergleichen zeigte er dies beispielsweise für die Gewässer auf: „Viele kleine und größere Fließgewässer, die früher mit ihren Mäandern die Landschaft bereicherten, zusammen mit manchen Altwässern oder Seen, sind durch menschliche Maßnahmen stark gestört“, so der Referent, „für die Artenvielfalt wertvolle Flora sei an solchen Gewässern nicht mehr vorhanden. Gerade vor diesem Hintergrund sei es nun an der Zeit, weitere Verluste zu vermeiden und durch umfassende Renaturierungen die bestehenden Defizite wieder aufzubessern“, fasste Christoph Stein zusammen. Er nannte weitere wesentliche Belastungsfaktoren, darunter Erosion von Ackerland, Phosphat- und Stickstoff-Einträge. Von den für das Rottal einst so typischen und wertvollen Offenland-Arten zeigte er verschiedene Wiesenarten mit Orchideen, Trollblumen oder Enzian und auch mit dem Kümmel-Haarstrang, der beispielsweise in Deutschland nur noch sehr selten anzutreffen sei und der sich in wenigen Teilbereichen beispielsweise bei Simbach am Inn finden lasse.
Beachtung zu schenken sei nach den Worten des Referenten beispielsweise dem Körner-Steinbrech und der Knäuel-Glockenblume, die wohl in nächster Zeit weiter zurück gehen werden. „Leider gilt es auch den Rückzug der Trollblume festzustellen. Von dieser prächtigen Art ist nach 30 Jahren nur mehr jede fünfte Population erhalten“, bilanzierte Stein. Ähnlich ergeht es dem Gestielten Kronenlattich, der eigentlich eine Gebirgspflanze ist, und auch dem Goldschopf-Hahnenfuß, von dem einige Arten überhaupt nur in Bayern oder gar nur Niederbayern vorkämen.
Den aufmerksamen Zuhörern schilderte er zusätzlich die charakteristischen Pflanzen auf Streu- oder Moorwiesen, auf Hochmoor- und Magerwiesen. Für alle diese Pflanzenarten konnte er leider keine guten Prognosen liefern, da sich der menschliche Eingriff in die Umwelt und Natur durch Stoff-Eintrag oder Luft-Beeinflussung sowie durch Entwässerung oder Umgestaltung mittlerweile sehr negativ auswirke. „Die Ursachen für Florenverluste liegen teilweise Jahrzehnte zurück und wirken sich oft schleichend und wenig augenfällig aus, Deshalb muss das 3xB-Projekt des Landkreises unbedingt weitergeführt werden“, ermunterte Christoph Stein die Verantwortlichen.
Zum Abschluss richtete er einen leidenschaftlichen Appell an die Zuhörer, nicht zuletzt aber auch an die Kommunen und Behörden: „Wir haben die Verantwortung für den Erhalt vieler Arten“, so Christoph Stein, „und für viele Pflanzenarten gibt es noch gewisse Chancen, sie in der Landschaft zu halten, auch wenn das momentane Bild deutlich ungünstig ist. Die Flora ist ein Spiegelbild des Umgangs mit der Landschaft, der Natur und der Umwelt. Mit Instrumenten wie Biotoppflege, dem Biotopverbund und insbesondere der Wiederherstellung des Wasserhaushaltes in der Landschaft können und müssen wir dafür sorgen, dass wir wieder zu einer besseren Situation gelangen können“. Nach wie vor sei die Flora des Rottales anspruchsvoller und vielfältiger als die der umliegenden Landkreise, schloss der Referent.
- wh


Vortrag über 5G-Mobilfunk von Prof. Dr. Klaus Buchner

5G-Mobilfunk – Gefahr für unsere Gesundheit

Eggenfelden. Mit über 100 Gästen war der kürzlich im Stadtsaal stattgefundene Vortrag zum Thema 5G-Mobilfunk des Physikers und EU-Abgeordneten (ÖDP) Professor Dr. Klaus Buchner sehr gut besucht. Die Veranstaltung war von der Kreisgruppe BUND Naturschutz Rottal-Inn (BN) und der Katholischen Erwachsenenbildung Rottal-Inn-Salzach organisiert worden.

BN-Kreisvorsitzender Dr. Jürgen Riedler begrüßte den Redner und führte in das Thema ein: „Eine Tatsache wird immer deutlicher: die digitale Transformation der Gesellschaft für das autonome Fahren und das Internet der Dinge beschleunigen den Ressourcen- und Energieverbrauch und damit die Klimakatastrophe. Die Smart City ist ein Klimakiller.“ Fortschritt solle nicht ausgebremst, aber kritisch hinterfragt werden, so Dr. Riedler. 

Prof. Dr. Buchner begann seinen Vortrag mit einem Vergleich zwischen dem Umgang mit den Gefahren des Rauchens und denjenigen, die durch Mobilfunk verursacht würden: Nicht alle Raucher würden krank. Besonders betroffen von der zunehmenden Strahlenbelastung seien elektrohypersensible Menschen die darauf mit schweren gesundheitlichen Störungen reagieren und zunehmend gesellschaftlich isoliert werden. 

Noch sei 5G in der Testphase. Daher sei es sinnvoll, zunächst die gesundheitlichen Auswirkungen der jetzigen Frequenzen auszuleuchten. Zuerst wurden die Quellen von Funkstrahlungen aufgezählt. Darunter gehörten unter anderem Mobilfunk, WLAN, aber auch ständig funkende Heizungs- Elektrizitäts-, und Wasserzähler sowie Funkanwendungen in Autos. Gerade Kleinkinder im Kinderwagen seien diesen Strahlungen besonders ausgesetzt. Nun zeigte der Referent anhand von Fotos negative Auswirkungen von Funkmasten auf angrenzende Bäume und verwies auf mehrere Studien, welche die Wirkung der Strahlen auf Insekten und Nutztiere analysierten. Hier seien insbesondere Orientierungsprobleme bei Insekten und Fruchtbarkeitsstörungen bei Schweinen und Rindern sowie neuartige Missbildungen bei Ferkeln zu erwähnen. Dass Funkstrahlungen auch beim Menschen eine große Reihe an Krankheiten bis hin zu Unfruchtbarkeit und Krebs auslösen könnten, sei mittlerweile eindeutig belegt, so Prof. Dr. Buchner. Obwohl die Gefahren erwiesen seien, würden seitens der Bundesregierung unsinnig hohe Grenzwerte festgesetzt. Diese würden von industrienahen Wissenschaftlern und Lobbyisten der Mobilfunkindustrie vorgeschlagen. Neuere Studien hätten jedoch die Gefährlichkeit von Funkstrahlung bis hin zur Häufung von Tumoren durch das Telefonieren mit Handy nochmals bestätigt. Nun käme die Politik nicht mehr umhin, das Problem ernst zu nehmen.

Die Einführung von 5G als das „Internet der Dinge“ bedinge noch höhere Frequenzen als bisher, da die zu übertragende Datenmenge ständig wachse und die Daten in Echtzeit übertragen werden sollen. Als Folge sollen Millionen von neuen Basisstationen, ca. 20 000 neue Satelliten und Milliarden sendefähiger Objekte in den nächsten Jahren entstehen. Diese Technik berge nicht nur zusätzliche gesundheitliche und klimarelevante Risiken, sondern auch die Gefahr einer totalen Überwachung. Denn die Daten, die bei den Anwendungen gespeichert würden, könnten sowohl kommerziell als auch politisch genutzt werden. „Wer die Daten hat, hat auch die Macht. Wir können entweder 5G aufgeben oder unsere Demokratie verändern lassen“, so der Physiker. Inzwischen formierten sich in mehreren Ländern massive Bürgerproteste gegen die Einführung von 5G.

Nun zeigte Prof. Dr. Buchner auch Alternativen auf. Durch eine bessere Verteilung der Funkanlagen und geschickte technische Konzepte könne die Strahlung auf einen Bruchteil reduziert werden. Anstatt der neuen, hohen Frequenzen könnten sichtbares Licht oder Infrarot als Lichttechnik verwendet werden. Der Physiker gab nun praktische Tipps für den Umgang mit Sendegeräten. Hier seien einige erwähnt:  Handygespräche möglichst kurz halten und dabei den Lautsprecher verwenden, das Gerät weder ans Ohr halten noch angeschaltet in der Hosentasche mitführen. Schwangere Frauen sollten besondere Vorsicht walten lassen und insbesondere das Handy nicht in den Kinderwagen legen. Weitere Tipps: WLAN nachts ausschalten, Basisstation des schnurlosen Telefons nicht im Schlafzimmer aufstellen, möglichst kein Bluetooth verwenden.

Abgesehen von den persönlichen Verhaltensweisen könne jeder auch politisch aktiv werden, um den 5G-Ausbau zu stoppen, denn 5G sei ein Angriff auf unsere Grundrechte. Jeder habe das Recht analog leben zu können ohne digitale Überwachung. Eine wichtige und sinnvolle Forderung sei nach Meinung des Referenten, WLAN in Schulen zu verbieten, funkfreie Gebiete für elektrohypersensible Menschen zu schaffen und sich örtlichen Bürgerinitiativen anzuschließen.

Während der anschließenden, sehr regen Diskussion versuchte Prof. Dr. Buchner viele weitere Fragen zu klären und gab konkrete Tipps zum Umgang mit dem Thema. Weiterführende Informationen seien unter anderem auf der Webseite www.diagnose-funk.org zu erhalten.


Der Wald kämpft mit riesigen Problemen

BUND Naturschutz zur aktuellen Wald-Situation – Maßnahmen dringend erforderlich

Hier auch ein Positionspapier: Jagd in Zeiten der Klimakrise

 Pfarrkirchen. In einer Pressemitteilung  äußert sich die BUND-Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn zum „Waldsterben 2.0“. Festgestellt wird dabei, dass sich die Situation in den Wäldern der Region durch die anhaltende Trockenheit und Hitze der letzten Jahre dramatisch zugespitzt hat: Wälder und Waldböden sind ausgedorrt. In ihrer Vitalität sind vor allem Waldbestände aus Fichten und Kiefern geschwächt, die im Landkreis Rottal-Inn 73% des Waldes ausmachen. Der BN weist dazu auf zwei Defizite bzw. Fehlentwicklungen hin. Zum einen sind die bisherigen Beschlüsse zum Klimaschutz völlig unzureichend, so dass ein weiteres verstärktes Absterben der Wälder auch im Landkreis Rottal-Inn zu befürchten ist. Zum anderen gelingt es oft seit vielen Jahren nicht, eine zukunftsfähige neue Waldgeneration aus geeigneten, heimischen Baumarten hochzuziehen, weil die kleinen Bäumchen viel zu oft verbissen werden. Das ist besonders dramatisch, weil zum Waldsterben „von unten“ (wenn die Waldverjüngung aufgefressen wird) das „neue Waldsterben 2.0“ „von oben“ (wenn die heutigen Altbäume sterben) hinzukommt. „Es ist doppelt verheerend, wenn die alten Wälder sterben und von unten nichts geeignetes nachwächst“, so Dr. Jürgen Riedler, BN-Kreisvorsitzender im Landkreis Rottal-Inn. Der geforderte Waldumbau der Nadelwälder in angepasste Mischwälder ist so zum Scheitern verurteilt.

Die BN-Kreisgruppe Rottal-Inn verweist deshalb auf ein aktuelles Positionspapier des BUND Naturschutz in Bayern zum Thema „Jagd in der Klimakrise“. Darin wird gefordert, die bewährten Ziele in der Bayerischen Jagdpolitik wie dem Grundsatz Wald vor Wild weiterhin konsequent zu verfolgen, Waldbesitzer und Jäger auf Ebene der Jagdgenossenschaften verstärkt zu beraten und Hemmnisse für eine erfolgreiche Umsetzung der o.g. Ziele und Grundsätze abzubauen. „Wir wünschen uns zudem als BN zur Unterstützung der Waldverjüngung, dass die jagdliche Ausnahmeregelung zur Bejagung des Eichelhähers aufgehoben und die Fuchsbejagung eingestellt werden soll“, so BN-Kreisgruppenvorsitzender Dr. Jürgen Riedler.

Fichtenanbau im Landkreis Rottal-Inn künftig mit großen Problemen

Allein die durch die Borkenkäferkalamität der letzten zwei Jahre entstandenen Kahlflächen belaufen sich auf ca. 1000 ha, dies entspricht etwa 6,4% der Fichtenfläche im Landkreis. Nach den Klimarisikokarten der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft besteht für den Anbau von Fichten ein sehr hohes Anbaurisiko. Es wird nur noch eine Beimischung der Fichten in sehr geringen bis geringen Anteilen empfohlen.

 Klimastabile und standortmögliche Baumarten müssen aufwachsen können

In einigen Waldgebieten des Landkreises gelingt es, dass sich neben der Fichte auch eine Naturverjüngung aus der Tanne ohne Zaun- oder Einzelschutz etabliert. Seltenere Baumarten, wie z.B. Eichen oder Buchen sind auch in der Naturverjüngung noch immer einem sehr hohen Verbissdruck ausgesetzt. Weder Kulturflächen mit Baumschulpflanzen, noch Naturverjüngungen mit standortgerechten Baumarten sind in weiten Teilen des Landkreises ohne Zaunschutz möglich. Die Verbisssituation hat sich auch in den letzten Jahren im Landkreis nicht wesentlich verbessert. In Hinblick auf die bereits sichtbaren, zukünftigen Herausforderungen des Klimawandels müssen alle Anstrengungen unternommen werden, den Verbissdruck deutlich zu senken. Ein erster Schritt hierzu ist, die jagdliche Anstrengung dahin gehend zu forcieren, damit wenigstens die standortgerechten Baumarten wie Eiche, Buche, Tanne oder Berg- und Spitzahorn aufwachsen können. Damit diese heimischen Baumarten auch künftig noch den standortmöglichen Baumarten entsprechen, muss die Klimaerwärmung auf unter 2 °C gemäß dem Pariser Klimaabkommen begrenzt werden.

Erste positive Entwicklungen bei Verbiss fortsetzen

Die flächige Umsetzung der gesetzlichen Vorgabe „Wald vor Wild“ ist in weiten Teilen noch nicht erreicht. Das Vegetationsgutachten von 2018 für den Landkreis Rottal- Inn ist hier in seiner Aussage bei näherer Analyse eher ernüchternd. Demnach ist die Verbissbelastung 2018 in 4 von 14 Hegegemeinschaften als zu hoch eingestuft worden. Dies ist auf den ersten Blick eine positive Entwicklung, da im Jahr 2006 noch 11 von 14 Hegegemeinschaften einen zu hohen oder deutlich zu hohen Verbiss aufwiesen. In einigen Jagdrevieren verbesserte sich die Situation. Jedoch kann in keiner der Hegegemeinschaften die Verbissbelastung in den letzten 12 Jahren durchgehend als tragbar oder günstig bewertet werden. Dies lässt einen deutlichen Dissens zu den jagdlichen Möglichkeiten offen zu Tage treten. Allerdings ist auch in keiner der Hegegemeinschaften seit 5 Vegetationsaufnahmen die Verbissbelastung als durchgehend zu hoch bewertet worden. Entscheidend ist allerdings die Verbisssituation in den Jagdrevieren, die mit einer sog. revierweisen Aussage bewertet werden. Hier unterstützt  der BN die Waldbesitzer, dass der gesetzlich zugesicherte Grundsatz „Wald vor Wild“ nicht nur auf dem Papier, sondern im Wald auch flächig umgesetzt wird.


Mit dem BUND Naturschutz bei Dinosauriern, Riesenbambus und Kakaobäumen

Ein Familienausflug nach München-Nymphenburg

Eggenfelden. Am schulfreien Buß- und Bettag durfte eine große Kinderschar, allein oder in Begleitung von Eltern und Großeltern, einen lehrreichen Tag in München verbringen.

Erstes Ziel war das Museum Mensch und Natur am Nymphenburger Schloss. Staunend erkundeten die kleinen Besucher die Ausstellungen. Faszinierende Einblicke in die Entstehung des Sonnensystems, die Geschichte unserer Erde und die Entwicklung des Lebens wurden dort gewährt. Auch Wissen rund um die Biologie des Menschen, Ernährung, Umweltprobleme sowie das Verhältnis des Menschen zur Natur konnten im Museum anschaulich vermittelt werden.

Der Nachmittag war ganz dem Botanischen Garten gewidmet. Während die Erwachsenen im Rahmen einer eigenen Führung durch die Glashäuser auf deren Highlights hingewiesen wurden, fand zeitgleich die Kinderführung statt. Warum der Ginkgo-Baum zu den Nadelbäumen zählt und dass die riesigen Urwelt-Mammutbäume zu Zeiten der Dinosaurier schon genauso ausgesehen haben, löste bei den Kindern viel Erstaunen aus. Die jungen Besucher standen mit großen Augen vor den riesigen Kakteen oder versuchten Lithops, sogenannte „lebende Steine“, zu entdecken. Sie erfuhren, dass der baumdicke Riesenbambus zu den Gräsern zählt und bewunderten reife Zitrusfrüchte und Vanilleschoten. Eifrig sammelten sie Kaffeebohnen unter dem Kaffeestrauch und verkosteten die gerösteten Bohnen. Am Kakaobaum konnten sie die winzigen, unscheinbaren Blüten entdecken, die dunkelbraunen Kakaoschoten ertasten und Kakaosplitter probieren.

Zur Erinnerung an diesen erlebnisreichen Tag durfte jedes Kind am Schluss eine kleine Versteinerung aus dem „Haus Mensch und Natur“ mit nach Hause nehmen.

Organisiert wurde die Fahrt von der stellvertretenden Vorsitzenden der BUND Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn (BN) Anne Hennersperger in Kooperation mit der Senioren-Union Rottal-Inn.

 


Jahreshauptversammlung der BUND Naturschutz -Kreisgruppe Rottal-Inn

Rückblick auf ein erfolgreiches Jahr

Pfarrkirchen. Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung der Kreisgruppe Rottal-Inn des BUND Naturschutz (BN) im Gasthaus Schachtl in Pfarrkirchen waren Mitglieder, Vorstand und Aktive aus den BN-Ortsgruppen und -Jugendgruppen anwesend. 

Wolfgang Beißmann (CSU, 1. Bürgermeister von Pfarrkirchen) begrüßte die Versammlung und nutzte die Gelegenheit, um die intensiven Bemühungen der Stadt rund um die Aufwertung von Grünflächen zu erläutern. Insbesondere betonte er, dass mittlerweile konsequent herbizidfrei gearbeitet werde und dankte für den Einsatz des BN rund um Aufklärungsarbeit und Beratung.

Nun präsentierte der BN-Kreisvorsitzende Dr. Jürgen Riedler einen Rückblick auf das umfassende Jahresprogramm. Zuerst erwähnte er, dass das neue Vorstandsteam mit 15 Mitgliedern besonders groß sei, um die vielfältigen Aufgaben im Landkreis abdecken zu können. Von der Teilnahme am Workshop der Kreisentwicklung zum Thema Ökomodellregion und an der Demo „Wir haben es satt“ in Passau bis hin zu vielen Aktivitäten rund um Öffentlichkeitsarbeit, Stellungnahmen, Mitarbeit im Arbeitskreis Ökologie der Stadt Eggenfelden, Filmvorführungen, Exkursionen, Ferienprogrammen, gut besuchten Vorträgen und einer sehr erfolgreichen Haus-und Straßensammlung unter Beteiligung vieler Schulen, seien die Aktivitäten der Kreisgruppe extrem vielfältig gewesen.

Als Schlaglicht sei auch die maßgebende Unterstützung des BN beim Volksbegehren im Landkreis zu erwähnen. Das sei „harte Arbeit“ gewesen, aber das Resultat könne sich sehen lassen: 12,91% der Wahlberechtigten im Landkreis haben sich am Volksbegehren beteiligt. Ein „Knochenjob“ sei auch die Biotoppflege der BN eigenen Grundstücke und der Amphibienschutz gewesen.

Speziell erwähnt wurde die diesjährige Mitgliederwerbung, die zu einem großen Erfolg geführt habe: 450 Neumitglieder und somit insgesamt 2200 zählt nun die BN-Kreisgruppe. Zu den Aufgaben des BUND Naturschutz gehöre auch der Erwerb von neuen Grundstücken. Erfreulich sei, dass die Ortsgruppe Unterer Inn in diesem Jahr ein echtes „Reptilien-Eldorado“ im Seibersdorfer Auwald erwerben konnte. Ein weiterer Grundstückskauf sei im Rahmen eines landkreisübergreifenden Projekts im nördlichen Landkreis geplant. 

Allerdings gebe es auch so manches Problem zu lösen: Der Schaden, den die Biogas-Havarie 2015 an der Kollbach angerichtet habe, sei noch nicht behoben; auch seien massive Hochwasserschutzverbauungen an Fließgewässern im südlichen Landkreis ohne ökologisches Augenmaß vorgenommen worden. Zuletzt richtete Dr. Riedler noch einen Appell an alle aktiven BN-ler: Man wolle in weiteren Gemeinden Orts- und Kindergruppengründungen unterstützen. Interessenten seien herzlich eingeladen, sich bei der BN-Geschäftsstelle zu melden.  

Schatzmeister Franz Schustereder präsentierte anschließend den Kassenbericht, der eine zufriedenstellende und an sorgsamem Umgang mit den Geldern orientierte Finanzsituation widerspiegelte, sodass der Vorstandschaft einstimmig Entlastung erteilt wurde.

Zuletzt hielt der stellvertretende Kreisgruppen-Vorsitzende Dieter Scherf einen Vortrag zum Thema „Die Salzach – zurück zur Natur“. Der Nebenfluss des Inn sei mit 225 Kilometer Länge einer der bedeutendsten Flüsse der Nordalpen. Schon seit 30 Jahren fordere der BUND Naturschutz bereits eine Renaturierung der begradigten, sich immer mehr eingrabenden und in ein enges Korsett gezwängten Unteren Salzach. Anhand von alten Darstellungen und Karten wurde während des Vortrags sichtbar, dass das Gewässer bis ins 19. Jahrhundert hinein mäandrierte und zahlreiche Inselketten beherbergte. Ab ca. 1850 verlor die Salzach ihre Wichtigkeit als Transportweg. Nun wurde der Fluss auf seiner ganzen Strecke begradigt und im Oberlauf bis Salzburg mit Stauwehren und Kraftwerken versehen. 2013 habe der BUND Naturschutz mit dem österreichischen Naturschutzbund eine Machbarkeitsstudie für eine Naturflussvariante im Freilassinger Becken in Auftrag gegeben.

„Die untere Salzach ist der letzte auf längerer Strecke ungestaute Voralpenfluss dieser Dimension in Bayern und Österreich. Wir haben daher die Verpflichtung, diesen von der Mündung aufwärts auf über 60 km Länge nicht durch naturferne Querbauwerke beeinträchtigten Fluss zu erhalten und wo nötig zu renaturieren“ so der Referent.

Inzwischen seien von verschiedenen Trägern unterschiedliche Varianten erarbeitet worden, darunter auch ein Projekt, den Fluss zur Energiegewinnung zu nutzen. Dem Bau von Kraftwerken die Sanierung des Flusses zu opfern wäre jedoch nicht zu verantworten, zumal die Energiegewinnung gering sei. Noch sei keine Entscheidung gefallen, es handele sich schlussendlich um eine politische Frage, ob man sich in Zukunft eher für Ökologie oder für Energie entscheide. Weitere Informationen seien auf der Seite der Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach www.salzach.de zu finden. „Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass die Salzach leben soll“, so die Abschlussworte des Referenten. -nb

Hier können Sie die Petition der Aktionsgemeinschaft unterschreiben: https://salzach.de/petition/

https://salzach.de/petition/


21. Nov: Jahreshauptversammlung und Vortrag der BN-Kreisgruppe Rottal-Inn

Pfarrkirchen. Am Donnerstag, 21. November findet die Jahreshauptversammlung der BUND Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn mit Jahresrückblick, Kassenbericht und Aussprache im Gasthof Schachtl in Pfarrkirchen statt. Abschließend hält der stellvertretende Kreisgruppen-Vorsitzende Dieter Scherf einen Vortrag zum Thema "Die Salzach - zurück zur Natur. Flusssanierung, naturnah oder mit Kraftwerk?“ Die Untere Salzach ist zwar ungestaut, aber begradigt und in ein Steinkorsett gezwängt. Der Fluss muss saniert werden, die Diskussion geht um das Wie. Der BUND Naturschutz ist für die Naturfluss-Variante.

Beginn: 19:30 Uhr – Ort: Gasthof Schachtl in Pfarrkirchen - Eintritt frei


Was bitte ist Hinterbayern?

Ein Heimatabend der besonderen Art begeistert das Publikum

Eggenfelden (Gern). Einen Heimatabend der ganz besonderen Art mit dem Titel „Hinterbayerisches und HoamadJazz“ erlebten die Besucher in der Städtischen Musikschule Eggenfelden. Als „original Waidler Buam“ stellte der Vorsitzende der Bund Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn, Dr. Jürgen Riedler, das Protagonisten-Duo vor. Denn sowohl der Kabarettist und Fotograf Herbert Pöhnl als auch der Jazzpianist und Komponist Sven Ochsenbauer stammen aus Viechtach im Bayerischen Wald. „Hinterbayern, was ist das? Diese Frage sollte im Laufe des Abends geklärt werden“, so Dr. Riedler.

Wie ein roter Faden zog sich nun durch Texte, Musik und Bilder ein gemeinsames Motiv: die schwierige Vereinbarung von Tradition und Moderne in einer Region, die sich am Ende als gar nicht so fiktiv herausstellt.

Mit Witz und großer Sprachgewandtheit, aber auch mit einer Spur Wehmut beschrieb nun Pöhnl, wie es in einem typisch „hinterbayerischen Dorf“ zugeht. Dort wird keine Mühe gescheut, den Ort zu „verschönern“ und Werbefilme über „lebendiges Brauchtum“ zu produzieren, um Übernachtungszahlen in die Höhe zu treiben.

Fleißig werden Gartenzwerge shampooniert, das letzte Exemplar einer ehemaligen Lindenallee erhält ein angenageltes Schild mit der Aufschrift „Naturdenkmal“, im Landgasthof „s’Wildererstüberl“ sorgt Alleinunterhalter Sepp für Fröhlichkeit, während draußen betoniert und gegen Wildwuchs und Löwenzahn im Garten gekämpft wird. Der Dorfplatz wird zum Parkplatz; Direktvermarkter bieten Streuobst an, obwohl es weit und breit keine Streuobstwiese gibt; lokale Politiker recken in der Heimatpresse stolz den Daumen hoch. Die Enttäuschung ist groß, als das Dorf trotz allem nur den zweiten Platz erringt. Ob das am verwilderten Pfarrgärtchen liegen mag, in dem noch die letzten „Waldvogerl“ singen, fragt man sich.

Jetzt strengt man sich erst recht an, das Ziel zu erreichen. Eine vielfach mit den Begriffen „Bio“, „Öko“ und „Heimat“ garnierte Hochglanzbroschüre wird erstellt. Im Imagefilm tauchen nun grinsende Wolpertinger auf. Auch wird das Bild einer schwarz gekleideten alten Frau vor einer windschiefen Hütte mit Untertitel „Beten ist in“ eingeblendet, während Wölfe heulen und Schnee rieselt.

Immer wieder illustrierte Pöhnl seine von Ironie geprägten Kurztexte ganz ohne PowerPoint-Präsentation mit großformatigen Fotos. Hier wurde den Zuschauern noch klarer, was Hinterbayern ist: eine Region, in der sandgestrahlte Totenbretter als „Dorfdeko“ fungieren, überdimensionierte Gewerbegebiete den Blick auf die Landschaft versperren, selfiemachende Wolfausläuter silberne Moonboots tragen, während die „Lewakassemmelkönigin“ in „weißblauer Xmas-Stimmung“ vegane Leberkässemmeln anbietet.

Schnell wird dem Publikum klar, dass es dieses „Hinterbayern“ und deren geschmackliche Verirrungen kennt. „Wo Toskanahäuser sich mit Dreschflügeln schmücken und Totenbretter in Ebay verkauft werden, da san mia dahoam. Mich fragt man immer, wo Hinterbayern sei. Inzwischen sage ich: überall“, so der Kabarettist Pöhnl.

Virtuos und einfühlsam begleitete der Pianist Sven Ochsenbauer mit verjazzten Variationen von alten Volksliedern die Lesung und unterstrich dabei gekonnt sowohl die komischen als auch die traurigen Momente. Mit swingenden Jazzklängen, stimmungsvollem Blues und traditionellen Melodien gelang es ihm dank fließender Übergänge durch seine kreative und sensible Spielweise die jeweilige Stimmung zu verstärken.

So konnte das Duo dem begeisterten Publikum manchen herzhaften Lacher entlocken. Und doch überwog immer wieder eine nachdenkliche Stimmung, insbesondere als der Abend mit einer bezaubernden zeitgenössischen Version des Liedes „Fein Sein beinander Bleibn“ ausklang.

Gemeinsam mit der Katholischen Erwachsenenbildung Rottal-Inn Salzach und der Volkshochschule Rottal-Inn West hatte die Bund Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn die Veranstaltung organisiert.

Nadia Baumgart


Achtsam sein bei den Schwammerln

Informative Pilz-Exkursion mit dem BUND Naturschutz – Nur neue Literatur nutzen

Arnstorf. Erneut hat es sich die schon traditionelle Schwammerl-Exkursion der BN-Ortsgruppe  zur Aufgabe gemacht, in einem bestimmten Gebiet die Vielfalt der vorkommenden Schwammerl-Arten unter die Lupe zu nehmen. Heuer hatte die Gruppe sich das Gebiet im "Wada-Wald“ bei Mitterhausen vorgenommen.

Nach der Begrüßung der Pilz-Freunde übergab BN-Ortsgruppen-Vorsitzende Katrin Veicht an den fachlichen Leiter der Exkursion, den Pilz-Experten Franz Meindl, der auch Pilz-Sachverständiger ist. Dieser erwähnte zunächst, dass es bei dieser Exkursion nicht darauf ankomme, von einem Speisepilz möglichst viele Exemplare zu finden, sondern vielmehr möglichst viele Pilz-Arten zu entdecken, um deren Vielfalt in dem Gebiet kennen zu lernen.

Er gab dann Hinweise zum richtigen Entfernen der Pilze: „Wichtig ist, die entstandene offene Stelle wieder zuzudrücken, um das empfindliche Myzel-Geflecht unter der Erdoberfläche nicht schutzlos zu lassen“, so der Experte. Er gab dann Tipps zur richtigen Ausrüstung sowie zum umweltfreundlichen Sammeln und erwähnte dann, dass man auch immer stets ein absolut neues Pilzbestimmungs-Buch nutzen solle, denn vor allem die medizinischen Erkenntnisse würden sich im Laufe der Zeit verbessern. Franz Meindl gab dann Erläuterungen zu den grundsätzlichen Unterscheidungsmerkmalen der Pilze, zu ihrer Schad- oder Nutzfunktion im Wald, zur Biologie, zu den Erscheinungsformen und zu ihren unterschiedlichen Lebensräumen in einem sehr engen biologisch-chemischen Verbund mit den Bäumen. Er gab auch Hinweise zum Vorbereiten, zum Kochen und zur Lagerung der Pilze im Haushalt.

Bei der anschließenden Exkursion fanden die Teilnehmer dann zahlreiche Schwammerl-Arten. In den Sammel-Körben, die am Schluss der Exkursion auf einem großen Tisch ausgeleert und deren Inhalt vom Pilz-Experten bestimmt und genau erläutert wurde, fanden sich einige essbare Varianten. Eine große Anzahl der gesammelten Pilze war allerdings der Kategorie „ungenießbar“ bis „sehr giftig“ zuzuordnen, wie der Experte bei der genaueren Bestimmung der einzelnen Pilz-Arten bestätigte. Franz Meindl wies abschließend darauf hin, dass es auch unter den hier vorkommenden Pilzen solche gebe, die beispielsweise giftverdächtig sind, wie der brandige Ritterling, der Knollenblätterpilz, der Gifthäubling, der Orangefuchsige und Spitzkegelige Rauhkopf und die Rißpilze. „Es ist also sehr wichtig“, mahnte Franz Meindl, „dass man sich mit den Schwammerln gut auskennt, bei Fragen einen Fachmann hinzuzieht und nie leichtsinnig wird“, so der Experte, „und dass man immer nur allerneueste Bestimmungs-Literatur zu Rate zieht.“

Alle Exkursionsteilnehmer dankten dem Experten und waren sich sicher, wieder sehr viel an Wissen erworben zu haben.    –wh


Schwammerl-Raritäten am Schellenberg

Simbach. Trotz des recht kalten Wetters hatten sich bei der traditionellen und seit über 20 Jahren von der Ortsgruppe „Unterer Inn“ des Bund Naturschutz durchgeführten Herbst-Schwammerl-Wanderung rund 60 Pilz-Freunde eingefunden. Die Leitung der Exkursion, die bei der Waldkapelle am Schellenberg begann, hatten wiederum die Experten Gudrun und Gotthard Grimbs übernommen, um Schwammerl-Interessierte mit Bestimmungs-Hinweisen, vielen Ratschlägen und auch Kochrezepten zu versorgen.

Das Interesse war so groß, dass viele interessierte sich schon vor der Wanderung eingefunden hatten, um von den Experten die bereits selbst mitgebrachten Pilze bestimmen zu lassen. Organisatorin Marianne Watzenberger zum Thema der Exkursion: „Wir wollen nicht Mengen von Schwammerln sammeln“, so die BN-Ortsvorsitzende, „es geht uns vielmehr darum, die auch im Zuge des Klimawandels sich ändernde Schwammerl-Welt zu beobachten und Arten und Verbreitung zu erfassen.“

Im Anschluss daran ging es dann in die Waldgebiete. Und bei vielen gefundenen Exemplaren tauchten gleich Fragen z.B. nach Art und Essbarkeit auf. Schließlich waren am Ende der Exkursion rund 110 Arten zu verzeichnen gewesen.

Bei der abschließenden Besprechung der Funde konnten die Schwammerl-Enthusiasten viel vom reichen Erfahrungsschatz der Experten profitieren, die auch einige Küchen-Tipps parat hatten. Genau gruppiert auf Tischen erläuterten die Schwammerl-Fachleute viele Details zu den gesammelten Pilzen. Und es waren auch einige Raritäten dabei, so zum Beispiel das essbare Goldblatt, das zur Gattung der Röhrlinge trotz seiner Lamellen gehört, da er zahlreiche Quer-Lamellen besitzt. Unter den recht seltenen Arten waren auch der Kupferschmierling, der ebenfalls essbare berindete Seitling und schließlich auch ein wasserfleckiger Rötelritterling, der als schwer verträglich gilt.

Zum Schluss mahnte Gotthard Grimbs jedoch noch mit einer uralten aber nicht minder dauernd gültigen Grundregel: „Was man nicht genau kennt und als genießbar einstufen kann, soll man stehenlassen, auch nicht einfach ausreißen und wegwerfen, denn jeder Pilz, ob Delikatesse oder höchst gefährlich, hat eine wichtige Funktion im Naturhaushalt“, lernten die Teilnehmer, „denn entweder arbeitet der Pilz altes Holz auf oder er hilft den Bäumen bei deren Versorgung“. Genau erläutert mit eindringlicher Warnung wurden dann die verschiedenen Knollenblätterpilze und der Fliegenpilz.

Abschließend wiesen die Experten noch darauf hin, dass man bei Verwendung von Bestimmungsbüchern stets neueste Ausgaben verwenden solle und dass es in jüngster Zeit immer mehr Vergiftungen gebe, weil sich unerfahrene Pilzsucher blindlings auf sogenannte „Schwammerl-Apps“ verlassen würden.  Abschließend dankte Organisatorin Marianne Watzenberger als Vorsitzende der BN-Ortsgruppe den beiden Experten ebenso wie den Schwammerl-Freunden, die an der Exkursion teilgenommen hatten.   -wh


Zum Verlust der Schönheit des heimatlichen Lebensraums - Ein Appell zur Umkehr

Vortrag zum Thema Flächenfraß von Prof. Dr. Egon Greipl

Pfarrkirchen.  Zum Thema Flächenfraß und Heimatverlust referierte der ehemalige Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Prof. Dr. Egon Greipl, kürzlich im Gasthof Schachtl in Pfarrkirchen. Die  gut besuchte Veranstaltung war von der BUND-Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn (BN) als Teil des  Rottaler Aktionsbündnis „Flächenfraß stoppen“  organisiert, dem auch  die ÖDP-Kreisgruppe Rottal-Inn sowie die Kreisgruppe Bündnis 90 /Die Grünen  angehören  mit Unterstützung  der Katholischen Erwachsenenbildung Rottal-Inn- Salzach.

In seinem Vorwort wies der BN-Kreisvorsitzende Dr. Jürgen Riedler angesichts der 6000 Hektar Flächenverlust in den letzten 40 Jahren im Landkreis Rottal-Inn durch Gewerbegebiete, Neubausiedlungen und Straßen auf die Wichtigkeit des Themas Flächenfraß auch in unserer Region hin. „Für die Landwirte gehen wertvolle Flächen für immer verloren und Asphaltierung und Betonierung führen in Zeiten des Klimawandels zu Hitzestau und Überschwemmungen. Durch Landschaftszerschneidung gerät die Artenvielfalt weiter unter Druck“ so Dr. Riedler.

Die Zerstörungdes heimatlichen Lebensraums sei schon seit Jahrzehnten in Gang. Der Wandel in unserem Land habe sich dramatisch seit den 60er Jahren beschleunigt. Menschen und Medien hätten früh auf die Verschandelung unserer Umwelt reagiert. In den 70ern berichtete der Fernsehjournalist Dieter Wieland von „Dörfern, die hässlich werden“. Auch die Politik reagierte, wenn auch spät:  1973 wurde das Europäische Denkmalschutzjahr ausgerufen. „Alles sollte also gut werden“, so der Referent. Trotzdem seien seitdem keine praktischen Aktionen und sichtbaren Erfolge für eine gute Zukunft erfolgt. Absurd sei auch die Tatsache, dass heute Dörfer veröden, während in Metropolen Wohnraum fehle. Vor allem nach 1990 sei das Baurecht oftmals an Interessen der Wirtschaft preisgegeben worden. Das Resultat: Der Verlust von Orts- und Stadtbildern und immer mehr Flächenfraß.

Im Jahr 2009 wurde während eines Experten-Treffens zum internationalen Tag des Bodens, wurde klar, dass Deutschland weit davon entfernt sei, das Ziel des Bundesbodenschutzgesetzes von 2001 zu erreichen. Damals hatte man sich darauf geeinigt, den Flächenverbrauch bis 2020 auf 30 Hektar pro Tag zu begrenzen. Heute verbrauche man mehr als das Doppelte, nämlich 61 Hektar bundesweit (Stand 2015). Das Ziel wurde also gewaltig verfehlt.  Ca. 13 Hektar Freifläche täglich würden in Bayern zugebaut. „Das ist Politikversagen“, so der Referent.

Leider sei das 2018 initiierte Volksbegehren gegen Flächenfraß gescheitert. Durch diese Initiative sei das Thema jedoch mehr in den Blick der Öffentlichkeit gerückt. Der Kampf müsse weitergehen.

Das Problem habe vielfältige Ursachen; Beispiele für ein für gutes kommunales Flächenmanagement in der Praxis gebe es leider kaum. Der Referent beklagte das mangelnde Interesse von Kommunalpolitikern für bereits bestehende Verfahren zur Bewertung der Nachhaltigkeit bei Landschafts- und Raumplanungen, welche auch ökologische und ästhetische Folgeschäden berücksichtigten. Die Leerstanderfassung von Gebäuden würde vernachlässigt. Konjunktur, Standortkonkurrenz, Internethandel, Nachfrage von Ortsrandlagen und der Wunsch nach individuellem Lebensraum spielten heute eine Rolle, nicht aber die Schönheit unserer Heimat. Die sichtbaren Zeugen unserer Geschichte würden zunehmend verschwinden; Baudenkmäler seien aber wichtig für das kollektive Gedächtnis, das weit über das Familiengedächtnis zurückgreife.

Die Energiewende und Schaffung von Wohnraum und Arbeitsplätzen seien zweifellos notwendig und wichtig, neben ökologischen und wirtschaftlichen Belangen sollte jedoch auch hier die Ästhetik mit im Vordergrund stehen. Mit der Frage: „Ist das Bedürfnis nach Schönheit nicht auch ein Menschenrecht?“, schloss der Referent seinen Vortrag, der anschließend noch von den Teilnehmern intensiv diskutiert wurde.

-nb


Schwammerl-Vielfalt im Ederhölzl begutachtet

Informative Pilz-Exkursion mit dem Bund Naturschutz – „Ötzi“ nutzte schon den Zunderschwamm

Pfarrkirchen. Die traditionelle Schwammerl-Exkursion der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Pfarrkirchen macht es sich alljährlich zur Aufgabe, in einem bestimmten Gebiet die Vielfalt der vorkommenden Schwammerl-Arten unter die Lupe zu nehmen. Heuer hatte die Gruppe sich das Gebiet am Ederhölzl vorgenommen.

Nach der Begrüßung der rund 30 Teilnehmer übergab BN-Ortsgruppen-Vorsitzender Karl-Heinz Steiner an den fachlichen Leiter der Exkursion, den Pilz-Experten Alois Zechmann aus Passau. Dieser hielt bereits am Treffpunkt beim Edeka-Markt viele Erläuterungen zu einigen Pilzen bereit, die die Teilnehmer bereits mitgebracht hatten. Darunter den Kartoffelbovist, der giftig und somit kein Speisepilz sei, obwohl er früher zur Fälschung von Trüffelprodukten und manchmal in kleinsten Mengen als Würzpilz verwendet wurde. Und einen Klebrigen Hörnling nahm der Fachmann zum Anlass, um nicht nur daran zu erinnern, zum Nachschlagen stets neue Pilz-Literatur zu verwenden, sondern auch um darauf hinzuweisen, dass die Verträglichkeits-Beurteilung zu manchen Pilzen in den letzten Jahren strenger geworden sei, wegen der zum Teil individuellen Unverträglichkeiten. „Hier kommt auf jeden Fall die persönliche Disposition und Empfindlichkeit eines Menschen zur Geltung“, so der Experte, „denn was für manche noch bekömmlich ist, ruft bei anderen Menschen schon starke Magen- oder Darmbeschwerden und sogar Vergiftungs-Erscheinungen hervor. Man darf also nur diejenigen Schwammerl verwenden, die man ganz sicher erkennt und von denen man weiß, dass sie für einen persönlich unkritisch sind.“

Bei der Exkursion wurden dann gefunden: Pfifferlinge, Semmelstoppelpilze, der essbare Violette Schleierling, verschiedene Täublinge, aber auch ungenießbare Arten wie der Geflecktblättrige Flämmling, der schwerverdauliche Falsche Pfifferling, der nicht nur in rohem Zustand sehr giftige Kahle Krempling und der oft als „Wurstsalatpilz“ bezeichnete Samtfußkrempling. Dabei waren auch der zwar ungiftige, aber geschmacklich minderwertige Brandige Ritterling, der giftige Grünblättrige Schwefelkopf, die ungenießbaren Korkstachlinge und Körnchenschirmlinge, die essbaren Rötlichen Lacktrichterlinge und Buckeltäublinge.

Während einer kurzen Rast erläuterte Alois Zechmann auch die Bedeutung der Rote-Liste-Arten und wies darauf hin, dass man heuer wegen der Trockenheit generell weniger Pilze finde und dass man beim Sammeln die zurückbleibende Wuchsstelle durch Zudecken gegen Austrocknung wieder schützen solle.

Gefunden wurden dann noch der essbare Frauentäubling, der giftige Buchenspeitäubling, der ebenfalls giftige Grünblättrige Schwefelkopf, der wenig wohlschmeckende Zinnobertäubling, der ungenießbare Breitblättrige Rübling, der bedingt essbare Ockertäubling, der Birnenstäubling und auch ein Kartoffelbovist. Der Experte zeigte noch den ungenießbaren Olivfarbenen Milchling und den aber wiederum sehr guten Frauentäubling. Auch ein im rohen Zustand giftiger, gegart jedoch als schmackhafter Speisepilz geltender Flockenstieliger Hexenröhrling wurde vom Referenten erläutert. Zum Schluss wies Alois Zechmann noch darauf hin, dass man nur bei Milchlingen und Täublingen vor Ort eine Geschmacksprobe machen könne, sie aber nie schlucken solle. Ebenfalls durch eine Geschmacksprobe könne man den Gallenröhrling vom wohlschmeckenden Steinpilz unterscheiden.

Zum Abschluss der Exkursion zeigte der Fachmann noch, wie damals vor rund 5000 Jahren der Gletscher-Mann „Ötzi“ mit dem bei ihm gefundenen Zunderschwamm-Pilz, mit einem Feuerstein und mit Pyrit habe ein Feuer entfachen können. Die Pilzwanderer freuten sich über diese Vorführung sehr, zumal der Experte sich zum Feuermachen mit einer beeindruckenden Haartracht ausstaffiert hatte und ähnlich wie der Gletschermann damals aussah. Karl-Heinz Steiner bedankte sich am Ende der sehr informativen Pilz-Wanderung beim Referenten und kündigte an, dass auch im kommenden Jahr wieder eine Pilz-Wanderung durchgeführt werde.   -wh


Knattern im Dunkeln - Die Nacht der Fledermäuse

Fledermaus-Nachtwanderung im Lichtlberger Wald

Eggenfelden (Gern).  Aufgrund von zahlreichen Anmeldungen, wurde die von der BUND Naturschutz-Jugendgruppe "Green Earth" veranstaltete Fledermaus-Wanderung in zwei Gruppen von jeweils etwa 20 Teilnehmern am Freitag und am Samstag unternommen. Insbesondere Familien mit Kindern fanden sich bei beginnender Dämmerung am Schlossweiher ein.  Die Leiterin der Jugendgruppe Emma Riedler sowie der erste Vorsitzende der BUND-Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn Dr. Jürgen Riedler freuten sich sehr darüber, dass die Veranstaltung und das Thema so viel Interesse geweckt hätten.  

Nach der Begrüßung der Anwesenden zog die Biologin Dr. Dorothea Friemel die Kinder mit Frage-und-Antwort-Spielen sowie Anschauungsmaterial in ihren Bann. Dabei lernten alle Teilnehmer viel über die Lebensweise der Fledermäuse. Beispielsweise, dass es deutschlandweit 27 Fledermausarten gebe, dass diese je nach Art von 4 bis 30 Gramm wiegen und häufig ihr Quartier hinter Fensterläden oder in Dachstuben suchen. Alle einheimischen Fledermäuse seien Insektenfresser und überwinterten in Winterquartieren wie zum Beispiel auch in Nistkästen oder Baumhöhlen. Weltweit seien über 1000 Fledermausarten nachgewiesen worden; davon würden sich nur 3 Arten von Blut ernähren. In Asien, Afrika und Südamerika ernährten sich bestimmte Arten auch von Früchten. „Es gibt nichts, was es bei Fledermäusen nicht gibt“, schmunzelte die Biologin.

Da die nachtaktiven Tiere zur Orientierung Ultraschall­Laute ausstießen, die für Menschen unhörbar seien, verteilte Dr. Friemel sogenannte „Bat-Detektoren“, elektronische Geräte, mit deren Hilfe die Tiere aufgespürt werden können. Da die Rufe sich stark zwischen den Arten unterschieden, sei es möglich, anhand der Ruffrequenz die jeweilige Art zu bestimmen.

Nun ging es in den Lichtlberger Wald. Die Kinder hielten gespannt die Geräte in die Luft und hörten immer wieder das Rattern und Knattern der Fledermausrufe. „Bei Bartfledermäusen klingen sie wie das Ticken eines Geigerzählers, bei Abendseglern eher zwitschernd“, so Dr. Friemel. Immer wieder blieb man stehen, um zu horchen. Dabei wurden weitere Einzelheiten über das Verhalten der Säugetiere erläutert. Die Weibchen würden im Herbst begattet; die Befruchtung der Eizelle geschehe jedoch erst nach dem Winterschlaf bei günstigen Wetterverhältnissen. Die Weibchen richteten sogenannte „Wochenstuben“ ein. Häufig gebäre das Muttertier nur ein Junges, während es mit dem Kopf nach oben hänge.  Das Neugeborene käme nackt und blind zur Welt und gleite dabei in die hochgewölbte Schwanzflughaut der Mutter. Nur etwa jedes zweite Junge überlebe. Da Fledermäuse 30 bis 35 Jahre alt werden können, sei es nicht einfach, Bestandsschwankungen rasch wahrzunehmen.

Fledermäuse seien in Deutschland gesetzlich geschützt. Als Insektenfresser und Höhlenbewohner hätten sie zwei schwerwiegende Probleme: Insektensterben und „Wohnungsnot“. Sie seien auf Nischen in Bäumen, Höhlen oder Gebäuden angewiesen. So sei es wichtig, bei Hausrenovierungen auf Fledermäuse, die sehr quartiertreu seien, zu achten und ihnen Ersatzquartiere anzubieten. Insbesondere sei es wichtig, Bauvorhaben rechtzeitig zu planen. Die Untere Naturschutzbehörde stehe bei solchen Maßnahmen mit Rat und Tat zur Seite. Über Fledermäuse im Haus könne man sich freuen: sie befreiten ihre Gärten von lästigen Mücken und böten mit ihrem Kot (Guano) den besten Naturdünger für den Garten. „ Wenn Sie den kleinen nachtaktiven Tieren helfen möchten, dann können  Sie das mit sehr einfachen Mitteln tun. Denn je insektenfreundlicher ihr Garten gestaltet ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass ihn Fledermäuse als Jagdrevier nutzen“ so Dr. Riedler. 

-nb

 

Hier noch BN-Tipps - wie Sie Fledermäusen helfen können: Verwenden Sie keine Pestizide in Ihrem Garten; legen Sie einen vielfältigen Garten mit jeder Menge Lebensraum für Insekten mit heimischen Stauden, Gehölzen, Wildpflanzen und Kräutern an; legen Sie ein Fledermausbeet mit nachtblühenden und nektarreichen Blütenpflanzen an (Gewöhnliches Leimkraut, Seifenkraut, Wegwarten, Nachtviolen, Nachtkerzen und Lichtnelken); sorgen Sie für Wasser im Garten; schaffen Sie Wohnraum (z.B.  Fledermauskasten); kaufen Sie biologische, regional erzeugte Lebensmittel, die ohne Einsatz von Pestiziden erzeugt wurden.

 


Die Zukunft unseres Waldes

Waldwanderung mit dem Förster zum Thema Borkenkäfer

Simbach. Im Rahmen des von der Stadt Simbach organisierten Sommerprogramms fand die alljährliche von Förster Michael Reichenwallner geleitete Waldwanderung auf dem Schellenberg statt. Etwa 35 interessierte Teilnehmer wurden vor Ort von der Organisatorin Brigitte Schwarzbauer von der Simbacher Stadtverwaltung begrüßt. Die Veranstaltung sei wie üblich in Zusammenarbeit mit der BUND Naturschutz-Ortsgruppe, deren Vorsitzende Marianne Watzenberger sie willkommen hieß,  organisiert worden. Marianne Watzenberger betonte dann, dass es bei der Wanderung nicht nur um den Wald gehe, sondern „um alles, was mit Natur zu tun hat“.

Über das diesjährige Thema „Borkenkäfer – Katastrophe oder Geburtshelfer?" fanden schon gleich am Treffpunkt angeregte Diskussionen zwischen den zahlreichen Teilnehmern, unter denen sich auch mehrere Waldbesitzer befanden, und dem Förster statt. Damit befanden sich alle Anwesenden schon mitten im Thema.

Nun ging es die Marienhöhe hinauf, einen ursprünglich als Park konzipierten Laubwald am Südhang des Schellenberges. Mehrere größere Kahlschläge weiter oben im Fichtenwald und hohe Holzstapel am Wegesrand zeigten, wie stark der Borkenkäfer auch im Inntal den Wald verwandelt. „Die Fichte hat bei uns ausgedient“, so Reichenwallner. Denn was inzwischen für alle offenkundig sei, könne auch die Wandergruppe auf ihrem Weg immer wieder eindeutig feststellen.

Dass der Störenfried jedoch so winzig ist, darüber wunderten sich die Mitwanderer, als der Förster einen Borkenkäfer in einer Rinde zeigte: das Insekt erreicht eine Körperlänge von ca. 5 mm. Die Fichte sei in höheren und kühleren Lagen heimisch und vor über 250 Jahren bei uns eingeführt worden; dieser Nadelbaum komme offenkundig mit dem schnellen Klimawandel nicht zurecht und könne sich aufgrund der Trockenheit nicht mehr durch Harzbildung gegen das zerstörerische Insekt wehren. Dabei sei schon im 19. Jahrhundert von Wissenschaftlern vor Fichtenmonokulturen gewarnt worden. Vor dem flächendeckenden Einsatz der Fichte wuchsen in unseren Wäldern vornehmlich Eiche und Buche, begleitet von anderen Baumarten wie beispielsweise Kirsche, Ahorn und Tanne.

Die derzeitigen massiven Abholzungen veränderten mit großen Kahlflächen das Gesicht des Waldes. Auch diese Flächen werden rasch wieder besiedelt. Als erstes zeigte Michael Reichenwallner auf das rosa blühende Indische Springkraut. Diese ursprünglich aus dem Himalaya stammende Pflanze sei als Bienenfutter- und Zierpflanze nach Europa importiert worden und verdränge durch ihr rasches Wachstum teilweise die heimische Vegetation. Dann machte Reichenwallner auf besonders große Exemplare der Schwarzen Tollkirsche, auch „Belladonna“ (italienisch für „schöne Frau“) genannt, aufmerksam. Wolliger Schneeball und Brombeere gehörten auch zur Kahlflächen-Flora. So schaffe der sich explosiv ausbreitende Käfer auch neue Lebensräume für heimische Pflanzen und solche, die sich in Gebieten ansiedeln, in denen sie zuvor nicht heimisch waren (Neophyten).

Da das „Käferholz“ keine technischen Mängel vorweise und es zurzeit in großen Mengen verfügbar sei, sei es sinnvoll, es vermehrt als Bauholz einzusetzen. Nun kam die Gruppe an einer Lichtung vorbei, in der Eberesche, Birken hochschießen, in deren Schatten schon erste junge Buchen sprießen: „Der Wald verjüngt sich von alleine, wenn man Zeit und Geduld mitbringt“, so der Förster. Die Anforderungen der Forstwirtschaft lassen jedoch leider keine Muße zu.

Jetzt ging es an teilweise eingezäunten Neupflanzungen vorbei. Es werde nun mit einheimischen und Fremdbaumarten experimentiert. Wie der Wald der Zukunft aussehen werde, könne derzeit trotz aller Studien und Untersuchungen und aufgrund der Schnelligkeit des Klimawandels niemand sagen. „Man ist im Blindflug“, so der Förster. Dies zeigte er auch am Beispiel einer Strobe oder Weymouth-Kiefer, die vor einigen Jahrhunderten aus Nordamerika eingeführt worden und inzwischen in unseren Graden zum Opfer einer Pilz-Krankheit geworden sei. Nebenher wurden am Wegesrand auch Pilze wie Hexenröhrling, Birkenporling und Maronen sowie allerlei Sträucher bestimmt.

„Es gibt selten Schaden ohne Nutzen“ schloss Brigitte Schwarzbauer und freute sich, dass die Wanderung so viele interessante Gespräche ausgelöst habe: „Das war eine richtige Expertenrunde“. Jeder habe etwas mitgenommen, egal ob er den Wald selber nutze oder nur am Thema interessiert sei.  Auf die Veranstaltung im nächsten Jahr freue sie sich jetzt schon.

-nb


Pfarrkirchen fördert naturnahe Weiterentwicklung

Bund Naturschutz erörterte naturfachliche Themen mit Bürgermeister Wolfgang Beißmann

Pfarrkirchen. Eine Unterredung bei Bürgermeister Wolfgang Beißmann hatte die Bund-Naturschutz-Ortsgruppe mit Karl-Heinz Steiner an der Spitze initiiert. Zusammen mit den Vorstandsmitgliedern Erhard Scheffel, Birgit Steiner, Philipp Schoske und Wolfgang Hascher brachte der BN-Ortsvorsitzende einige naturschutzfachliche Themen zur gemeinsamen Erörterung. Mit bei der Unterredung dabei waren auch Silvia Knödlseder vom Amt für Bau und Stadtentwicklung und Siegfried Waschlinger als Leiter des städtischen Bauhofs.

Karl-Heinz Steiner betonte zunächst, dass dem BN vor allem der Flächenverbrauch, die Grünordnung und der Insektenschutz momentan am Herzen lägen. Der Bürgermeister erwähnte bezüglich Flächenverbrauch, dass die Stadt darauf bedacht sei, dass zunächst die rund 130 noch unbebauten Parzellen ebenso wie rund 120 leer stehende Gebäude genutzt würden. „Dies ist auch deshalb sinnvoll, weil dort die Erschließung bereits erfolgt ist. Eine Herausforderung ist allerdings die Organisation der Regenrückhaltung, um die Abwasserbeseitigung nicht zu überfordern.“

Bezüglich der Grünordnung erwähnte Karl-Heinz Steiner, dass der Höhenweg bei Degernbach von Seiten der Stadt in die Grünordnung mit einbezogen werden solle. „Es ist unbedingt wichtig, dass Baumbestände erhalten werden anstatt sie zu entfernen und neu anzupflanzen, denn es dauert Jahrzehnte, bis die gleiche klimapositive Funktion eines Neubestandes im Vergleich zu bestehender Bepflanzung erreicht ist.“ Hierzu erwähnte Philipp Schoske, dass gerade alter Baumbestand eine ungeahnt positive Wirkung habe. Siegfried Waschlinger meinte dazu, dass die Stadt ja dafür sorgen müsse, eine regelmäßige Überprüfung bestehender Alt-Bäume vorzunehmen, damit Schaden vorgebeugt werden könne: „Immerhin haben wir 2800 Solitär-Bäume in der Stadt und überprüfen diese zweimal pro Jahr.“ Bürgermeister Beißmann ergänzte: „Grundsätzlich wollen wir immer so viel wie möglich erhalten, wichtig ist dabei auch breiter politischer Rückhalt für die entsprechenden Investitionen. Wir haben nämlich auch einen hohen Kosten-Aufwand für vereidigte Sachverständige. Natur- und Umweltschutz ist also heutzutage recht aufwendig.“

Erhard Scheffel beklagte dann die Tatsache, dass die in den Bebauungsplänen vorgesehenen Grün-Maßnahmen oft von Bauherren nicht beachtet werden. Der Bürgermeister hierzu: „Wir werden in Zukunft bei Bebauungsplänen darauf achten, dass Versiegelung nicht gewünscht wird und stattdessen natürliches Grün entsteht. Auch hier ist die Kontrolle natürlich sehr schwierig.“ Silvia Knittelseder erwähnte ergänzend, dass grundsätzlich den Bauherren auch Pflanzlisten mitgegeben würden.

Zum Thema Ausgleichsflächen meinte der Bürgermeister, dass durchaus positive Effekte beispielsweise durch Mähgut-Übertragung erzielt würden. Einig war man sich zusätzlich darüber, dass Ausgleichsflächen eine gute räumliche Anbindung an Zufahrtsstraßen haben sollten. Grundsätzlich bemühe man sich auch um große insektenfreundliche Areale, doch stoße man zum Teil auf das Argument der „Ungepflegtheit“ von der Bevölkerung, beispielsweise bei der Bepflanzung im Friedhof. Auch Mäh-Aktivitäten würden mit großer Sensibilität betrieben, und man bemühe sich, entsprechende Flächen auch der Bevölkerung zugänglich zu erhalten.

Karl-Heinz Steiner sah bei der geplanten Bebauung in der Falkenstraße mit vier großen Häusern das Problem, dass bei Starkregen in den tiefer gelegenen Nachbar-Grundstücken Wasserschaden entstehen könne. Bürgermeister Beißmann meinte, dass hierzu noch weitere Informationen ausstehen würden. Auch favorisiere man bezüglich der Einmündung der Falkenstraße in die Arnstorfer Straße einen Kreisverkehr, der sinnvollerweise auch kleiner, beispielsweise wie in Braunau, ausfallen sollte, damit er mittig überfahrbar sei.

Bezüglich der Versiegelung von Stellflächen meinte Wolfgang Beißmann, dass man im Sinne von weniger Flächenverbrauch auch E-Fahrzeug-Sharing-Konzepte künftig durchaus in Betracht ziehen solle: „Der Stellplatz-Schlüssel könnte dadurch verringert werden, vor allem bei Studenten-Wohnanlagen, wo wenig individuelle Kfz-Parkplätze nötig sind“. Man strebe auch ein Radwege-Konzept an, wobei man allerdings von übergeordneten Behörden stark abhängig sei.

Zum Thema Insektenfreundlichkeit wurde festgestellt, dass die Stadt generell auf Herbizide verzichte und dass man Versuche mit trockenresistenten und insektenfreundlichen Pflanzen mit gutem Erfolg voran bringe. Auch würden Informations-Tafeln an entsprechenden Flächen aufgestellt mit dem Titel „Hier blüht es für Mensch und Natur.“ Bereits eingeleitet sei die Abschaltung von Beleuchtungen ab 23 Uhr bei den Kirchen, beim Rathaus, beim Wimmer-Ross und beim Feuerwehr-Vorplatz. Aus Sicherheitsgründen bleiben die Arkaden am Rathaus allerdings dauernd beleuchtet. In Überlegung sei künftig noch, ein Herab-Dimmen der Straßenbeleuchtung zu späterer Stunde. Insgesamt sah hier Karl-Heinz Steiner gute Signale von Seiten der Stadt bezüglich Insektenfreundlichkeit. Abschließend fasste der Bürgermeister die Bemühungen zusammen: „Verwaltung und Bauhof sind wirklich sehr bemüht, Pfarrkirchen noch naturnäher für den Menschen und damit auch angenehmer zu gestalten. Unser Weg, auch zusammen mit dem Bund Naturschutz, ist ein wirklich sehr vernünftiger.“     -wh


"Fair getauscht": die sinnvolle Weiterverwendung für Kleidungsstücke

Eggenfelden. Die unlängst von der Bund-Naturschutz-Jugendgruppe in Eggenfelden veranstaltete Kleidertausch-Party zeigte sich wieder als ein schöner Erfolg. Die Stimmung war gut, und zum Erfolg trug vor allem bei, dass die Besucherinnen recht viel an eigener Kleidung zum Tausch mitbrachten. Zusammen mit den Kleidungsstücken, die die Jugendgruppen-Mitglieder zusammengestellt hatten, konnten deshalb auch alle viel „fair getauschtes“ anschließend mit nach Hause nehmen. Auf reges Interesse stieß auch der Batik-Workshop, bei dem man eigene – meist weiße – Kleidungsstücke richtiggehend künstlerisch und individuell-handwerklich gestalten konnte. Die Leiterin der Jugendgruppe, Emma Riedler, freute sich insbesondere sehr, dass auch zahlreiche neue Interessenten die Initiative ergriffen hatten, bei diesem Treffen mit dabei zu sein. Auch für das leibliche Wohl in lockerer Atmosphäre und mit Hintergrundmusik war gesorgt: Es gab beispielsweise Karottenmuffins oder Gemüsesticks und eine Wasserbar. Was an Kleidungsstücken am Schluss übrig geblieben war, wurde von einem Mitglied der Jugendgruppe zur Tafel mitgenommen. Es bestehen derzeit auch Überlegungen, entweder Kleidungsstücke auf einem Flohmarkt gegen Spenden für die Jugendgruppe zu verkaufen oder sie zum Rot-Kreuz-Laden in Eggenfelden zu geben.  –wh


Spaß am Erforschen der Natur

Bund Naturschutz mit Ferienprogramm – Tier- und Pflanzenwelt der Rottauen

Pfarrkirchen. Bei schönstem Sommerwetter fanden sich 25 Kinder am „Grünen Klassenzimmer“ in den Rottauen ein. Geleitet wurde die alljährliche Aktion der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Pfarrkirchen vom BN-Ortsvorsitzenden Karl-Heinz Steiner, der von den Vorstandsmitgliedern Erhard Scheffel, Birgit Steiner, Maria Riedel sowie Christian Reif und Philipp Schoske unterstützt wurde.

Zunächst wurden die Kinder in eine „Baumgruppe“ und eine „Fischergruppe“ eingeteilt, die später ihre Rollen tauschten. Erstere bestimmte zuerst die Bäume oberhalb des Theatrons. Das Aussehen der Blätter und Rinden wurde beschrieben und dann überlegt, welchen Nutzen Mensch und Tier von den Pflanzen haben. Dabei wurden die Blätter angefasst und viele Fragen gestellt und beantwortet, zum Beispiel: Wie kann ich eine Brennnessel halten, ohne dass sie sticht? Wie fühlt sich eine Kletterpflanze wie der wilde Hopfen an? Aus welchen Blättern lässt sich Tee machen, und welche Früchte dienen Vögeln als Nahrung? Anschaulich und spielerisch wurden Kenntnisse über die heimische Pflanzenwelt vermittelt. So konnten unter anderem Linde, Trauerweide, Esche, Birke, Haselnuss, Eiche und Erle bestimmt werden.

Währenddessen befanden sich die Kinder der Fischergruppe schon am Dr.-Bayer-Bach. Eifrig hielten sie ihre Kescher und Siebe ins Wasser und sammelten alle Insekten und Kleinlebewesen, die sie fanden, in Wasserbehältern. Über jeden neuen Fund freuten sich die jungen Forscher sichtlich. Nun wurden die gesammelten Lebewesen in das Grüne Klassenzimmer gebracht und unter der Stereolupe genauestens betrachtet.  Mit großer Neugierde kommentierten die Kinder ihre Beobachtungen: „Die Hummel hat ja Haare!“ oder „Die Mückenlarve sieht ganz schön gefährlich aus“. So konnten beispielsweise Larven von Zuckmücke und Köcherfliege, aber auch der Wasserskorpion (eine ganz harmlose Wasserwanze) bestimmt und ein Einblick in die Gewässerbiologie geboten werden.

Um den verantwortlichen Umgang mit der Natur einzuüben, wurden zum Abschluss ganz behutsam alle kleinen Lebewesen wieder in den Bach entlassen. Den Spaß am Erforschen der Natur konnte man den strahlenden Kindergesichtern ansehen. So bleibt das Ferienprogramm mit Thema "Wasser, Pflanzen und Tiere an der Rott" eine erlebnisreiche Weise, ergänzend zum Biologie-Unterricht in der Schule nicht nur neue Kenntnisse zu vermitteln, sondern auch Freude und Interesse an der Natur wecken.

-nb

Eindrücke des Kinder-Ferienprogramms – Tier- und Pflanzenwelt der Rottauen


Schmetterling des Jahres: Schachbrettfalter

Bund Naturschutz ruft zu Schutzmaßnahmen auf – Interessantes zum Schachbrettfalter
Pfarrkirchen. Der „Schmetterling des Jahres 2019“ ist nun wieder zu beobachten: der Schachbrettfalter (Melanargia galathea), wie die Kreisgruppe Rottal-Inn des Bund Naturschutz mitteilt. Mit seiner schwarz-weiß gefleckten Zeichnung ist er auch für Laien gut zu erkennen, und mit der Auszeichnung „Schmetterling des Jahres“ soll auf die Bedrohung der Schmetterlingsart durch den Rückgang extensiv genutzter Wiesen aufmerksam gemacht werden. Um dem schönen Schmetterling zu helfen, ruft die BN-Kreisgruppe  dazu auf, Wiesen mosaikartig zu mähen und Randstreifen von Bahndämmen, Feldwegen oder Gräben auch mal stehen zu lassen. „Im Siedlungsbereich können Gartenbesitzer nährstoffarme und trockenwarme Wiesen für den Falter anlegen“, erklärt der BN-Kreisvorsitzende Dr. Jürgen Riedler. „Da Schachbrettfalter schon auf kleinen Flächen in größerer Anzahl leben können, tragen bereits solche kleinen Inseln dazu bei, die Art zu schützen.“
Entscheidend für das Vorkommen der Schmetterlinge seien nährstoffarme blütenreiche Wiesenbereiche, die bis Ende Juli noch nicht gemäht wurden. Denn nur dort lassen die Weibchen ihre Eier zu Boden fallen, teilweise während des Fluges. Aufgrund von Düngung und einer frühen Mahd seien solche Wiesen heute in vielen Regionen selten geworden, so Walter Sage, Artenschutzexperte der  Kreisgruppe des BN.
Die rosa gefärbten Raupen des Schachbrettfalters, die im Sommer aus den Eiern schlüpfen, überwintern in der Streu am Erdboden, ohne vorher Nahrung aufzunehmen. Erst im März des Folgejahres beginnen sie, an verschiedenen Gräsern zu fressen. Ab Mai verpuppen sich die Tiere in einem Gespinst an der Basis eines Grasbüschels. Die nach wenigen Wochen ausgewachsenen Schmetterlinge schlüpfen ab Mitte Juni und ernähren sich dann hauptsächlich vom Nektar violetter Blüten wie Flockenblume, Kratzdistel oder Skabiose. Sie können bis ca. Ende August beobachtet werden.
Noch vor etwa 30 Jahren gehörte es  im Landkreis zum gewohnten Bild, wie der BN feststellt, dass Schachbrettfalter, Großes Ochsenauge, Kleiner Heufalter, Wachtelweizen-Scheckenfalter, Schwalbenschwanz sowie einige Arten von Dickkopffalten und Bläulingen in großer Zahl über unsere „Bauernwiesen“ gaukelten. Heute seien sie dort weitestgehend verschwunden. Lediglich an besonders günstigen Flächen wie den sogenannten „Brennen“, das sind besonders magere Offenlandstandorte in den Flussauen, aber auch an den Inndämmen, herrschen heute noch Verhältnisse wie sie damals weit verbreitet waren. Hier könne man diesen Arten noch in einigermaßen guten Beständen begegnen, ergänzt der BN-Artenschutz-Experte Walter Sage.
Zur Verbesserung der Zukunftsaussichten des Falters setzt der BN derzeit große Hoffnungen in die Umsetzung des Volksbegehrens “Rettet die Bienen“, das im Bayerischen Landtag per Gesetz verabschiedet wurde. Und demzufolge gäbe es  durchaus Potential für eine Wieder- bzw. Neubesiedelung zumindest für den Schachbrettfalter.


Eine Käferwiege für 650 Arten

BUND Naturschutz baut einen Hirschkäfermeiler in Tann

Tann. Am 11. Juli wurde mit viel Engagement ein Hirschkäfermeiler bei Tann gebaut. Somit konnte ein von LEADER gefördertes Projekt zur „Unterstützung von bürgerschaftlichem Engagement“ umgesetzt werden. Organisiert wurde der Bau von der BUND Naturschutz (BN) Kreisgruppe Rottal-Inn. Denn wie fast alle Insektenarten leidet auch der Hirschkäfer, der in der Roten Liste als „stark gefährdet“ geführt wird, unter der Zerstörung seiner natürlichen Lebensräume.

Mit der tatkräftigen Unterstützung der Schüler der 8. Klasse der Grund- und Mittelschule Tann und vielen Ehrenamtlichen der BN-Kreisgruppe Rottal-Inn wurde der Meiler aus Eichenstämmen zusammengesetzt. „Die Hirschkäferwiege soll Hirschkäfern, aber auch vielen anderen Totholz bewohnenden Käferarten als Brutstätte dienen. Der von der Gemeinde Tann zur Verfügung gestellte Platz bietet dazu bestmögliche Bedingungen“, erklärte die stellvertretende Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Rottal-Inn, Anne Hennersperger. Ein von der Sonne reichlich beschienener Waldrand mit Eichen und dem angrenzenden blütenreichen Damm des Hochwasserrückhaltebeckens sei einfach optimal. Erwachsene Hirschkäfer bräuchten nämlich den Baumsaft der Eichen. Bei vielen anderen Totholz bewohnenden Käfern stünden aber im Erwachsenenalter auch Blütenpollen und Nektar ganz oben auf der Speisekarte.

Das Eichenholz wurde zunächst einige Monate am Bauort gelagert. Nun grub die Firma Reidl aus Tann-Eiberg mit einem Minibagger umsichtig ein kreisrundes Erdloch. Danach wurden die schweren Eichenholzstämme von allen Helfern mit vereinten Kräften hineingestellt und mithilfe von Spanngurten aneinandergedrückt. Zuletzt wurden zum „Beimpfen“ des Meilers weißfaul verpilzte Äste außen herumgelegt und die Zwischenräume der Stämme mit Eichenhackschnitzeln verfüllt.

Während der Meiler mit viel Körpereinsatz gebaut wurde, erklärte Anne Hennersperger in mehreren Schichten Wissenswertes rund um den Hirschkäfer. Um den richtigen Standort auswählen zu können, müsse man zunächst die Lebensweise des Hirschkäfersverstehen.

Anhand von Modellen zeigte die stellvertretende BN-Vorsitzende die verschiedenen Entwicklungsstadien des Hirschkäfers, wobei dessen Größe und die seiner Larve und Puppe größten Eindruck machten. Das mit großen Zangen bewaffnete und bis zu 9 cm lange Männchen klettere im Frühjahr zu einem Weibchen auf eine Eiche. Zusammen saugten sie am Eichensaft, dessen Pilze ihre Fruchtbarkeit fördern. Nach der Begattung mache sich das Weibchen auf die Suche nach Totholz, grabe sich in die faulen Außenbereiche ein und lege ca. 100 Eier. Die geschlüpften Hirschkäferlarven ernährten sich von den Pilzen im Holz. Fünf bis acht Jahre blieben sie als stattliche Larven tief im Totholz, verpuppten sich und nach etwa sechs Wochen schlüpften die Käfer. Sie graben sich im Frühjahr nach oben und lebten dort nur wenige Wochen.

Rund 1340 Totholz bewohnende Käferarten gebe es in Deutschland. 650 davon könnten hier im toten Eichenholz brüten. Die Hälfte dieser Käfer stehen auf der roten Liste Deutschlands. Ein Meiler aus Buchenholz würde „nur“ 240  Arten und einer aus dem leichteren Fichtenholz gerade einmal 60 Käferarten beherbergen.

Viele helfende Hände trugen dazu bei, dass das LEADER-Projekt umgesetzt werden konnte, nicht nur beim Aufbau, sondern auch im Vorfeld, bei Transport und Organisation. Zum Abschluss gab es für alle ein Getränk und Brezn und die große Hoffnung, dass der Meiler von vielen Käfern angenommen werde.

-nb


21. Juli: Kleider „fairtauschen“ für Jugendliche

Eggenfelden. Am Sonntag, 21. Juli, veranstaltet die Bund-Naturschutz-Jugendgruppe „Green Earth“ von 18 bis ca. 20 Uhr ihre zweite Kleidertausch-Party für Jugendliche in der alten Mühle (Gebäude nördlich des Rossstalls) in der Schlossökonomie Gern. Wer teilnehmen möchte, sollte Kleidungsstücke, die nicht mehr gebraucht werden, in sauberem und gutem Zustand mitbringen und kann sich im Tausch dafür ein neues Outfit zulegen. Wem es nicht reicht, Kleider zu „fairtauschen“, kann sich auch im Batiken erproben. Dafür sind weiße Kleidungsstücke (möglichst Baumwolle) mitzubringen. Der Eintritt ist frei, die Jugendgruppe freut sich aber über Spenden. Weitere Informationen bei der Leiterin der Jugendgruppe, Emma Riedler, unter Telefon 08721/913464.   


Wie insektenfeindlich ist Kirchdorf?

Bund Naturschutz kritisiert Mulchmahd – Verkehrssicherheit ist zu hinterfragen

Kirchdorf. Gäbe es einen Preis für eine natur- und insektenfeindliche Gemeinde, so hätte Kirchdorf am Inn mit der aktuellen Mähaktion, insbesondere im Bereich Ramerding, Strohham, Au, Gstetten und Bergham, wohl alle Konkurrenten ausgestochen – so ist jedenfalls die Meinung des Bund Naturschutz. Denn hier sei mit der „schlimmsten Form der Mahd“, nämlich der Mulchmad, bei der das Häckselgut liegenbleibe und so die Flächen als Lebensraum wegen Aufdüngung allmählich unbrauchbar würden, alles niedergemacht, was Insekten aber auch andere Offenlands-Kleinlebenwesen noch als Rest-Rückzugsraum übrig hätten. Der Bund Naturschutz dokumentierte unlängst gemulchte Streifen von zum Teil über 10 Metern Breite bis in den unmittelbaren Waldrand, Böschungen sowie blütenreiche Magerwiesen, die mitsamt ihren Bewohnern „gehäckselt“ wurden. Und so fragen sich die Mitglieder des BN, ob die Gemeinde die Zeichen des Volksbegehrens nicht verstanden und in Unwissenheit oder Ignoranz so gehandelt habe.

Mit dem Thema der viel zitierten Verkehrssicherheit könne es jedenfalls nichts zu tun haben, wenn viele Meter breit gemulcht werde, so der Bund Naturschutz, denn dafür seien je nach Straßenart und Straßenbreite lediglich Streifen von einem bis eineinhalb Metern vorgesehen. Geduldet sei außerdem worden, dass gleich daneben - zwischen Ramerding und Badesee Gstetten – der Mais-Anbau bis auf 60 cm an den Straßenrand heranreichen dürfte, was den Punkt der Verkehrssicherheit sicher nicht erfülle – genau diese 60 cm seien dann auch gründlich gemulcht worden. Es stelle sich dabei die Frage, ob es den Beteiligten bzw. der Gemeinde bewusst sei, dass hier bei Unfällen die Frage der Verantwortung für eine optimale Verkehrssicherheit im Raume stehe. Und letztlich solle man, so der Bund Naturschutz, auch die Frage stellen, ob es sich die Kommune gefallen lasse, dass hier evtl. Gemeinde- und damit Bürgergrund zu einem privaten Feld umgewandelt werde.  


Seltene Wildkräuter entdeckt

Botanik-Exkursion des Bund Naturschutz  - "Gefurchter Feldsalat" besonders hervorgehoben

Rossbach. Eine von vielen naturinteressierten Gästen besuchte Exkursion veranstaltete unlängst die Ortsgruppe "Kollbachtal" des Bund Naturschutz. Ziel war eine im Jahr 2018 beim Ackerwildkräuter-Wettbewerb in Niederbayern prämierte Ackerfläche der Familie Greiler nahe Rossbach. Insgesamt 30 Ackerwildkräuter, darunter der gefährdete „Gefurchte Feldsalat“ waren damals auf diesem Weizenacker gefunden und von einem Fachmann katalogisiert worden.

Und erneut war es ein Fachmann, der bei der jetzt durchgeführten Exkursion auf die zahlreichen Wildkräuter dieser Fläche während der Exkursion hinwies: Christoph Stein, ein auf die Flora Niederbayerns spezialisierter Botanik-Experte. Bereits zu Beginn der Exkursion wies er darauf hin, dass die Artenvielfalt dringenden Schutz benötige: „Pflanzenarten, die man vor wenigen Jahren noch kannte, verschwinden aus der Natur. Sie, Familie Greiler, stellen sich dieser Entwicklung entgegen, was sehr zu würdigen ist.“

Zahlreiche und umfassende Erläuterungen durch den Botanik-Fachmann begleiteten anschließend die Exkursions-Teilnehmer während ihres Rundganges im Bereich der prämierten Ackerfläche. Gefunden und erläutert wurden beispielsweise das auf der Roten Liste stehende geöhrte Habichtskraut, der Heilziest, das gelbe Labkraut, der sehr seltene allerdings noch nicht blühende Wiesen-Silau, die Bibernelle, der gelbe Hornklee und die Flockenblume.

Unter den entdeckten Arten war dann schließlich auch der gefurchte Feldsalat, ein in Mitteleuropa sehr selten vorkommender und bevorzugt im Umfeld von Getreidefeldern wachsender Verwandter der Baldriangewächse. „Auch diese Art wird in Deutschland in der Roten Liste als gefährdet aufgeführt“, so der Experte, „umso erfreulicher ist es, dass er hier vor allem durch die schonende Bewirtschaftungsweise auf diesem Acker diese Art wieder eine Chance hat. Es ist deshalb durchaus verständlich, dass die Ackerfläche im letzten Jahr im Acker Wildkräuter-Wettbewerb den ersten Preis in Niederbayern zugesprochen bekommen hat."

Weitere interessante Pflanzen, die während der rund zweistündigen Naturwanderung gefunden wurden, waren das Acker-Hellerkraut, der Färberginster, zwei Ehrenpreis-Arten, das Johanniskraut, der Mittlere Wegerich, der Dreizahn und die Ackerwitwenblume.

Katrin Veicht, die Vorsitzende der Ortsgruppe „Kollbachtal“ des Bund Naturschutz, dankte abschließend sowohl dem Experten Christoph Stein wie auch Josef und Maria Greiler für ihr Engagement.    -wh


Pflanzenvielfalt live – eine botanische Exkursion

Eggenfelden/ Gern. Kürzlich fand eine Veranstaltung der BN-Jugendgruppe „Green Earth“ mit dem Pflanzen-Experten Christoph Stein unter dem Motto  "Pflanzenvielfalt live - rund um Gern erleben und kennenlernen" statt.

Mit dabei waren Jugendliche und junge Erwachsene. Zweck der Veranstaltung war es, die heimische Flora aus Wiesen, Wald und am Geratskirchner Bach kennen zu lernen und anhand ihrer Merkmale zu bestimmen.

Junge Menschen mit „grüner Seele“

Bei strahlendem Sonnenschein fanden sich die Teilnehmer, darunter viele Aktive der BN- Green Earth“-Gruppe, aber auch „Junggebliebene“ am Schlossweiher in Gern ein. Dort begrüßte die Leiterin der Jugendgruppe, Emma Riedler, alle Gäste. Danach betonte BN- Kreisvorsitzender Dr. Jürgen Riedler, dass nicht nur die Arten weniger würden, sondern auch diejenigen, die die Arten überhaupt erkennen könnten. Aber nur was man kenne, könne man schützen.

Anschließend äußerte sich Martin Roiner, Umweltreferent der Stadt Eggenfelden, zu der Exkursion. Im Hinblick auf die Freitagsdemos „Friday for Future“, wies er darauf hin, dass reden gut sei, dass aber in Sachen Umweltschutz auch etwas getan werden sollte. Er freute sich, dass die Jugendgruppe so aktiv sei. „Denn gerade junge Menschen mit einer „grünen Seele“, sorgen dafür, dass man um die Zukunft nicht bangen muss“, so der Umweltreferent.

Experte Christoph Stein stellte sich als gebürtiger Eggenfeldener vor. Er habe schon in den 70er und 80er Jahren als Leiter der damaligen BN-Jugendgruppe botanische Exkursionen im Lichtlberger Wald, den er „wie seine Westentasche kenne“, organisiert. Er freue sich sehr über die Gründung der neuen Jugendgruppe und schloss mit Blick auf die jungen Teilnehmer: „Die Hauptakteure seid nun ihr“.

„Grünes Zeug“ wird gesammelt

Nun ging es in den angrenzenden Wald. Dort wurden die Jugendlichen aufgefordert, sich in Gruppen aufzuteilen und „grünes Zeug“ zu sammeln. Dabei sollte sich jede Gruppe jeweils auf eine bestimmte grob gefasste Pflanzengattung fokussieren. So sammelte eine Gruppe nur blühende Pflanzen, eine andere nichtblühende, die zwei weiteren jeweils Gräser und Äste. Stein ermutigte während der Exkursion immer wieder dazu, Blätter und Stiele der Pflanzen anzufassen und sich zu fragen: sind die Blätter nun glatt oder wollig, die Grashalme knotig, rund oder kantig? „Es ist wichtig, Pflanzen anzufassen, um sie zu begreifen; Fotos reichen da nicht aus.“ Außerdem solle man sich merken, wo welche Pflanzen wachsen: mögen sie es eher schattig und feucht oder blühen sie in der prallen Sonne?

Immer wieder machte der Experte auf bestimmte Pflanzen aufmerksam: Hier wachse die Bachnelkenwurz, die bayernweit schon auf der Roten Liste sei; dort blühe eine Akeleiblättrige Wiesenraute. Diese wurde sogleich mit einer am Rand eines Gartens gesammelten Akelei verglichen; die erstere sei heimisch, die zweite eine gezüchtete Zierpflanze. Stein deutete jetzt auf eine feuchte Stelle im Waldboden: hier entfalte sich um den seltenen wolligen Hahnenfuß eine ganze Pflanzengemeinschaft mit Ähriger Teufelskralle, Goldnessel und knotigem Beinwell. „Das ist etwas ganz Besonderes“, so Stein.

Auf den Blättern der Traubenkirsche zeigte Stein den interessierten Betrachtern Wespeneier und wies darauf hin, wie wichtig bestimmte Pflanzen für Insekten seien. „Die Grundlage des Insektenschutzes ist der Erhalt einer artenreichen Flora“, so der Botaniker.

Obwohl Stein den Wald schon seit Jahrzehnten kenne, entdecke er doch immer etwas Neues, in diesem Fall den Wolfs-Eisenhut, der am Wegesrand steht. Denn die Natur verändere und entwickle sich stetig. Der Eisenhut wurde aufgrund seines Seltenheitswertes, aber auch wegen seiner Giftigkeit nicht gesammelt. Dies sei das einzige Vorkommen dieser Art im Raum Eggenfelden.

Eine Ringelnatter im Weiher

Am großen Weiher, an dem Halt gemacht wurde, staunten alle Teilnehmer: Gerade schwamm eine Ringelnatter durch das Wasser.

Zuletzt wurden alle Pflanzen auf einer Decke vor der Schutzhütte ausgebreitet, bestimmt  und aufgelistet. In Bestimmungsbüchern suchten nun die jungen Naturforscher nach weiteren Bestimmungsmerkmalen, sodass jede Gruppe nun ihre Funde den Anderen vorstellen konnte. Insgesamt wurden ca. 50 Arten bestimmt und in eine Fundliste eingetragen.

Teufelskralle und Kälberkropf

„Die Zeit verging wie im Fluge“, schlossen die begeisterten Teilnehmer. „Viele Pflanzen kannten wir nicht. Aber jetzt werden wir etwas anderes sagen können als „Gänseblümchen“, wenn wir nach der heimischen Natur gefragt werden. Zum Beispiel so lustige Namen wie „Teufelskralle“ oder „Kälberkropf“.“

Hier die Liste der bestimmten Pflanzen.

-nb


Besuch bei den Waldrappen in Burghausen

Hoffnung auf Wiederbesiedlung des bedrohten Vogels in Mitteleuropa

Burghausen. Über 25 Teilnehmer fanden sich am Samstag am Burggelände ein. Zusammen ging man durch die Burganlage zu den Brutnischen am Pulverturm. Hier fand ein von der BN- Ortsgruppe Unterer Inn organisierter Besuch dieser besonderen Vögel statt. Nach der Begrüßung der Gäste von Marianne Watzenberger, der Vorsitzenden der BN-Ortsgruppe, erklärte Dr. Ernst-Josef Spindler vom „Waldrappteam“ viel Bemerkenswertes rund um Geschichte und Verhalten dieser bedrohten Vogelart.

Die hochgradig gefährdete Ibisart, die in Passau und Salzburg historisch nachgewiesen wurde, ist bereits im 17. Jahrhundert nördlich der Alpen und wahrscheinlich bald darauf in ganz Europa durch Überjagung ausgerottet worden. Im Rahmen eines EU Projektes (LIFE+ Biodiversity) mit Partnern aus Österreich, Italien und Deutschland soll der Waldrapp in Europa wieder angesiedelt werden. Heute gibt es nur noch eine stabile, wild lebende Kolonie in Marokko.

Wiederansiedlungsprojekt mit Vorbildcharakter

Zunächst führte Dr. Spindler in die Geschichte des Waldrapps in Burghausen ein: Anlässlich der Landesgartenschau 2004 und auf Initiative der  BUND Naturschutz-Ortsgruppe Burghausen wurde ein Waldrappteam gegründet mit dem Ziel, die Tiere als echte Zugvögel in Europa wieder anzusiedeln. Andere Standorte der Wiederansiedlung befinden sich in Überlingen und im österreichischen Kuchl.

2007 wurde in Burghausen eine erste Handaufzucht von etwa 20 Waldrappen auf eine einzige Person geprägt und daran gewöhnt, ein Leichtflugzeug im Flug zu begleiten. Denn Waldrappen sind Zugvögel und brauchen im Winter ein südliches Quartier. Da die erste Gruppe der jungen Tiere keine zugerfahrenen Eltern hatte, sondern von Tieren aus Zoohaltung abstammte, musste hier der Mensch nachhelfen: So wurde Ihnen erstmals eine Route in ein Wintergebiet in der südlichen Toskana gezeigt. Seit 2010 migrieren die Vögel inzwischen ohne menschliches Zutun über die Alpen. Dank der leichten GPS-Geräte, die die adulten Tiere auf dem Rücken tragen, sind ihre Flugrouten immer nachzuvollziehen. Leider gab es inzwischen aber Verluste durch Wilderei in Italien und Mittelstrommasten in Österreich.

Nach der Einführung ging Dr. Spindler auf die etwa gänsegroßen Tiere mit dem schwarzen Gefieder und den nackten Gesichtern ein, die am Pulverturm direkt vor den Teilnehmern mit ihren gesichelten Schnäbeln auf der Wiese Nistmaterial sammelten und in den Holznischen saßen. Er  beantwortete die vielen Fragen der interessierten Teilnehmer. Es brüteten zurzeit 8 Paare in den Holznischen. Jedes Paar habe 4 bis 5 Eier, beide Geschlechter brüten und füttern die Jungen, die schon geschlüpft sind und teilweise unter den Leibern der Eltern neugierig hervorlugten. Die Tiere suchten ihre Nahrung (Insekten, Würmer, Pflanzen) in der näheren Umgebung ihres Brutplatzes. Da die Vögel wenig Scheu haben und vor den Besuchern  ihr geselliges Verhalten zeigten, zauberten sie allen Besuchern, insbesondere auch den Kindern unter ihnen, ein Lächeln ins Gesicht.

Mehr Information zu Flugrouten und dem Wiederansiedlungsprojekt finden sich auf der Webseite www.waldrapp.eu

-nb


"Ökologisch nutzlos"

Bund Naturschutz mahnt Verbesserungen im Landkreis an – Brief an Landrat Fahmüller

Eggenfelden. Das Insektensterben und der weltweite dramatische Verlust der Biodiversität ist zur Zeit ein aktuelles Thema in der Politik. So seien laut den aktuellen Schätzungen des Weltbiodiversitätsrates 40 Prozent der bestäubenden Insekten und 17 Prozent der bestäubenden Wirbeltiere vom Aussterben bedroht – eine schlimme internationale und überregionale Entwicklung, wie die Bund-Naturschutz Kreisgruppe unter Leitung von Dr. Jürgen Riedler in einer Stellungnahme betont.

Und regional sei, so der Bund Naturschutz, gerade die aus ökologischer und auch ökonomischer Sicht katastrophale Neuanlage einer Pflanzfläche am Kreiskrankenhaus Eggenfelden ein Beispiel dafür, wie unbedacht vorgegangen werde. Das jedenfalls unterstreicht der BN  wie jetzt in einem detaillierten Brief an Landrat Michael Fahmüller. Alle Bäume und Sträucher eines schön eingewachsenen Parkplatzes  seien dort entfernt worden. Die Fläche sei dann mit Pflanzvliesfolie versiegelt worden, eine Kiesabdeckung darüber geschüttet und mit fremdländischen Bodendeckern und Sträuchern  (Hybridhortensien, Pyracantha, Spiracea) unterlegt worden - alles für heimische Insekten wertlose Pflanzen.

Der Bund Naturschutz erwähnt dabei ein Zitat aus dem im Kreistag gefassten Beschluss zum Insektenfreundlichen Landkreis. „Nach Möglichkeit werden auf vom Landkreis bewirtschafteten Flächen insektenfreundliche Stauden und Sträucher gepflanzt sowie artenreiche Blumenwiesen angelegt.“ – Genau das sei ist in diesem Fall nicht geschehen.

Der BN fordert  daher den Rückbau der insektenfeindlichen Pflanzungen am Kreiskrankenhaus Eggenfelden  und erwähnt des weiteren, dass sich der Landkreis im Rahmen des Pilotprojektes für naturnahes öffentliches Grün „Rottal-Inn blüht auf!“ auch trotz mehrfacher Einladung nicht mit seinen Flächen beteiligt habe.

Der BN weiter: „Der insektenfreundliche Landkreis ist bislang nur ein Lippenbekenntnis. Die im Kreistags-Beschluss erwähnten Maßnahmen wurden bislang großteils nicht umgesetzt. Wir fordern jetzt Taten statt Worte und Umsetzung der angekündigten Beschlussmaßnahmen.“ Hierbei stehe der  Rückbau der insektenfeindlichen Pflanzungen am Kreiskrankenhaus Eggenfelden im Vordergrund.
Auf allen Landkreisflächen sollten auch die im Beschluss angekündigten Maßnahmen jetzt ebenfalls umgesetzt werden. Es sollten Schotterflächen mit Vliesabdeckungen in Zukunft nicht mehr zugelassen werden wie in derBayerischen Bauordnung, Zweiter Teil, Art. 7  vorgesehen - und es sollten Pflanzanweisungen für insektenfreundliche Bepflanzungen mit heimischen Pflanzen  erfolgen.
Auch sieht der BN für die rund 500 km an Kreisstraßen deutliche Verbesserungen: Hier solle endlich ein Konzept für naturnahe Pflege von Straßenbegleitgrün erstellt werden, im Wesentlichen bezüglich zeitlich und räumlich gestaffelter Mahd und einer Mulch-Reduzierung. 

Unter Einbeziehung fachlich versierter Experten regt der BN schließlich  einen Runden Tisch zum Thema „Maßnahmen insektenfreundlicher Landkreis“ an und hofft, dass die Umsetzung des insektenfreundlichen Landkreises jetzt endlich vorankomme.   –wh


Neue Räumlichkeiten gesucht

Die Kreisgruppe des BUND Naturschutz Rottal-Inn sucht neue Räumlichkeiten für Ihre Geschäftsstelle in Pfarrkirchen, Eggenfelden, Hebertsfelden oder Postmünster. Eine zentrumsnahe Lage mit Schaufenstern ist nicht unbedingt erforderlich. Die Räumlichkeiten sollen günstig und langfristig zu mieten sein.

Größe des zukünftigen Mietobjekts: ca. 60 – 80qm (die Kreisgruppe braucht  bei momentaner Struktur: Büro (2 Arbeitsplätze), Lager-und Materialraum, eventuell Besprechungsraum für 10-15 Personen (könnte  auch mit anderer Gruppe geteilt werden, Besprechungsplatz kann aber auch im Büro mit dabei sein), 2 überdachte Stellplätze.

Falls Sie selber Räume zu vermieten haben oder etwas wissen bitte um Kontaktaufnahme mit der Kreisgruppengeschäftsstelle.


Drei Jahrzehnte für die Umwelt engagiert

Bund-Naturschutz Arnstorf feierte Jubiläum – Große Baumpflanz-Aktion mit der Marktgemeinde

Arnstorf. Zeitgleich zur Feier des 30-jährigen Bestehens der Ortsgruppe „Kollbachtal“ des Bund Naturschutz konnte die BN-Ortsvorsitzende Katrin Veicht gleich ein besonders positives Ereignis verzeichnen. Denn zusammen mit der Marktgemeinde Arnstorf konnten die aktiven Naturschutz-Mitglieder nämlich auf einem im Besitz der Gemeinde befindlichen und rund 11.000 Quadratmeter großen Südhang-Grundstück 30 junge Bäume pflanzen. Das Ganze soll sich später zu einer Streuobstwiese entwickeln, auf der keine Düngung ausgebracht werden wird. Mit Expertenhilfe ausgewählt wurden Jungbäume der Wildbirnen, Äpfel, Saalweiden, Vogelkirschen, Mispeln, Vogelbeeren sowie auch Zwetschgen, Süßkirschen und Sauerkirschen, wobei auf unterschiedliche Blüh-Zeitpunkte geachtet wurde, um für Insekten eine länger anhaltende Nahrungsquelle darzustellen.

Rund 1000 Euro hat die BN-Ortsgruppe für die Jungbäume ausgegeben. Die Marktgemeinde hat das Grundstück, das gleichzeitig als ökologische Ausgleichsfläche dient, zur Verfügung gestellt und steuert zusätzlich die Schutzmaßnahmen für die Bepflanzung bei wie zum Beispiel Pfosten-Rundhölzer zur fachgerechten Stützung oder das Drahtgeflecht gegen Wühlmäuse.

Anlässlich einer kleinen Feierstunde vor der Bepflanzung auf dem Gelände des örtlichen Reit-und Fahrvereins begrüßte Ortsgruppen-Vorsitzende Katrin Veicht zunächst den ersten Bürgermeister Alfons Sittinger, die stellvertretende Bürgermeisterin Maria Bellmann, den Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzenden Dr. Jürgen Riedler sowie die zahlreichen Helfer und Organisatoren beim BN, darunter insbesondere Maria Watzl, die auch seit 2013 die „Umweltbande“ (Jugendgruppe der OG) leitet. Franz Meindl, 1. Vorsi der BN OG Dgf/Landau mit Kolleginnen und Kollegen, Mitglieder des Arnstorfer Obst- und Gartenbauvereins und Ludwig Stadlthanner vom LPV sowie Stefanie Siebengartner, die das Layout für das Chronikbuch gestaltet hatte. Sie dankte allen, die zum Gelingen dieser Aktion beigetragen hatten, insbesondere der Marktgemeinde und allen Ehrenamtlichen, die die Vorbereitungsarbeiten begleitet haben. Sie stellte auch ein Chronikbuch vor, das mit vielen Illustrationen die 30-jährige Geschichte der BN-Ortsgruppe zeigt. Sowohl vom Bürgermeister Alfons Sittinger wie auch von Dr. Jürgen Riedler und vom Vorsitzenden der benachbarten BN-Ortsgruppe Dingolfing-Landau, Franz Meindl, erhielt Katrin Veicht Glückwunsch- und Dankes-Präsente überreicht.

Bürgermeister Alfons Sittinger überbrachte die Grüße der Gemeinde und gratulierte zum Jubiläum: „Sie haben in den 30 Jahren des Bestehens ihrer Naturschutz-Ortsgruppe viel geleistet und sie tun es heute noch. Zum Beispiel kümmern sie sich um das Biotop in Jägerndorf, sie betreiben regelmäßig den Schutz von Amphibien und nicht zuletzt sind sie in der Jugendarbeit aktiv, was uns besonders freut. Zu würdigen ist die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde, die ihrerseits ebenfalls dem Umwelt- und Naturschutz eine hohe Priorität einräumt, beispielsweise durch das Anlegen von Blühstreifen. Ich danke allen Aktiven beim BN für die Zusammenarbeit und wünsche der Ortsgruppe weiterhin alles Gute.“

Für die BN-Kreisgruppe freute sich deren Vorsitzender Dr. Jürgen Riedler, dass diese Jubiläumsfeier zustande gekommen sei: „Der Bund Naturschutz hat in Bayern 230.000 Mitglieder, doch äußerst wichtig sind dabei die Ortsgruppen, die direlt in der Fläche und in den Gemeinden arbeiten und damit den Naturschutz in das Land hinaus tragen. Neben dem wichtigen Ereignis des unlängst erfolgreich abgeschlossenen Volksbegehrens tragen auch Aktionen wie diese hier zu einer weiteren Verbesserung des Schutzes unserer Umwelt bei. Ich danke allen Aktiven für die beispielhafte Arbeit, die geleistet wurde und die noch erbracht werden wird und wünsche auch im Namen der ganzen Kreisgruppe für die jetzt beginnenden, nächsten 30 Jahre viel Erfolg und alles Gute.“

Anschließend wurde die Bepflanzung vorgenommen, wobei sich viele Helfer betätigten. Auch die Kinder- und Jugendgruppe war eifrig mit dabei und kümmerte sich vor allem eifrig um die erste Bewässerung der frisch eingepflanzten Bäume. Für diesen Zweck hatte der gemeindliche Bauhof eigens einen großen Wasserbehälter auf die Pflanzfläche gebracht. Den ersten Baum, eine Kirsche, pflanzten Bürgermeister Alfons Sittinger und die BN-Ortsgruppen-Vorsitzende Katrin Veicht unter dem Beifall der zahlreichen Festgäste. Beide hofften, dass sich die Bäume gut entwickeln und der vom Ortskern der Gemeinde aus gut sichtbaren Fläche eine ökologisch wertvolle Bedeutung geben können.

Im Anschluss an die Pflanz-Maßnahme gab es noch auf dem Gelände des Reit- und Fahrvereins für alle anwesenden Festgäste ein gemütliches Beisammensein mit einem Imbiss.


Vogelstimmen im Ederhölzl

Schwarzspecht und Sommergoldhähnchen als Highlights

Bei eher kühlem Wetter fanden sich ca. 20 interessierte Teilnehmer am Ederhölzl in Pfarrkirchen ein. Hier fand  eine vom Flora- und Fauna-Experten Walter Sage geleitete Vogelstimmenwanderung statt. Die Führung hatte der Bund-Naturschutz-Ortsgruppenvorsitzende Karl-Heinz Steiner gemeinsam mit der Kreisgruppe LBV-Rottal-Inn, dessen Vorsitzender Hubert Szücs mitwanderte, organisiert.

Nach der Begrüßung erklärte Steiner, das Pfarrkirchener Ederhölzl sei vornehmlich ein natürlicher Eichen-Hainbuchenwald, der auf dieser Höhenstufe (400 m) typisch sei. „So würde hier der Wald aussehen, wenn er von selber wachsen würde“, so Steiner. Er bestehe aus 100-jährigen Bäumen und berge viele botanische Arten, die auch Insekten und Vögeln Nahrung und Schutz bieten.
Bevor man sich auf den Weg machte und noch auf dem Parkplatz lud Experte Sage die Teilnehmer ein, zu lauschen und die umgebenden Bäume zu beobachten. Schon konnten erstaunlich viele Arten anhand ihrer Stimmen oder aber optisch bestimmt werden, darunter auch Hausrotschwanz, Kohlmeise, Rauchschwalbe, Girlitz, Star, Stieglitz, Mönchsgrasmücke und Buchfink.


Am Waldrand zeigte sich dann das Sommergoldhähnchen von seiner schönsten Seite: Intensiv orange leuchtete sein Scheitelstreifen durch das junge Laub. „Trotz seiner Häufigkeit ist dieser kleine Vogel kaum bekannt, weil er sich nur selten in Bodennähe aufhält“, so Sage. Während der Wanderung wurden weiter bestimmt: Rotkehlchen, Zilpzalp, Grünfink, Blaumeise, Buntspecht, Eichelhäher, Kleiber, Zaunkönig, Fitis, Mäusebussard, Rabenkrähe, Kernbeißer und der eher seltene Waldlaubsänger.
Die Erläuterungen des Vogelexperten wurden während der Wanderung seitens Karl-Heinz Steiner mit botanischen Beobachtungen ergänzt. Der BN-Ortgruppenvorsitzende machte auf vielblütigen Weißwurz, Knoblauchsrauke, Baldrian sowie Waldmeister im Unterholz aufmerksam und wies auf die Notwendigkeit von Totholz im Wald hin. Einige abgestorbene Stämme von Vogelkirsche und Eiche sollten für Insekten und Vögel liegen gelassen werden. „Das sollte nicht als unaufgeräumt empfunden werden“, so Steiner.


So war es dann für alle Teilnehmer ein ganz besonderes Erlebnis, den Schwarzspecht überraschend über die Baumgipfel gleiten zu sehen. Kurz zuvor hatten die Wanderer schon typische Hackspuren des Spechts an Salweiden und Totholz beobachten können. Steiner wies auf einige mit Fichten aufgeforstete Stellen hin, die inzwischen aufgrund des Borkenkäferbefalls teilweise gefällt worden sind. Vor der kahl geschlagenen Stelle wies Steiner auf den angrenzenden gesunden Wald hin: „Wie es sein sollte, macht die Natur vor.“


Als Krönung rief schließlich der Kuckuck. Nun fasste Walter Sage zusammen: „Insgesamt haben wir heute 29 Arten beobachtet“. Erfreulich sei, dass recht viele Amseln dabei gewesen seien, die sich augenscheinlich von der „Amselsterben“ genannten Epidemie erholt hätten. Leider habe man auf dem Weg jedoch wenig Insekten gesehen. „Früher hat es hier vor Insekten gebrummt“, so der Experte.
Ein Dank galt zum Abschluss dem Exkursionsleiter Walter Sage für seine informativen und interessanten Erläuterungen. 

-nb


Hitzenauer Bach: Salamander vor dem Ende?

Große Schädigung im Bachbett – Naturschützer fordern endlich wirkungsvolle Maßnahmen 
Simbach. Eine der wirklich seltenen Amphibienarten, der Feuersalamander, wird jetzt nun schon im vierten Jahr in Folge im Hitzenauer Bach dem Untergang näher gebracht. Dies ist ebenfalls die Auffassung der Bund-Naturschutz-Aktiven in Simbach. Sei es nämlich im Juni 2016 das extreme Hochwasser gewesen, das den gesamten Larvenbestand und damit die Nachkommen für die damalige Saison vernichtete, war es im Jahr darauf eine chemische Verschmutzung bei den unsachgemäß durchgeführten Reparaturarbeiten am Betonbett oberhalb des Hitzenauer Bachs, die alle Larven abtötete und deren Verursacher nicht ermittelt wurden. Und im Jahre 2018 führte die langanhaltende Trockenheit im Hitzenauer Bach dazu, dass wenig Wasser floss, und das auch noch meist unterirdisch, da das Bachbett nach dem Hochwasser 2016 noch nicht instand gesetzt wurde. Und nun seien es in diesem Jahr die schweren Forstgeräte gewesen, die durch das Bachbett fuhren und den Bestand erneut extrem bedroht hatten.
Und so fragen sich die Naturschützer, ob die Auslöschung des Salamander-Bestandes dort nun in die letzte und vielleicht entscheidende Runde gehe. Denn während der Ausfall einer Saison noch gut verkraftet werde, so seien drei Ausfälle hintereinander für den Salamander-Bestand durchaus existenzbedrohend.
Was war jetzt geschehen? – Mitten in der Laich-Saison, also in der Zeit, in der sich die Weibchen am Bach zum Absetzen der Larven einfinden, wurden die ufernahen Bereiche mit schweren Forstgeräten befahren und dabei Dutzende von Weibchen zerquetscht. Da sich die Tiere bei trockenem Wetter in Ufernähe unter der Vegetation und unter Laub etc. aufhalten, geschah dies leise, ohne dass dies jemand bemerkt habe.
Beim Bund Naturschutz ist man der Meinung, dass hier mit Unwissenheit und Ignoranz ohne Rücksicht auf den durch die vorherigen Katastrophen schon extrem geschädigten Lebensraum forstliche Arbeiten durchgeführt worden seien. Auch werde sich dadurch das ohnehin mit enormer Geschwindigkeit voranschreitende Artensterben überall im Naturhaushalt durch derartige Aktionen weiter beschleunigen.
Eine Anzeige wurde mittlerweile erstattet. Die BN-Aktiven fordern nun, dass es spätestens im kommenden Winter allerhöchste Zeit sei, dass etwas Wirkungsvolles für diese im Hitzenauer Bach vielleicht gerade noch bestehende allerletzte Rest-Population der Salamander gemacht werde. Zum einen müsse das Leitsystem wieder hergestellt werden, zum anderen müsse das Bachbett wieder amphibiengerecht mit Mäandern und Nebengewässern gestaltet werden. Der Bund Naturschutz hofft, dass es dafür nicht zu spät ist, zumal die Salamander ja auch noch vielen anderen Gefahren ausgesetzt wären, die man lokal nicht beeinflussen könne, wie zum Beispiel einer sich ausbreitenden tödlichen Pilzkrankheit.   –wh


Die Bedeutung fruchtbaren Bodens in Zeiten des Klimawandels

Biobauer Sepp Braun referierte über fruchtbare Böden

Pfarrkirchen. Kürzlich hielt Biobauer Sepp Braun einen fesselnden Vortrag über die Notwendigkeit von lebendigen Böden in der Landwirtschaft. Die von der BUND Naturschutz Kreisgruppe Rottal-Inn, in Kooperation mit  der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und der Katholischen Erwachsenenbildung Rottal-Inn Salzach organisierte Veranstaltung war mit über 100 Teilnehmern sehr gut besucht. Unter den Gästen befanden sich auch viele Landwirte.

Zur Einführung wies 1. Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Dr. Jürgen Riedler auf naturgeographische Besonderheiten und landwirtschaftliche Kennzahlen des Landkreises hin. Hier seien einige genannt: 84 Prozent der Fläche werden land- und forstwirtschaftlich bewirtschaftet. Der Landkreis Rottal-Inn zähle laut Bodenerosionsatlas des Landesamts für Landwirtschaft zu den Hochrisikogebieten für Bodenerosion in Bayern.  Mit 25.000 Hektar Anbaufläche sei unser Landkreis zugleich bundesweites Schwerpunktgebiet für  den Maisanbau. Lediglich 4% der landwirtschaftlichen Nutzfläche seien momentan ökologisch bewirtschaftet. Dr. Riedler stellte dann den Referenten Sepp Braun als den „Bauern mit den Regenwürmern“ vor. Boden und Pflanzen, Mensch und Tier, Natur und Klima - nichts betrachte er isoliert, alles sei für ihn verbunden und gehöre zusammen.  Er bewirtschafte seinen Hof seit 1988 nach den organisch-biologischen Richtlinien von Bioland.

Der Bio-Landwirt begann seinen Vortrag mit den Worten: „Wir müssen dringend aufhören, die Erde kaputt zu machen“. Damit wolle er ausdrücklich keinen Vorwurf an einzelne Landwirte machen. Die Agrarpolitik mit ihrer Internationalisierung sowie die Agrarwissenschaft seien jedoch gescheitert. Mit dem Ökolandbau reagiere er auch auf Naturkatastrophen und Klimawandel.

Dann fasste der Experte die 3 Säulen der Bodenfruchtbarkeit zusammen: Bodenphysik, Bodenchemie, Bodenbiologie

Bodenphysik: Um Ertragseinbußen durch Bodenverdichtung durch zu schwere Maschinen zu vermeiden, sollte die Achslast höchstens 5 t pro Achse betragen und der Luftdruck der Reifen unter 0,8 bar bleiben. Regenwürmer bohrten 2 Meter tiefe Röhrchen in den Boden, sodass auch bei Hochwasser der gesunde Boden wie ein Sieb funktioniere.

Bodenchemie: Die Mineralgehalte des Gemüses seien in den letzten Jahrzehnten dramatisch gesunken; dies sei auch ein Grund für Krankheiten und Allergien. Wir sollten uns nicht auf die chemische Industrie verlassen und mittelfristig nur noch Nährstoffe in die Umwelt bringen, die natürlich abgebaut werden können.  Regenwürmer fungierten dabei als „Düngemittelfabrik“: 80 Tonnen Regenwurmkot entsprechen 280 Kg Stickstoff ha/Jahr.

Bodenbiologie: Da dieser Bereich leider von der Forschung vollständig vernachlässigt werde, habe der Bodenkenner eine Stiftung gegründet, mit der unabhängige „bäuerliche Forschung“ möglich werde. Die Symbiose zwischen Boden und Pflanze sei extrem  komplex, das Zusammenspiel von Pilzen und Enzymen nahezu unbekannt. Ein Beispiel: Blumenwiesen seien nicht nur für Bienen gut, sondern regelrechte „Medizin“ für Tiere. Spitzwegerich habe z.B. einen hohen Antibiotikagehalt.  „Die Natur ist wesentlich intelligenter als unsere Chemie“, so Braun. Gülle solle vor dem Aufbringen als „flüssiger Kompost“ aufbereitet werden und nicht wie bisher als eine den Boden verschließende „Salzsuppe“ eingebracht werden.

Außerdem würden fruchtbare Böden wesentlich mehr CO2 speichern und seien somit eine Antwort auf den Klimawandel. Sie seien auch notwendig, um Hochwasserkatastrophen zu verhindern: Böden mit hohem Humusgehalt und vielen Regenwürmern können Auswaschungen hemmen und 170 Liter pro Kubikmeter und Stunde aufnehmen. Um Wasserkreisläufe zu stabilisieren, seien auch Aufforstungen hilfreich.

Eine Alternative zu Mais sei Kleegras: Dieses sei in der Gesamtleistung mindestens so effizient bei deutlich mehr Nachhaltigkeit.

Zuletzt betonte der Referent die Wichtigkeit, Humus konsequent aufzubauen und uraltes Bauernwissen wieder zu entdecken und zu nutzen. Der Bioland-Bauer machte Mut, Gewohnheiten zu überdenken, um die Verantwortung für die nächsten Generationen, aber auch für Wild- und Nutztiere zu übernehmen. Sepp Braun schloss mit den Worten: „Wir haben alle Möglichkeiten, die Zerstörungen der letzten 60 Jahre rückgängig zu machen. Aber wir müssen endlich damit anfangen.“

Zuletzt fand eine rege Diskussion rund um die Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft, Agrarforschung und Klimawandel statt.    -nb


Drei Jahrzehnte für die Umwelt engagiert

Bund-Naturschutz Arnstorf feierte Jubiläum – Große Baumpflanz-Aktion mit der Marktgemeinde

Arnstorf. Zeitgleich zur Feier des 30-jährigen Bestehens der Ortsgruppe „Kollbachtal“ des Bund Naturschutz konnte die BN-Ortsvorsitzende Katrin Veicht gleich ein besonders positives Ereignis verzeichnen. Denn zusammen mit der Marktgemeinde Arnstorf konnten die aktiven Naturschutz-Mitglieder nämlich auf einem im Besitz der Gemeinde befindlichen und rund 11.000 Quadratmeter großen Südhang-Grundstück 30 junge Bäume pflanzen. Das Ganze soll sich später zu einer Streuobstwiese entwickeln, auf der keine Düngung ausgebracht werden wird. Mit Expertenhilfe ausgewählt wurden Jungbäume der Wildbirnen, Äpfel, Saalweiden, Vogelkirschen, Mispeln, Vogelbeeren sowie auch Zwetschgen, Süßkirschen und Sauerkirschen, wobei auf unterschiedliche Blüh-Zeitpunkte geachtet wurde, um für Insekten eine länger anhaltende Nahrungsquelle darzustellen.

Rund 1000 Euro hat die BN-Ortsgruppe für die Jungbäume ausgegeben. Die Marktgemeinde hat das Grundstück, das gleichzeitig als ökologische Ausgleichsfläche dient, zur Verfügung gestellt und steuert zusätzlich die Schutzmaßnahmen für die Bepflanzung bei wie zum Beispiel Pfosten-Rundhölzer zur fachgerechten Stützung oder das Drahtgeflecht gegen Wühlmäuse.

Anlässlich einer kleinen Feierstunde vor der Bepflanzung auf dem Gelände des örtlichen Reit-und Fahrvereins begrüßte Ortsgruppen-Vorsitzende Katrin Veicht zunächst den ersten Bürgermeister Alfons Sittinger, die stellvertretende Bürgermeisterin Maria Bellmann, den Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzenden Dr. Jürgen Riedler sowie die zahlreichen Helfer und Organisatoren beim BN, darunter insbesondere Maria Watzl, die auch seit 2013 die „Umweltbande“ (Jugendgruppe der OG) leitet. Franz Meindl, 1. Vorsi der BN OG Dgf/Landau mit Kolleginnen und Kollegen, Mitglieder des Arnstorfer Obst- und Gartenbauvereins und Ludwig Stadlthanner vom LPV sowie Stefanie Siebengartner, die das Layout für das Chronikbuch gestaltet hatte. Sie dankte allen, die zum Gelingen dieser Aktion beigetragen hatten, insbesondere der Marktgemeinde und allen Ehrenamtlichen, die die Vorbereitungsarbeiten begleitet haben. Sie stellte auch ein Chronikbuch vor, das mit vielen Illustrationen die 30-jährige Geschichte der BN-Ortsgruppe zeigt. Sowohl vom Bürgermeister Alfons Sittinger wie auch von Dr. Jürgen Riedler und vom Vorsitzenden der benachbarten BN-Ortsgruppe Dingolfing-Landau, Franz Meindl, erhielt Katrin Veicht Glückwunsch- und Dankes-Präsente überreicht.

Bürgermeister Alfons Sittinger überbrachte die Grüße der Gemeinde und gratulierte zum Jubiläum: „Sie haben in den 30 Jahren des Bestehens ihrer Naturschutz-Ortsgruppe viel geleistet und sie tun es heute noch. Zum Beispiel kümmern sie sich um das Biotop in Jägerndorf, sie betreiben regelmäßig den Schutz von Amphibien und nicht zuletzt sind sie in der Jugendarbeit aktiv, was uns besonders freut. Zu würdigen ist die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde, die ihrerseits ebenfalls dem Umwelt- und Naturschutz eine hohe Priorität einräumt, beispielsweise durch das Anlegen von Blühstreifen. Ich danke allen Aktiven beim BN für die Zusammenarbeit und wünsche der Ortsgruppe weiterhin alles Gute.“

Für die BN-Kreisgruppe freute sich deren Vorsitzender Dr. Jürgen Riedler, dass diese Jubiläumsfeier zustande gekommen sei: „Der Bund Naturschutz hat in Bayern 230.000 Mitglieder, doch äußerst wichtig sind dabei die Ortsgruppen, die direlt in der Fläche und in den Gemeinden arbeiten und damit den Naturschutz in das Land hinaus tragen. Neben dem wichtigen Ereignis des unlängst erfolgreich abgeschlossenen Volksbegehrens tragen auch Aktionen wie diese hier zu einer weiteren Verbesserung des Schutzes unserer Umwelt bei. Ich danke allen Aktiven für die beispielhafte Arbeit, die geleistet wurde und die noch erbracht werden wird und wünsche auch im Namen der ganzen Kreisgruppe für die jetzt beginnenden, nächsten 30 Jahre viel Erfolg und alles Gute.“

Anschließend wurde die Bepflanzung vorgenommen, wobei sich viele Helfer betätigten. Auch die Kinder- und Jugendgruppe war eifrig mit dabei und kümmerte sich vor allem eifrig um die erste Bewässerung der frisch eingepflanzten Bäume. Für diesen Zweck hatte der gemeindliche Bauhof eigens einen großen Wasserbehälter auf die Pflanzfläche gebracht. Den ersten Baum, eine Kirsche, pflanzten Bürgermeister Alfons Sittinger und die BN-Ortsgruppen-Vorsitzende Katrin Veicht unter dem Beifall der zahlreichen Festgäste. Beide hofften, dass sich die Bäume gut entwickeln und der vom Ortskern der Gemeinde aus gut sichtbaren Fläche eine ökologisch wertvolle Bedeutung geben können.

Im Anschluss an die Pflanz-Maßnahme gab es noch auf dem Gelände des Reit- und Fahrvereins für alle anwesenden Festgäste ein gemütliches Beisammensein mit einem Imbiss.  -wh


Konsumverzicht ist am nachhaltigsten

Siegfried Altmannsberger Abfallwirtschaftsverband Isar-Inn referierte über Müll und Müllvermeidung

Pfarrkirchen. Der von der BUND Naturschutz-Ortsgruppe Ende März organisierte Vortrag im Restaurant-Pizzeria Fiume zum Thema Müll wurde von zahlreichen Mitgliedern und „müllbewussten“ Gästen besucht.
Zunächst fasste der Vorsitzende Karl-Heinz Steiner in einer kurzen Mitgliederversammlung die Aktivitäten 2018 der BUND Naturschutz-Ortsgruppe zusammen. Insgesamt konnten mit den durchgeführten öffentlichen Veranstaltungen mehr als 200 Teilnehmer erreicht werden.
Speziell erwähnt wurde vom stellv. Vorsitzenden Erhard Scheffel die über die Jahre stetige Abnahme der Anzahl von Erdkröten am Amphibienzaun in Gehring. Von ihm wurde auch die schwierige Umsetzung von naturnah gestalteten Flächen in neuen Baugebieten beschrieben. Er wies darauf hin, dass der Artenschwund auch auf die mangelnde Begrünung in Neubau- und Gewerbegebieten zurückzuführen sei.
Die Finanzsituation der Ortsgruppe beleuchtete Kassier Norbert Riedel. Er betonte, dass die Ortsgruppe zur Erfüllung ihrer Aufgaben im Wesentlichen auf Spenden angewiesen sei, da sie über keine eigenen Einnahmen verfüge.
Danach referierte Siegfried Altmannsberger (Abfallwirtschaftsverband Isar-Inn) über die Wege, die der sortierte Müll nimmt. Zuerst wurde der AWV Isar-Inn, der öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger der Landkreise Dingolfing-Landau und Rottal-Inn, vorgestellt. Dieser entsorge den Hausmüll von über 216.000 Einwohnern über ein „Holsystem“ (3-Tonnen-System) und ein „Bringsystem“ (Wertstoffhöfe). Der Referent erläuterte die Wertstoffkreisläufe und informierte über Kunststoffrecycling, feinsten Plastikmüll, Müllvermeidung und –entsorgung.
Der Experte gab zahlreiche praktische Tipps, wie jeder Einzelne dazu beitragen könne, verantwortlich mit Abfall umzugehen. Einige seien hier erwähnt.
Biomüll: es sei wichtig, keine Kunststoffabfälle in die Biotonne geraten zu lassen, sondern den Biomüll lose, in Papiertüten oder in speziellen, abbaubaren Biomüllsäcken in die Tonne zu geben. Denn Plastik in Bioabfall könne nicht zu 100% aussortiert werden und gelange somit als Mikroplastik in die kompostierte Erde und somit in unsere Nahrung und unseren Körper.
Papier: Altpapier kann bis zu 7-mal recycelt werden; dadurch spare man Holz und reduziere den Frischwasserverbrauch. Beim Kauf von Heften und ähnlichem sollte auf das Siegel „Blauer Engel“ geachtet werden; es sei das Einzige, das 100% Altpapier garantiere.
Altglas: Durch Recycling spare man CO2 und Rohstoffe. Wichtig sei die Trennung nach Farben, da gemischtes Farbglas auf dem Markt keinen Wert habe.
Elektronikschrott: kann kostenlos in den Wertstoffhöfen der Städte und Märkte abgegeben werden. Elektrogeräte nicht gleich wegwerfen sondern reparieren lassen und wiederverwenden. Batterien und Akkus wenn möglich vor der Entsorgung ausbauen. Geräte nicht an unbekannte Sammler abgeben, da der Schrott dann möglicherweise in Afrika entsorgt werde.
Kunststoff: Mehrweg statt Einweg. Trinkwasser aus der Leitung, nicht aus Plastikflaschen.
Mikroplastik: als Mikroplastik werden Kunststoffe bezeichnet, die kleiner als 5 mm sind. Davon gebe es 3 Typen. Typ A wird gezielt hergestellt, wie z.B. für Kosmetikprodukte. Diese seien gut durch abbaubare Stoffe ersetzbar. Typ B entstehe in der Nutzungsphase. Dazu gehörten aus dem Verkehrsbereich der Reifenabrieb oder Abrieb des Bitumens im Asphalt, die die größte Menge an Mikroplastik verursachen. Der dritte Typ, das sogenannte „sekundäre Mikroplastik“ entstehe durch Verwitterung und Fragmentierung von größeren Kunststoffteilen. Zu 35 % gelange das Mikroplastik über den Klärschlamm zurück in die Umwelt.
Die Sammlung und Verwertung von 5 kg Kunststoffmüll entspreche durchschnittlich einer Einsparung von 5 Liter Diesel oder Benzin. Ein einziger Flug nach USA erzeuge jedoch pro Person einen Konsum von 520 Liter Treibstoff. Diese Menge entspreche der Kunststoffsammlung einer 4-köpfigen Familie in 26 Jahren. Im Jahr 2018 seien weltweit ganze 4,1 Milliarden Menschen in ein Flugzeug gestiegen.
Somit bat der Referent um Abwägung, welches Verhalten am ökologisch sinnvollsten sei. Nur ein winziger Teil der von uns ausgelösten Umweltbelastung hänge mit dem Abfall zusammen. Es sei beispielsweise nicht nachhaltig, wegen weniger Joghurtbecher häufig mit dem SUV zum Wertstoffhof zu fahren oder im Winter Tafeltrauben aus Südafrika zu kaufen. Hier sei der Abfall weniger problematisch als das Konsumverhalten. „Konsumverzicht ist in manchen Fällen wirksamer als Abfallvermeidung“, so Siegfried Altmannsberger.
Zuletzt wurde über das neue Verpackungsgesetz, das seit 01.01.2019 höhere Recyclingquoten vorsieht und über die Einführung der Gelben Tonne oder den Gelben Sack referiert. Für weitere Hinweise über umweltbewusstes Konsumverhalten empfahl Herr Altmannsberger die Webseite des Rats für Nachhaltige Entwicklung (RNE) www.nachhaltiger-warenkorb.de


Steinkohle für uns – auf Kosten anderer

Eggenfelden. Eine sehr aufschlussreiche Filmvorführung hatte die Kreisgruppe in Zusammenarbeit mit der katholischen Erwachsenenbildung Rottal-Inn-Salzach am Gymnasium Eggenfelden organisiert: gezeigt wurde der Film „La buena vida – das gute Leben“ von Regisseur Professor Jens Schanze. Er zeigt, welche Auswirkungen der Steinkohle-Abbau, der unter anderem auch für uns bestimmt ist, in Kolumbien auf die dortige Bevölkerung hat und welcher Raubbau dort an der Natur geschieht.
In dem Film wird dargestellt, wie in unendlichem Dialog dort die umzusiedelnden Einwohner in ihren kleinen Dörfern um ihr bisschen Hab und Gut und gegen den Konzern Cerrejon kämpfen, weil an ihrem Wohnort der Steinkohle-Abbau erfolgen soll. Zwar erhielten die Einwohner ein neues Dorf weiter weg, es schien modern, aber passt überhaupt nicht zum gewohnten Lebens-Umfeld der Menschen. Auch hatten (und haben Sie heute noch) Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung und können auch keinen Ackerbau in ihrem Sinne betreiben. Die Kohle-Firma Cerrejon kümmert sich nicht um sie.
In der abschließenden Diskussion nach dem Film erläuterte Professor Jens Schanze die Aufnahmebedingungen vor Ort. Er machte deutlich, dass unser gutes Leben hier letztlich auch zulasten der Einwohner im fernen Kolumbien und zulasten der dortigen Natur geht. Sein Appell zum Schluss: „Es liegt an uns, an unserer Gesellschaft und an unseren Lebens-Erwartungen, wie wir in solchen Gebieten die Bedingungen für Mensch und Umwelt etwas verbessern könnten. Das würde bedeuten: Verzicht. Aber leider lasse unser kapitalistisches System es wohl schwerlich zu, hier etwas rasch zu verändern. Nur der Einzelne kann in kleinen Schritten in seinem eigenen Bereich beginnen, Verbesserungen wenigstens anzufangen.


Widerstand gegen Hähnchenmastanlage in Massing

Massing. Der BUND Naturschutz richtet massiven Widerstand gegen den Bau einer gewerblichen Hähnchenmastanlage mit insgesamt 75 000 Mastplätzen in Schusteröd bei Massing. Geplant sind drei große Mastställe für jeweils 25 000 Tiere im Außenbereich. Mit der geplanten Anlage in Schusteröd, einer derzeit im Bau befindlichen Anlage in Geratsdorf bei Massing und einem weiteren Projekt in Thann, Gemeinde Niedertaufkirchen, sollen in sieben Einzelställen vorerst  insgesamt 175 000 Mastplätze entstehen. Damit versucht die Geflügelschlächterei Groß, sich von Zulieferern unabhängig zu machen.

Da für das Vorhaben in Schusteröd keine landwirtschaftliche Privilegierung besteht und somit eine baurechtliche Genehmigung der Anlage nicht möglich wäre, müsste die Gemeinde über die Ausweisung eines gewerblichen Sondergebietes in Schusteröd entscheiden. Das Baugesetzbuch sieht dazu vor, dass im Einzelfall Baumaßnahmen im Außenbereich zugelassen werden können, wenn dadurch öffentliche Belange nicht beeinträchtig werden und die Erschließung gesichert ist. Das jedoch sieht der BUND Naturschutz nicht gewährleistet. Gewichtige Argumente gegen die Planung seien im Wesentlichen das Hervorrufen schädlicher Umwelteinwirkungen (Geruch, Feinstaub, Bioaerosole mit multiresistenten Keimen), des Brandschutzes, Belange des Pflanzen- und Tierschutzes, z. B. Schutz der im Gebiet vorkommenden Kiebitze und Feldlerchen, sowie des Landschafts-, Wasser- und Bodenschutzes. Ackerböden mit höchster Bonität wären für immer verloren.

Völlig unklar sei auch die geforderte Lagerung und Verwertung des anfallenden Tierkotes. Befinde sich doch das Gemeindegebiet von Massing hinsichtlich der Nitratbelastung im „roten Gebiet“. Das bedeutet laut Aussage des Erzeugerrings für Pflanzenbau in Niederbayern, dass rund 1/3 mehr Gülle erzeugt werde, als gesetzlich erlaubt. Im Zuge der neuen Düngeverordnung komme es jetzt bereits zu einem „Gülletourismus“, bei dem auch aus dem Raum Massing Gülle mit Tankzügen bis in den Gäuboden transportiert und dort auf Ackerflächen ausgebracht wird.Auch sei die Erschießung des neuen Sondergebietes in Schusteröd in keiner Weise gesichert. Die Gemeindestraße ist nicht für den zu erwartenden Schwerverkehr ausgelegt, es gebe keine gemeindliche Wasserversorgung und keinen Abwasserkanal.

Sehr ernst nimmt der BN auch die Sorgen der Landwirte. Da Immissionen kontingentiert sind, wären zukünftige landwirtschaftliche Betriebserweiterungen erschwert oder unmöglich. Außerdem würde langfristig der Absatzmarkt für die bereits bestehenden landwirtschaftlich privilegierten Masthähnchenställe wegbrechen.

Und dann steht da auch noch das Gespenst einer Übernahme der Geflügelschlächterei Groß durch einen der großen Fleischkonzerne am Horizont. Bekanntermaßen gab es bereits drei entsprechende Angebote. Die landwirtschaftlichen Zulieferer hätten es anschließend aber nicht mehr mit einem einheimischen Unternehmer, sondern mit den Rechtsanwälten eines Großkonzerns zu tun.

In einer öffentlichen Sitzung des Bau- und Umweltausschusses am Mittwoch, 27. März 2019 um 16:00 Uhr im Rathaussaal soll nun zunächst der Bebauungsplan Schusteröd mit der geplanten Hähnchenmastanlage vorgestellt und beraten werden. Die Abstimmung des Marktrates über die Zulassung der Bauleitplanung könnte dann bereits bei der nächsten Marktratssitzung am 4. April stattfinden. Der Gesetzgeber räumt dabei der Abstimmung des Marktrates hohes Gewicht ein. Sollte der Marktrat gegen das gewerbliche Sondergebiet in Schusteröd stimmen, wäre damit auch die Hähnchenmastanlage vom Tisch. Im Gegensatz zur Privilegierung der Landwirtschaft haben gewerbliche Betreiber nämlich kein Recht auf Genehmigung.

Der BUND Naturschutz appelliert daher an die Markträte, dem Schutz des Außenbereiches, und damit dem Gemeinwohl ein höheres Gewicht beizumessen als den rein wirtschaftlichen Interessen eines Investors. Sie stünden damit in guter Tradition ihrer Vorgänger, die vor 50 Jahren in kluger Voraussicht eine Brandübung der Feuerwehr verhinderten und mit dem alten Bauernhaus aus Schusteröd den Grundstock für ein überregional bedeutsames Freilichtmuseum legten.


Mitarbeiter/in gesucht für die Geschäftsstelle

Gesucht wird:

Sachbearbeiter/in  zur Unterstützung der Geschäftsführung der BN-Kreisgruppe Rottal-Inn

Der Bund Naturschutz ist mit 230.000 Mitgliedern und Förderern – davon  1.700 im Landkreis Rottal-Inn – der größte Natur- und Umweltschutzverband in Bayern. Als starker, von öffentlichen Geldern unabhängiger Verband können wir uns nachhaltig für den Naturschutz einsetzen.

Zur Unterstützung der Geschäftsführung braucht die BN-Kreisgruppe Rottal-Inn für 10 Stunden in der Woche eine Sachbearbeiterin oder einen Sachbearbeiter, die bzw. der folgende Aufgaben übernimmt:

-          Post Ein- und Ausgang,

-          Telefondienst, Auskunft,

-          Betreuung von Besuchern, Ausgabe von Info-Material,

-          Bearbeitung der Post,

-          Ablage, Aktenführung,

-          Führung Bargeldkasse, Einkauf Büromaterial,

-          Mitgliederverwaltung,-betreuung,

-          Organisatorische und inhaltliche Betreuung der Haus- und Straßensammlung,

-          Organisatorische Betreuung der Ortsgruppen,

-          Organisatorische Unterstützung von Veranstaltungen (Veranstaltungslokal, Ausstellungseinrichtung, Infostand-Aufbau, etc.), Biotoppflegemaßnahmen, Artenschutzmaßnahmen, sowie von naturpädagogischen Aktionen,

-          Mitarbeit  bei Kreisgruppenpublikationen.

Geplant ist, dass die 10 Wochenstunden an 5 Arbeitstagen zu jeweils 2 Stunden oder an 4 Arbeitstagen zu jeweils 2 ½ Stunden erbracht werden.

Identifikation mit den Zielen des BUND Naturschutz ist vorausgesetzt.

Die Stelle ist zunächst auf zwei Jahre befristet und wird nach Haustarif des BUND Naturschutz in Bayern e.V. mit Vergütungsgruppe 2, Entgeltgruppe 6 TVÖD vergütet.

Ihre aussagekräftige Bewerbung richten Sie bitte bis zum 28.02.2019 an

Bund Naturschutz in Bayern e.V.
Kreisgruppe Rottal-Inn
Postfach 1122
84341 Pfarrkirchen

oder

bn-rottal-inn@t-online,de


Die Biene, ein politisches Tier

Gedanken eines Imkers zum Insektensterben - Vortrag des Demeter-Berufsimkers Günter Friedmann

Eggenfelden. Vor rund 170 Zuhörern im Stadtsaal  hielt Berufsimker Günter Friedmann kürzlich einen Vortrag zum Thema “Die Biene ein politisches Tier-Gedanken eines Imkers zum Insektensterben“. Unter den Teilnehmern waren sowohl Politiker als auch viele Imker und Landwirte. Die Veranstaltung war von der BUND Naturschutz Kreisgruppe Rottal-Inn in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung Rottal-Inn-Salzach organisiert worden.
„Wenn wir die biologische Vielfalt nicht erhalten, zerstören wir unsere Zukunft. Gerade Bienen und anderer Wildbestäuber spielen hier eine zentrale Rolle . Aufgrund des Volksbegehrens „Artenvielfalt- Rettet die Bienen“ sei gerade jetzt das Thema hochaktuell“ ,so Dr. Jürgen Riedler, Erster Vorsitzender der BN Kreisgruppe Rottal-Inn, in seiner Begrüßung.  Er betonte die Wichtigkeit sich in seiner jeweiligen Heimatgemeinde bis zum 13.02.19 für das Volksbegehren  einzutragen. Der Referent sei Demeter-Berufsimker mit fast 40 Jahren Berufserfahrung und einer der Pioniere der ökologischen Imkerei. In Süddeutschland betreibe er erfolgreich die weltweit größte Demeter-Imkerei mit über 500 Bienenvölkern.
Seinen Vortrag begann Günter Friedmann mit einer Warnung: „Insekten sterben still und leise. Man merkt es erst, wenn es zu spät ist. Momentan befinden wir uns mittendrin in einem dramatischen Verlust der Artenvielfalt.“ Das Thema Bienensterben habe vor ca. 10 Jahren besondere Relevanz erlangt. Dazu beigetragen habe die Tatsache, dass „die Biene ans Herz gehe“, aber auch der Dokumentarfilm „More than honey“.
Zunächst wurde geklärt, dass es bei dem Thema Insektensterben um wesentlich mehr ginge als um die Honigbiene. Sie sei aber ein wichtiger Indikator für den Zustand der Natur. Ihre Verfassung zeige auf einfache Weise hochkomplexe Zusammenhänge, die man ansonsten nur schwierig darstellen könne.
Der Umgang mit Bienen sei  symptomatisch für unseren Umgang mit der Umwelt und deshalb eine politische Angelegenheit. Denn die Bienen lebten in der freien Natur und spiegelten den Zustand der Landschaft.
Um die Honigbiene mache er sich weniger Sorgen, stellte Friedmann klar; denn diese hätte als Nutztier ihre Unterstützer durch die Imker. Gravierender sei die Situation  bei den wildlebenden  Insekten wie Schmetterlingen und Wildbienen,,zu denen auch die Hummeln gehören, die neben der Honigbiene enorm wichtige Bestäubungsleistungen erbringen und für die Stabilisierung blütenreicher Ökosysteme eine Schlüsselrolle innehätten.
Um Lösungsansätze zu finden, müsse man zunächst die Ursachen des Insektensterbens ergründen. Der Referent betonte, dass es ihm sehr wichtig sei, nicht den Landwirten die Schuld zuzuschieben. Letztendlich müsse man das ganze System verändern, um die Lage zu verbessern woran wir alle durch unsere Konsum-und Lebensweise beitragen können.
Dann widmete er sich der Ernährung von Honigbienen. Jedes Bienenvolk müsse im Jahr 30 bis 40 Kg Blütenpollen und bis zu 300 Kg Nektar und Honigtau von Blumen und Bäumen einsammeln um überleben zu können. Als effektiver Generalist fliege die Honigbiene bis zu 10 Km und decke somit eine Fläche von fast 100 Quadratmetern ab, um ihren Nahrungsbedarf zu stillen. Der von den Imkern zugeführte Zucker helfe ihnen, den Winter zu überleben. Heute würde Bienen wesentlich mehr zugefüttert als noch vor 30 Jahren. Tatsächlich  seien sie heute  quantitativ und qualitativ mangelernährt.  „Ohne  die  große Zuckerzufütterung  gäbe es heute keine Imkerei mehr“, so der Referent.  Der Imker sei immer in der Lage abzulesen, ob die Vorräte ausreichend sind oder nicht und hätte somit auch die politische Verantwortung, sein Wissen weiterzugeben.
Die Intensivlandwirtschaft habe Auswirkungen auf die Blühwelt und die Insekten. Der Einsatz von Insektiziden und Herbiziden, Intensivierung und Mechanisierung der Landwirtschaft, blütenlose Monokulturen, Silagewirtschaft und  die Gewinnung von Energie aus Biogasanlagen seien hier die Schlagworte.
Die Agrartechniken hätten sich in den letzten 50 Jahren komplett verändert. Seitdem greife der Mensch massiv und selektiv in Ökosysteme ein, um Nutzpflanzen zu fördern und Beikraut („Unkraut“) zu eliminieren. Etwa um das Jahr 2000 fiel auch die Blütenvielfalt auf den Wiesen der modernen Landwirtschaft zum Opfer. Der Siegeszug der Silage habe aus ökonomischen Gründen die traditionelle Heuwirtschaft abgelöst und  dazu geführt, dass Wiesen inzwischen fünf- bis siebenmal im Jahr vor der Blüte gemäht würden. Maschineneinsatz in atemberaubendem Tempo über Wiesen einer einzigen Gemarkung lässt schlagartig die Nahrungsquellen der Bienen verschwinden. „Das ist regelmäßig ein Schock  für die Insekten. Sie können nicht mehr ausweichen und finden keinen Nahrung mehr“. so Friedmann. Aber auch direkt können Honig-und Wildbienen in großer Zahl beim Mähvorgang geschädigt werden: wird eine blühende Wiese am Tag bei intensivem Insektenflug mit hoher Geschwindigkeit gemäht können bis zu 30.000 Bienen pro Hektar eliminiert werden, das entspreche der Zahl eines ganzen Bienenvolkes, so der Referent.
Ein anderes großes Problem seien die Biogasanlagen. „Da kann man nur  mehr schwer imkern“, so Friedmann.  Denn wo flächendeckend Biogasanlagen seien, gebe es eine  große Maisdominanz und kaum mehr Blühwiesen. Mais sei eine unschlagbare Energiepflanze,  für Bienen  jedoch  wegen fehlendem Nektar und minderwertiger Pollenproduktion völlig uninteressant und  zudem toxisch, da das Saatgut im Maisanbau intensiv mit Neonicotinoiden gebeizt werde. Auch Sonnenblumenfelder nutzen den Bienen nicht mehr: die heutigen Hochleistungssorten hätten ihre Nektarbildung verloren.
Seit Tausenden von Jahren sei die Biene gewöhnt, genug Pollen in ihrem Umfeld zu finden und sich selbst zu ernähren. Dazu brauche sie Blühpflanzen. Der Sommer sei inzwischen nicht mehr bunt sondern verdächtig grün geworden; „Wir erleben heute Grünlandgebiete die mehrmals im Jahr einer riesigen Golfanlage gleichen“ so Günter Friedmann. Dabei bräuchten Bienen bunte Sommer: rot wie Mohn, blau wie Kornblumen, gelb wie Hederich.
Der Ökolandbau sei ein wesentlicher Bestandteil der Lösung für die Zukunft. Allerdings befinde sich auch dieser inzwischen in der Intensivierung .
Die Lösungsansätze für das Bienensterben seien vielfältig genauso wie die Ursachen, die nicht nur im Bereich der Landwirtschaft zu finden seien. Einige Kernforderungen von seiten der Imkerei: Weniger Monokulturen. Mehr Biogas aus Blühflächen. Extensivierung der Landwirtschaft und Biotopvernetzung. Umweltbewusster Einsatz von Agrarsubventionen. Einschränkung der Insektizide und Herbizide. Änderung der Mähtechniken. Weniger Lichtverschmutzung. Große Blühhabitate anstatt von Blühstreifen. Beikraut auf den Feldern. Mehr Brachflächen. „Es muss einfach mehr blühen, vor allem in den Sommermonaten. Unsere Bienen brauchen für Ihre Gesundheit in den Monaten  ohne „r“ am Schluß ein Trachtfließband aus  abwechlungsreichen, ununterbrochenen Pollen- und Nektarquellen am besten  aus verschieden Blühpflanzen. Momentan ist es leider so , daß die Bienen in den Sommermonaten nach der Rapsblüte an vielen Standorten Hunger leiden müssen oder nur sehr einseitige Nahrung finden“, so der Experte.
Außerdem könne jeder mit seinem eigenen Verhalten politisch tätig werden  durch Einkauf von regionalen und saisonalen Produkten am besten aus dem Ökoanbau.  Biodiversität und gute Qualität bei Nahrungsmitteln seien nicht zum Nulltarif zu haben. Gartenbesitzer sollten nicht so oft Rasen mähen und zumindest auf einem Teil des Gartens eine Wiese mit heimischen Wildblumen wachsen lassen. „Wir brauchen mehr Mut zu Wildnis. Mähroboter und Einsatz von Pestiziden  sind ein absolutes NO GO im Privatgarten, den  man kann nicht einerseits auf die Landwirtschaft  schimpfen und andererseits mit Glyphosat im Hausgarten den letzten Löwenzahn aus der Pflasterfuge totspritzen“.
Der Referent nahm zuletzt auch Stellung zum aktuellen Volksbegehren. Dieses habe als politische Antwort auf das Artensterben eine wichtige Signalfunktion.  Er befürwortete dessen Ziele, bemängelte jedoch das Fehlen von bestimmten Themen, insbesondere der Biogasproblematik. Günter Friedmann forderte auf, sich am Volksbegehren zu beteiligen und schloss mit den Worten: „Die Imkerei wird schwieriger, macht aber immer noch verdammt viel Spaß.“
Der Vortrag wurde gefilmt und ist im Internet einsehbar: youtu.be/wZjan6Kt0gc
 


Aktionsbündnis: Volksbegehren unterschreiben

Forderung: Artenschwund muss gestoppt werden – Eintragung vom 31. Januar bis 13. Februar

Pfarrkirchen. Mit einem eindringlichen Appell richtet sich nun ein Aktionskreis an die gesamte Bevölkerung, das „Volksbegehren Artenvielfalt – Rettet die Bienen“ zu unterstützen. Gebildet hat sich dieses Aktionsbündnis aus den Landkreis-Führungsspitzen der ÖDP und von „Bündnis 90 – Die Grünen“ sowie der Umweltverbände BUND Naturschutz (BN), Landesbund für Vogelschutz (LBV), der lokalen Fischereivereine aus Eggenfelden, Pfarrkirchen und Simbach /Inn und der  Regionalgruppe Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Im Rahmen der Gründung dieser Allianz wurden auch drei Sprecher gewählt, die der Bevölkerung sowie allen interessierten Institutionen als Ansprechpartner (Kontakt über die BN Geschäftsstelle, www.rottal-inn.bund-naturschutz.de ) zur Verfügung stehen. Es sind dies: Dr. Jürgen Riedler, Kreisgruppen-Vorsitzender des BUND Naturschutz, der Gartenbau-Fachmann und Kräuterpädagoge Willi Harreiter sowie die BN-Kreis-Geschäftsführerin Marianne Watzenberger.

„Das von der ÖDP in Bayern initiierte Volksbegehren, das nach der erfolgreich bestandenen ersten Zulassungsphase nun bayernweit vom 31. Januar bis 13. Februar eine Million Unterschriften der Bevölkerung in den jeweiligen Heimat-Rathäusern benötigt, will durch eine Verbesserung der Gesetzeslage dem Umwelt-, Natur- und Artenschutz eine größere Priorität einräumen und mehr Durchsetzungskraft verleihen“, so die Sprecher des Aktionsbündnisses. Einer der Gründe für die gesamte Initiative sei, wie sie ebenfalls betonen, im Allgemeinen das massive Artensterben in der Umwelt und im Speziellen der dramatische Rückgang aller Insektenpopulationen um mittlerweile 75 %, was seit langem wissenschaftlich und zweifelsfrei belegt sei. Und sogar das bayerische Umweltministerium spreche davon, „dass zahlreiche Arten aus den normalen Landschaften aufgrund von flächendeckenden Stoffeinträgen weitgehend verschwunden seien“, betonen die beteiligten Organisationen.

Das Ziel, das nun durch das Volksbegehren erreicht werden soll, ist eine deutliche Verbesserung der Naturschutz-Gesetzgebung. Der diesbezügliche Forderungskatalog umfasst unter anderem die Schaffung von bayernweiten Biotop-Vernetzungen, die Eindämmung der Pestizid-Ausbringung, den Schutz und die weitere Schaffung von Gewässer-Uferrandstreifen sowie die Verbesserung der landwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildung. Auch für den Ausbau der biologischen Landwirtschaft soll es gesetzlich festgelegte Ziele geben.

In diesem Rahmen legt das Aktionsbündnis großen Wert auf die Feststellung, dass sich das Volksbegehren nicht generell gegen die Landwirtschaft richtet, sondern dass vielmehr die bäuerliche, nachhaltige Landwirtschaft in Bayern allgemein und im speziellen auch in unserem Landkreis gefördert werden solle. „Die bäuerlich arbeitenden Familienbetriebe sind ja doch letztlich die Leidtragenden einer deutschland- und EU-weit völlig verfehlten und von einer Industrie-Lobby favorisierten Agrarpolitik, die die Landwirte in ein System des „Wachsens oder Weichens“ hinein gezwungen hat, mit der Folge eines dramatischen Höfesterbens. Die Förderung der biologischen Landwirtschaft und der kleinbäuerlichen Strukturen ist daher ein wichtiger Aspekt des Volksbegehrens“, betonen die drei Aktionsbündnis-Sprecher. Zusätzlich sollten auch Ausgleichszahlungen an Landwirte erfolgen, die aktive Umweltschutzmaßnahmen realisieren, wie zum Beispiel Uferrandstreifen.

„Das Volksbegehren ist das wirksamste Werkzeug der direkten Demokratie und eine historische Chance für alle Bürger“, betonen die drei Sprecher des Aktionsbündnisses, „mehr in Bewegung zu setzen als endlose parlamentarische Debatten zu leisten vermögen. Nun geht es darum, mit dem aktuellen Volksbegehren nicht nur etwas für den Schutz und die Verbesserung der Artenvielfalt zu erreichen, sondern letztlich auch zur Sicherung unserer Lebensgrundlagen beizutragen.

Wir bitten deshalb alle Bürger, sich zwischen dem 31. Januar und dem 13. Februar in den Heimat-Rathäusern in die Listen des Volksbegehrens einzutragen.“ – Vor allem mit Infoständen, Plakataktionen, Rathaus-Lotsen und mit der Einbeziehung der sozialen Medien will man nun von Seiten des Aktionsbündnisses im Landkreis Rottal-Inn über 10 Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung dazu bewegen, das Volksbegehren erfolgreich abzuschließen und damit für den Artenschutz aktiv zu werden. Weitere Informationen zum Volksbegehren, zu den Öffnungszeiten der Rathäuser und Anmeldung als Rathauslotse gibt es unter www.volksbegehren-artenvielfalt.de.     -wh


30. Januar - Vortrag: „Die Biene ein politisches Tier"

Vortrag des Demeter-Berufsimkers Günter Friedmann in Eggenfelden

Auftakt und Hinweise zum Volksbegehren "Artenvielfalt - Rettet die Bienen"

Mi., 30. Jan. 2019: Vortrag des Demeter-Berufsimkers Günter Friedmann in Eggenfelden zum Thema „Die Biene ein politisches Tier - Gedanken eines Imkers zum Insektensterben“.  Veranstaltet von der Kreisgruppe BUND Naturschutz Rottal-Inn und der Katholischen Erwachsenenbildung Rottal-Inn-Salzach.

Einige Details: Durch Ihre Lebensweise sowie durch den großen Flugradius der Honigbienen beweiden diese wertvollen Insekten ein großes Gebiet. Sie decken bei dieser Tätigkeit viele  Zusammenhänge auf, die ansonsten verborgen geblieben wären. So wissen wir seit längerem, dass es den Bienen in der ausgeräumten und intensiv genutzten Agrarlandschaft schlecht geht. Leider fokussiert sich die Diskussion auf einige wenige Aspekte. Tatsächlich  sind Insekten heute  quantitativ und qualitativ mangelernährt. Die Ursachen hierfür sind sehr komplex. Stichwortartig seien  genannt: Insektizide, Herbizide, Monokulturen, Silage-Bewirtschaftung der Wiesen, Biogas, Maisanbau, aber auch die Etablierung neuer Sorten, die keinen Nektar mehr bilden und die Mechanisierung der Landwirtschaft zur  Erhöhung der „Schlagkraft“ des Landwirts.

All diese Aspekte verbinden sich zu einer fatalen Entwicklung, die auch vor den anderen Insekten nicht haltmacht. Dadurch werden der Bestand und die innere Balance unseres Ökosystems  gefährdet. Gibt es Auswege aus dieser Krise der Insektenwelt? Ökolandbau? Greening?  Blühende Gärten oder Ackerstreifen? – Dieser Vortrag gibt Antworten darauf. Der Referent Günter Friedmann ist Demeter-Berufsimker mit fast 40 Jahren Berufserfahrung und einer der Pioniere der ökologischen Imkerei. 2003 erhielt er den Förderpreis für ökologischen Landbau, Seminartätigkeit im Inn-und Ausland. Seit 2007 arbeitet er in Ägypten zur Rettung der ägyptischen Biene.

Beginn ist um 19.30 Uhr im Stadtsaal (Birkenallee 2) in Eggenfelden. Unkostenbeitrag 5 Euro. Info: Kreisgruppe, Tel. 08561-3834, Mail: bn-rottal-inn@t-online.de.


Gemeinsam für das Volksbegehren „Artenvielfalt - Rettet die Bienen“

Naturschutzverbände rufen alle Bürger zur Unterschrift auf – Listen vom 31. Januar bis 13. Februar in Rathäusern

Pfarrkirchen. Sie haben sich zusammengetan, um die Bevölkerung zu motivieren, das Volksbegehren „Schutz der Artenvielfalt – Rettet die Bienen“ zu unterstützen: Die Kreisvorsitzenden von Bund Naturschutz, Dr. Jürgen Riedler, und Hubert Szücs für den Landesbund für Vogelschutz sowie der Vorsitzende des Bezirksfischereivereins Eggenfelden, Josef Barth,  und der Chef des Kreisfischereivereins Pfarrkirchen, Stefan Baumgartner,  appellieren gemeinsam an die Bürger, sich vom 31. Januar bis 13. Februar in den Rathäusern ihrer Heimatgemeinden in die entsprechenden Listen einzutragen. „Denn nur wenn 10 % der in Bayern Wahlberechtigten dies tun“, so die Vorsitzenden, „kann der Gesetzestext des Volksbegehrens dem Landtag zur Abstimmung vorgelegt werden. Nur so kann dann das bayerische Naturschutzgesetz in wesentlichen Teilen verbessert werden.“

Dass dies dringend nötig sei, belegen die vier Vorsitzenden mit der Tatsache, dass mittlerweile 75 Prozent der Insektenpopulationen einem massiven Artensterben zum Opfer gefallen seien. Und so sehen die an dieser Allianz beteiligten Naturschutzverbände dringenden Handlungsbedarf, denn der Rückgang der Insekten verlaufe zeitgleich mit dem Rückgang blühender Wiesen, naturnaher Gewässer und anderer wichtiger Lebensräume, welche die Insekten für Nahrung und Fortpflanzung benötigen. Darunter würden auch alle Insektenfresser leiden, allen voran viele Vogelarten, Amphibien und Fische. „Dieser Rückgang ist nicht nur ein Verlust unserer Lebensqualität, sondern eine konkrete Gefahr für unser aller Zukunft“, sind sich die Vorsitzenden einig, „denn wenn das Zusammenspiel zwischen der Pflanzen- und Tierwelt und dem Menschen gestört ist, wird vieles, was wir heute als selbstverständlich erachten, in Zukunft nicht mehr möglich sein– allem voran die natürliche Bestäubung der Pflanzen durch Insekten.“

Eines sei aber in diesem Zusammenhang wichtig, wie die vier Vorsitzenden betonen: „Bei dem Volksbegehren handelt es sich nicht um eine Initiative gegen die Landwirtschaft – vielmehr sollten die Bauern unsere wichtigsten Verbündeten sein. Die bäuerlich arbeitenden Familienbetriebe sind ja doch die Leidtragenden einer Agrarpolitik, die sie in ein System des ‚Wachsens oder Weichens‘ gedrängt und zu einem gigantischen Höfesterben geführt hat. Die Förderung der biologischen Landwirtschaft ist daher ein wichtiger Aspekt des Volksbegehrens.“

An Forderungen wollen die vier Vorsitzenden folgende Schutzaspekte berücksichtigt sehen: Die Schaffung eines bayernweiten Biotop-Netzverbundes, von dauerhaften gülle-und pestizidfreien Erosionsschutzstreifen entlang der Gewässer , massive Verringerung von Pestiziden und Monokulturen, mehr Biolandwirtschaft und allgemein eine bessere Ausbildung im Naturschutz für aller Landwirte.

„Das Volksbegehren ist die historische Chance für alle Bürger“, sind sich die Vorsitzenden einig, „direkt politische Regelungen zu beeinflussen und bei ihnen mitzubestimmen, und gerade bei einem für alle von uns so wichtigen Thema wie dem Schutz der Artenvielfalt sollten deshalb alle Bürger zwischen dem 31. Januar und dem 13. Februar in den Rathäusern mit ihrer Unterschrift betonen, dass sie sich für den Schutz unserer Lebensgrundlagen einsetzen und dies auch gesetzlich fixiert sehen möchten.“      -wh


Ehrung für Matthias Schmöller und langjährige BN-Mitglieder

Pfarrkirchen. Im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn im November 2018 wurden auch zahlreiche langjährige Mitglieder geehrt. Der neugewählte Kreisvorsitzende Dr. Jürgen Riedler dankte allen und würdigte die überwiegend jahrzehntelange Zugehörigkeit zum Umweltschutzverband: "Wer sich über so lange Zeit hinweg nicht nur mit dem Bund Naturschutz als Verein sondern vor allem mit dessen Zielsetzung, der Bewahrung unserer Lebensgrundlagen, identifiziert, der zeigt, wie ernst er die vielen Bedrohungen der Natur heute nimmt."

Eine besondere Ehrung hatte Dr. Jürgen Riedler für seinen Vorgänger Matthias Schmöller parat, der das Amt des Kreisvorsitzenden insgesamt acht Jahre innegehabt hatte: „Du hast dich mit Fingerspitzengefühl und beispielhaftem Engagement für die vielfältigen Bereiche im Natur- und Umweltschutz eingesetzt und so die Arbeit der Kreisgruppe deutlich vorangebracht. Wir waren ein gutes Team“, so der neue Kreisvorsitzende, „vor allem der Arten- und Biotopschutz hatten dabei in den zurückliegenden Jahren vorrangige Bedeutung, und leider waren hier auch große Probleme zu bewältigen – man denke nur an die damalige Havarie der Biogas-Anlage im nördlichen Landkreis, die ein massiver Rückschritt für die Artenvielfalt dort war.

Auch die Themen rund um die Landwirtschaft, den Ökolandbau, die Tierhaltung, die Energiewende sowie die Informations- und Aufklärungsarbeit mit zahlreichen Ausstellungen sind im Mittelpunkt gestanden. Die Kreisgruppe und alle Mitglieder, die dem Umwelt- und Naturschutz nahestehen, danken dir für das überdurchschnittliche Engagement in all den Problembereichen, mit denen es der Bund Naturschutz leider immer wieder zu tun hat.“ Landesgeschäftsführer Peter Rottner überbrachte den Dank des Landesverbandes für acht Jahre Kreisgruppenführung sowie weitere zwei Jahre der Stellvertretung und überreichte Schmöller als Anerkennung das BN-Ehren-Vereinsabzeichen.    -wh


Führungswechsel in der Kreisgruppe Rottal-Inn

Pfarrkirchen. Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung der Kreisgruppe Rottal-Inn des BUND Naturschutz am 14. November wurde auch die Vorstandschaft neu gewählt.  Beinahe bis auf den letzten Platz gefüllt war der Saal im Gasthaus Schachtl in Pfarrkirchen. 68 stimmberechtigte Mitglieder, Vorstand, Vertreter der Politik und Aktive aus den BN-Ortsgruppen und Jugendgruppen  waren anwesend.

MdL Martin Wagle (CSU, 2. Bürgermeister von Pfarrkirchen) begrüßte die Versammlung und dankte für den persönlichen Einsatz der BN-Mitglieder für den Erhalt der Natur; denn der Mensch sei ein großer Schadensverursacher in der Natur. Er wünschte der neuen Vorstandschaft viel Erfolg und schloss im Hinblick auf den Naturschutz mit dem Fazit: „Jeder ist gefordert, etwas zu tun“.

Der bisherige BN-Kreisvorsitzende Matthias Schmöller bot einen Rückblick über die Aktivitäten des BN in den vergangenen vier Jahren mit Schlaglichtern und einem Ausblick auf die Zukunft. Zuerst gedachte er mit allen Anwesenden zweier engagierter „Aushängeschilder des BN“, die leider im letzten Jahr verstorben seien: Dr. Walter Weiherer und Alfred Gergmaier.

Nach einer Schweigeminute wurden die Aktivitäten der Kreisgruppe beleuchtet, die in diesem Jahr unter dem Motto „2018: BN-Jahr der Insekten“ den dramatischen Insektenschwund in den Vordergrund gestellt hat, ein Thema, das auch die zukünftigen Aufgaben des BN mitbestimmen werde. Schlaglichter seien die vielen Aktivitäten rund um Öffentlichkeitsarbeit, Ausstellungen, Exkursionen, Vorträge und BN-Projekte zu den Themen Biotoppflege und richtige Pflege von Straßenböschungen gewesen.

Speziell erwähnt wurde die erfolgreiche Ausstellung „Hummeln – Bienen im Pelz“, sowie die Foto-Ausstellung im Simbacher Heimatmuseum „Tatort Garten“ und die Aktivitäten rund um das Pfarrkirchner „Grüne Klassenzimmer“. Viel Positives wurde angesprochen, insbesondere  die Gründung der ersten Jugendgruppe des BN im Landkreis mit Namen „Green Earth“ sowie zum Beispiel die Arbeit rund um Umweltbildung, Kindergruppen, aber auch leidige Themen, wie die Abholzaktion im FFH-Gebiet Innauen, die Biogas-Havarie an der  Kollbach, das durch Bauarbeiten verursachte Salamandersterben am Hitzenauer Bach sowie die massiven Hochwasserschutzverbauungen an den Gewässern 3. Ordnung  im südlichen Landkreis. Außerdem sei zu hoffen, dass der Landkreis im Rahmen des Kreistagsbeschlusses „Insektenfreundlicher Landkreis“ stärker als bisher tätig werde.
„Wir blicken mit Stolz zurück auf die letzten Jahre. So kann´s weitergehen“, schloss Matthias Schmöller. Für die Zukunft sehe er neben dem Insektensterben insbesondere auch den Klimaschutz als „Megathema“.

Schatzmeister Franz Schustereder präsentierte anschließend den Kassenbericht, der eine zufriedenstellende und an sorgsamem Umgang mit den Geldern orientierte Finanzsituation widerspiegelte, sodass der Vorstandschaft einstimmig Entlastung erteilt wurde.

Danach leitete BN-Landesgeschäftsführer Peter Rottner die Wahl der neuen Vorstandschaft. Matthias Schmöller stellte sich aus familiären und beruflichen Gründen nicht mehr zur Wahl. Auch die bisherigen Beisitzer Georg Biersack und Günter Schmidt kandidierten nicht mehr.

Dr. Jürgen Riedler, der seit vier Jahren als stellvertretender Kreisvorsitzender tätig war, wurde einstimmig zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Als zweite Vorsitzende wurden gewählt: die ehemalige Beisitzerin Anne Hennersperger und Dieter Scherf.

Franz Schustereder wurde in seinem Amt als Schatzmeister bestätigt. Als neue Schriftführerin wurde Maria Watzl, als Delegierter Karl-Heinz Steiner, als Ersatzdelegierter der ehemalige Beisitzer Matthias Röckl gewählt. Zu Beisitzern wurden gleich acht Mitglieder bestimmt: Nadia Baumgart, Martina Blaurock, Tobias Hanig, Wolfgang Hascher, Michael Reichenwaller, Daniel Renner, Walter Sage und Katrin Veicht. Kassenprüfer sind: Herbert Eggerdinger und Stefan Sommer. Es gibt also in der Vorstandschaft einige neue Gesichter und insgesamt mehr Mitglieder als zuvor. „Wir sind eine tolle Truppe“, meinte erfreut der neue 1. Vorsitzende Dr. Jürgen Riedler.

Zuletzt hielt Experte Walter Sage einen Vortrag zum Thema "Das Verschwinden der Insekten“. Anlass zu diesem Motto gab die sogenannte „Krefeldstudie“ von 2016, die mit ihren jahrzehntelangen Untersuchungen den Insektenschwund in Deutschland mit mehr als 75 Prozent Verlust an Biomasse bei Fluginsekten in Schutzgebieten belegt. Er sieht einen Zusammenhang zwischen dem Insektenschwund und der Tatsache, dass die Population von Singvögeln im selben Zeitraum um 12 Millionen geschrumpft ist.

Viele Falter- und Schmetterlingsarten seien inzwischen aus unserem Landkreis verschwunden. Eine Vielfalt von Faktoren wirkten zusammen. Die Hauptursachen für das Insektensterben seien insbesondere Flächenverbrauch, Vereinheitlichung der Landschaft, Überdüngung (auch aus der Luft), Pflanzenschutzmittel, aber auch falsche Pflegemaßnahmen. „Eine Mahd zur falschen Zeit“ könne schon eine geschützte Art wie den Wiesenkopf-Ameisenbläuling in einer bestimmten Region aussterben lassen; eine einzige Behandlung von Bahngleisen mit Glyphosat reiche aus, um über viele Jahre oder für immer das Veränderliche Rotwidderchen verschwinden zu lassen.

Walter Sage sprach auch paradoxe Erkenntnisse an. So habe man erforscht, dass selbst der wachsende Waldbestand Insekten schaden könne. Denn viele Insekten benötigten Offenland. Zum Abschluss wurden verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen, wie z.B. der Abtransport von Mulch an Straßenrändern, um eine Überdüngung dieser wertvollen Streifen zu verhindern. Denn „Mulchmahd ist mit Abstand das Schlechteste, was man machen kann“. Außerdem seien mehr im Sinne der Natur kultivierte Offenlandflächen zu fordern. Einiges könnten aber auch Gartenbesitzer machen: keine Gartenbeleuchtung, keine Gabionen, kein Kies. Der Experte schloss mit den Worten: „Schließlich ist ein blühender Garten ohne Einsatz von Pestiziden für Pflanzen, Tiere und Menschen ein Gewinn.“  - Bericht: Nadia Baumgart



BN-Jugendgruppe besuchte „Grünes Klassenzimmer“

Naturwissenschaftliche Möglichkeiten kennengelernt - Viele Informationen zur Gewässer-Ökologie

Eggenfelden/Pfarrkirchen. Die erst unlängst in Eggenfelden gegründete erste Jugendgruppe des BUND Naturschutz mit Namen „Green Earth“ unternahm unlängst einen Fahrrad-Ausflug in Richtung Pfarrkirchen, um dort die Möglichkeiten und die Arbeitsweise des „Grünen Klassenzimmers“ in den Rottauen zu studieren. Diese von Karl-Heinz Steiner ins Leben gerufene Informations- und Weiterbildungs-Einrichtung für alle an naturfachlichen Themen in einem Gewässer-Umfeld interessierten Jugendlichen und auch Erwachsenen erfreut sich seit ihrer Gründung vor 10 Jahren einer ungebrochenen Attraktivität nicht zuletzt aus dem schulischen Umfeld. Und diese Bekanntheit des „Grünen Klassenzimmers“ in Pfarrkirchen war deshalb auch Anlass für die Eggenfeldener BN-Jugendgruppe rund um deren Leiterin Emma Riedler, sich über die Einrichtungen und damit möglichen Aus- und Weiterbildungs-Aktivitäten zu informieren. Zunächst erläuterte Karl-Heinz Steiner im Rahmen einer Führung durch das Gelände sowohl die Ökologie wie auch die im Umfeld der Rottauen vorkommende Flora und Fauna und wies darauf hin, dass die Gestaltung des ganzen Areals nicht nur einen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten darstelle, sondern auch dem Hochwasserschutz im Bereich der Pfarrkirchener Südeinfahrt diene. Anschließend wurde gemeinsam im Dr.-Bayer-Bach mit Keschern nach Wasser-Kleinlebewesen gesucht, die man anschließend sorgfältig in Behältern zum eigentlichen grünen Klassenzimmer transportierte. Unter Binokularen und Lupen wurden dann beispielsweise Köcher- oder Eintagsfliegen-Larven genau betrachtet und Bachflohkrebse, Muschelkrebse, Wasserwanzen, Wasserläufer und kleine Wasserskorpione identifiziert. Zum Abschluss wurden die Kleinlebewesen wieder in das Wasser zurückgesetzt. Der spätsommerlichen Jahreszeit entsprechend wurden auch viele bereits geschlüpfte, erwachsene Köcherfliegen in der Ufervegetation des Baches beobachtet. Im Volksmund heißen sie „Wassermotten“, weil sie an Schmetterlinge erinnern, mit denen die Köcherfliegen auch tatsächlich verwandt sind.

Karl-Heinz Steiner gab dazu viele Erläuterungen und schilderte auch, wie man einerseits an der vorhandenen Tierwelt die Gewässergüte erkennen könne, wie man andererseits aber auch mit chemischen Analyse-Werkzeugen beispielsweise zu pH-Wert, Wasserhärte oder Phosphatgehalt mehr Einblick in die ökologische Wertigkeit eines Gewässers gewinnen könne. Die Jugendgruppe zeigte sich erfreut und beeindruckt von den Möglichkeiten, die man mit den naturwissenschaftlichen Einrichtungen des Grünen Klassenzimmers habe und dankte Karl-Heinz Steiner für die Gestaltung dieses informativen Nachmittages.  –wh


Natur als Plus für die Stadt und die Bürger

Pfarrkirchen. Eine Unterredung bei Bürgermeister Wolfgang Beißmann hatte die Bund-Naturschutz-Ortsgruppe mit Karl-Heinz Steiner an der Spitze initiiert. Zusammen mit den Vorstandsmitgliedern Erhard Scheffel, Hermann Gassner und Wolfgang Hascher brachte der BN-Ortsvorsitzende einige naturschutzfachliche Themen zur gemeinsamen Erörterung. Mit bei der Unterredung dabei waren auch Silvia Knödlseder vom Amt für Bau und Stadtentwicklung und Siegfried Waschlinger als Leiter des städtischen Bauhofs. Als Nachbereitung einer von Philipp Schoske angeregten Besichtigungsfahrt der Ausgleichsflächen der Stadt Pfarrkirchen, die bereits im April stattgefunden hatte, wurde zunächst dieses Thema angesprochen. Das BN-Anliegen sei hier, diese Flächen auszumagern und mit Blühpflanzen auch langfristig insektenfreundlich zu gestalten. Diesbezüglich war von Seiten der Stadt zu erfahren, dass schon sehr viel Wert auf blühende Wiesenflächen gelegt werde, dass deshalb oftmals auch nur Teilbereiche gemäht würden, dass das Mähgut jeweils abtransportiert werde und dass auch keine Spritzmittel mehr zum Einsatz kämen. Einig war man sich, dass in diesem Zusammenhang auch die Bevölkerung durch Informationstafeln und entsprechende Öffentlichkeitsarbeit über Sinn und Zweck derartiger Flächen auch in Zukunft informiert wird. Karl-Heinz Steiner regte auch eine Beteiligung der Stadt an der Aktion „Rottal-Inn blüht auf“ an. Zu erfahren war zusätzlich, dass von der Stadtgärtnerei bereits mit hitzetoleranten Pflanzen (Salbei, Lavendel) Versuche durchgeführt werden.

Angesprochen wurde dann die Dohlen-Problematik und eine derzeit festzustellende sich rasant vermehrende Kaninchenpoulation in den Rottauen. Hierzu bemerkte Karl-Heinz Steiner, dass die entsprechenden Populationen einem natürlichen Regulations-Mechanismus unterliegen würden, so dass sich mittelfristig ein Gleichgewicht einstelle. Bezüglich des Stadtparks stimmte man überein, dass der historisch alte Baumbestand unbedingt erhalten werden solle. Bürgermeister Wolfgang Beißmann bemerkte zusätzlich, dass durch einen Abenteuerspielplatz mit Informationen zu der im Stadtpark vorhandenen Vegetation eine weitere Aufwertung des Geländes in Aussicht sei. Die Maßnahme soll sich dem Areal anpassen, gut einfügen, naturnah gestaltet werden und die Natur erlebbar machen.

Die Tatsache, dass in manchen Privatgärten anstelle von Blüh-Flächen zunehmend unnatürliche Kies-Bereiche und Gabionen-Umfassungen angelegt würden, brachte den Bürgermeister und die BN-Aktiven zu der Anregung, künftig den Bau-Bewerbern bzw. Bauherren von der Stadt Informations-Flyer des Bund Naturschutz über die Vorteile der Anlage naturnaher Gärten mitzugeben. Der BN wird hierfür entsprechendes Informationsmaterial beschaffen und der Stadt zur Weiterleitung übergeben.

Karl-Heinz Steiner regte auch an, im Stadtbereich, dort wo es möglich und sinnvoll sei, eine zusätzliche Verdichtung zu schaffen und mehr Interesse in der Bevölkerung daran zu wecken, Alt- Immobilien gegebenenfalls zu modernisieren und weiter zu nutzen, um nicht noch mehr Flächenverbrauch durch Neubauten zu erzeugen. Hierzu wurde vom Bürgermeister erwähnt, dass man bereits ein Leerstands-Kataster erstellt habe und dass von der Stadt die Haus- bzw. Grundstücksbesitzer angeregt werden, aus Bestands-Immobilien sowie freien Grundstücken (wenn möglich) wieder attraktiven Wohnraum zu schaffen. Als Teil dieses Programms sind kostenlose Impuls-Beratungen für Eigentümer leerstehender Immobilien angedacht. Karl-Heinz Steiner regte zusammen mit dem stellvertretenden Ortsvorsitzenden Erhard Scheffel an, doch eine Initiative „Jung kauft Alt“, wie es sie schon in anderen Kommunen gäbe, im kommenden Jahr zu starten und auch von Seiten der Stadt darauf zu achten, dass wieder mehr Flächen „entsiegelt“ würden. Erhard Scheffel schlug zusätzlich vor, mehrstöckige Häuser anstelle von Einfamilien-Gebäuden zu favorisieren, um den Flächenverbrauch geringer zu halten. Ergänzend hierzu meinte Hermann Gassner, auch für Gewerbe-Immobilien eine Flächenverbrauchs-optimierte Entwicklung anzuregen. Bürgermeister Beißmann bestätigte, dass man sich mit diesen Themenkomplexen bereits intensiv befasse und entsprechende Konzepte vorlegen werde.

Zum Schluss kam die Gesprächsgruppe überein, am 29. September eine gemeinsame Besichtigungsfahrt der städtischen Streuobstwiesen, die vielfach ursprünglich als Ausgleichsflächen geschaffen wurden, für interessierte Bürger zu unternehmen. Karl-Heinz Steiner dankte abschließend dem Bürgermeister für die Möglichkeit zu diesem Meinungsaustausch und zeigte sich sicher, dass auch weiterhin ein wie bisher guter und für alle Seiten sehr positiver Kontakt zwischen Bund Naturschutz und den Verantwortlichen der Stadt bestehen werde.   - wh


Die erste Landkreis-Jugendgruppe

Eggenfelden. Sie bilden die erste BUND-Naturschutz-Jugendgruppe im Landkreis: Sieben junge Damen, alle Gymnasiastinnen der Klasse 9a am Karl-von-Closen-Gymnasium, haben sich nun unter dem Gruppennamen „Green Earth“ zusammen getan, um für Umwelt und Natur etwas zu tun. Zwar gibt es schon mehrere Kindergruppen im Landkreis, doch die höhere Altersklasse, eben die BN-Jugend, war bislang noch nicht mit einer eigenen Gruppierung im Landkreis vertreten.

Die Initiative der jungen Naturschützerinnen begrüßte auch Bürgermeister Wolfgang Grubwinkler. Er fand die Idee der Jugendgruppen-Gründung so gut, dass er einen Werkraum in der Gerner Schlossökonomie zur Verfügung stellt. Bei der Schlüsselübergabe an die jungen Damen stellte das Stadtoberhaupt erfreut fest: „Vereine und Gruppierungen aller Art sind darauf angewiesen, eine engagierte Jugend als Nachwuchs zu haben. Und gerade im Bereich des Natur- und Umweltschutzes sehe ich es äußerst positiv, wenn sich junge Leute bereit erklären, etwas Handfestes dafür zu tun. Sehr gerne stellen wir deshalb diesen Raum als Treffpunkt und Arbeitszentrum zur Verfügung. Mögen von hier viele gute Ideen, die uns allen zugute kommen, ausgehen.

Der ebenfalls anwesende Kreisvorsitzende des BN, Matthias Schmöller, dankte der Stadt Eggenfelden und insbesondere Bürgermeister Wolfgang Grubwinkler herzlich, dass mit dem Raum die erste Jugendgruppe ein Zuhause findet: „Mich freut es, dass auf diese Weise von der Stadt Eggenfelden gewürdigt wird, wenn die Jugend im Bereich des Natur- und Umweltschutzes Verantwortung übernimmt.“ Und an die jungen Damen gewandt meinte der Kreisvorsitzende: „Es ist sehr gut, dass ihr Euch zusammen gefunden habt, denn es ist zu begrüßen, wenn man nicht nur redet, sondern sich wirklich zusammensetzt und praktische Dinge plant. Ihr seid damit eine sehr gute Ergänzung zur bestehenden BN-Arbeit im Landkreis.“ Der Kreisvorsitzende erläuterte auch die wesentlichen Aufgaben des BN sowie die Mitglieder- und Organisations-Struktur. An bedeutsamen Aufgaben nannte er den Arten- und Biotopschutz, Energie- und Verkehrsthemen, den Flächenverbrauch sowie den Klimawandel. Schmöller bot den jungen Damen auch jederzeit die Hilfe der Kreisgruppe an.

Die Leiterin der Jugendgruppe, Emma Riedler, dankte ebenfalls dem Bürgermeister sowie der Stadt und stellte auch ihre Kolleginnen vor. Es sind Sophia Breu als stellvertretende Vorsitzende sowie Antonia Goller, Alison Weiss, Alissa Fuchs, Julia Kagerer und Nicole Bloos. Emma Riedler schilderte dann, wie sie bei einer Kanutour den Kontakt zur Leiterin der BN-Jugendorganisation (JBN), Lioba Degenfelder, bekam und dann spontan beschlossen hatte, ihre Gruppe zu gründen. Und demnächst werden sie und mehrere Teilnehmer  einen Jugendleiter-Fortbildungskurs besuchen. An Vorhaben schilderten die jungen Naturschützerinnen gleich einige Dinge: beispielsweise ein Kinderprogramm, Naturbeobachtungen, die Teilnahme am Christkindlmarkt und am Schulfest sowie eine Radltour, den Bau von Wildblumensamen-Bomben und die Beteiligung an der Müllsammel-Aktion „Rama Dama“. Auch ein Tag der offenen Tür für Eltern sei geplant. Zunächst werde man jedoch ein Logo entwickeln und auch beginnen, Taschen damit zu bedrucken. Und natürlich freut sich die Gruppe auch auf Zuwachs: Naturbegeisterte und an Umwelt-Themen interessierte  Jungen und Mädchen im Alter von 15 bis 16 Jahren sind als Neumitglieder herzlich willkommen. Eine Kontaktaufnahme ist über die Geschäftsstelle unter Tel. 08561-3834 oder per Mail unter bn-rottal-Inn@t-online.de erbeten.

Die Geschäftsführerin der BN-Kreisgruppe und Naturpädagogin Marianne Watzenberger, die auch als Leiterin der Kindergruppen arbeitet, freute sich ebenfalls über das Engagement: „Es gibt ja fast kein Thema in der Welt, das nicht mit Umwelt- und Naturschutz und damit auch mit Menschenschutz zu tun hat. Insofern ist Euer Engagement sehr zu würdigen.“ Und der stellvertretende Kreisvorsitzende, Dr. Jürgen Riedler, ergänzte: „Ihr werdet Euch sicher gut zusammenfinden und sicher auch Freude an der gemeinsamen Arbeit haben. Dieser Raum hier ist dafür ein sehr guter Ort – und auch mit viel Natur vor der Haustür.“   -wh


Aufbruch im öffentlichen Grün

Eggenfelden. Auf sehr regen Zuspruch von kommunalen Vertretern stieß der „Regionaltag naturnahes öffentliches Grün“ in Eggenfelden, veranstaltet vom Naturgarten e. V mit Unterstützung der BUND Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn und der Stadt Eggenfelden. Zu Beginn konnte die Biologin Dr. Eva Distler in der Schloss-Ökonomie 35 Teilnehmer begrüßen. Mit Fachleuten vertreten waren neben dem Landkreis Rottal-Inn und der Stadt Eggenfelden auch die Landratsämter Passau und Dingolfing-Landau sowie die Kommunen Kirchdorf am Inn, Loiching, Pilsting, Pfarrkirchen, Gottfrieding, Pocking, Kirchham, Sauerlach, Fürstenstein, Waldkraiburg, Landau, Kuchl, Mamming, Zeilarn, Altötting und Vilseck.

Der Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Rottal-Inn, Bernd Hofbauer, erwähnte zu Beginn, dass sich der Landkreis mittlerweile entschieden habe, im öffentlichen Grün auf größere Vielfalt und Insektenfreundlichkeit zu achten. Für die Stadt Eggenfelden, die bekanntlich als erste Kommune im Landkreis für die Aktion „Rottal-Inn blüht auf“ des BUND Naturschutz (BN) eine Pilot-Funktion übernommen hatte, ergänzte Bürgermeister Wolfgang Grubwinkler: „Wir werden konsequent jede neue Fläche in unserem Verantwortungsbereich mit größerer Pflanzen-Artenvielfalt ausstatten. Die Aktion, die sich vor zwei Jahren auf Initiative des BN entwickelt hat, ist mittlerweile sehr gut vorangekommen, und bei neuen Flächen im Stadtbereich wird schon gar nicht mehr anders vorgegangen. Die kritischen Stimmen aus der Bevölkerung sind mittlerweile einer sehr positiven Einstellung gewichen. Wir sind froh, diesen Impuls bekommen zu haben und werden ihn auch weiterhin erfolgreich weiterentwickeln.“

Im FachreferateTeil schilderte anschließend der Biologe und Wildbienenspezialist Timo Kopf aus Innsbruck verschiedene Entwicklungsstufen und Arten-Varianten von Lebensräumen für Insekten im Allgemeinen und der zahlreichen Wildbienenarten im Speziellen. Er hob hervor, dass insbesondere Totholz, Brachflächen, Steinmauern, Lehm- und Sandhaufen für die Wildbienen optimale Lebensräume seien, wobei natürlich auf Blüh-Flächen kein Dünger oder gar chemische Substanzen sowie auch kein Humus verwendet werden dürften. Er schloss mit den Worten: „Habt Mut zur Blüh-Vielfalt und auch zu ein bisschen Unordnung.“ Dr. Eva Distler wies anschließend darauf hin, dass man für die Blüh-Flächen heimisches Blumenwiesen-Saatgut verwenden könne, das Mähgut erst nach zweitägigem Liegenlassen abtransportieren solle und auch immer nur Teilflächen nacheinander mähen solle.

Der Biologe Dr. Reinhard Witt ging dann auf die verschiedenen Vorbereitungsarbeiten und Bearbeitungs-Arten bei nachhaltigen heimischen Blumenwiesen ein, erläuterte Bautechnik und Pflege von Neuanlagen sowie Umwandlungen von heimischen Blumenwiesen und Wildblumensäumen. Er hob hervor, dass Saat-Mischungen einjähriger Art, wie sie beispielsweise in vielen Baumärkten angeboten werden, von sehr geringem ökologischem Wert seien und auch stets großen Aufwand erfordern würden. Alternativ dazu erwähnte er die Ansaat nach dem „Haarer Modell“, wobei zwar der Erst-Aufwand etwas größer als bei konventionellen Varianten sei, dass aber langfristig der Erhaltungs- und Pflege-Aufwand bei den einheimischen Blühpflanzen-Arten deutlich geringer wäre: „Diese Pflanzen-Mischungen sind langfristig die kostengünstigste Lösung, weil sie vor allem den enormen Dauer-Bearbeitungs-Aufwand nicht erfordern und auch eine Bewässerung, wie in den häufiger werdenden Trockenzeiten, überhaupt nicht erforderlich machen.“

Stellvertretender BN-Kreisvorsitzender Dr. Jürgen Riedler und der Eggenfeldener Bauhof-Leiter Thomas Schreiner berichteten dann über die erfolgreichen Aktivitäten in Eggenfelden. Thomas Schreiner: „Man muss den Menschen anfangs über die Medien darstellen, dass sich langfristig viel Positives entwickelt, wie unsere Flächen es gezeigt haben. Die Praxis beweist schließlich langfristig, dass der Bewässerungs-und Pflege-Aufwand im Vergleich zur bisherigen Arbeitsweise erheblich günstiger ist, da vor allem die Bewässerung entfällt.“ Beide hoben auch hervor, dass in vielen Gemeinden, wie auch diese Veranstaltung zeige, schon die Bereitschaft bestehe, nach den Vorgaben aus dem „Haarer Modell“ zu arbeiten. Dr. Jürgen Riedler schilderte in diesem Zusammenhang das Projektportrait der Wildblumen-Ansaaten in Eggenfelden, die im Rahmen der Aktion „Rottal-Inn blüht auf!“ im Jahre 2016 angelegt worden waren.

Im praktischen Teil des Regionaltages besichtigten dann alle Teilnehmer mehrere Flächen im Stadtgebiet Eggenfelden, wobei Bauhofleiter Thomas Schreiner die verschiedenen Charakteristika der Bearbeitungs-Schritte erläuterte und den Teilnehmern auch von den Experten die verschiedenen Wildblumen-Arten detailliert erläutert wurden. Anschaulich zu sehen war dabei, wie sich die ganzjährig in großer Vielfalt darstellenden Blühpflanzen-Kombinationen auch sehr positiv als Lebensraum für Kleinlebewesen und vor allem für Insekten erweisen.   -wh


Musterbeispiel für öffentliches Grün in Haar

Haar. Seit 1997 arbeitet die Kommune Haar südöstlich von München konsequent mit heimischen Wildblumenansaaten im öffentlichen Grün um die Artenvielfalt heimischer Pflanzen und Insekten zu verbessern. Wo früher Allerweltskräuter wie Ampfer und Löwenzahn dominierten, prägen jetzt unter anderem blühende Königskerzen, gelbes Labkraut und die Wilde Möhre das Straßenbild. Insgesamt wurden bis heute über 4 ha Magerflächen geschaffen, die unter fachkundiger Leitung von Michael von Ferrari (Umweltreferat der Gemeinde Haar) der BUND Naturschutz Kreisgruppe Rottal-Inn und Vetretern des Obst- und Gartenbauvereins  vorgestellt wurden. „Mit den blühenden Grünflächen bereichern wir nicht nur das Ortsbild, sondern senken auch die Pflegkosten. Es muss nicht mehr gegossen werden, und obwohl das Mähgut abtransportiert  wird, haben wir die Pflegekosten massiv gesenkt, da wir die Flächen nur ein bis zweimal im Jahr mähen“, so von Ferrari. Gepflegt werden die Wildblumenflächen von Buntstreifenpatenschaften, die von der heimischen Bevölkerung  übernommen werden. Ein besonderes Highlight war die Besichtigung eines naturnah gestalteten Schulhofes. Auch das Projekt „Haar zum Anbeißen“ wurde vorgestellt: aus öffentlichen Grünflächen werden öffentliche Gemüsegärten unter Einbeziehung der Haarer Bürger. „In Zeiten eines dramatischen Insektensterbens hoffen wir alle, dass dieses einmalige Beispiel kommunaler Biodiversitätsentwicklung auch in den Städten und Gemeinden unseres Landkreises endlich Schule macht und die monotonen Grünflächen und gemulchten und blütenleeren Straßenränder bald endgültig der Vergangenheit angehören“, so der stellvertretende Vorsitzende der BUND Naturschutz- Kreisgruppe Rottal-Inn, Dr. Jürgen Riedler.


Zehn Jahre „Grünes Klassenzimmer“

Pfarrkirchen. „Lernen draußen in der Natur, das ist doch etwas ganz anderes als in einem Klassenzimmer“, so hat in den letzten zehn Jahren sicher mancher Schüler gesagt, als er in einem ganz anderen „Klassenzimmer“ seine Biologie-, Chemie- oder allgemeinen Naturkunde-Kenntnisse erweitern konnte: nämlich im „Grünen Klassenzimmer“ nahe der Rott westlich der Südeinfahrt.

„Gut 1200 Schulkinder – auch die am Ferienprogramm der Stadt teilnehmenden – sind es wohl gewesen, die wir hier betreut haben“, so Karl-Heinz Steiner, der im Jahre 2008 diese mittlerweile zur Institution gewordene Aus- und Weiterbildungs-Einrichtung ins Leben gerufen hat. Die Idee dazu hatte der damalige Gymnasiallehrer für Biologie und Chemie, damals auch Stadtrat und heute noch der BUND-Naturschutz-Ortsvorsitzende, bereits im Jahre 2007 gehabt. „Entwickelt hat sich das Ganze nämlich aus den Exkursionen, die wir mit dem BN vorher immer mit Kindern und Jugendlichen am Madlbach durchgeführt haben“, schildert Karl-Heinz Steiner die Anfänge. Und so wurde ziemlich bald das geplante Projekt mit der Stadt Pfarrkirchen - im wesentlichen Bürgermeister Georg Riedl und den Stadtwerken - abgesprochen, die alle rasch grünes Licht dazu gegeben hatten und auch auf dem Gelände der Stadtwerke nördlich der Rott einen geeigneten Raum zur Verfügung stellten.

In diesem Raum sind seit der ersten Zeit mehrere Arbeits- und Übungsplätze eingerichtet, um interessierten Schulklassen oder anderen Gruppierungen mit Interesse an Umwelt- und Naturthemen die Chemie und Biologie im und um das Wasser nahezubringen. Dieses Wasserlabor im "Grünen Klassenzimmer" ermöglicht viele interessante physikalische, chemische und biologische Untersuchungen rund um das Element "Wasser" mit Mikroskopen, Binokularen, einem chemischen Analyse-Set und einem Photometer. Neben diesen Untersuchungen des Wassers der Rott oder der angrenzenden Bäche und Altwässer kommt aber auch die Tier- und Pflanzenwelt rund um das in den Rottauen gelegene Grüne Klassenzimmer nicht zu kurz; hierfür gibt es Bestimmungs-Literatur und Beobachtungs-Tipps, die nicht zuletzt von Lehrkräften gerne genutzt werden.

„Man muss den Schülern schon deutlich machen, was z.B. der Phosphat-Gehalt in einem Fließgewässer oder See bedeutet, welche Pflanzen und Klein-Lebewesen im und am Wasser leben und welche Schäden Flora und Fauna erleiden können, wenn durch menschlichen Eingriff oder ein naturgegebenes Ereignis die biologischen oder chemischen Kreisläufe der Natur gestört werden", meint Karl-Heinz Steiner rückblickend anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der von ihm gegründeten Institution. An der kleinen Jubiläums-Feierstunde „vor Ort“ und einer damit verbundenen Begehung haben nun unlängst sowohl der stellvertretende Bürgermeister Martin Wagle sowie Lehrer-Kollegen des Gymnasiums, der Realschule und der Fachoberschule teilgenommen.

Karl-Heinz Steiner dankte anlässlich dieses Jubiläums sowohl der Stadt als auch den Stadtwerken für die zuverlässige Unterstützung: „Immer haben die Betreuung und der Unterhalt sehr gut funktioniert, und heute freuen wir uns zusätzlich, dass die Stadt ein eigenes Gebäude gleich in der Nähe errichtet hat, das wir auch bei schlechtem Wetter mit nutzen dürfen und das vor allem geeignete Sanitäranlagen hat“, bemerkte Karl-Heinz Steiner verbunden mit einem Dank an seinen Kollegen und stellvertretenden BN-Ortsvorsitzenden Erhard Scheffel sowie an Sonja Enghofer.

Stellvertretender Bürgermeister Martin Wagle zum Jubiläum: „Im Zuge der Hochwasser-Schutzmaßnahmen wurde der Rott mehr Raum gegeben, was sich mittlerweile als äußerst sinnvoll erwiesen hat. In diesem Zusammenhang können wir mit dem ganzen Gelände und diesem neuen Gebäude den Bürgern zeigen, dass man Wertvolles schaffen kann. Jetzt herrschen hier noch mehr Artenvielfalt in Flora und Fauna, wie die Zählungen des BN es erweisen.“ Der Dank des stellvertretenden Bürgermeisters galt dem BUND Naturschutz für das ehrenamtliche Engagement im Rahmen des Projektes „Grünes Klassenzimmer“ und freute sich auch, dass nun ein noch besserer Zusatz-Standort zur Verfügung steht. „Das Gesamtkonzept hier ist ideal für Schüler, um in der Natur zu arbeiten und nicht nur aus Büchern zu lernen. Dieses Gebäude nennt sich sinnvollerweise auch „Erlebnisraum Rottauen“ und es ermöglicht auch bei schlechtem Wetter ein gutes Arbeiten. Ich wünsche dem Grünen Klassenzimmer auch weiterhin großes Interesse von Seiten der Schüler und Lehrkräfte sowie ein so beispielhaftes Fortbestehen dieser Bildungsarbeit für unsere Jugend.“

Bei der folgenden Begehung des Geländes erläuterte Karl-Heinz Steiner den anwesenden Jubiläums-Gästen noch die von der Stadt auf dem Gelände nahe dem Theatron angelegte Blumenwiese mit den darin vorkommenden Magerrasen-Arten und auch den Auwald-Rest beim ehemaligen Triebwerkskanal, der einige typische Wasser-Pflanzen einschließlich Bäumen und Sträuchern zeigt. Mit Keschern wurden anschließend in praktischer Übung einige Indikator-Organismen aus dem Dr.-Bayer-Bach entnommen und anschließend im Grünen Klassenzimmer mit den Stereo-Lupen (Binokularen) untersucht. Karl-Heinz Steiner zeigte daran, wie man die Gewässergüte anhand der vorkommenden Lebewesen bestimmen kann. Auch erläuterte er in der Praxis die verschiedenen Chemie-Sets, mit denen man chemische Gewässergüte-Untersuchungen verschiedener Parameter vornehmen kann, beispielsweise den pH-Wert, die Wasserhärte, Nitrat- oder Phosphat-Gehalt.

Abschließend dankte Steiner allen anwesenden Jubiläums-Gästen und wünschte gleichermaßen dem Grünen Klassenzimmer in den nächsten Jahren ein unvermindert großes Interesse der Jugend und der Lehrkräfte.  -wh


Reslberg: Ein „Hotspot“ der Biodiversität

Triftern. Ziel einer gut besuchten vegetationskundlichen Exkursion der BUND-Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn (BN) war das seit 2004 bestehende Fauna-Flora-Habitat (FFH) Reslberg  bei Triftern. Das  120 Hektar große Natura-2000-Gebiet sei  Teil des europaweiten   Schutzgebietsnetzes, von dem es allein in Bayern 746 Gebiete mit insgesamt 800.000 Hektar Fläche gebe, was 11% der Landesfläche entspräche, so der 2. BN-Kreisvorsitzende Dr. Jürgen Riedler, der weiter betonte, „dass das Gebiet ebenso Bestandteil unseres gemeinsamen europäischen Naturerbes ist, für das wir alle eine besondere Verantwortung tragen“.

Das FFH-Schutzgebiet sei, wie erläutert wurde, botanisch für den Landkreis und weit darüber hinaus ein   sehr bedeutsames Gebiet, denn es weise - wie erst seit den 80iger Jahren bekannt wurde - mit über 400 verschiedenen Pflanzenarten fast die Hälfte der in Rottal-Inn vorkommenden Arten auf. „Es handelt sich hier um ein Konzentrationsgebiet botanischer Raritäten. Nicht wenige davon kommen nur hier  in diesem Gebiet vor und viele in sehr kleinräumigem Wechsel“ so der Exkursionsleiter und Pflanzenexperte Christoph Stein, der sich seit über 30 Jahren mit der heimischen Flora des unterbayerischen Tertiärhügellandes  beschäftigt.    Geologische  Besonderheiten  wie  das Nebeneinander von saurem Quarzrestschotter  und kalkhaltigen Bodenverhältnissen, die terrassenartige Geländestruktur mit extrem vernässten und trockenen  Stellen im kleinräumigen Wechsel und vielen Quellrinnsalen seien mit verantwortlich für die Bildung von Sonderstandorten und die große Artenvielfalt.

Bei einer Pfeifengras-Streuwiese mit Heilziest, Blutwurz und Fuchs‘schem Knabenkraut  wurde den Teilnehmern der große Pflegeaufwand bewusst, der von örtlichen Landwirten und dem Landschaftspflegeverband über das Vertragsnaturschutz-Programm vorbildlich erfolgt. Beispielsweise muss dort das Mähgut abtransportiert werden, u.a. um der allgemeinen Nährstoffanreicherung  entgegenzuwirken.

Christoph Stein: „Leider haben wir  allgemein pro Jahr und Hektar ca. 25 kg Stickstoffeintrag allein  über die Luft, bedingt  u.a. durch Autoverkehr, durch die Verbrennung  fossiler  Energieträger und die intensive Landbewirtschaftung.  Die Nährstoffanreicherung zeigt sich auch hier auf dieser Wiese, da Schilfrohr, Gilbweiderich und Honiggras überhandnehmen. Vor 20 Jahren gab es hier noch Lungenenzian, der mittlerweile ganz verschwunden ist. “,so der Exkursionsleiter in seiner ernüchternden Bilanz.  Weiter ging es über Kalkflachmoore mit fleischfressenden Pflanzen wie Sonnentau und Fettkraut  mit beeindruckender Wollgrasvegetation  und Torfmoospolstern mit Waldläusekraut  zu einer von Fieberklee dominierten Pippau-Waldbinsen-Streuwiese mit Teufelsabbiss. “Interessant ist vegetationskundlich auch das Vorhandensein von sogenannten Reliktpflanzen aus  früheren Kälteperioden, die zwischen Alpen und den Höhenlagen des Bayerischen Waldes nur hier in diesem Gebiet vorkommen. Zu nennen wäre der blaue Eisenhut, Kronenlattich und die Schwarze Heckenkirsche,“ erläuterte der Pflanzenexperte.

Letztlich waren alle Teilnehmer begeistert von  der botanischen Vielfalt in diesem Gebiet, die sich dem flüchtigen Betrachter nur durch Begleitung von  ausgewiesenen Gebietskennern wie Christoph Stein erschließt und auf den ersten Blick nicht zu erahnen sei. „Wir möchten als BN-Kreisgruppe unseren Beitrag für eine Verankerung von Natura 2000 als Schatz und Verantwortung in der Bevölkerung  leisten. Natura 2000 muss begeistern.“ so der stellvertretende BN-Kreisvorsitzende Dr. Riedler am Ende der Exkursion.


Abholzaktionen: BN fordert Ausgleich

Simbach. Die im Frühjahr vom Energie-Unternehmen Verbund durchgeführten großflächigen Abholzaktionen von etwa 12 Hektar in den Innauen westlich Simbach hatten Mitglieder des BUND Naturschutz auf den Plan gerufen. Die Abholzaktion sei nach der Meinung der Naturschützer nicht zuletzt deshalb besonders kritikwürdig, weil es sich bei dem Gebiet um ein so genanntes FFH-Gebiet handle („Flora-Fauna-Habitat“ – eine europäische Richtlinie, die zum Ziel hat, wildlebende Tier- und Pflanzenarten sowie deren Lebensräume zu schützen und die europaweite Vernetzung dieser Lebensräume zu sichern). Und man vermutete, dass die Aktion ohne FFH-Verträglichkeitsabschätzung oder FFH-Verträglichkeitsprüfung durchgeführt worden sei.
In Rücksprache der BN-Kreisgruppe mit der Höheren Naturschutzbehörde bei der Regierung von Niederbayern sei diese Vermutung bestätigt worden: Die Durchführung der Abholzaktion hätte ohne eine FFH-Umweltverträglichkeits-Abschätzung und anschließende FFH-Verträglichkeitsprüfung nicht durchgeführt werden dürfen.
Unter den gebietsbezogenen Erhaltungszielen sei in den einschlägigen Regelungen für derartige Gebiete der Erhalt bzw. gegebenenfalls die Wiederherstellung der Auenwälder mit spezifischen Baumarten mit ausreichendem Alt- und Totholzanteil und der natürlichen Dynamik auf extremen Standorten vorgesehen; außerdem der Erhalt des Wasserhaushalts, des natürlichen Gewässerregimes, der naturnahen Struktur und Baumarten-Zusammensetzung sowie der Erhalt von Sonderstandorten wie Flutrinnen, Altgewässern, Seigen und Verlichtungen, ebenso der Erhalt der feuchten Staudensäume. Auch gelte ein Verschlechterungsverbot, zudem sei eine Umwandlung von Auwald in eine Offenlandsfläche im Erhaltungsziel der Auenwälder nicht vorgesehen und damit nicht zulässig.
Der BN ist nun der Meinung, dass eine Ersatz-Aufforstung von geschätzten 12 Hektar zwingend erforderlich sei. Diese solle ortsnah etwa zur Hälfte im Abschnitt zwischen Deindorf und Pumpwerk Bergham sowie als weitere Hälfte zwischen Gstetten und Staustufe Kirchdorf am Inn erfolgen. In wieweit Flächen ab Staustufe innabwärts betroffen sind müsse ebenfalls noch ermittelt werden. In den Auwald eingebrachte Ackerflächen wären für eine Umsetzung zahlreich vorhanden und sollten bevorzugt werden, so der Bund Naturschutz.
Wenn eine entsprechende Ersatzaufforstung durchgeführt werde, stimme der BN der vom Energieunternehmen angedachten und in ihrer Plakataktion bereits angekündigten Umwandlung der betroffenen Flächen in Magerwiesen mit unregelmäßig eingestreuten Sträuchern, Strauchinseln und kurzer Heckenabschnitte mit eingelagerten Habitat-Strukturen für Reptilien zu. Hierzu müsse aber ein klares Konzept durch ein mit Naturschutz und ökologischer Planung vertrautes Büro erarbeitet werden. Für dessen anschließende Umsetzung hatte dem BN gegenüber der Landschaftspflegeverband Rottal-Inn bereits seine Bereitschaft signalisiert.
Der Bund Naturschutz hofft nun, dass eine rasche Information über das weitere Vorgehen bezüglich der Ausgleichsmaßnahmen unter Einbeziehung der nötigen Fach-Institutionen erfolge.


Wichtig: weiter im Gespräch bleiben

In einem Treffen der BN-Kreisgruppen-Vorstandschaft mit Vertretern der Kreisgruppe des bayerischen Bauernverbandes kamen einige Aspekte derzeitiger landwirtschaftlicher Produktionsmethoden sowie auch umweltrelevante Gesichtspunkte des BN zur Sprache. Das Fazit: Wirtschaftlichkeits-Zwänge sowie politische und Förderungs-Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft können nicht die vom Bund Naturschutz eigentlich geforderte maximale Umweltschonung sicherstellen. Zum Meinungsaustausch wird man weiter im Gespräch bleiben.

Bei dem Treffen anwesend waren BN-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller, der stellvertretende Kreisvorsitzende Dr. Jürgen Riedler, Kreisgruppen-Geschäftsleiterin Marianne Watzenberger (Ortsgruppe Unterer Inn), die Ortsvorsitzenden Katrin Veicht (OG Kollbachtal) und Karl-Heinz Steiner (OG Pfarrkirchen) sowie weitere interessierte Kreisgruppen-Mitglieder. Vom Bauernverband waren Kreisobmann Hermann Etzel sowie stellvertretender Kreisobmann Robert Willnecker mit zahlreichen anderen interessierten Landwirten vertreten. Auch die Pflanzenbau- und Wasser-Spezialistin Ruth Brummer vom AELF Rottal-Inn war mit zahlreichen und sehr guten fachlichen Informationen dabei.

Bei einer Felder-Begehung wurden vom Bauernverband Maßnahmen zur Erosionsverhinderung durch zusätzliche Ausbringung von gehäckseltem Stroh in einem konventionell bewirtschafteten und die Anlage eines Bio-Maisfelds gezeigt und bezüglich der mechanischen Unkrautbekämpfungs-Maßnahmen miteinander verglichen. Gezeigt wurden auch ein seit mehreren Jahren stehender sowie ein frisch angelegter Blühstreifen, der seinerseits noch keinerlei Pflanzenwelt aufwies.

In einer anschließenden Gesprächs- und Diskussionsrunde im Betrieb von Robert Willnecker konnten dann noch in freier Atmosphäre einige Standpunkte ausgetauscht werden. Kreisvorsitzender Matthias Schmöller wies besonders darauf hin, dass bei den so wichtigen blühenden Flächen die Qualität der Saatmischungen, mehrjährig, entscheidend sei. Wenn möglich sollte hier Regio-Saatgut oder (allerdings relativ teures) autochthones Saatgut verwendet werden. Sinnvoll sei natürlich auch, dass der Anteil an Wildarten sehr hoch sein solle, der Anteil an Kulturpflanzen dafür sehr gering. Nur so könne der ökologische Mehrwert entstehen, der auch genügend Nahrungsraum und Nest-Habitate für Insekten bieten könne. Wie zu erfahren war, arbeitet Frau Ruth Brummer vom AELF Rottal-Inn an der Zusammenstellung eigener Mischungen. Hier wurde von BN-Seite angeregt, mit eigener Expertise durch den Fachmann Walter Sage zu optimalem Erfolg beizutragen.

Verdeutlicht wurde auch die BN-Position nach einer Reduzierung von Glyphosat und anderen Spritzmitteln sowie nach der Förderung mechanischer Unkrautbeseitigungs-Alternativen, wenngleich einzuräumen war, dass bei Erosionslagen hier eventuell Probleme auftreten könnten. BN-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller wies noch darauf hin, dass vor allem für den Insektenschutz das Schaffen von Biotop-Verbünden - also die Vernetzung der Lebensräume - in Kombination mit Blühstreifen und angrenzenden Hecken-Säumen bzw. Acker-Rainen oder Feldgehölzen gut und sehr sinnvoll sei. Als besonders wichtig hob BN-Geschäftsleiterin Marianne Watzenberger hervor, dass man bei der Insekten-Unterstützung nicht nur die Honigbienen im Blick haben solle, sondern vielmehr auch die rund 600 verschiedenen Wildbienenarten, zu denen auch die Hummel gehöre. Entsprechendes Belassen von unberührten Randstreifen, grobsteinigen Schotter-Arealen oder die Duldung von Totholz könnten hierzu einen guten Beitrag leisten.

Fazit des Gespräches aus Sicht des Bund Naturschutz war, einen Einblick in die derzeit geübte fachliche Praxis konventioneller Landwirtschaft bekommen zu haben, als positiv gesehen wurde auch die Möglichkeit des Gespräches zwischen Verantwortlichen auf Augenhöhe. Die Kontaktpflege und Gesprächsmöglichkeiten sollten weiterhin aufrechterhalten werden, denn letztlich seien derartige Kommunikations-Möglichkeiten gute Anlässe, auf beiden Seiten Argumente weiter kennenzulernen und den Wissens-Horizont beiderseits auszubauen.


Prof. Reichholf: „Was habt Ihr dagegen getan?“

Vortrag zum Insektensterben – Dramatische Entwicklung geschildert

Eggenfelden. Im Rahmen der von der Kreisgruppe organisierten Poster-Ausstellung „Hummeln – Bienen im Pelz“ der BUND-Naturschutz-Kreisgruppe (BN) hielt der Wissenschaftler Prof. Dr. Josef Reichholf vom „Forum Ökologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften“ in der Sparkasse Eggenfelden einen Vortrag zum Thema: „Der Niedergang der Insekten: Ursachen und Folgen“. Vorher begrüßte jedoch Marktgebiets-Leiter Gerhard Franz die weit über 100 Vortrags-Besucher mit der Bitte, sich diesem ernsten Thema aufmerksam zu widmen. Auch der Kreisvorsitzende des BN, Matthias Schmöller, mahnte, die Bedrohung der Insektenwelt sehr ernst zu nehmen, da ansonsten dramatische Entwicklungen in den natürlichen Nahrungsketten mit erheblichen Auswirkungen auch auf den Menschen zu befürchten wären. Er dankte im Übrigen der Sparkasse, dass sie dem BUND Naturschutz die Möglichkeit gegeben habe, diesen Vortrag im Rahmen des von der BN-Kreisgruppe ausgerufenen „Jahres der Insekten“ der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Prof. Reichholf ging einleitend darauf ein, dass seit 1989 ein Rückgang der Insektenpopulationen um rund 76 % festzustellen sei, und das sogar in Schutzgebieten. Die aufsehenerregende „Krefelder Studie“ aus dem vergangenen Jahr würde dies eindrucksvoll belegen. „Auch bei uns im Inntal ist diese dramatische Entwicklung zu verzeichnen“, so der Referent, „aber leider machte bereits die Flurbereinigung vor mehreren Jahrzehnten viele Dörfer zu Inseln, oftmals umgeben von Maisäckern. Im Gefolge dieses Strukturwandels verschwanden auch kleine Feldgehölze und Hecken, es folgte die Überdüngung auf Feldern und Wiesen. Das ostbayerische Inntal ist leider einer der Schwerpunkte dieser Entwicklung.“

Die Überdüngung würde zur Vegetationsverdichtung und zur Abkühlung des Mikroklimas über den Böden führen, so der Referent, sodass die meisten wärmeliebenden Insekten keinen Lebensraum mehr finden würden. Hinzugekommen sei die Behandlung mit Insektiziden und Pestiziden als Bedrohung für diese Kleinlebewesen. „Diese Effekte, die auch in anderen Ländern beobachtet werden können, sind allein auf die EU-Agrarpolitik zurückzuführen. Der einzelne Landwirt kann sich diese Entwicklung gar nicht entziehen, man darf also nicht den Bauern allein hier den Schwarzen Peter zuschieben“, so Professor Reichholf. Er hob hervor, dass nicht einmal staatliche Stellen, beispielsweise in den Staatsforsten, hier noch Vorbilder bezüglich Insektenschutz seien, auch werde beispielsweise rücksichtslos und unüberlegt an den Inn-Dämmen zu falschen Zeiten und zu radikal gemäht, was wesentlich auch zur Vernichtung der Insekten beitrage.

„Verständlich ist, dass die Landwirtschaft die Erträge optimieren möchte,“ so Prof. Reichholf, „Nur hat die damit verbundene Subventions-Politik genau die falsche Steuerungs-Richtung. Er erwähnte auch, dass sogar in den Städten bessere Bedingungen für Insekten herrschen würden, aufgrund der erheblichen Nachverdichtung jetzt aber wieder schlechter werdend. „Die Klimaerwärmung trägt auch nicht zu einer Verbesserung dieses Zustandes bei, und im Gefolge des Rückganges der Insekten ist auch der Rückgang der Singvogel-Arten zu verzeichnen, da diese ja auf die Insekten als Nahrungsgrundlage angewiesen sind. Viele von uns merken es schon: Der Frühling ist stumm geworden“, so Prof. Reichholf.

Auch die Ausweitung des Maisanbaus aufgrund politischer Subventions-Vorgaben kritisierte er: „Die Produktion von Bio-Energie fördert diesen bisher größten Artenschwund in Deutschland auch noch. Was unsere Kinder und Enkel sagen, wird sehr bedenklich sein“, bilanzierte Josef Reichholf, „Und sie werden uns fragen: Was habt ihr dagegen getan?“.

Er plädierte dafür, dass die Landwirte gutes Geld für eine gute Umwelt bekommen müssten, ohne Subventionen – aber an dieses Thema wage sich kein Politiker heran. Ebenso wenig an die Beschränkung der chemischen Großindustrie, die mit Monopol-Strukturen die Landwirte auch in die Enge treibe und die Politik diktiere. Reichholf: „Es liegt jetzt an uns, diesen Entwicklungen endlich Einhalt zu gebieten und die Politik sowie die entsprechenden Behörden-Strukturen unter Druck zu setzen. Der größte Hebel geht eben leider über die Landwirtschaft, denn sie besitzt den allergrößten Teil der Flächen. Aber es muss jetzt endlich etwas geschehen, denn sonst steht uns allen eine düstere Zukunft bevor. Aber leider werden auch manche guten Ansätze von der Politik und den Agrar-Großkonzernen blockiert.“ Auch der Verbraucher wurde in die Pflicht genommen, da er zum großen Teil nur auf den günstigen Preis und nicht auf die umweltschonende Erzeugung achte und überdies die Politik nicht weiter zur Verantwortung ziehe.

Die anschließende, rege Diskussion ergab jeweils große Betroffenheit. Einig waren sich die Besucher allerdings darin, dass der Landwirtschaft bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden müssten, um die Natur und die so wichtigen Insekten in positivem Sinne zu unterstützen und zu erhalten.


Ausstellung in der VR-Bank Pfarrkirchen: „Hummeln – Bienen im Pelz“

Pfarrkirchen. Noch bis 11. Mai in den Räumen der VR-Bank Pfarrkirchen am Stadtplatz zu sehen ist die von der Kreisgruppe Rottal-Inn des BUND Naturschutz initiierte Ausstellung „Hummeln – Bienen im Pelz“. Die aus zahlreichen informativen Groß-Postern bestehende Ausstellung, zu der auch viele Schulklassen erwartet werden, gibt einen Überblick über die für eine Hummel notwendigen Lebensräume, über ihre Entwicklung und ihr Leben im Jahreslauf, über ihre wichtige Funktion als Bestäuber aber auch über ihre Gefährdung. Nicht zuletzt geben zahlreiche Darstellungen und praktische Exponate Hinweise für die Gestaltung von Nistgelegenheiten im eigenen Garten und überhaupt zum insektenfreundlichen Blühpflanzen-Garten beispielsweise mit Disteln, Wiesenklee, Taubnesseln, Malven, Lavendel und Vogelwicken.

Bei der Eröffnung der Ausstellung in der VR-Bank freute sich Direktor Stefan Sendlinger, dass man etwas zur Information der Bevölkerung über diese wichtigen Insekten beitragen könne: „Unser Ökosystem braucht die Insekten und speziell die Hummeln“, so Stefan Sendlinger, „und ich hoffe, dass wir hier mit Informationen für mehr Transparenz und Verständnis sorgen können. Ich danke dem Bund Naturschutz für die mit dieser Ausstellung geleistete Arbeit.“

BN-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller dankte seinerseits dem gastgebenden Geldinstitut: „Für uns ist es immer sehr positiv, wenn wir der Öffentlichkeit ein wichtiges Thema präsentieren können, zumal wir heuer das Jahr der Insekten ausgerufen haben und die Ausstellung hier diese Initiative ergänzen soll. Die Hummeln sind faszinierende Lebewesen, die viel für uns Menschen tun, die aber durch den Einfluss des Menschen immer mehr in Bedrängnis geraten.“ Schmöller betonte auch, dass die Hummel als Symbol für alle Insekten und deren wichtige Bedeutung gelten solle und dass alles unternommen werden müsse, um sie zu schützen und die Gefährdungen zu beseitigen.

Bürgermeister Wolfgang Beißmann bedankte sich in seinem Grußwort, dass diese Ausstellung gerade in Pfarrkirchen zu sehen sei und dass der BN sich mit diesem Thema an die Öffentlichkeit wende: „Hummeln sind etwas Faszinierendes, und es ist sehr positiv, wenn man sich in dieses Thema mit dieser Ausstellung einarbeiten kann. Nicht zuletzt geben uns diese Exponate Anlass, darüber nachzudenken, dass wir in der Natur maßvoll handeln müssen. In diesem Zusammenhang sollten wir auch mehr blühende Flächen schaffen. Die Stadt Pfarrkirchen ist beispielsweise derzeit dabei, einige Freiflächen im innerstädtischen Bereich zu begutachten, um der Natur mehr Raum für Blütenvielfalt zu lassen. Damit wollen wir auch viele Menschen motivieren, in diesem Zusammenhang etwas zu tun. Schauen wir auf unsere Natur, übernehmen wir alle etwas mehr Verantwortung für diesen unseren Lebensraum“, schloss der Bürgermeister seine Eröffnungsrede.

Den zahlreich erschienenen Eröffnungs-Gästen erläuterte dann Naturpädagogin Marianne Watzenberger die einzelnen Details der Poster und gab auch viele nützliche Hinweise für den Schutz von Insekten im Allgemeinen und der Hummeln im Speziellen. Zu sehen ist die Ausstellung in der VR-Bank noch bis zum 11. Mai.


Wildlebensräume: Verbindung von Mensch und Natur

Pfarrkirchen. Gut besucht war die Veranstaltung „Gestaltung von Wildlebensräumen“ der BUND Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn (BN) mit dem Referenten Hans Laumer, dem für den Bezirk Niederbayern zuständige Wildlebensraumberater vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) aus Straubing.

In seiner Begrüßung ging BN-Kreisvorsitzender Matthias  Schmöller auf das „BN-Jahr der Insekten“ ein und thematisierte die drastischen Artenrückgänge. Er betonte, dass Insekten nicht nur wichtige Bestäuber, sondern auch Nahrungsgrundlage für Vögel und andere Wildtiere seien. Damit schloss er den Bogen zur Wildlebensraumgestaltung. „Wir sind froh, dass wir mit dem heutigen Abend Umweltschützer, Jäger und Landwirte mit einem gemeinsamen Thema zusammenbringen“, übergab Schmöller an den Referenten.

Bei der Wildlebensraumberatung in Bayern, die 2014 ins Leben gerufen wurde, gehe es um ein breites Spektrum an Zielarten vom Feldhasen über Rebhühner bis hin zu Insekten und Vögeln. „Die Förderung der Artenvielfalt in der Kulturlandschaft steht im Vordergrund. Ansprechpartner sind vor allem Landwirte, Jäger und Jagdgenossen“, so Hans Laumer, der selbst Landwirt ist. Im Anschluss wurden Informationen über Fördermöglichkeiten im Rahmen von Greening (z.B. Feldränder und Stilllegung/Brache) und dem Kulturlandschaftsprogramm KULAP (z.B. Blühflächen und Erosionsschutzstreifen) gegeben. Greening-Maßnahmen wie Blühflächen böten sich, so der Referent,  gerade an Waldrändern an, denn diese Standorte seien wenig profitabel für Mais- und Getreideanbau. Ökologisch besonders wertvoll für Insekten im Rahmen des KULAP seien sogenannte fünfjährige B48-Blühflächen, da diese Flächen neben wertvoller Pollen-und Nektarversorgung auch wichtige Nistmöglichkeiten in abgestorbenen Stängeln und Halmen bieten könnten, die in den ausgeräumten Agrarlandschaften sonst kaum mehr zu finden seien. Für viele ordnungsliebende Menschen hinterließen sie zunächst jedoch einen gewöhnungsbedürftigen Eindruck. „Wir brauchen aber gerade in unserer Landschaft viele dieser scheinbar ‚unordentlichen‘ Flächen. Ich fordere mit aller Deutlichkeit einen gewissen Mut zur Wildnis“, so das Fazit Laumers.  Besonders bei der Wegrandpflege plädierte der Wildlebensraumexperte dafür, nicht mehr alles zu mulchen, sondern bestimmte Wegabschnitte in der Pflege auszusparen. All diese Maßnahmen könnten zu Win-Win-Situationen führen, da sich für Landwirte neue Verdienstnischen und Einkommensmöglichkeiten ergäben und gleichzeitig für Tiere und Pflanzen neue Lebensräume entstünden.  -wh


„Der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt“

Eggenfelden. Ein Plädoyer für einen auch in Zeiten des Klimawandels ökologisch stabilen und ökonomisch sinnvollen Waldumbau sowie für eine daran ausgerichtete Jagd hielt Revierjagdmeister Nikolaus Urban anlässlich der Verleihung der Waldmedaille des BUND Naturschutz.

Mit dieser Waldmedaille, die vom BN seit 2008 verliehen wird und die auf jahrhundertealte historische Wurzeln zurückgeht, werden Persönlichkeiten und Organisationen geehrt, die sich um den Schutz und die naturnahe Bewirtschaftung des Waldes, insbesondere auch im Privat- und Kommunalwald, verdient gemacht haben. „Und Sie, lieber Herr Urban, haben sich verdient gemacht“, stellte der Landesbeauftragte des Bund Naturschutz, Richard Mergner, zu Beginn der Ehrung im Rahmen einer Feierstunde im alten Rossstall der Schlossökonomie Gern fest.

Begrüßen konnte er zu diesem Festakt auch aus der Politik den Landtagsabgeordneten der Grünen, Markus Ganserer, die Europaabgeordnete der SPD, Maria Noichl, den stellv. Landrat Kurt Vallee sowie Eggenfeldens Bürgermeister Wolfgang Grubwinkler. Aus den verschiedenen Verbänden waren gekommen: Josef Ziegler, Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, Manfred Schölch, Vorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft naturgemäße Waldwirtschaft Bayern“, Wolfgang Kornder als Vorsitzender des „Ökologischen Jagdvereins“ (ÖJV) Bayern, Edgar Wullinger als Vorsitzender des ÖJV Niederbayern, Hans Kornprobst als Sprecher des „Landesarbeitskreises Wald im BN“, Matthias Schmöller als Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Rottal-Inn sowie weitere Mitglieder aus dem „Landesarbeitskreis Wald“ im BN. Aus der Forst- und Landwirtschaftsverwaltung waren auch Monika Deubzer, Leiterin des AELF Landau a.d.Isar (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten), Alfons Leitenbacher, Leiter des AELF Traunstein, Joachim Hamberger, Bereichsleiter Forsten am AELF Landau sowie Hans-Jürgen Hirschfelder, Leiter des NATURA-2000-Kartierteams Niederbayern erschienen. Auch viele lokale und regionale Waldbesitzer sowie Jagdvorsteher hatten sich eingefunden.

Ein großer Teil von ihnen hatte vor der eigentlichen Ehrung bereits an einer Begehung eines nach der gesetzlichen Vorgabe „Wald vor Wild“ bewirtschafteten Reviers in der Jagdgenossenschaft Angerstorf-Lohbruck teilgenommen, bei der Nikolaus Urban in humorvoller Art bereits die wesentlichen Grundlagen einer zukunftsorientierten und nachhaltigen Waldbewirtschaftung vermittelt hatte: „Die Zeit der Fichte neigt sich dem Ende entgegen, die Tanne als Nadelanteil in einem Mischwald wird mehr und mehr Bedeutung gewinnen. Um jedoch den Verbiss allgemein zu minimieren, darf vor allem das Rehwild nicht überhand nehmen. Alles was landläufig als „Hege“ bezeichnet wird, wie Kirren oder Füttern, haben wir eingestellt. Wir jagen nur noch im Wald und das tagsüber.“ Urban betonte dabei unmissverständlich, wie wichtig es sei, dass die Waldbesitzer und Jagdgenossen wieder mehr jagdrechtliches Selbstbewusstsein entwickeln und am besten die Jagdausübung selbst in die Hand nehmen. „Wichtig ist auch ein guter Kontakt der Jagdgenossen bzw. Waldbesitzer untereinander", so der Revierjagdmeister, „denn sie müssen zu Zeiten des Klimawandels die neu erforderlichen Waldstrukturen in die Praxis umsetzen. Zugleich müssen sie aber auch standfest ihre Rechte gegenüber der Jägerschaft vertreten und letztere davon überzeugen, dass ein Umdenken Platz greifen muss, wenn wir auch in 100 Jahren ein gut funktionierendes Miteinander und ökonomischen Erfolg in dem für Mensch und Ökosystem so wichtigen Faktor ‚Wald‘ haben wollen. Die Jagd hat dazu ihren Beitrag zu leisten, indem der Grundsatz ‘Wald vor Wild‘ durchgängig umgesetzt wird. Denn der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt."

Richard Mergner ehrte Nikolaus Urban dann in seiner Laudatio mit folgenden Worten: „Seit 39 Jahren üben Sie ihre beiden Berufe, Revierjagdmeister und Forstwirt, in vielfältigsten Schattierungen aus. Unzählige private Waldbesitzer haben Sie dabei zusätzlich zu Ihren Dienstaufgaben über die Folgen der Wildschäden aufgeklärt und sie ermutigt, Wege aus dem Dilemma zu suchen. Jagdpächter sollen dabei keineswegs als Feindbild da stehen. Ihr Ziel, Herr Urban, ist es, die Jäger ‚mitzunehmen‘, mit Ihnen gemeinsam Vereinbarungen zu treffen. Ihre jahrzehntelangen Bemühungen, in mittlerweile über dreißig Jagdgenossenschaften die Eigenbewirtschaftung zu beginnen, kann man gar nicht hoch genug schätzen. Das macht Ihnen in ganz Deutschland wohl keiner nach. Auch Ihre Initiative ‚Bauernjäger‘ hat eine große Breitenwirkung für ganz Südostbayern. Die Botschaft wird gehört: Wir nehmen das Schicksal unserer Wälder wieder selbst in die Hand, jagen selbst und verbinden so das Jagdrecht wieder mit dem Jagdausübungsrecht. Nach Ihren Vorschlägen werden Rehe dort nun auch überwiegend im Wald und am hellen Tag bejagt. Und zwar im Rahmen von Intervall- und Schwerpunktjagd, damit die Wildtiere so wenig wie möglich beunruhigt werden. Darauf folgende Vegetationsgutachten zeigen einen deutlichen Rückgang des Verbisses. Zäune braucht man nicht mehr, die Tanne verjüngt sich flächig ohne Schutz. Auch die Eiche und weitere Laubbäume sind auf dem Vormarsch.“

Mergner weiter: „Die herkömmliche, nicht regelkonforme Fütterung wurde in diesen Revieren eingestellt. Denn der Wildbestand hat sich der Landeskultur anzupassen und nicht umgekehrt. Die vorhandenen Rehe haben jetzt genug Raum, der soziale Stress für diese Einzelgänger entfällt. Krankheiten und Parasitenbefall nehmen ab. Zu Wildunfällen kommt es kaum noch. So sehen Tierschutz, Waldschutz und letztlich auch Menschenschutz unter einem Hut aus.“

In ihren Grußworten würdigten Wolfgang Kornder für den Ökologischen Jagdverein, Eggenfeldens Bürgermeister Wolfgang Grubwinkler, Joachim Hamberger für das AELF Landau, Alfons Leitenbacher vom AELF Traunstein, Professor Manfred Schölch von der ANW Bayern, die Abgeordneten Maria Noichl sowie Markus Ganserer die Lebensleistung des Geehrten, sie mahnten die Jagd als Naturschutz-Element an, erwähnten die große Praxis-Erfahrung von Nikolaus Urban im Sinne einer positiven Waldentwicklung und gingen auch auf die Bedeutung neuer Wald- und Jagdstrukturen in Zeiten des Klimawandels ein.

Der Geehrte dankte abschließend für die wohlwollende Begleitung durch viele Kollegen über Jahrzehnte hinweg und betonte, indem er abschließend eine gut gewachsene und eine verkümmerte Tanne zeigte: „Es liegt an uns, ob in vielen Jahren eine Tanne gerade und hochgewachsen oder verbissen und verkrüppelt ist. Insofern ist diese für mich sehr ehrenvolle Auszeichnung auch allen Waldbesitzern gewidmet, die sich dem Waldumbau bereits zuwenden. Geben wir dem Wald seine Würde zurück. Er ist und bleibt unser aller unverzichtbarer Lebensraum.“   -wh


Offener Brief von Dr. Riedler: Das Insektensterben muss gestoppt werden

Offener Brief an Herrn Landrat Michael Fahmüller und an die Kreistagsfraktionen Rottal-Inn

 Sehr geehrter Herr Landrat Fahmüller,

Deutschland und auch unser Landkreis Rottal-Inn erleben ein dramatisches Insektensterben. Das betrifft nicht nur seltene Arten, sondern die gesamte Biomasse.  So zeigen  Untersuchungen, dass verglichen mit 1989, nur noch ein Viertel der Insekten vorhanden ist. Die nächsten Leidtragenden in der Nahrungspyramide sind die Vögel. Auch hier beobachtet man einen  rapiden Rückgang der Brutpaare. 
Wird dieser Prozess nicht gestoppt, kommt es in den nächsten Jahren zu einem Zusammenbruch der flächendeckenden Bestäubung in unserem  Landkreis, was sich auch negativ auf die Erträge in Landwirtschaft, Obst-und Gartenbau auswirken wird.
In diesem Zusammenhang  begrüßt die BN Kreisgruppe Rottal-Inn   den von allen Fraktionen im Kreistag  einstimmig verabschiedeten Resolutionsantrag der Grünenkreistagsfraktion zum insektenfreundlichen Landkreis und der ÖDP-Kreistagsfraktion zum Ziel eines glyphosatfreien Landkreises .
2016 haben wir das Projekt „Rottal-Inn blüht auf!“ ins Leben gerufen und im Landratsamt 2015 bei der Bürgermeisterdienstbesprechung vorgestellt. Ziel dieses Biodiversitätsprojektes  war die Anlage und Pflege von naturnahen öffentlichen Grünflächen mit Wildblumen. An dem Projekt haben sich die Gemeinden Eggenfelden, Bad Birnbach, Arnstorf und Massing beteiligt. Wir haben eine Auftaktveranstaltung organisiert und in der Pilotgemeinde Eggenfelden auf mehreren Flächen Anlage- und Pflegedemonstrationen durchgeführt. Insgesamt wurden über 20 Bauhofmitarbeiter geschult. Leider hat sich der Landkreis mit seinen Flächen nicht an dem Projekt beteiligt. Insbesondere die öffentlichen  Landkreisflächen z.B. an Krankenhäusern, Schulen und Behörden  böten sich für solche Maßnahmen an und hätten Vorbildcharakter für die Öffentlichkeit.
Unsere Meinung sollte das Projekt mit Unterstützung des Landkreises  nochmals aufgegriffen  und  im Landkreis-und Gemeindebereich erweitert werden.
Ein weiteres Thema von „Rottal-Inn blüht auf!“ war die Entwicklung naturnaher Pflegkonzepte für unsere Straßenböschungen.  Auch hier haben wir ein kleines Pilotprojekt gestartet. Unsere Straßenränder sind wichtige Verbindungsnetze und Lebensräume  für unsere Wildbienen und Schmetterlinge.  Insgesamt besitzen wir im Landkreis 500 km Landkreisstraßen. Die Ränder werden wie bei den Gemeindestrassen  2x im Jahr gemulcht. Durch das Mulchen ersticken alle Blütenpflanzen und es wächst nur noch Gras. Unsere Insekten finden keine Nahrung mehr. Hier brauchen wir dringendst andere und bessere  Pflegekonzepte!!!
Auch für die Landwirtschaft müssen insektenfreundliche Bearbeitungsverfahren entwickelt werden. Das betrifft sowohl den Ackerbau als auch die Grünlandbewirtschaftung. Das Ganze geht nur in Zusammenarbeit mit unseren Landwirten, Behörden, Politikern und Bauernverbänden. Ohne unsere Landwirte haben wir keine Chance dieses Problem zu lösen!
Die BN Kreisgruppe Rottal-Inn hat deshalb das  2018 zum „Jahr der Insekten“ ernannt. In diesem Zusammenhang möchte ich Sie noch auf die zahlreichen Veranstaltungen, Ausstellungen und Vorträge hinweisen die wir 2018  im ganzen Landkreis planen. Unter anderen veranstalten wir eine Wanderaustellung über Hummeln in Arnstorf, Eggenfelden und Pfarrkirchen, sowie in Simbach eine Ausstellung mit dem Thema “Tatort Garten“. Am 18. Juni planen wir eine Fahrt in die Gemeinde Haar (östlich von München). Die Gemeinde hat mittlerweile über 4 Hektar kommunale naturnahe  Blühflächen  und hat diesbezüglich Vorbildcharakter in Deutschland.
Anmeldungen und nähere Infos zu den  Veranstaltungen sind ab Januar  bei unserer  BN Geschäftsstelle verfügbar.
Die verabschiedeten Resolutionen  müssen jetzt mit Leben erfüllt werden. Gerne  bringen wir unseren Sachverstand und Fachwissen  in die Diskussion und Umsetzung mit ein  und freuen uns auf eine  baldige Rückmeldung.

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.
Dr. Jürgen Riedler
2. Kreisvorsitzender BN Rottal-Inn


BN initiiert Runden Tisch für einen insektenfreundlichen Landkreis

Pfarrkirchen. Aufgrund des in der Wissenschaft derzeit heiß diskutierten Problems der drastischen Insektenrückgänge erklärt die BUND Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn (BN) 2018 zum „Jahr der Insekten“ und rückt damit den Schutz der betroffenen Arten in das öffentliche Bewusstsein. Anlässlich der aktuellen Kreistagsbeschlüsse zum insektenfreundlichen und glyphosatfreien Landkreis lud der BN zu einem Runden Tisch und informierte die zahlreich anwesenden  Behörden- und Verbandsvertreter aus Naturschutz, Politik, Landwirtschaft, Jagd  und Fischerei zum Thema Insektensterben und Insektenschutz.

In Ihrer Begrüßung betonten der BN-Kreisvorsitzende Matthias Schmöller und sein Stellvertreter Dr. Jürgen Riedler, dass die Kreistagsbeschlüsse nun mit Leben erfüllt werden müssten: „Insekten bilden die Basis eines gesunden Ökosystems. Sie sind nicht nur die wichtigsten Pflanzenbestäuber, sondern regulieren auch Schädlinge und dienen zahlreichen anderen Arten als Futter. Weniger Insekten bedeuten deshalb auch weniger Fische, Frösche, Eidechsen, Vögel und Säugetiere. Wenn das Fundament wegbricht, wie es die aktuellen Studien zeigen, dann droht das ganze Gebäude – unser gesamtes Ökosystem – einzustürzen.“

Als Gastreferentin war die Biologin Beate Rutkowski, BN-Kreisvorsitzende im Landkreis Traunstein und Mitglied des BN-Landesvorstands, geladen. Nach einem aufschlussreichen Vortrag zum Thema Insektensterben berichtete sie über Maßnahmen und Aktionen verschiedener Akteure und deren Erfolge für einen insektenfreundlichen Landkreis Traunstein. So gebe es dort mittlerweile  bereits zwei Ökomodellregionen (Waginger See und Achental), eine Streuobstinitiative mit Biozertifizierung, die bereits hunderte von  Obstbäumen pflanzte, Förderprogramme für die Ökologisierung der Biogasflächen und Alternativen zum Maisanbau sowie Initiativen für eine insektenfreundlichere Beleuchtung. Insgesamt seien bereits über 30 Kilometer mehrjährige Blühstreifen mit Regiosaatgut von Landwirten angelegt worden, und auch für die Straßenränder würden Pflegepläne für die mulchfreie Bewirtschaftung aufgestellt und das Mähgut abtransportiert. Sehr wichtig sei auch die Förderung der Biobauern in der Region, da diese auf Glyphosat und Insektizide verzichten. So wurden auch Programme für Heumilch, Heumilchkäse und Regionalvermarktung entwickelt. Jährlich finde eine Wiesenmeisterschaft statt, bei der die schönsten Blumenwiesen der Landwirte prämiert würden. „Sehr wichtig“, so Barbara Rutkowski, „ist gerade auch  die Schaffung eines Biotopnetzverbundes mit intakten Waldrändern, Uferrandstreifen und mulchfreien Straßenböschungen, da ein genetischer Austausch für das Überleben vieler Insekten absolut notwendig ist“.

Der stellvertretende Landrat Kurt Vallee versprach, dass die in Vortrag und Diskussion gegebenen Anregungen nach Absprache mit dem Landrat von Seiten des Landkreises aufgegriffen würden und die Kreisentwicklungsbehörde beauftragt werde, ein Konzept in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde bzw. den zuständigen Fachstellen und Verbänden zu entwickeln . So sei bereits beschlossen worden, bei Landkreisstraßen- soweit es die Verkehrssicherungspflicht zulässt- Straßenböschungen nur einmal im Jahr zu mähen und das Mähgut möglichst abzutransportieren.


BN zeigte Film „Global Shopping Village“

Pfarrkirchen. In einer vielversprechenden Kooperation der Bund Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn (BN) mit dem Club Bogaloo wurde der Film "Global Shopping Village" vor rund 80 interessierten Zuschauern gezeigt. BN-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller war begeistert, dass das alte Kino für einen Abend wieder seine Pforten öffnete und bedankte sich nach der Begrüßung der Gäste herzlich bei Club-Besitzer Reinhard Wimmer für die gelungene Zusammenarbeit.

Der österreichische Dokumentarfilm der Filmemacherin Ulli Gladik zeigt, dass die Immobilienbranche nicht nur Auswirkungen auf das globale Finanzsystem hat, sondern dass sie auch dramatisch unsere Städte und unsere Lebenswelt verändert. Der Film begleitet einen Shoppingcenter-Entwickler und seine Branchenkollegen bei der Arbeit und blickt in drei betroffene Orte in Österreich, Deutschland und Kroatien. Wie BN-Vorstandsmitglied Tobias Hanig, gleichzeitig Vorstand des österreichischen Vereins LandLuft und damit Experte für Baukultur und Stadtentwicklung, in seiner Anmoderation des Abends betonte, sei der Film aus dem Jahr 2014 gerade in Hinblick auf die neue Teilfortschreibung des bayerischen Landesentwicklungsprogramms (LEP) aktueller denn je. Denn die „schwache“ österreichische Raumordnung, die den Gemeinden viel Eigenverantwortung und Entscheidungsspielraum überlassen habe, führte in den vergangenen Jahren zu einer großflächigen Zersiedelung des ländlichen Raums und damit einhergehend zum Aussterben vieler Ortskerne.  „Bedenklich ist nun aber, dass seitens der bayerischen Staatsregierung im neuen LEP genau diese Regionalisierung angestrebt und so der Konkurrenzkampf zwischen den Gemeinden weiter angefacht wird“, so Hanig. Die Entscheidung für neue Gewerbe- und Baugebiete werde von den meisten Gemeinden jedoch aus der Not heraus gefällt. Versuche man dem Bevölkerungsschwund mit einem Wachstum in die Fläche entgegenzuwirken, könne dies, wenn überhaupt, nur über einen kurzen Zeitraum funktionieren.

Das auch vom Bund Naturschutz zukünftig unterstützte Volksbegehren gegen den Flächenfraß sei wichtig, da es den Finger in die Wunde lege, jedoch dürfe die Diskussion nicht nur quantitativ geführt werden und schon gar nicht den Naturschutz außen vor lassen. „Auch 5 ha pro Tag sind zu viel, wenn dabei die falschen Flächen versiegelt werden. Es müssen vor allem Instrumente gefördert werden, die es den Gemeinden ermöglichen, bestehende Raum- und Flächenpotenziale zu nutzen. Neben einer längst überfälligen Grundsteuerreform, einem verpflichtenden Baulücken- und Leerstandskataster gibt es auch vielversprechende Überlegungen mit handelbaren Flächenzertifikaten um die kommunale Selbstverwaltung zu stärken“, zählte Hanig mehrere Maßnahmen auf, die aus Sicht des BN dem kommunalen Flächenschutz dienen könnten.

Der Club Bogaloo, das alte Pfarrkirchner Stadtkino, wurde vom BN übrigens sehr bewusst als Veranstaltungsort gewählt. Jeder Leerstand biete, mutige Ideen vorausgesetzt, immer auch die Chance für etwas Neues, ohne die in Hinblick auf Naturschutz und Landwirtschaft wertvolle Ressource am Ortsrand zu versiegeln, zogen Schmöller und Hanig abschließend ihr Resümee eines gelungenen Filmabends.


Mit den „Spitzmäusen“ bei Dinosauriern, Riesenbambus und Kakaobäumen

Massing. Betreut und organisiert von Anne Hennersperger, der Leiterin der Bund-Naturschutz-Kindergruppe „Spitzmäuse“ und erwachsenen Begleiterinnen durfte eine große Kinderschar einen lehrreichen Tag in München verbringen.
Erstes Ziel war das Museum „Mensch und Natur“ am Nymphenburger Schloss. Staunend erkundeten die kleinen Besucher die Ausstellungen zur Entstehung des Sonnensystems, die Geschichte der Erde und die Entwicklung des Lebens, aber auch die Biologie des Menschen, Ernährung, Umweltprobleme sowie das Verhältnis des Menschen zur Natur. Ein Highlight war die Abteilung „Spielerische Naturkunde“, die mit interaktiven Elementen Wissen vermittelte. Auch der ausgestopfte, 2006 abgeschossene Problembär Bruno zog viel Aufmerksamkeit auf sich.
Der Nachmittag war ganz dem Besuch des Botanischen Gartens gewidmet. Im Rahmen einer Kinderführung konnten bei spätherbstlichem Sonnenschein am Insektenpavillon noch einige Wildbienenarten beobachtet werden. Warum der Ginkgo-Baum zu den Nadelbäumen zählt und dass die riesigen Urwelt-Mammutbäume zu Zeiten der Dinosaurier schon genauso ausgesehen haben, löste bei den Kindern viel Erstaunen aus.
Ein Höhepunkt des Ausfluges war dann aber der Besuch der Glashäuser. Die jungen Besucher standen mit großen Augen vor den riesigen Kakteen. Sie erfuhren, dass der baumdicke Riesenbambus zu den Gräsern zählt, bewunderten die reifen Zitrusfrüchte und schnupperten an der Rinde des Zimtrindenbaumes. Eifrig sammelten sie reife Kaffeebohnen unter dem Kaffeestrauch und verkosteten die gerösteten Bohnen. Am Kakaobaum konnten sie die winzigen, unscheinbaren Blüten entdecken, reife, handgroße, dunkelbraune Kakaoschoten fühlen und nach den Erläuterungen über die Weiterverarbeitung ein Stückchen Schokolade probieren.
Zur Erinnerung an diesen erlebnisreichen Tag bekam jedes Kind am Schluss  eine kleine Versteinerung aus dem „Haus Mensch und Natur“ geschenkt.


Verstummt das Summen der Bienen?

In der diesjährigen Jahreshauptversammlung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe im bis auf den letzten Platz gefüllten Schachtl-Saal präsentierte Kreisvorsitzender Matthias Schmöller zunächst die Aktivitäten der letzten zwölf Monate.

Er wies darauf hin, dass vor allem der Arten-, Flächen- und Biotopschutz vorrangige Bedeutung gehabt hatten. In diesem Zusammenhang nannte er unter anderem das vom stellvertretenden Kreisvorsitzenden Dr. Jürgen Riedler initiierte und noch weiter in mehreren Kommunen laufende Blühpflanzen-Projekt „Rottal-Inn blüht auf“, die Amphibien-Schutzmaßnahmen und die zahlreichen Informations- und Film-Abende. Er erwähnte gleichermaßen die Anstrengungen bezüglich ökologischer Landbewirtschaftung und zum Thema erneuerbarer Energien. Gewürdigt wurde auch die beispielhafte Arbeit in den Kinder- und Jugendgruppen, die unter Leitung von Marianne Watzenberger kontinuierlich durchgeführt werde und die ein wichtiger Faktor der Naturschutzarbeit sei.

Schatzmeister Franz Schustereder gab dann eine Übersicht über die Finanzlage, die zufriedenstellend sei und deren vorbildliche Verwaltung durch Kassenprüfer Herbert Eggerdinger bestätigt wurde, was zu einstimmiger Entlastung durch die Versammlung führte.

Im Hauptreferat des Abends schilderte anschließend der Imker-Fachmann und stellvertretende Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Landshut, Johannes Selmansberger, viele Faktoren rund um Bedeutung und Gefährdung von Insekten im Allgemeinen und von Bienen im Speziellen. Zunächst erläuterte er, dass rund 80 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzen auf die Honigbienen als Bestäuber angewiesen seien. „Der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubungsleistung durch die Bienen übersteigt den Wert der Honigproduktion um ein Vielfaches. Diese Bestäubungsleistung ist weltweit rund 200 Milliarden Dollar pro Jahr wert“, so der Referent. „Damit sind Bienen eines der drei wichtigsten Nutztiere neben Rind und Schwein. Auch Obst und Gemüse würden deutlich profitieren, denn Erträge und Qualitätsmerkmale würden deutlich gesteigert. Diese Leistung darf doch nicht gefährdet werden.“

Als Gefährdungsfaktoren nannte er zum einen die in der modernen Landwirtschaft eingesetzten chemischen Unkraut-, Schädlings- und Pilz-Bekämpfungsmittel. Vor allem die immer häufiger verwendeten Neonicotinoide, welche für die Bienen nachweislich viel-tausendfach giftiger seien als das längst verbotene DDT, seien katastrophal. Auch das Glyphosat („Roundup“) gelte mittlerweile als extrem bedenklich. „Selbst kleinste Dosiswerte können massiv schädigend sein“, gab Selmansberger zu bedenken, „und entgegen den Behauptungen der nur auf größtmöglichen Gewinn ausgerichteten Chemie-Industrie sind diese Stoffe jahrelang draußen nachweisbar. Das gesamte Nervensystem der Bienen und anderer Insekten ist davon massiv betroffen. Das kommt alles noch zur ohnehin vorhandenen Schädigung durch die aus Fernost eingeschleppte und von der Industrie gern als alleinige Schadensursache bezeichneten Varroa-Milbe hinzu, so dass die Imker oft vergebens kämpfen. Die Summe der schädigenden Faktoren ist es, die für viele Bienenvölker und andere Tiere in der natürlichen Nahrungskette das Todesurteil bedeutet.“

Hinzu kämen die Monokulturen in ausgeräumter Landschaft, die gemulchten, tot gespritzten oder bis zum letzten Zentimeter umgepflügten Randstreifen sowie fehlende Feldraine. Und mit der Bemerkung „Es gibt keine Blumenwiesen mehr, nicht einmal mehr in den Hausgärten, die permanent abgemäht werden“ leitete der Referent über auf die Maßnahmen, die sofort getroffen werden müssten.

Der Bio-Landbau müsste massiv gefördert und gut bezahlt werden, bienengefährdende Stoffe dürften nicht weiter verwendet werden, was auch durch den Verbraucher unterstützt werden müsste, erläuterte der Referent. Hausgärten sollten wieder naturnah gestaltet werden, Blumen, blühende Sträucher und Randstreifen sowie Obstbäume sollten selbstverständlich sein, um den Bienen und anderen Insekten Nahrung zu geben. Auch Kommunen sollten für blühende Flächen sorgen und auf das Mulchen verzichten.

Johannes Selmansberger beendete sein Referat mit den Worten: „Uns muss allen klar sein, dass es so nicht weitergehen kann. Landwirte, Imker, Naturschützer und Verbraucher müssen sich um ein besseres gegenseitiges Verständnis bemühen und dringend gemeinsam handeln, denn es geht um unser aller Zukunft.“

BN-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller dankte dem Referenten für seine Ausführungen und bemerkte, dass nicht zuletzt aus diesem Grund die Kreisgruppe Rottal-Inn das Jahr 2018 zum „Jahr der Insekten“ erklärt habe und zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen dazu durchführen werde. Schmöller äußerte ausdrücklich den Wunsch, die Landwirte und speziell den Bayerischen Bauernverband mit ins Boot zu holen und auszuloten, wo es Kooperations-Ansatzpunkte und auch gemeinsame Veranstaltungen zum Thema „Schutz von Insekten und Artenvielfalt“ geben könnte. 


Kreisgruppe besichtigt blühende Standorte in Eggenfelden

Im Rahmen einer Exkursion der Kreisgruppen-Vorstandschaft besuchten deren Mitglieder die blühenden Flächen der Aktion "Rottal-Inn blüht auf" in Eggenfelden. Alle Vorstands-Mitglieder waren sich einig, dass hier beste Arbeit geleistet worden sei. Vor allem die Resonanz aus der Bevölkerung habe gezeigt, dass der BN und die beteiligten Kommunen, allen voran die Pilot-Stadt Eggenfelden, hier genau den richtigen Weg eingeschlagen hätten.


Mit dem Radl zu den schönen Blüh-Flächen

Eggenfelden. Der stellvertretende Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzende Dr. Jürgen Riedler stellte im Rahmen einer abendlichen Radl-Exkursion interessierten Bürgern und Stadträten – allen voran Bürgermeister Wolfgang Grubwinkler - die sieben Wildblumenflächen vor, die im Rahmen der landkreisweiten Aktion „Rottal-Inn blüht auf!“ in der Pilotgemeinde Eggenfelden letztes Jahr neu angelegt wurden. Mit dieser Aktion will der Bund Naturschutz u.a. auf heimische Wildpflanzen als wichtige  Pollen- und Nektarlieferanten und auf die Schaffung naturnaher Lebensräume  für wildlebende Insekten wie Wildbienen  und Schmetterlinge  aufmerksam machen. Auch seien, so der BN, viele Gärten und öffentliches Grün leider geprägt von sterilen Rasen- oder Schotterflächen und exotischen Zierpflanzen, die für die heimischen Bestäuber wertlos wären.

„Die Wildblumensäume am Closenanger und Albanweg werden übrigens erst im März gemäht, um auch die Vogelwelt von dem Samenangebot profitieren zu lassen. So sind zum Beispiel für Stieglitze die Samen der Wilden Karde im Winter  ein Leckerbissen“, erläuterte Dr. Riedler, „während die Pflanze jetzt im Juli und August mit Ihrer ansprechenden  ringförmigen Blüte ein Wildbienenmagnet ist“.

Beeindruckt waren die Teilnehmer auch von den großen Samenständen des Färberwaid, aus dem bis ins Mittelalter der blaue Indigo gewonnen wurde. „Zahlreiche Redewendungen wie ‚Sein blaues Wunder erleben‘, ‚grün und blau schlagen‘  und ‚blau machen‘ kommen aus dieser Zeit“, erläuterte Dr. Jürgen Riedler, „aber auch der blaue Lein, der Flachs, zählt zu unseren ältesten Kulturpflanzen und war bis zum Siegeszug der Baumwolle die bedeutendste Pflanze für Textilien in Europa“.

Weiter erfuhren die Teilnehmer, dass aus der  Wurzel der Wegwarte (Cichorium intybus) eine Kaffee-Ersatzmischung, der „Zichorienkaffee“ hergestellt wurde, dass ihre himmelblauen Blüten nur einmal und nur  an Sonnentagen vormittags aufblühen und dass dieses  botanische Verhalten der Pflanze in der Steiermark den  volkstümlichen Namen „Faule  Gretl“ gegeben hat. Abschließend zeigte sich Dr. Jürgen Riedler erfreut über die große Resonanz, die die Einladung zu dieser Radl-Exkursion gefunden hatte und hofft im Zuge der Förderung der Artenvielfalt auf etliche Nachahmer in Privatgärten und öffentlichen Grünanlagen.


„Bufdi“ für die Kreisgruppe gesucht

Pfarrkirchen. Viele wertvolle und geschützte Pflanzenarten in den Biotopen des Rott- und Inntals haben bereits ihre Samen abgeworfen – nun darf also gemäht werden. Diese Art der Biotop-Pflege ist ein wichtiger Beitrag für den Erhalt der Artenvielfalt, um seltene Lebensräume zu bewahren und die darin vorkommenden Arten zu fördern und die durch die zunehmende Boden-Versiegelung und die Intensivierung der Landwirtschaft verschwundenen Lebensräume zu schützen. In Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband (LPV) führt der Bund Naturschutz (BN) deshalb unterschiedliche Pflegeeinsätze durch: Mähen von Wiesenflächen einschließlich Trockenrasen, Feuchtwiesen und Streuobstwiesen, Anlegen und Schneiden von Hecken und Mähgutausbringung von wertvollen Blumenwiesen auf Ausgleichsflächen etc.

Einen besonderen Beitrag leisten dabei die aktiven Mitglieder des BN, die sich freiwillig für den Naturschutz engagieren. Vor allem aber ist der "Bundesfreiwillige" (kurz: "Bufdi"), der nach den Richtlinien für Bundesfreiwilligendienst in Voll- oder Teilzeit eingestellt wird, nicht mehr von den vielen abwechslungsreichen Arbeiten wegzudenken. Von der Planung und Organisation bis zur Ausführung  eines Auftrages im Biotop ist sein Einsatz gefragt. Ebenso wirkt er oder sie beim Amphibienschutz genauso mit wie bei zahlreichen Aufgaben in der Geschäftsstelle.

 Anfang August 2017 beendet der derzeitige Bufdi, Herbert Richly, sein Freiwilliges Jahr beim BN. Somit wird diese Stelle wieder frei und sie ist nicht nur für Schulabgänger offen, sondern altersunabhängig auch für jeden an Naturschutzthemen interessierten Menschen. So würde sich die Geschäftsstelle in Pfarrkirchen sehr freuen, wenn sich Interessenten, ob männlich oder weiblich, wieder für dieses sehr sinnvolle, auf ein bis eineinhalb Jahre begrenztes Engagement unter Tel. 08561-3834 oder per Email: bn-rottal-inn@t-online.de melden würden.   - wh


BN in Arnstorf weiter mit bewährtem Team

Arnstorf. In der turnusgemäßen Jahreshauptversammlung der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Kollbachtal in Arnstorf standen diesmal Neuwahlen der Vorstandschaft an. In den Ämtern bestätigt wurde dabei das bestehende Vorstands-Team unter Leitung von Katrin Veicht.

Zunächst gab Hermann Koch als Schatzmeister einen Überblick über die Kassenlage, die sich nach seinen Worten zufriedenstellend zeige. Maria Watzl als Jugendleiterin schilderte dann die Aktivitäten ihrer „Umweltbande“, in der mittlerweile 20 Kinder sehr aktiv dabei seien: „Die Kinder und Jugendlichen zeigen wirklich sehr großes Engagement und entwickeln beachtliches Verständnis für die Belange des Naturschutzes, wobei natürlich Spiel und Spaß im Vordergrund stehen“, so Maria Watzl. Sie schilderte dann die zahlreichen Aktivitäten, die vom Bau von Fledermaus-Quartieren über Waldbegehungen, Gewässeruntersuchungen, Wald- und Pilzwanderungen bis hin zur Vogel-Exkursion, dem Bau von Nistkästen und der Teilnahme an Naturschutz-Zeltlagern und den Waldweihnacht-Ereignissen reichten. Die Jugend-Betreuerin erhielt für ihr Engagement große Zustimmung der Mitglieder und auch ein herzliches Dankeschön durch die Vorsitzende für ihre beispielhafte Jugendarbeit.

Katrin Veicht gab dann einen Überblick über die gesamten Aktivitäten in der Ortsgruppe. Das Programm habe von einer Waldexkursion mit besonderer Betonung auf dem Aspekt des Klimawandels und des damit verbundenen Wald-Umbaues bis hin zur Amphibien-Wanderung mit Erfassung der verschiedenen Amphibienarten im Frühjahr dieses Jahres gereicht. Sie erwähnte auch eine Vogelstimmen-Exkursion im letzten Jahr mit Hans Watzl, ein Terra-Preta-Workshop mit Edmund Schäffler, die Teilnahme an der Aktion „Rottal-Inn blüht auf“ und die Beteiligung an der Eröffnung der Arnstorfer Au. Leider buchstäblich ins Wasser gefallen sei jedoch das Streuobstwiesen-Fest. An demnächst anstehenden Aktionen erwähnte sie den Sensen-Dengel-Kurs am 27. Mai und auch eine Herbst-Pilzwanderung.

Nach der Entlastung der gesamten Vorstandschaft wurden die Neuwahlen durchgeführt, die das bewährte Vorstands-Team jeweils einstimmig in ihren Ämtern bestätigten: Vorsitzende ist wie bisher Katrin Veicht, zu ihrem Stellvertreter wurde erneut Herbert Weiss gewählt. Schatzmeister bleibt Hermann Koch, Schriftführerin ist auch weiterhin Annegret Müller. Zu Beisitzern wurden schließlich bestimmt: Mia Schöpke, Dieter Treffer, Monika Brunner und Edmund Schäffler. Die Vorsitzende dankte allen Aktiven und wünschte weiterhin gutes Arbeiten im Sinne des Natur- und Umweltschutzes. Zum Abschluss wurde noch der Film „Pflanzen – geheimnisvolle Lebewesen“ gezeigt. Er schilderte die erstaunlichen Dinge, die in der Welt der Pflanzen geschehen: Denn sie kommunizieren miteinander, sie spüren äußerst viel, sie sind untereinander vernetzt, warnen sich gegenseitig und entwickeln gemeinsame Abwehrstrategien. Der Film erläuterte, wie Pflanzen unglaublich lange vor dem Erscheinen des Menschen auf der Erde schon Strategien entwickelt hätten, die gemeinsames Überleben sicherstellen. In dem Film kamen auch Forscher zu Wort, die sich mit der Statik der Bäume, dem Kommunikationsverhalten der Pflanzen und der Abwehr von Feinden beschäftigen. Vorsitzende Katrin Veicht dankte abschließend allen Mitgliedern für die Beteiligung an der Jahreshauptversammlung und wünschte weiterhin ein gutes Arbeiten.    -wh


„Das Smartphone auch mal ausschalten“

Eggenfelden. Zu einem Informations- und Diskussions-Abend über das Thema „Jugend in der digitalen Welt – sind Smartphones und Tablet-PCs Freiheit oder smarte Diktatur?“ hatte die Kreisgruppe Rottal-Inn des Bund Naturschutz zusammen mit der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) Rottal-Inn-Salzach in das Gymnasium Eggenfelden geladen. Referent war Peter Hensinger, Leiter des Bereichs "Wissenschaft" in der Verbraucherschutzorganisation „diagnose:funk e.V.“

Schulleiter Markus Enghofer begrüßte die zahlreich anwesenden Gäste und zeigte sich erfreut, einen Kommunikations-Fachmann am Gymnasium willkommen heißen zu können. BN-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller, gleichzeitig Rektor der Grundschule Eggenfelden, betonte, dass der BN als Institution, die den Schutz der Umwelt und damit das Wohl des Menschen als Zielsetzung hat, sich auch mit Risiken und Gefahren der digitalen Kommunikation befassen müsse, da hiervon großer Einfluss auf das menschliche Umfeld ausgehe. Dr. Jürgen Riedler als stellvertretender BN-Vorsitzender hob insbesondere hervor, dass die ungeheure Menge an persönlicher Information, die man den Kommunikations-Konzernen preisgebe, auch Auswirkungen auf das soziale Leben habe, dass man in diesem Umfeld zu einem gläsernen Menschen werde und damit die Gewinne der Konzerne steigere. Auch würden durch die kurzen Lebens-Zyklen der Smartphones und durch den immensen Abbau wertvoller Rohstoffe sowohl Umwelt wie auch Menschen in fremden Ländern geschädigt, so dass ein äußerst sorgsamer Umgang mit den Geräten und der damit verbundenen Informationsflut notwendig sei.

Peter Hensinger schilderte dann, dass 96 Prozent der Jugendlichen ein Smartphone besäßen: „Möglich ist damit natürlich viel Positives, zum Beispiel das Benachrichtigen von Freunden, aber es wird in den Kommunikations-Netzen alles gemessen, gespeichert, analysiert und mit diesen Informationen ein riesiges Milliarden-Geschäft angeschoben. Außerdem hat sich die Strahlenbelastung durch diese Funk-Kommunikation deutlich erhöht, und viele Studien weisen biologische Wirkungen der elektromagnetischen Strahlung nach. Zum Beispiel besteht siebenfaches Krebsrisiko bei Viel-Telefonierern. Das ist auch der Grund, warum an vielen Schulen die bestehenden WLAN-Netze durch Kommunikation auf Basis von Licht ersetzt werden.“ Er empfahl auch, die Geräte vom Körper entfernt zu halten und Hör-/Sprech-Garnituren zu benutzen.

Bezüglich der sozialen Effekte wies der Referent darauf hin, dass die Privatsphäre des Menschen fast völlig verloren gehe, denn es werde beispielsweise jeder Klick bei Google von rund 50 Firmen mit erfasst. Das damit verbundene Geschäft sei viele Milliarden Euro schwer, und der Mensch nur noch Zielobjekt für die Gewinnmaximierung der Konzerne. „Fachleute sagen mittlerweile, dass Kinder vor dem 14. Lebensjahr kein Smartphone bekommen und Eltern mit bewusster Handy-Nutzung auch Vorbild sein sollten“, empfahl der Experte. Und weiter: „Untersuchungen haben erwiesen, dass Aufmerksamkeit, Konzentration, die körperliche Bewegungsfreude und das Lernen durch die exzessive Handy-Nutzung gestört werden. Letztlich kann das zu einer veränderten Gehirn-Entwicklung, zur Reizüberflutung, zu Schlafstörungen, Konzentrations-Problemen und zu Verhaltens-Auffälligkeiten führen. Auch steigt der Stress bei Kindern, denen ein künstliches Weltbild gezeigt wird, das  auch noch mit Werbung gespickt ist. Die Kommunikation wird oberflächlicher und kann sogar zu Vereinsamung führen. Im Gegensatz dazu fördert das Lesen von Büchern die Gehirnentwicklung, da man sich zum Text die Bilder selbst im Gehirn erzeugen muss.“

Der Referent erwähnte auch ein mögliches Suchtverhalten, das sogar ärztliche Hilfe notwendig mache: „Zudem verlieren Eltern die Kontrolle über ihre Kinder, die sich beliebige und nachteilige Informationen beschaffen könnten“, so Peter Hennsinger, der allerdings einräumte: „Es geht nicht darum, Excel im Mathematikunterricht, die Datenerfassung in der Physik oder ein online-Nachschlagewerk zu verbieten. Doch dürfen wir nicht das Denken unserer Kinder der gierigen Konsumindustrie und den Medien überlassen. Vielmehr ist der menschliche Lehrer nach wie vor dringend erforderlich, unseren Kindern Wissen und Werte  zu vermitteln. Wir sollten auch mit ihnen gemeinsam spielen, Sport treiben und als Erwachsene stets Vorbild sein. Es geht darum, Kinder medienmündig zu machen. Und letztlich sollte man die Geräte auch des Öfteren einmal ausschalten.“   - wh


Papst: „Wir müssen das gemeinsame Haus erhalten“

Pfarrkirchen. Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe ging Josef Holzbauer, Agrar- und Umweltreferent sowie Umweltbeauftragter des Bistums Passau, auf die wesentlichen Aussagen der Enzyklika von Papst Franziskus „Laudato Si – über die Sorge für das gemeinsame Haus“ ein: „Die Arbeit des Bund Naturschutz hat stark damit zu tun, was Papst Franziskus fordert“, so der Referent, „nämlich den Erhalt einer lebenswerten Erde für alle folgenden Generationen. Die Erde ist im Sinne des Kirchen-Oberhauptes dabei unser gemeinsames Haus, für das wir sorgen müssen, und zwar auf ökologische und nachhaltige Weise. Auch fordert der Papst, dass den Worten jetzt deutliche Taten folgen müssten.“  - Der Referent schilderte dann, dass - laut Franziskus - die Umweltprobleme immer auch soziale Verwerfungen nach sich ziehen würden, dass aber die Menschheit noch die Fähigkeit besitze, in universaler Solidarität für die Erde zu sorgen.

Holzbauer weiter: „Der Papst spricht von Umwelt- und Wasserverschmutzung, Verlust der biologischen Vielfalt, dem Müllproblem, dem sozialen Niedergang und von den Bedürfnissen der Armen, wobei er sich auf wissenschaftliche Studien und deren Fakten bezieht. Er fordert von uns die Reduzierung von CO2-Emissionen durch Fossil-Brennstoffe, eine Kreislauf-Wirtschaft sowie die Abkehr von Gewinn-Maximierung, Maßlosigkeit und Technik-Hörigkeit. Franziskus sagt hierzu: Die Menschen setzen sich an Gottes Stelle.“  - Angemahnt werde vom Kirchen-Oberhaupt auch die Abkehr von der „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ und ein neues Gemeinwohl-Prinzip im Rahmen einer franziskanischen Schöpfungs-Spiritualität.

„Der Heilige Vater ermahnt uns ernsthaft“, so Josef Holzbauer, „diese Erde und letztlich auch uns alle selber zu schonen, den Fortschritt im Sinne von echter Nachhaltigkeit neu zu definieren und nicht nur in unserer eigenen Religion, sondern auch in Kooperation der Welt-Religionen untereinander in gemeinsamer Erkenntnis die Umkehr einzuleiten.“ Abschließend schilderte der Referent noch beispielhaft zahlreiche Aktivitäten, die im Bistum Passau eingeleitet worden seien, um in diesem Sinne zu handeln. Er nannte in diesem Zusammenhang Energieeinsparung, Recycling, Nutzung nachwachsender Rohstoffe sowie Verkehrs-Optimierung.

Eine intensive Diskussion der anwesenden Mitglieder und ein Dank des Ortsgruppen-Vorsitzenden an den Referenten bildeten den Abschluss dieser Mitgliederversammlung.  -wh


Klima: „Es ist schon nach Zwölf“

Anlässlich der im Pfarrkirchener Hans-Reiffenstuel-Haus abgehaltenen Ausstellung „Klima Faktor Mensch“ hielt der erste Vorsitzende der Bund Naturschutz-Ortsgruppe Pfarrkirchen, Karl-Heinz Steiner, ein fachliches Einführungs-Referat, das mit einer dringenden Aufforderung als Fazit endete: „Wir müssen bei unserem Energieverbrauch und unserer gesamten Lebensweise umdenken, um unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Welt zu hinterlassen.“

Bei der offiziellen Ausstellungs-Eröffnung mahnte auch Pfarrkirchens erster Bürgermeister Wolfgang Beißmann: „Es ist meiner Meinung nach bezüglich des Klimaschutzes nicht mehr „Fünf vor Zwölf“, sondern bereits „Kurz nach Zwölf“, und wir sollten darauf achten, dass der Zeiger dieser Uhr nicht noch weiter vorrückt. Denn wir greifen momentan bereits auf die Basis-Substanz der Erde zu. Diese Ausstellung soll dazu Fakten liefern, die zum Nachdenken über den Klimafaktor Mensch anregen und uns auch zu einem eigenen Umdenken und Handeln bringen sollen.“

Auch der Fachmann vom Bayerischen Landesamt für Umwelt, Dr. Werner Wahlhiß als Konzeptverfasser der Ausstellung, wies auf die Bedeutung des Klimawandels hin. Er schilderte die Faktoren „Ernährung, Konsum, Energieverbrauch und Mobilität“ als die wesentlichen Zugriffs-Momente, bei denen jeder einzelne etwas für die Umwelt tun könne. Die Ausstellung solle hierzu informieren, aufklären und zum Handeln anregen sowie eine Motivation dazu erzeugen.

In der fachlichen Eröffnungsrede erläuterte Bund-Naturschutz-Ortsvorsitzender Karl-Heinz Steiner zunächst die Bedeutung des Treibhaus-Effektes, der durch den steigenden Kohlendioxid-Gehalt in der Atmosphäre weiter gefördert werde: „Eigentlich ist das Kohlendioxid durchaus nützlich, weil es die Wärme auf der Erde hält – ähnlich einem Treibhaus, denn sonst wäre unser Planet eiskalt und unbewohnbar. Doch der Mensch stößt seit rund 200 Jahren im industriellen Zeitalter sehr viel Kohlendioxid zusätzlich zum natürlichen Vorkommen aus, so dass sich die Durchschnittstemperatur des gesamten Planeten seit 1880 schon um 1 Grad erhöht hat. Bei einer Erhöhung von rund 2 Grad wäre ein so genannter Kipp-Punkt für die Umwelt erreicht, und die Regenwälder, die Ozeane und das gesamte Klima würden in äußerst fataler Weise noch mehr geschädigt werden und ganz aus den Fugen geraten. Auch verbrauchen wir deutlich mehr an Ressourcen als natürlich nachgeliefert wird bzw. nachwachsen kann. „Diese Daten sind eindeutig und sollen nicht nur – sie müssen vielmehr – uns zum Nachdenken und zum wirksamen Handeln bringen“, schloss Karl-Heinz Steiner seine fachlichen Ausführungen.


Erfolgreicher Filmabend: Kühe auf die Weide!

Mit über 40 Landwirten sehr gut besucht war ein von der BN-Kreisgruppe  organisierter Film- und Diskussionsabend zum Thema „Naturgemäße Rinderzucht und –haltung“ in der Bacchusstub‘n in Eggenfelden. In den beiden Filmen des Regisseurs  Bertram Verhaag „Vom Glück der Tiere“ und „Das liebe Rindvieh“ kommen Rinderzüchter, Tierärzte und Bauern zu Wort, die der modernen Hochleistungsmilchwirtschaft den Rücken gekehrt haben. „Es freut uns sehr, dass gerade so viele Landwirte  gekommen sind. Wir alle wissen, dass die momentan falschen politischen und betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen industrielle Prozesse wie Intensivierung, Technisierung, Spezialisierung und Standardisierung in unserer Landwirtschaft fördern und die hauptverantwortliche Ursache des Höfesterbens und des zunehmenden Verlusts unser kleinbäuerlichen, bodengebundenen Landwirtschaft sind“, so Dr. Jürgen Riedler, der 2. Kreisvorsitzende des BN, in seiner Begrüßung der Filmabend-Besucher.

In den Filmen wurde anschließend verdeutlicht, dass eine tier- und artgerechte Haltung mit täglichem Weidegang und hofeigenes Futter in Form von Gras und Heu, muttergebundener Kälberaufzucht und einer Tierzucht auf Lebensleistung ein Schlüssel zu mehr Tiergesundheit seien. „Diese Kühe geben zwar weniger Milch als die Turbokühe, die das ganze Jahr über im Stall stehen und mit umweltbelastendem Sojaschrot, Mais-und Grassilage sowie mit Antibiotika zu Spitzenleistungen gepusht werden. Dafür halten das die heutigen Hochleistungskühe aber nur 2-3 Jahre durch und sind nach maximal 4 - 6 Jahren verbraucht.“ meint Dr. Günter Postler, ein Rinderzüchter und Wissenschaftler, der im Film zu Wort kommt. Ein Credo des Abends war, dass die Haltungs- und Lebensbedingungen den Tieren angepasst werden sollten und nicht umgekehrt. Der Neuburger Tierarzt Dr. Rupert Ebner plädierte im Film in diesem Zusammenhang, auch das grausame Enthornen der Rinder zu beenden - nur damit mehr Tiere in den Stall passen würden.

In der anschließenden regen und kritischen Diskussion gaben viele Landwirte zu bedenken, dass nur einige über genügend Weideflächen in Stallnähe verfügen würden und auch der zunehmende Straßenverkehr ein Problem für den Weidebetrieb bei uns darstelle.

In seinen Schlussworten gab Dr. Jürgen Riedler der Hoffnung Ausdruck, dass gerade bei uns im Rottal im Zeichen des Klima- und Erosionsschutzes wieder mehr Weidehaltungbetriebe entstehen sollten. Eine Möglichkeit wäre hier die Gründung bäuerlicher Erzeugergenossenschaften und die Direktvermarktung. Gerade die Verbraucher müssten aber ergänzend dazu mit einer stärkeren Nachfrage nach regionalen Produkten von Weidetieren in Form von Fleisch, Milch und Käse auch bereit sein, einen angemessenen Preis für hochwertige und gesunde Lebensmittel zu bezahlen – „denn Qualität gibt es nicht zum Nulltarif“, so Dr. Riedler abschließend.


Schöner Erfolg beim Simbacher Weihnachtsbasar

Auf reges Interesse von Seiten der Bevölkerung stieß der Info- und Geschenke-Stand der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe auf dem vorweihnachtlichen Markt am Kirchenplatz. Viele Bürger erwarben dann auch die zahlreichen großen und kleinen Weihnachtsgeschenke, wie z.B. Holzspielzeug, Vogel-Futterhäuschen, Schlüsselanhänger, handgefertigte Kerzen oder Handarbeiten. Aber auch Tees, Kuchen und Weihnachtsgebäck waren sehr gefragt. Und natürlich erhielten die Besucher auch fundierte Auskunft zu aktuellen Fragen des regionalen Natur- und Umweltschutzes oder auch ganz einfach zur richtigen Vogelfütterung im Winter. Laut Marianne Watzenberger, der Vorsitzenden der Simbacher Bund-Naturschutz-Ortsgruppe, wird auch heuer wieder der Verkaufserlös ausschließlich der aktiven Naturschutz- und Jugendarbeit zugute kommen, beispielsweise dem Schüler-Ferienprogramm oder den Kinder-Ausflugsfahrten.


„Hochwasserschutz ist eine Gemeinschaftsleistung“

Pfarrkirchen. In der diesjährigen Jahreshauptversammlung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe im vollen Schachtl-Saal präsentierte Kreisvorsitzender Matthias Schmöller zunächst die Aktivitäten der letzten zwölf Monate.

Er wies darauf hin, dass vor allem der Arten-, Flächen- und Biotopschutz vorrangige Bedeutung gehabt hatten. In diesem Zusammenhang nannte er die sehr gut besuchten Biber-Ausstellungen im Landkreis, das auf beste Resonanz gestoßene und noch weiter laufende Kommunal-Projekt „Rottal-Inn blüht auf“, die Amphibien-Schutzmaßnahmen und die zahlreichen Informations- und Film-Abende, darunter besonders die Veranstaltung über Glyphosphat, über den „Wald der Zukunft“ und über die Probleme des heutigen Wirtschaftssystems. Auch die Exkursion zur „Symbiotische Landwirtschaft“ sei nach seinen Worten ebenso auf große Resonanz gestoßen wie der Filmabend über das Donautal und die Aktionen gegen die TTIP- und CETA-Abkommen. Großen Wert legte Schmöller auf die Vorstellung der Kinder- und Jugendarbeit, nicht zuletzt im Rahmen der vielen Ferienprogramme. Er würdigte insbesondere Mitarbeiterin Uschi West, die 18 Jahre lang maßgeblich beteiligt war sowie Anne Hennersperger, die unlängst eine Kindergruppe im Bereich Massing gegründet hatte. Nicht zuletzt dankte er Marianne Watzenberger als Geschäftsstellen-Leiterin und Koordinatorin sämtlicher Kinder-und Jugendprojekte.

Schatzmeister Franz Schustereder gab dann eine Übersicht über die Finanzlage, die zufrieden stellend sei und deren vorbildliche Verwaltung durch Kassenprüfer Herbert Eggerdinger bestätigt wurde.

Pfarrkirchens 2. Bürgermeister Martin Wagle würdigte in seinem Grußwort die Arbeit des BN, die sich daran orientiere, den Lebensraum für uns alle zu schützen. „Immer mehr wird auch durch das Tun des Menschen die Natur geschädigt und verdrängt“, so Martin Wagle, „deshalb ist die Arbeit von Ihnen im Sinne der Umwelt und letztlich im Sinne des Menschen. Durch die Hochwasser-Katastrophe haben wir auch gezeigt bekommen, dass in der Natur noch mehr zu tun ist, zum Beispiel flächensparend und verdichtet zu bauen, ohne die ‚grüne Lunge‘ zu vernachlässigen. Ich bedanke mich für Ihr Engagement und wünsche auch weiterhin eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt Pfarrkirchen.“

Im Hauptreferat des Abends schilderte anschließend Alexander Schraa vom Wasserwirtschaftsamt Deggendorf, Dienststelle Pfarrkirchen, was zum Hochwasserschutz in Bayern getan werde und welche Strategien von behördlicher Seite her ergriffen würden. Er schilderte zunächst, dass es sich bei der zurückliegenden Katastrophe um ein 1000-jähriges Ereignis gehandelt habe, gegen das man sich nicht und in allen Bereichen komplett schützen könne. „Zur Zeit wird dieses Ereignis von Fachleuten bei uns und auch in Wien untersucht, konkrete Abfluss-Daten zum Beispiel für den Simbach werden wahrscheinlich im Frühjahr 2017 vorliegen“, so der Fachmann. Nach seinen Worten seien die meisten Schutzmaßnahmen auf 100-jährige Hochwasser-Ereignisse ausgelegt, man unterscheide insgesamt den technischen Hochwasserschutz, zum Beispiel durch Deiche, und den natürlichen Schutz durch Renaturierung von Gewässern oder natürliche Rückhalteflächen – all dies sei in der Summe durchaus wirksam. „Dem Menschen muss aber bewusst sein“, so Alexander Schraa, „dass auch jeder Einzelne etwas zum Schutz tun muss, beispielsweise durch entsprechende Baumaßnahmen, und dass die Kommunen sehr genau schauen müssen, wo Baugebiete ausgewiesen werden. Hochwasserschutz ist letztlich eine Gemeinschaftsleistung.“ Er schilderte auch neuartige Konzepte, wie beispielsweise den resilienten Ausbau von Deichen, der zwar bei extremem Ereignis überströmt werde aber nicht breche, auch die Gestaltung von Flutpoldern sei sehr wirksam. „Letztlich muss man immer ein Bündel an Schutzmaßnahmen unterschiedlicher Wirkungsweisen aufeinander abstimmen, und großen Wert auf natürliche Rückhalte- und Speichermöglichkeiten legen“, so der Fachmann abschließend, „immer muss aber abwägend auch auf ökologische Verträglichkeit, auf Landschaftsschutz, auf Förderung der Biodiversität und auf Erosionsverhinderung geachtet werden.“

Kreisvorsitzender Matthias Schmöller dankte dem Referenten und zeigte sich erfreut, dass man guten Kontakt mit der Wasserwirtschaft habe. Er legte auch Wert auf die Feststellung, dass der Bund Naturschutz die Schwerpunkte auf den natürlichen Schutzsystemen sehe, wenngleich es nicht ohne den rein technischen Hochwasserschutz gehen könne. „Wir fordern in diesem Zusammenhang auch immer wieder die Ausweitung und Realisierung von Uferrandstreifen-Programmen, den Schutz natürlicher Rückhalteflächen, den Erhalt von Auen- und natürlichen Fluss-Landschaften sowie den Erosionsschutz von Seiten der Flächenbesitzer und -bewirtschafter.“ – In der Diskussion hierzu forderten einige Zuhörer, dass gerade von politischen Akteuren und von Landwirtschafts-Behörden mehr wirksame Maßnahmen gegen Erosionsschäden gefordert werden müssten.   –wh


„Manche gewinnen - viele verlieren“

Eggenfelden. Gut besucht war eine Vortragsveranstaltung der Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN) in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung Rottal-Inn-Salzach(KEB-RIS)  zum Thema „Umweltgerechte und menschenwürdige Wirtschaft“. Interessiert verfolgte das  Publikum die Ausführungen des Hochschulprofessors und  ehemaligen Investmentbankers Prof. Dr. Christian Kreiss (Hier können Sie den gesamten Original-Vortrag herunterladen, pdf, 3 MByte): “Unbegrenztes Privateigentum an Grund und Boden, Geldvermögen und Unternehmen sowie eine Wirtschaft, die auf Zinseszins und Profitmaximierung beruht, ruinieren unser Land und führen seit  den letzten 35 Jahren zu einer zunehmender Ungleichverteilung der Einkommen.“  Und weiter: „Wachstumswahn und unkontrollierte Werbeflut  erzeugen in der Wirtschaft krebsartige Strukturen mit immerzu steigenden Ressourcen- und Energieverbräuchen und sind“, so der Referent, „nicht nachhaltig. Leistungslose Einkommen sollten  deshalb wieder dahin wo sie gebraucht werden: zu den leistungslosen Menschen – also zu Kindern, Kranken, Alten, Schülern und Studenten. Bereits im alten Israel gab es daher alle 50 Jahre  ein Erlassjahr, auf dass jedermann  wieder zu dem Seinen kommen solle“.

Ökonomisch voll bestätigt sieht Prof Kreiss die Aussagen  von Papst Franziskus in seiner Umweltenzyklika „Laudatio Si“, wonach unser Eigentums- und Zinssystem schlecht für unsere Umwelt sei und eine „Nach-uns- die- Sintflut“-Einstellung fördere. Als Beispiel erläuterte der Referent die  Kosten für Rückstellungen für Atomabfälle, die in die heutige Kalkulation nur in Cent-Beträgen einfließen und Atomstrom scheinbar billig machen würden.  Gesellschaftspolitische Lösungsansätze sieht Prof Kreiss  u.a. in der Einschränkung der Werbung, in der Änderung der Eigentümerstruktur unserer Medien und   in einer Trennung zwischen Wirtschaft, Politik und Kultur. „Wir brauchen eine Bannmeile für Lobbyisten um den Bundestag“, so der Referent abschließend, „und auch jeder Einzelne kann durch sein Konsumverhalten nach dem Motto ‚Wo kann ich auf Unnötiges verzichten?‘ zu einer Verbesserung  beitragen.“. Als Dank für sein aufschlussreiches Referat überreichten Magelone Diehl-Zahner von der KEB-RIS und der Stellvertretende Vorsitzende der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe, Dr. Jürgen Riedler, dem Referenten ein Dankes-Präsent. Hier nochmals zum Download des Original-Vortrages, pdf, 3 MByte.


Die Tanne als Hoffnungsträger im Klimawandel

Dr. Georg Meister mit Vortrag zur Wald-Zukunft – Allianz zum Schutz der Tanne gefordert 

Pfarrkirchen. Die Kreisgruppe des Bund Naturschutz veranstaltete mit Unterstützung durch die Waldbesitzervereinigungen Gangkofen sowie Eggenfelden-Arnstorf im bis auf den letzten Platz voll besetzten Saal des Gasthauses Schachtl einen Vortrag mit Diskussion zum Thema "Die Zukunft des Waldes im Zeichen des Klimawandels“. Referent war der Buchautor und Forstdirektor i.R. Dr. Georg Meister, der langjähriger Mitarbeiter der Bayer. Staatsforstverwaltung, Planer des Nationalparks Berchtesgaden, langjähriger Leiter des Forstamts Bad Reichenhall war und Autor zahlreicher Fachliteratur ist.

In seinem Vortrag schilderte er, angereichert mit zahlreichen Lichtbildern, zunächst die Geschichte der Waldnutzung in Deutschland. „In neuer Zeit kommen hinzu die Käfer-Belastung und massiv der Klimawandel, der in vollem Gange ist“, erläuterte Dr. Meister. Und weiter: „Es wird mehr Wetterextreme geben, mehr Stürme und Starkniederschläge abwechselnd mit Trockenheit. In vielen Wäldern ist auch ein starker Humusschwund zu verzeichnen. Ein klimatoleranter Wald kann aber helfen, die schlimmsten Folgen des Klimawandels wie etwa Hochwasser, Waldbrände oder Wassermangel abzumildern. Die Wälder der Zukunft müssen drei Hauptaufgaben erfüllen: Sie sollten allen Menschen helfen, dass sich die Folgen des Klimawandels nicht allzu negativ auswirken, sie sollten einer waldtypischen Artenvielfalt dienen und sie sollten Waldbesitzern und der Holzindustrie ein befriedigendes Einkommen sichern. Dazu wird man einen angemessenen Anteil an Nadelholz benötigen. Und damit kommt“, betonte der Referent, „die heimische Tanne ins Spiel: Wenn künftig weniger stärkeres Fichtenholz auf den Markt kommt, kann Tannenholz die entstehende Lücke füllen. Die Tanne kann als wichtige Mischbaumart auch wesentlich dazu beitragen, Aufgaben des Umweltschutzes sowie einer waldtypischen Artenvielfalt zu erfüllen.“

Dr. Meister bedauerte sehr, dass Waldbesitzer, Förster, Jäger und Naturschützer in letzter Zeit oft gegeneinander arbeiteten. Er mahnte an, dass diese Gruppierungen dringend zusammenhelfen sollten, nämlich am „Weckruf zur Rettung der Tanne“. Denn damit könne die heutige Generation im Sinne einer vorausschauenden Nachhaltigkeit dafür sorgen, dass der Wald auch in 50 Jahren  Mensch und Natur befriedigend dienen könne. In diesem Zusammenhang sah er auch die Reduktion des Rehbestandes als wesentlichen Faktor. Dr. Meister: „Die Jagd sollte sich in diesem Sinne als Dienstleister für die ganze Gesellschaft sehen.“

Die anschließende Diskussion ergab eine breite Zustimmung zu den Vorschlägen von Dr. Meister. Kritik gab es an einer zu starken Holzentnahme besonders in Teilen des Staatswaldes, an Bodenzerstörungen bei der Holzbringung sowie an einer nach wie vor falschen Jagdstrategie mit zu geringen Abschüssen bei Rehwild, einem viel zu hohen Wildverbiss und zu vielen Zäunen im Wald. Der Referent betonte, dass bei der Holznutzung moderne Technik verwendet werden sollte, dass es aber dringend notwendig sei, diese Technik so weiter zu entwickeln, dass der Waldboden möglichst wenig geschädigt werde. Beispiele würden auch zeigen, dass durch eine andere Jagdstrategie  wieder waldverträgliche Wildbestände erreicht werden und der Wildverbiss so niedrig werde, dass auch junge Tannen in befriedigender Zahl aufwachsen können. Auch wurde geraten, dass Waldbesitzer mehr auf ihren Rechten bestehen und strenge Abschusszahlen durchsetzen sollten: „Die Waldbesitzer haben es in der Hand, dass die Wälder eine Zukunft haben.“ Der Referent mit einem Fazit: „Die nächste Generation hat nicht mehr die Entscheidung zwischen Fichte und Tanne, weil die Fichte keine Chance mehr haben wird. Unsere Generation muss das Problem jetzt lösen – zugunsten der Tanne in gesunden Mischwäldern.“

Der Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzende Matthias Schmöller, der als Veranstalter auch die Diskussion geleitet hatte, dankte allen Besuchern sowie dem Referenten und hoffte, „dass wir in Zukunft vielfältige und gesunde Wälder als Ausdruck des gemeinsamem Konsens-Willens haben und dass der Weckruf zur Tanne im Mischwald sich weiter ausbreitet. Wir beim Bund Naturschutz sind jedenfalls mit dabei.“  - wh


Schwammerl am Schellenberg: auch Raritäten dabei

Pilz-Exkursion des Bund Naturschutz Simbach – Der Hasenröhrling ist sehr selten

Simbach. Zwei Dutzend Pilzfreunde hatte sich in Kirchberg eingefunden, um an der seit über 20 Jahren von der Ortsgruppe „Unterer Inn“ des Bund Naturschutz durchgeführten Herbst-Schwammerl-Wanderung teilzunehmen. Die Leitung hatten wiederum die Experten Gudrun und Gotthard Grimbs übernommen, um Schwammerl-Interessierte mit Bestimmungs-Hinweisen, vielen Ratschlägen und auch Kochrezepten zu unterstützen.

Heuer war das Gebiet von Kirchberg hinauf zum Schellenberghaus als Such-Gegend von Organisatorin Marianne Watzenberger gewählt worden: „Wir wollen nicht Mengen von Schwammerln sammeln“, so die BN-Ortsvorsitzende, „es geht uns vielmehr darum, die auch im Zuge des Klimawandels sich ändernde Schwammerl-Welt zu beobachten und Arten und Verbreitung zu erfassen.“ Gotthard Grimbs ergänzte dazu: „Wir beobachten zunehmend, dass sich natürlich die Arten ausbreiten, die eigentlich in den wärmeren Gegenden vorkommen, was zu erwarten ist, denn auch die Wald-Vegetation ändert sich in dieser klimatischen Richtung.“

Doch trotz der nicht optimalen Schwammerl-Witterung, die in letzter Zeit geherrscht und dafür gesorgt hatte, dass man eher mit mäßiger Fund-Vielfalt rechnete, füllten letztlich immerhin 90 Arten die Sammelkörbe. Gotthard Grimbs bezeichnete dieses Ergebnis durchaus als "ordentlich für diese nicht optimale Saison". Eine wirkliche Besonderheit wurde auch entdeckt: der Hasenröhrling. Er ist ein sehr seltener, aber gut zu bestimmender und essbarer Pilz, der in manchen Ländern auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht. Bei der abschließenden Besprechung der Funde am Schellenberghaus hatten sich auch noch andere Pilz-Enthusiasten zusätzlich eingefunden, sie alle konnten viel vom reichen Erfahrungsschatz der beiden Experten profitieren, die auch einige Küchen-Tipps parat hatten.

Genau gruppiert auf Tischen erläuterten die Schwammerl-Fachleute viele Details zu den Funden. Zu den genießbaren zählten z.B. der Rotfußröhrling, der Frauentäubling, die Ziegenlippe, die Maronen, Steinpilze und Parasolpilze, der Goldröhrling, der Perlpilz, der Butterröhrling und der Schopftintling. Hingewiesen wurde auch darauf, dass man manche Pilze erst nach Hitzebehandlung genießen dürfe. „Interessant gleichermaßen der Birkenporling, den der Gletschermann Ötzi auch bei sich hatte, denn schon vor über 5000 Jahren wusste man um die blutstillende  und antiseptische Wirkung dieses Pilzes“, wie die Experten den aufmerksamen Naturfreunden erläuterten.

Aber auch zahlreiche ungenießbare oder gar giftige Schwammerl wurden gefunden – und auch sie dienten als gutes Anschauungsmaterial, da Gudrun und Gotthard Grimbs viele spezielle Details erläuterten. Zunächst mahnten sie jedoch zu einer Grundregel: „Was man nicht genau kennt und als genießbar einstufen kann, soll man stehenlassen, auch nicht einfach ausreißen und wegwerfen, denn jeder Pilz, ob Delikatesse oder höchst gefährlich, hat eine wichtige Funktion im Naturhaushalt“, lernten die Teilnehmer, „denn entweder arbeitet der Pilz altes Holz auf oder er hilft den Bäumen bei deren Versorgung“. Genau erläutert mit eindringlicher Warnung wurden dann der Kahle Krempling, die verschiedenen Knollenblätterpilze, der Fliegenpilz, der porphyrbraune Wulstling, der Pantherpilz, der grünblättrige Schwefelkopf und der Risspilz. Interessantes erfuhr man auch über ein eigenartiges und nicht häufiges Pilz-Gespann: eine Zungenkernkeule, die als Parasit an einem Hirschtrüffel existiert und von diesem schmarotzt.

Abschließend wiesen die Experten noch darauf hin, dass man bei Verwendung von Bestimmungsbüchern stets neueste Ausgaben verwenden solle: „Denn oft führen neue wissenschaftliche Erkenntnisse dazu, dass früher als genießbar erachtete Pilze heute nicht mehr als solche gelten, da sie mehr Wechselwirkungen im Körper hervorrufen als früher vermutet“, so Gotthard Grimbs abschließend, dem Organisatorin Marianne Watzenberger als Vorsitzende der BN-Ortsgruppe ebenso dankte wie seiner Frau Gudrun für ihre vielen Tipps und Hinweise rund um die Schwammerlwelt.   -wh


Achtsam sein bei den Schwammerln

Pfarrkirchen. Erneut hat es sich die schon traditionelle Schwammerl-Exkursion der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Pfarrkirchen unter Leitung des Vorsitzenden Karl-Heinz Steiner zur Aufgabe gemacht, in einem bestimmten Gebiet die Vielfalt der vorkommenden Schwammerl-Arten unter die Lupe zu nehmen. Heuer hatte die Gruppe sich das Gebiet im Ederhölzl vorgenommen. Organisator Karl-Heinz Steiner bemerkte zunächst, dass mit dem im Gefolge des Klimawandels stattfindenden Wald-Umbau sich auch die Pilz-Welt verändern werde, weil ja Pilze durch ihren gemeinsamen Lebensraum mit ganz spezifischen Baum-Arten ebenfalls diesen Veränderungen unterworfen seien. „Die Pilze leben in einem sehr engen biologisch-chemischen Verbund mit den Bäumen“, erläuterte Karl-Heinz Steiner einleitend, „und am Ende eines Baum-Lebens sorgen die Pilze dann dafür, dass das Holz aufgearbeitet wird. Pilze und Bäume sind letztlich aufeinander angewiesen. Hier im Ederhölzl findet man allerdings von Haus aus eine klimatolerante Mischung verschiedener Baum-Arten im Sinne einer potenziell natürlichen Vegetation, wir haben hier die Buche, die Kiefer, die Eiche, die Fichte, Tanne und die Hainbuche, so dass sich auch die entsprechenden Pilz-Arten finden lassen.“

Bei der anschließenden Exkursion fanden die Teilnehmer dann rund 40 verschiedene Schwammerl-Arten, das sind etwas weniger als man bei Exkursionen in den früheren Jahren feststellte. Wie Karl-Heinz Steiner dazu erläuterte, sei sicherlich auch das sehr trockene Wetter der letzten Wochen mitverantwortlich für die etwas geringere Ausbeute: „Aber wir wollen ja nicht eine Riesen-Menge finden, sondern nur jeweils einzelne Pilz-Exemplare, um sie zu bestimmen und um aus den Arten auf die Umweltverhältnisse zu schließen und in künftigen Jahren auch Veränderungen feststellen zu können. So gewinnt man letztlich einen sehr guten Überblick über die lokalen Pilzarten.“

In den Sammel-Körben landeten dann einige essbare Varianten, zum Beispiel der Semmelstoppelpilz, der Ockertäubling, der rehbraune Dachpilz und der violette Lacktrichterling, der trotz seiner bläulich-violetten Farbe eher nicht zum Essen einlädt, der aber dennoch ein passabler Speisepilz ist. Die überwiegende Anzahl der gesammelten Pilze ist allerdings der Kategorie „ungenießbar“ bis „sehr giftig“ zuzuordnen, wie die am Ende der Exkursion hinzugezogene Schwammerl-Expertin Anna Hauser bei der genaueren Bestimmung der einzelnen Pilz-Arten bestätigte. Unter diesen Exemplaren fanden sich der grünblättrige Schwefelkopf, mehrere Arten der Knollenblätterpilze, der Kartoffelbovist, der netzstielige Hexenröhrling und der seinem Namen alle Ehre machende Speitäubling. Anna Hauser wies abschließend darauf hin, dass es auch unter den hier vorkommenden Pilzen solche gebe, die beispielsweise giftverdächtig sind, wie der ebenfalls gesammelte brandige Ritterling, und dass manche erst in allerjüngster Zeit von der Wissenschaft für giftig erklärt worden seien, wie beispielsweise der Grünling, der zu schweren Muskelschädigungen führe. „Es ist also sehr wichtig, dass man sich mit den Schwammerln gut auskennt und nie leichtsinnig wird“, so die Expertin, „und dass man immer nur allerneueste Bestimmungs-Literatur zurate zieht, denn nur so ist sichergestellt, dass man aktuelle Informationen zur Verfügung hat“, mahnte die Schwammerl-Spezialistin zum Abschluss der Exkursion.  – wh


Symbiotische Landwirtschaft: Viel Positives für Tiere, Umwelt und Menschen

(Ein Klick auf ein Bild öffnet Vergrößerung und die ganze Bilder-Serie)

Eggenfelden. Über eine so große Resonanz freute sich Dr. Jürgen Riedler als stellvertretender Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz: Rund 50 interessierte Gäste wollten bei der Betriebsbesichtigung auf den Landwirtschafts-Flächen des Unternehmers Ulrich Brunner in Eggenfelden und Arnstorf mit dabei sein und mehr über die „Symbiotische Landwirtschaft“ erfahren. Dabei handelt es sich um ein Konzept, wie Dr. Jürgen Riedler einleitend erwähnte, das von Karl-Ludwig Schweisfurth stammt. Dieser aus der industriellen Fleischverarbeitung stammende Unternehmer hatte vor rund 30 Jahren der Fleischindustrie den Rücken gekehrt und begann auf dem Gut Hermannsdorf bei Glonn, südöstlich von München, Schweine nach den Grundsätzen der ökologischen Landwirtschaft zu halten. „Aus dieser Zeit stammt auch“, so Riedler, „das Zitat von Karl-Ludwig Schweisfurth: „Fleisch von gequälten Schweinen aus industrieller Massentierhaltung kann keine lebensfördernde Nahrung für uns Menschen sein.“

Im Betrieb von Ulrich Brunner wird nun dieses Konzept seit bereits fünf Jahren mit großem Erfolg umgesetzt. „Resultate sind hochwertige direkt vermarktete Lebensmittel von ausgezeichneter Qualität ganz ohne Antibiotika, Massentierhaltung und Gen-Soja“, so Ulrich Brunner in einer kurzen Erläuterung. Und weiter: „Das Prinzip ist, dass die Tiere ein gutes Leben haben, Gutes zu fressen bekommen und am Ende einen würdevollen Tod sterben. Ihr Fleisch soll am gleichen Ort ganz frisch verarbeitet werden.“ Wie Dr. Riedler ergänzend erläuterte, sei das ganze Konzept, das vom Bund Naturschutz sehr befürwortet werde, keinesfalls Öko-Romantik, sondern das heute im Zeitalter der Lebensmittel-Skandale und der Massentierhaltung gutartig Denkbare und Machbare. Und er zitierte erneut Karl-Ludwig Schweisfurth, der gesagt hatte: „Fleisch muss wieder kostbar und wertvoll werden. Lieber halb so viel, dafür dreimal so gut“.

Bei der anschließenden Betriebsbesichtigung in Eggenfelden und bei Arnstorf, an der auch sehr viele interessierte Landwirte teilnahmen, zeigte sich dann deutlich, dass dieses Konzept gut geeignet erscheint für kleinere Nebenerwerbs-Landwirte mit Flächen ab 4 ha Größe. Schweine und Hühner leben bei Ulrich Brunner miteinander in festen aber mobilen Stallungen, die auf den Wiesenflächen aufgestellt sind und die je nach Bedarf weiterbewegt werden können. Auf symbiotische (also sich ergänzende) Weise schützen die Schweine dabei die Hühner vor Raubzeug, die Hühner sind dem Schweinen dann bei der Hygiene-Arbeit behilflich. Wie Ulrich Brunner erläuterte, sei hier mit wenig Maschinen-, Kapital-, Zeit- und Arbeitseinsatz ein extensives System realisierbar, das ohne Pestizide oder Antibiotika auskomme und eine artgerechte Freiland-Tierhaltung sicherstelle. Man vermeide auch lange Transportwege, importiere nicht Futtermittel rund um den Globus, habe nicht die Umweltschäden und den Chemie- und Medikamenten-Einsatz der industriellen Massentierhaltung, lasse die Tiere bestmöglich artgerecht leben, sorge für absolut stressfreies Schlachten und könne gute Fleischprodukte aus der Region anbieten.

In seinem Dank an Ulrich Brunner, der alle Teilnehmer auch mit hervorragenden Essens-Kostproben bewirtete, betonte der stellvertretende BN-Kreisvorsitzende: „Wünschenswert wären bei uns im Landkreis Rottal-Inn sicherlich in diesem Zusammenhang viele Initiativen von Landwirten in Form von Erzeuger-Genossenschaften mit Direktvermarktung hochwertiger Produkte und auch direkter Verarbeitung, beispielsweise in Form der Haltung von Freiland-Schweinen, Weidelämmern oder Rindern. Das wären sehr gute Wege aus den vielen Zwängen der industriellen Landwirtschaft und der Agrar- sowie Chemie-Industrie, die sowohl für den Naturschutz als auch für die Landwirtschaft und die Verbraucher viel Positives bewirken könnten.“              wh


An den Bauernverband - so geht es nicht: BN ist kein "geistiger Brandstifter"

 BN-Leserbrief zum PNP-Artikel vom 02.07.2016: „Etzel warnt vor geistiger Brandstiftung“:

Vom Unterschied zwischen Ursachen und Auswirkungen

Die Ursachen der jüngsten Hochwasserkatastrophe im Landkreis waren die schlimmen Unwetter mit ihren massiven Starkregenereignissen. Darüber besteht klarer Konsens. Diesbezüglich wird uns in Zukunft kaum etwas anderes übrig bleiben, als effektive Hochwasserschutz- und Renaturierungsmaßnahmen zu ergreifen und endlich viel stärker als bisher vorsorgenden Klimaschutz in allen Bereichen zu betreiben. Darauf muss unser Hauptaugenmerk liegen und hierin dürften wir uns hoffentlich alle einig sein.
Für uns und für viele Betroffene und Beobachter liegt aber ebenfalls auf der Hand, dass die Auswirkungen der Katastrophe durch die auch in unserer Region so verbreitete Monokulturisierung in der Landwirtschaft sehr wohl zumindest verstärkt wurden. Beachten Sie, meine Herren vom Bayerischen Bauernverband, bitte genau den inhaltlichen Unterschied zwischen Ursache und Auswirkung. Wir sprechen, sehr geehrter Paul Schwarz, ausdrücklich nicht nur von der speziellen Simbacher Situation mit noch existierenden Wildbächen bzw. weit von den Bächen liegenden Hangmaisfeldern, sondern wir sprechen von vielen Orten und Kommunen innerhalb und außerhalb des Landkreises und wir sprechen von den Problemen des Maisintensivanbaus in Hanglagen mit Bodenverdichtung, mangelnder Rückhaltefähigkeit der Böden, fehlenden Fruchtfolgen und Erosionsschäden insgesamt. Woher kommt wohl ein großer Teil des Schlamms in den Bächen, der in die Häuser und Gärten der Menschen gespült wurde?
Diese offensichtlichen Probleme, gegen die unbestritten viele Landwirte etwas zu tun bereit sind, können nicht geleugnet werden und sie werden auch durch verbale Entgleisungen nicht gelöst. Bezeichnen Sie, sehr geehrter Kreisobmann Hermann Etzel, uns tatsächlich als geistige Brandstifter? Das ist eine schwere und kaum nachvollziehbare persönliche Beleidigung unter ehrenamtlich Aktiven. Bislang war der Umgang der Verbände in unserer beider Amtszeit zwar durchaus von Meinungsunterschieden oder unterschiedlichen Sichtweisen geprägt, aber in Ton und Umgang doch stets verbindlich und kooperativ. Wenn Sie dieses unausgesprochene Gentlemen`s Agreement nun derart mit Füßen treten, wirft das wahrlich kein gutes Licht auf die Art und Weise, wie Sie mit unliebsamen oder unbequemen Meinungen umgehen. Die gesamtgesellschaftliche öffentliche Anerkennung und Wertschätzung, nach der Ihr Verband so sehr verlangt, wie zuletzt wieder durch Ihren Präsidenten Joachim Rukwied auf dem Deutschen Bauerntag in Berlin, bekommen Sie so bestimmt nicht. Meine persönliche übrigens auch nicht mehr.

Matthias Schmöller
Kreisvorsitzender BUND Naturschutz Rottal-Inn


BN fordert: Endlich Konsequenzen aus Hochwasserkatastrophe

Die dramatischen Folgen der Hochwasserkatastrophe vom 1. Juni 2016 sind für die BUND Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn (BN) ein Alarmsignal, welches endlich dazu führen müsse, dass wesentlich konsequenter als bisher der Klimawandel bekämpft wird und endlich vorbeugende Schutzmaßnahmen zur Reduktion der Folgen der Klimaerwärmung ergriffen werden.

In ihrer Pressemitteilung stellt die BN-Vorstandschaft fest, dass als zentrales Kennzeichen des Klimawandels in unserer Klimaregion sowohl die Sturm- als auch die Niederschlagsintensität zunähmen. Gleichzeitig käme es aber auch zu immer längeren Phasen der Trockenheit wie beispielsweise im Sommer 2015. Die Extreme zwischen Trockenheit und Nässe würden immer größer. „Niemand kann sich mehr sicher sein“, so der BN-Kreisvorsitzende Matthias Schmöller, „dass er nicht von den Folgen des Klimawandels unmittelbar betroffen wird. Deshalb ist es umso wichtiger, den Klimawandel im Rahmen dessen, was jetzt noch möglich ist, zu reduzieren.“ Eine Änderung der Verkehrspolitik, weg von Straßenbau und Förderung des Straßenverkehrs hin zu einer Förderung der Schiene und des ÖPNV, sei deshalb ebenso längst überfällig wie eine klimaverträglichere Landwirtschaft. Dazu sei es erforderlich, dass die Agrarpolitik Rahmenbedingungen schaffe, damit Landwirte wieder umweltverträglich produzieren und davon auch leben könnten. „Rottal-Inn ist natürlich nicht zuletzt auch deshalb so massiv von den Starkregenfällen betroffen, weil wir hier ein Zentrum des Maisanbaus in Bayern haben. Schon seit vielen Jahren sind in unserer Region bei Starkregen die höchsten Bodenabträge zu verzeichnen“, so der BN-Vorsitzende weiter. „Laut Erosionsatlas der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft ist unser Landkreis ein Hochrisikogebiet. Die mit Abstand meisten Erosionsschäden gehen auf Maisanbau in Hanglagen zurück.“ Mit 25.000 Hektar Anbaufläche zähle Rottal-Inn zu den Schwerpunkten des Maisanbaus in Bayern.

Der BN fordere deshalb, dass nicht nur den großen Flüssen mehr Platz gegeben werde, sondern dass überall dort, wo es möglich sei, dezentrale Hochwasserrückhaltemaßnahmen ergriffen würden, wie zum Beispiel durch den Bau sogenannter Grünbecken. Gleichzeitig müsse die Wasserrückhaltefähigkeit in der gesamten Landschaft durch bodenschonende Landbewirtschaftung, durch Umwandlung von Ackerflächen in Wiesen und Weiden, durch Renaturierung von Mooren und durch Renaturierung von Fließgewässern verbessert werden. Auch Waldbaumaßnahmen seien dringend notwendig, wie der stellvertretende BN-Vorsitzende Dr. Jürgen Riedler ergänzt. „Der Waldboden in einem naturnahen, gestuften Laubmischwaldwald hat mehr als die fünffache Wasserspeicherfähigkeit im Vergleich zur reinen Fichtenmonokultur. Leider sind noch immer 60% unserer Wälder im Landkreis von Fichten geprägt. Hier wäre ein Umbau aus Gründen der Hochwasserschutzvorsorge dringend angeraten.“ Auch die enorme Bodenverdichtung durch schwere Forstgeräte wie den Harvester sei schlecht für die Wasserspeicherkapazität.

„Entscheidend für uns alle wird es sein, die Rückhaltefähigkeit der Böden zu verbessern, das heißt die Bodenverdichtung, wie sie gerade beim Maisanbau entsteht, zu reduzieren und den Humusgehalt in den oberen Bodenschichten wieder aufzubauen“, ist sich Matthias Schmöller sicher. Unbedingt müssten auch Gewässerrandstreifen verpflichtend werden, um den Eintrag von Schlamm in die Gewässer zumindest erheblich zu verringern. Notwendig sei ebenso eine deutliche Verringerung des in Bayern nach wie vor viel zu hohen Flächenverbrauchs und der Bodenversiegelungen durch Baugebiete und Straßenprojekte, denn pro Jahr verlöre der Landkreis rund 200 Hektar wertvollen landwirtschaftlichen Bodens unter Asphalt und Beton.

„Viele BN-Aktive sind massiv durch das Hochwasser geschädigt worden oder waren als Helfer aktiv. Wir wissen also genau, wovon wir reden. Das Wetter können wir sicherlich nicht ändern, aber wir müssen zumindest versuchen, die selbstgemachte Wucht der Auswirkungen zu reduzieren“, appelliert die BN-Vorstandschaft an die Öffentlichkeit, ernsthafte Konsequenzen aus der Katastrophe zu ziehen und nachhaltig zu handeln.


Natur in eindrucksvollen Bildern

Eggenfelden. Das Naturschutzgebiet "Donauleiten" zwischen Passau und Schlögen ist Lebensraum für über 1000 Tier- und etwa 400 Pflanzenarten, darunter auch Äskulapnattern, Hirschkäfer, Smaragdeidechsen, Feuersalamander und viele mehr. All dies sind Arten für die dort vorkommenden kühlen und feuchten Bachtäler sowie für die ebenfalls anzutreffenden sonnenexponierten Felswände. Diese Natur-Vielfalt zeigte der mehrfache Gewinner nationaler und internationaler Medien-Preise, Ingo Zahlheimer, auf Einladung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn in einer Multivisions-Fotoschau in der Aula des Karl-von-Closen-Gymnasiums in Eggenfelden.

Der Fotograf, der seine vielfältigen High-Tech-Aufnahme-Varianten auch als Mediengestalter künstlerisch optimal kombiniert, wurde vom Schulleiter, Oberstudiendirektor Markus Enghofer, begrüßt: „Da wir am Gymnasium auch großen Wert auf Umweltbildung legen, passt dieser Multivisions-Vortrag sehr gut an unsere Schule.“

Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller dankte dem Gymnasium für die Gastfreundschaft und freute sich, einen auch international preisgekrönten Fotografie-Experten als Vortragenden zu haben. Er wies darauf hin, dass der gezeigte Donauraum ein für die Ökologie und die Artenvielfalt sehr wertvolles Gebiet sei: „Uns als Bund Naturschutz ist es wichtig, mit solchen Veranstaltungen erstens die Artenkenntnis an ein breiteres Publikum weiterzugeben und zweitens auch die ästhetischen Aspekte an der Natur zu vermitteln, denn was man an Schönem kennt, das schützt man auch.“ Sein Dank galt gleichermaßen dem stellvertretenden Kreisvorsitzenden Dr. Jürgen Riedler als Initiator und Studienrat Matthias Röckl für die Organisation.

Einleitend zu seinem in siebenjähriger Aufnahme- und Gestaltungsarbeit entstandenen Multivisions-Vortrag gab Ingo Zahlheimer, der im letzten Jahr sein Abitur in Passau abgelegt hatte und der demnächst ein Geographie-Studium beginnen möchte, den Grund an, warum er genau dieses Gebiet für seine aufwändigen Foto-Aufnahmetechniken gewählt hat: „Die Schönheit der Natur fasziniert mich vor allem auch im Lauf der Jahreszeiten.“ In technisch perfekter Art gab dann die Präsentation einen tiefgehenden Einblick in die Natur des Donauleiten-Gebietes. Sehr prägnant und sensibel ausgewählte Musik-Sequenzen ergänzten dabei akustisch den visuellen Eindruck auf der Bild-Leinwand. Hierbei lösten sich - in technisch perfekter Art kombiniert - Standbilder, Animationen, Stroboskop-Aufnahmen, Zeitraffer- und Langzeit-Belichtungen sowie Makro-Aufnahmen und Filmsequenzen einander ab, sodass man insgesamt von der rund 50 Minuten dauernden Präsentation den Eindruck eines Films gewinnen konnte.

Bezüglich der Motiv-Auswahl zeigt Ingo Zahlheimer dabei auch seine einfühlsame Sichtweise der Landschaft, der Flora und Fauna in den Donauleiten: Nebelstimmungen, Nachtaufnahmen, Sonnen-Motive, Landschafts-Übersichten, Tier- und Makro-Aufnahmen von Pflanzen lösen sich dabei ab, die Motive jeweils in perfekter technischer Detailtreue. Nicht zuletzt die eindrucksvollen Bilder der sehr bedrohten Äskulapnatter zeigten, wie schützenswert dieses Gebiet entlang der Donau doch ist. Ingo Zahlheimer hat auch diesen Aspekt der Naturbetrachtung in optisch-technischer Perfektion, kombiniert mit künstlerischer Bildgestaltung und Präsentation sowie Musik-Untermalung, dem Publikum am Gymnasium hervorragend präsentiert. „Wer nicht dort war, hat etwas versäumt“, schloss der Bild-Künstler unter dem Beifall des Publikums seinen Vortrag.   -wh


"Land muss von Bauern, nicht von der Industrie bewirtschaftet werden"

Pfarrkirchen. Die Zulassung für Glyphosat, den in Deutschland und weltweit am meisten eingesetzten Wirkstoff zur Unkrautvernichtung - häufiger Handelsname: "Roundup" - läuft Ende Juni in der EU aus. Im Mai muss nun entschieden werden, ob das Mittel erneut zugelassen wird. Um nun alle Fakten rund um das Glyphosat darzustellen, veranstaltete die Kreisgruppe des Bund Naturschutz in Kooperation mit der Katholischen Landvolkbewegung, dem Bund Deutscher Milchviehhalter, der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft, dem Kreisverband Bayerischer Imker und der Katholischen Landjugendbewegung Rottal-Inn einen Informationsabend.

Für den Bund Naturschutz begrüßte Kreisvorsitzender Matthias Schmöller die Zuhörer im voll besetzten Schachtl-Saal: "Am 18. bzw. 19. Mai will die EU-Kommission endgültig über die Glyphosat-Wiederzulassung entscheiden. Als Berichterstatter-Land kommt Deutschland eine besondere Verantwortung zu. Für den Bürger sind die Fakten rund um dieses Unkrautvernichtungsmittel schwer nachzuvollziehen. Deshalb haben wir diese Informationsveranstaltung angeregt." Damit begrüßte Schmöller den Experten Karl Bär, Agrarreferent beim Umweltinstitut München.

"Glyphosat ist ein Totalherbizid, es wird durch alle grünen Blattteile aufgenommen, in der Pflanze weitertransportiert und blockiert die Produktion bestimmter Aminosäuren, infolgedessen welkt die Pflanze und stirbt ab. Glyphosat ist im menschlichen Körper mittlerweile nachweisbar, die Weltgesundheitsorganisation stuft Glyphosat mittlerweile als krebserregend ein", begann der Experte.

Es gebe Glyphosat seit 1974 vom Agrarchemie-Weltkonzern Monsanto, so Karl Bär weiter. Der Grund für die vom Konzern forcierte Vermarktung sei, dass Monsanto auch Pflanzen entwickelt habe,  die Roundup widerstehen - die „Roundup ready"-Pflanzen, die die Landwirtschaft deshalb auch kaufen solle. Und so ist Glyphosat mittlerweile das am meisten verwendete Herbizid der Welt, es werde in Deutschland auf 40 % aller Ackerflächen eingesetzt, entweder oft vor der Aussaat, kurz nach der Aussaat und nach der Ernte.

Der Vorteil für den Landwirt sei u.a., dass Arbeitsschritte, z.B. das Pflügen, eingespart würden und dass deshalb der Glyphosat-Einsatz auch umweltfreundlich wegen der Einsparung von Kraftstoff sei.

"Glyphosat wird heute eingesetzt auch im Gartenbau, zum Grünlandumbruch, im Obstbau, sogar auf Friedhöfen und in Privatgärten. Dabei ist es nur für Kulturpflanzen zugelassen, verboten ist es z.B. im Privatgarten, in kommunalen Bereichen wie z.B. Friedhöfen oder Garageneinfahrten", so Karl Bär. Er nannte auch die Bahn als größten Anwender, der allein pro Jahr 90 Tonnen Wirkstoff brauche, um den Gleis-Unterbau freizuhalten.

"Ein weiterer Einsatzbereich in der Landwirtschaft ist die Sikkation", erläuterte der Referent, "dabei wird die Pflanze abgetötet, damit sie trocken wird, dies ist nur auf Teilflächen erlaubt und zur Abwendung von Schäden, z.B. bei erheblichen zu erwartenden Ernteverlusten bei Getreide und Leguminosen. Erlaubt sind im Kalenderjahr nur max. zwei Behandlungen im Abstand von mindestens 90 Tagen."

Glyphosat sei mittlerweile in Oberflächengewässern und in Brunnen sowie in allen Formen von Getreiden und Leguminosen nachgewiesen, dazu auch bei Tier und Mensch im Urin und in Organen, sogar in der Muttermilch. Es sei offensichtlich widerstandsfähig gegen viele Formen der thermischen Behhandlung wie Backen und Brauen.

"Studien belegen", so Karl Bär, "dass beim Menschen akute Effekte wie Haut- und Augenreizung, Schwindel, Kopfschmerzen und Husten auftreten, Glyphosat stört die Zellteilung, auch schädigt es nützliche Bakterien im Darm. Auch bei Tieren gibt es Fehl- und Missbildungen. Von der Politik werden entsprechende Studien als 'nicht den Standards genügend' zurückgewiesen."

Unter dem Wirkstoff leiden würden auch Insekten wie z.B. Bienen, deren Futtergrundlage durch Glyphosat zerstört werde und die zusätzlichen Stress erleiden würden. Darüber hinaus würden nützliche Pilze zerstört, überhaupt das ganze Bodenleben mit den vielen Kleinlebewesen, so der Referent. Geschädigt würden auch Wasserorganismen wie Fische und Wasserflöhe, dazu die Amphibien, die ohnehin bereits auf der roten Liste stünden. Karl Bär bilanzierte: "Es leidet die gesamte Artenvielfalt in der Natur, dadurch geht die  Stabilität des Ökosystems verloren."

"Wahrscheinlich ergibt sich im Mai ein Kompromiss mit Verlängerung der Zulassung aber mit kürzerer Laufzeit und anderen Einschränkungen wie z.B. kein Verkauf an Privathaushalte oder Kommunen", vermutete Karl Bär. Und weiter: “Es müsste letztlich eine Umstellung der Landwirtschaft auf ökologische Arbeitsweise erfolgen. Man sollte die Zulassungsverfahren ändern, die Einflüsse der Industrie ausschalten, nur wissenschaftlich und transparent und unabhängig bei den Bewertungen und Entscheidungen arbeiten. Denn schließlich muss unser wertvolles Land von verantwortungsbewussten Bauern, nicht von der Industrie und der zugehörigen Lobby bewirtschaftet werden. Auf Dauer kommen wir um einen größeren Umbau in ökologische Richtung nicht umhin", schloss der Referent seine Ausführungen.

In der anschließenden Diskussion wurde als Alternative die mechanische Unkrautbekämpfung genannt, auch solle man durchaus ein paar Unkräuter hinnehmen, um weniger Spritzmittel einsetzen zu können. Landwirte hätten mittlerweile leider keinen Einfluss mehr, das Spritzen sei zum Muss geworden, und die Firmen würden Spritzmittel und geeignetes Saatgut aus Gewinnstreben in den Markt drängen. Gefordert sei aber auch der Verbraucher, der sich endlich entschließen solle, lieber etwas mehr zu bezahlen, aber dafür gesunde Umwelt und Nahrung für die nächsten Generationen zu haben.


Von Wildpflanzen, Hexen und Liebeszauber

Simbach. Ihren Abschluss fand die im Heimatmuseum seit Anfang April abgehaltene Ausstellung „Wildpflanzen der Stadt“ durch einen Lichtbilder-Vortrag der Ausstellungs-Mit-Initiatorin Dr. Gertrud Scherf. Sie hatte viel Interessantes zum Thema „Wildpflanzen der Stadt in Mythos, Magie und Brauchtum“ zu berichten.

Nachdem Marianne Watzenberger für den Bund Naturschutz als Veranstalter und auch die 3. Bürgermeisterin Christa Kick die rund 60 Vortrags-Besucher im Heimatmuseum begrüßt hatten, schilderte die Referentin zunächst, dass man immer schon den Pflanzen besondere Eigenschaften zugesprochen hatte: „Über den unmittelbaren Nutzen als Nahrungs-, Gewürz- und Arzneipflanze hinaus hat man seit Urzeiten schon Zauberkräfte mit bestimmten Pflanzen, auch und gerade denen vor der Haustür, verbunden. Sie sollten beispielsweise für Glück, Schönheit, Gesundheit, Reichtum und Liebe sorgen oder böse Geister fernhalten. Auch das Brauchtum bediente sich vieler zugedachter Eigenschaften der Pflanzen, beispielsweise des Bärlauchs oder der Schlüsselblume als Schutz vor Hexen in der Walpurgisnacht.“

Dr. Gertrud Scherf schilderte auch, mit eindrucksvollen Lichtbildern ergänzt, wie man beispielsweise mit der Wegwarte früher das Glück aktiv herbeizwingen wollte oder wie man hoffte, mit dem Eisenkraut oder der Brennnessel bei einem anderen Menschen Liebe und Zuneigung erwecken zu können. Und als Beispiel für die Kräuter der „Sympathiemedizin“ nannte sie das Schöllkraut oder den großen Wegerich, die nicht zuletzt  durch magische Kräfte heilen sollten – wenngleich sehr wohl bekannt war, dass beispielsweise das Schöllkraut beim Verzehr sich als giftig erwies, aber als Amulett getragen eben eine mystisch-heilende Wirkung entfalten sollte.

In der Landwirtschaft hatte man dem „Gundermann“ besondere Bedeutung beim Milchzauber zugesprochen: „Wenn die Kühe zu wenig Milch gaben“, so die Referentin, „vermutete man oft Verzauberung dahinter, die man mit Gundermann, Weihwasser und Salz im Stall aufzuheben hoffte. Und das Johanniskraut wurde nicht nur als Arzneimittel wegen seiner bekannten Wirkungen genutzt, sondern es erinnerte beispielsweise mit seinem roten Saft an das Blut Jesu und sollte deshalb bei Blutungen schützen. Das Johanniskraut sollte aber auch wegen seiner gelben Blüten den ebenfalls gelben Blitz fernhalten. Zu diesem Zweck wurde es an die Fenster gesteckt oder aufs Hausdach geworfen. Und sogar bei angezauberter Liebe sollte das Johanniskraut helfen.“

Dr. Gertrud Scherf berichtete auch, dass man zahlreiche Pflanzen nicht zuletzt auch als Orakel benutzt hatte, zum Beispiel den Klatschmohn, dessen Blütenblätter beim Klatschen darauf durch das erzeugte Geräusch kundtun sollten, ob man Erfolg in der Liebe haben würde. „Und der uns allen bekannte gewöhnliche Löwenzahn wurde nicht nur in der Pflanzenheilkunde zur Anregung des Magen-Darm-Traktes verwendet“, so Gertrud Scherf, „der weiße Milchsaft sollte auch beim gegenseitigen Sich-Bestreichen den jeweiligen Partner schön und begehrenswert machen. Oder: Je mehr der Flugsamen man wegblasen konnte, so viele Jahre sollte man angeblich noch leben.“

Die Referentin erklärte natürlich, dass diese magischen Eigenschaften, die man früher den Pflanzen zugedacht hatte, heute nicht mehr gesehen werden, sehr wohl aber noch viele reale Arzneimittel-Wirkungen, die man in der modernen Phytotherapie heute noch mit großem Erfolg anwende. Dennoch sei es sehr interessant, in all den Mythen, Erzählungen und Sagen nachzuforschen, welche über die medizinische Wirkung hinausgehende Bedeutung manche Pflanzen gehabt hätten.

„Aber auch wir brauchen heute noch die Pflanzen“, so schloss Dr. Gertrud Scherf ihren Vortrag, „natürlich nicht wegen der mystischen Bedeutung, sondern wegen der Wirkung als Pflanzen-Arzneimittel und vor allem auch deshalb, weil wir uns durch die Wertschätzung aus der früheren Zeit anregen lassen sollten, gerade heute die Natur und die Pflanzen achtsam und schonend zu behandeln.“

Nach einem begeisterten Applaus der Besucher wurden noch zahlreiche Fragen an die Referentin gestellt, die auch noch in der Ausstellung auf manch interessantes Exponat in diesem Zusammenhang hinwies. Marianne Watzenberger bedankte sich abschließend bei Frau Scherf mit einem Präsent für Ihre interessanten Ausführungen, und gab noch bekannt, dass über 500 Besucher die Ausstellung gesehen hätten und auch die vier Rahmenprogramm-Veranstaltungen bestens besucht worden waren.          - wh


Im Ederhölzl den Vogelstimmen gelauscht

Pfarrkirchen. Etwa 20 natur- und vogelkundlich interessierte Teilnehmer fanden sich zu einer Vogelstimmen-Exkursion im Ederhölzl ein. Organisiert hatte diese Exkursion, die in Kooperation mit dem Landesbund für Vogelschutz unter Führung des Flora- und Fauna-Experten Walter Sage stattfand, der Bund-Naturschutz-Ortsvorsitzende Karl-Heinz Steiner, der auch die Teilnehmer begrüßte. Steiner zeigte sich sehr erfreut, dass das Interesse an dieser Veranstaltung, die - im Jahres-Rhythmus abgehalten - nun schon zum 16. Male stattfinde, ungebrochen groß sei, vor allem auch bei jungen Naturfreunden. "Der Nutzen unserer Exkursion ist hauptsächlich, zu erkunden, wie sich die Vogelwelt in den verschiedenen Lebensräumen im Bereich Pfarrkirchen über die Jahre hinweg entwickelt und welche markanten Veränderungen festzustellen sind", ergänzte Exkursionsleiter Walter Sage, der sich auch mit Karl-Heinz Steiner einig war, dass wegen des kalten Wetters wahrscheinlich etwas weniger "Aktivität" in der Vogelwelt herrsche, wenngleich die grundlegenden Verhaltensweisen wie Revierabgrenzung, Familienaufbau und Futtersuche stets gleich wären, weil sie von der Jahreszeit bestimmt würden.

Bei der anschließenden Wanderung im Ederhölzl konnten dann über 20 verschiedene Vogelarten entweder an ihrem Gesang oder optisch direkt mit den Ferngläsern erkannt und bestimmt werden. Hauptsächlich die Revier-Abgrenzungs- und Kontakt-Aktivitäten konnten an den Rufen und Gesängen erkannt werden. Interessant zu hören waren beispielsweise der Kernbeißer, der Zaunkönig, die Singdrossel, der Kleiber und der Zilpzalp.

Als Besonderheit ließ sich auch ein Waldlaubsänger hören; darüber hinaus waren neben den vielen anderen Vogelarten auch die in Pfarrkirchen bekannten Dohlen und der Buntspecht zu hören. Walter Sage hatte für die Vogelfreunde auch eine interessante und sehr moderne "Lernhilfe für Vogelstimmen" vorgeführt: einen elektronischen Stift, der bei Antippen eines bestimmten Vogel-Bildes in einem zugehörigen Bestimmungsbuch gleich dessen Stimme aus einem kleinen Lautsprecher ertönen ließ. Dies und noch vieles andere über Leben und Lebensräume der Vögel, über Evolutions-Biologie und über die Bedrohung durch die Aktivitäten des Menschen erfuhren die Teilnehmer während der Wanderung. Ein Dank galt zum Abschluss dem Exkursionsleiter Walter Sage für seine umfangreichen und fundierten Erläuterungen.   -wh


Junge Blumen-Künstler im Heimatmuseum

Simbach. Sehr gut angekommen ist im Heimatmuseum der Kindernachmittag, der im Rahmen der derzeit laufenden Ausstellung "Wildpflanzen in der Stadt" abgehalten wurde. Naturpädagogin Marianne Watzenberger hatte sich einiges einfallen lassen, um den Kindern einiges an Neuem rund um Wildpflanzen spielerisch zu vermitteln.

Auf ganz besonderes Interesse stieß dabei das Selber-Gestalten von kleinen Wildpflanzen-Bildkarten: Marianne Watzenberger hatte dabei für die Kinder postkartengroße Kartons vorbereitet, die auf einer Seite mit doppelseitigem Klebeband bestückt waren. Auf der offenliegenden Klebefläche konnten nun kleine Blätter und vor allem Blüten angebracht werden, die durch leichten Druck auch problemlos anhafteten.

Die Wildpflanzen-Blüten und Blätter wurden natürlich vorher selber gesucht, und zwar direkt auf der Wiese vor dem Heimatmuseum, die nicht gemäht ist und die deshalb eine Vielzahl an kleinen Blumen und Blütenkelchen anbot. Marianne Watzenberger ging mit den jungen Blumen-Künstlern hinaus, erklärte alle Pflanzen, wusste auch viel über ihre Eigenarten zu erzählen und empfahl auch einige, die sich besonders für die Bildgestaltung der Karten eigneten: Wiesenschaumkraut, Günsel, Gundermann, Löwenzahn, Gänseblümchen und  Hirtentäschel waren nur einige, die fleißig gesammelt wurden und dann im Museum künstlerisch zu schönen Bildern auf den Karten angeordnet wurden.

Auch Museumsleiterin Franziska Rettenbacher und die Haupt-Initiatoren der Ausstellung, Dr. Gertrud Scherf und Dieter Scherf waren mit dabei, schauten den jungen Blumen-Künstlern über die Schultern und lobten deren Eifer beim Gestalten der kleinen Kunst-Karten. Ihr einhelliges Urteil: So können die Kinder auf spielerische Weise einiges über die Blüten und Pflanzen lernen und gleichzeitig kleine Kunstwerke schaffen, die sich übrigens, wie Marianne Watzenberger abschließend bemerkte, auch sehr gut als Geschenke beispielsweise zum kommenden Muttertag eignen. Jedenfalls nahmen die jungen Künstler ihre Werke dann sehr erfreut mit nach Hause.  - wh


Besucher-Andrang bei "Wildpflanzen in der Stadt"

Simbach. Die im Jahre 2015 von der PNP-Lokalredaktion in Kooperation mit dem Bund Naturschutz veranstaltete Leser-Fotoaktion „Mauerblümchen – wenig beachtete Naturschönheiten in der Stadt“ stieß damals schon auf große Resonanz. Und auch die Eröffnungsveranstaltung zu der aus dieser Fotoaktion abgeleiteten Ausstellung im Heimatmuseum unter dem Titel „Wildpflanzen in der Stadt“ konnte einen in dieser Form kaum erwartetes Besucher-Interesse verbuchen: Man hatte mit rund 50 Eröffnungsgästen gerechnet – gekommen sind rund 120 Natur-Interessierte, die die Fotos, die zugehörigen ausführlichen Erläuterungs-Texte sowie andere Exponate rund um das Thema der Wildpflanzen-Flora in und um Simbach gleich zu Beginn der Ausstellung sehen wollten.

In ihrer Begrüßung konnte die Vorsitzende der Simbacher Bund-Naturschutz-Ortsgruppe, Marianne Watzenberger, neben den Haupt-Initiatoren und Konzeptgebern zu dieser Veranstaltung, dem Ehepaar Dieter und Dr. Gertrud Scherf, auch die Schirmherrin und dritte Bürgermeisterin, Christa Kick, begrüßen. Sie hieß auch die Museumsleiterin Franziska Rettenbacher, Prälat Alois Messerer, Vertreter der Banken sowie des Kreistages und Stadtrates, der Schulen, Kindergärten und die Vereinsvertreter, nicht zuletzt aus dem benachbarten Oberösterreich, herzlich willkommen. Dazu auch den Haupt-Referenten des Abends, Professor Michael Hohla sowie den Kreisvorsitzenden des Bund Naturschutz, Matthias Schmöller. Sie bedankte sich beim Museums-Förderverein und in Abwesenheit bei Altbürgermeister Richard Findl sowie bei der Stadt Simbach für die gute Zusammenarbeit.

Die Vorsitzende betonte, dass die oft unscheinbaren Wildpflanzen, die man in der Stadt durchaus antreffen könne, sehr schützenswert seien. In diesem Sinne dankte sie dem Ehepaar Scherf, dass diese Ausstellung jetzt einen fundierten Überblick über die Welt der oft nicht beachteten Schönheiten dieser Pflanzenwelt zeige. Dieter Scherf wies anschließend auf die Entstehung der Ausstellung und das von Dr. Gertrud Scherf gestaltete Grundkonzept der Ausstellung hin, das in acht Stationen unter anderem darstelle, was Wildpflanzen überhaupt sind, welche ökologische Bedeutung für Tiere und Menschen sie haben, welche Lebensbedingungen sie brauchen, welche Rolle sie in Medizin, Kunst, Malerei und Mystik spielen und welcher Gefährdung sie zum großen Teil unterliegen: „Wir wollen mit dieser Ausstellung auch vermitteln, dass sich die Pflanzenwelt sogar dort entwickelt, wo wir es eigentlich nicht erwarten.“

Schirmherrin Christa Kick betonte: „Schlagzeilen in dieser heutigen Zeit befassen sich oft mit grellen Dingen dieser Welt – hier haben wir es aber mit eher unscheinbaren Pflanzen zu tun, und sie lehren uns in ihrer Unscheinbarkeit Demut und Ehrfurcht vor der Schöpfung. So ist diese Ausstellung auch zum Nachdenken anregend, eben über das unscheinbare, das man im Getriebe einer Stadt leicht übersehen kann. Die Ausstellung hier zeigt deshalb in Bild und Text eindrucksvoll, wie schön und nützlich doch diese Pflanzen sind."

Diesen Gedanken schloss sich auch Museumsleiterin Franziska Rettenbacher an, die wünschte, dass alle Besucher der Ausstellung dann mit anderen Augen durch die Stadt gehen sollten. Bund- Naturschutz-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller richtete ebenfalls einen herzlichen Dank an das Ehepaar Scherf und betonte, dass die Ausstellung einerseits viel an Wissen um ökologische Zusammenhänge, aber auch zahlreiche Aspekte zur ästhetischen Weiterbildung gebe.

In seinem Lichtbildervortrag wies der Hauptreferent des Eröffnungs-Abends, Prof. Michael Hohla, darauf hin, dass die Stadt Simbach und insbesondere die Gegend rund um den Bahnhof besonders interessant für Natur- und Pflanzenliebhaber sei: "Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Wild- und so genannten Ruderal-Pflanzen bereits vor rund 130 Jahren hier in Simbach vom Apotheker August Loher erfasst und detailreich aufgezeichnet worden sind. So haben wir einen guten Vergleich zur heutigen Zeit. Dies ist insofern bedeutsam, da sich die Natur laufend ändert. Wir finden viele Pflanzen, die sowohl heimisch sind wie auch durch den Verkehr, eben durch die Bahn, herangebracht wurden. Leider sind seit damals schon viele Pflanzen ausgestorben. Aber auch heute noch ist die Bahnhofs-Gegend ein Paradies für zum Teil seltene Pflanzen aber auch für die zugehörige Tierwelt.“ Michael Hohla zeigte dann in äußerst kurzweiliger Art zahlreiche Bilder von Pflanzen und hatte auch einige Anekdoten aus der Welt der Botaniker parat. Der Vortrag wurde mit großem Applaus bedacht.

Beim anschließenden Steh-Empfang konnten sich dann die Besucher gleich einen Überblick über die Exponate verschaffen, wobei die angebotenen Appetit-Häppchen auch unter dem Aspekt des kulinarischen Bezugs zu schmackhaften Pflanzen standen. - Die Ausstellung ist noch bis einschließlich 1. Mai zu den üblichen Öffnungszeiten Dienstag, Freitag und Sonntag zu sehen.


Große BN-Familienexkursion: Dem Biber auf der Spur

Hebertsfelden. Die Bund Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn veranstaltete zusammen mit dem Biberberater Roland Menzel von der Unteren Naturschutzbehörde eine sehr gut besuchte Führung in einem beeindruckenden Biberbiotop im Gemeindebereich Hebertsfelden. „Angesichts der langen 'Roten Listen' der im Landkreis vom Aussterben bedrohten Tier-und Pflanzenarten ist die Heimkehr des Bayerischen Ureinwohners in unsere  Heimat einer der größten Erfolge des Naturschutzes, denn mit dem Biber haben wir es mit einer Schlüsselart an Gewässern zu tun, von der viele andere Tier-und Pflanzenarten wie z.B. Fische, Amphibien, Reptilien, Libellen  und Vogelarten wie Schwarzstörche, Spechte und Eisvögel profitieren. Außerdem leistet der Biber einen enormen Beitrag zur Renaturierung von Gewässern, zur Hochwasserrückhaltung und zur Stärkung der Selbstreinigungskraft“, so der stellvertretende BN-Kreisvorsitzende Dr. Jürgen Riedler in seinen einleitenden Worten. Nach einem sehr aufschlussreichen Referat über die Lebensweise und Biologie des Bibers betonte Biberberater Roland Menzel, „dass es sich beim Biber um eine nach europäischen  FFH-Richtlinien und Bundesnaturschutzgesetz besonders streng geschützte Art handelt: Ohne vorherige Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt dürfen diese Tiere nicht gefangen oder auch Biberdämme beseitigt oder beschädigt werden,  ansonsten macht man sich strafbar und das Ganze kann mit Freiheitsstrafe oder empfindlichen  Bußgeldern geahndet werden. Leider gibt es auch in diesem Revier in letzter Zeit immer wieder Probleme mit Dammzerstörungen gegen die wir einschreiten werden.“ Konflikte entstünden vor allem dort, wo Biber und Menschen denselben schmalen Uferstreifen nutzten. Zu 90% entfernten sich Biber nicht weiter als zehn Meter vom Ufer. „Wir Biberberater finden Lösungen für fast jedes Problem mit Bibern und manche Konflikte lassen sich erstaunlich einfach beseitigen- manchmal reicht ein wenig Maschendraht“, so das Resümee von Roland Menzel zum Abschluss der Exkursion. 


Die Bio-Kennzeichnungen besser kennenlernen

Pfarrkirchen. Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe gab Vorsitzender Karl-Heinz Steiner zunächst einen umfassenden Überblick über die zurückliegenden Aktivitäten. Diese hätten neben einer Vogelstimmen-Exkursion am Rottauensee auch eine Besichtigung des Wasserkraftwerks von Stadtpfarrer Hans Eder mit der sehr gut angelegten Fischtreppe umfasst. Auch sei wieder im Rahmen des Ferienprogramms in den Rottauen eine Wasseruntersuchung mit Bestimmung der Kleinlebewesen im "Grünen Klassenzimmer" erfolgt. Und man war mit einem Stand auf der Rottaler Herbstschau recht erfolgreich vertreten gewesen. Zusätzlich habe die traditionelle Herbst-Schwammerl-Exkursion trotz des sehr trockenen Wetters eine erstaunliche Vielfalt an Pilzen gezeigt, die auch alle genau bestimmt werden konnten. "Mein Dank gilt in diesem Zusammenhang", so Karl-Heinz Steiner, "allen Aktiven und Mitgliedern, die wieder teilgenommen und sich engagiert haben."

Nach dem Kassenbericht durch Norbert Riedel, der eine zufrieden stellende Finanzlage ergab, schilderte zweiter Vorsitzender Erhard Scheffel einige Fakten aus den Stellungnahmen, die der BN Pfarrkirchen als Träger öffentlicher Belange abzugeben hatte. Sein Fazit: Es würden in Planungen zwar oft naturverbessernde Maßnahmen erwähnt, aber oftmals nicht in dem gewünschten Maße realisiert. Scheffel weiter: "Letztlich gibt es dann zu viel eintönige Standard-Begrünung statt einer Blumenvielfalt, statt Hecken, Laubbäumen, Streuobstwiesen und abwechslungsreichen Bepflanzungen. Gerade diese Flächen-Ausgestaltungen wären viel naturnaher, sie würden eine Biotop-Vernetzung fördern und würden ein ausgezeichnetes Mikroklima mit großer Artenvielfalt fördern. Auch Amphibien-Schutzmaßnahmen werden von uns weiter angemahnt."

Im anschließenden Fachvortrag informierte Thomas Lehner, Leiter des Fachzentrums für ökologischen Landbau vom Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (AELF), Deggendorf, zunächst über die Anzahl der Öko-Betriebe in Bayern, die ständig steige, was nicht zuletzt auch auf die Milchpreis-Problematik zurückzuführen sei. „In Ostbayern ist allerdings bezüglich ökologischem Landbau noch viel Luft nach oben“, fuhr der Experte fort und ging auf die Praxis dieser Form der Landbewirtschaftung ein, die verschiedene zu beachtende Punkte umfasse. Darunter seien im Wesentlichen die Art der Bodenbearbeitung, die Fruchtfolge, die Bodenfruchtbarkeit und die Zulässigkeit bestimmter Düngemittel. Wichtig sei nach den Worten des Fachmannes auch, dass die jeweiligen Umstellungszeiten beachtet würden. Auch die Tierhaltung müsse ganz bestimmten Richtlinien genügen, vor allem bezüglich Besatzdichte und Fütterung. In jedem Fall aber gebe es durch die entsprechenden Dienststellen z.B. beim AELF geeignete und fachlich fundierte Unterstützung.

In einem weiteren Teil seines Vortrages ging der Referent auf die verschiedenen Bio-Siegel und die anderen Kennzeichnungen im Umfeld des ökologischen Landbaues ein und verglich sie auch untereinander. „Besondere Aktualität gewinnt diese Thematik gerade jetzt, da oftmals Probleme von chemischen Rückständen in Lebensmitteln bekannt werden und sich deshalb der Verbraucher intensiver mit den verschiedenen Kennzeichnungen befasst“, erläuterte Thomas Lehner. Er schilderte dann, dass nur diejenigen Produkte die Basis-Kategorie “Bio“ beanspruchen dürften, die der EU-Öko-Verordnung genügen würden. Großen Anteil seiner Erläuterungen hatte aber die Übersicht über die bezüglich der Anforderungen noch weiter gehenden, verschiedenen Bio-Kennzeichnungen, die es gebe. Im Speziellen seien auch Verbände wie Bioland, Biopark, Demeter oder Naturland mit eigenen Kennzeichnungen im Markt vertreten. Allgemein aber sei von sehr großem Interesse das erst unlängst eingeführte und durch seine elliptische Form mit blauer Farbe gekennzeichnete bayerische Bio-Siegel, das er an einem Produkt auch in der Praxis zeigte. Thomas Lehner: „Bayern möchte regional die Bio-Produkte auch als solche gekennzeichnet haben, wobei die Bedingungen und deren Überwachung auch sehr streng gehandhabt werden. Der Verbraucher kann also durchaus zu dieser Kennzeichnung Vertrauen haben, da sie vor allem auch den regionalen Bezug zur ökologischen Landwirtschaft in Bayern darstellt.“ Einige spezielle Charakteristika dieser Kennzeichnung bildeten den Abschluss des sehr informativen Vortrags, der von allen Zuhörern mit dankendem Beifall bedacht wurde.

Ortsgruppen-Vorsitzender Karl-Heinz Steiner ergänzte, dass es bei den allgemeinen Bio-Kennzeichnungen sicherlich um die Art der Produkt-Herstellung gehe, aber nicht um die gesamte Ökobilanz. Insofern sei das blaue bayerische Siegel sehr beachtenswert, denn bei Produkten, die nur mit dem grünen EU-Bio-Siegel gekennzeichnet seien, würden oft sehr lange Transportwege mit entsprechender Umweltschädigung anfallen, was die gesamte Ökobilanz deutlich verschlechtere. „Man sollte also auch darauf achten“, so Karl-Heinz Steiner, „dass man Bio-Produkte aus der näheren Region bzw. aus Bayern einkauft“. Der ebenfalls anwesende BN-Kreisvorsitzende Matthias Schmöller ergänzte, dass die Siegel-Vielfalt sehr groß sei, dass deshalb Aufklärung ungemein wichtig wäre und sich möglichst alle Verbraucher über die aktuellen Kennzeichnungen informieren sollten. In diesem Zusammenhang wies er auch auf einen Vortrag hin, der am 21. April in Pfarrkirchen von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe angeboten werde: Dort gehe es um die gerade sehr aktuell gewordene Glyphosat-Problematik und den Nachweis dieses Herbizids in mittlerweile immer mehr Lebensmitteln.  -wh


BN-Filmabend „10 Milliarden“: Plädoyer für ökologische Landwirtschaft

Eggenfelden. Die Bund Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn (BN) veranstaltete in der Bacchus- Stub`n in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL) und der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) einen interessanten Film-und Diskussionsabend. Auf dem Programm stand Valentin Thurns ausgezeichnete Dokumentation: „10 Milliarden - Wie werden wir alle satt?“

„Kann man nachhaltig und umweltschonend für alle Menschen ausreichend gesunde Nahrung produzieren, auch wenn wir davon ausgehen, dass die Weltbevölkerung bis 2050  wahrscheinlich die Marke von 10 Milliarden erreicht und bereits jetzt fast eine Milliarde Menschen an Hunger leidet? Eine hochkomplexe, ökonomische, ökologische und damit gesamtgesellschaftliche Frage, die der Film zu beantworten versucht“, so BN- Kreisvorsitzender Matthias Schmöller in seinen einleitenden Worten. Vertreter der Agrarkonzerne und der industriellen Landwirtschaft setzten als Lösungsmöglichkeit auf eine Produktivitätssteigerung durch maximale Industrialisierung der Produktionsprozesse mit hochwirksamen Pestiziden, Gentechnik und mehr Nährstoffzufuhr in Form von Düngemitteln. „Solange  aber mehr als die Hälfte unserer Ernte  für Agrarsprit, Fleischproduktion und für die Abfalltonne produziert wird, werden wir das Welternährungsproblem nicht lösen. Der Schlüssel liegt in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, einer ökologischen Intensivierung und der Fähigkeit der Bevölkerung eines Landes, selbst ausreichend Nahrung zu produzieren. Wir brauchen eine ökologische Intensivierung der Agrarproduktion, die sorgsam mit unseren Ressourcen umgeht, denn industrielle Landwirtschaft verbraucht in Bezug auf den Einsatz  fossiler Energien und   künstlicher Düngemittel sowie der Biodiversität mehr als uns zusteht“, fasste der stellvertretende Kreisvorsitzende Dr. Jürgen Riedler die BN-Position zusammen. Ein „Weiter wie bisher“ könne es demnach nicht mehr geben.

Dies bekräftigten auch AbL-Landesvorsitzende Edith Lirsch und KLB-Sprecher Alfred Hainthaler in der anschließenden Diskussion mit einem emotionalen Plädoyer für eine bodengebundene Tierhaltung und eine ökologische Landwirtschaft mit regionalen Strukturen und Direktvermarktung. Verbunden wurde dies mit einer Forderung nach einer Änderung der Agrarsubventionspolitik, damit das Höfesterben in unserer Region endlich ein Ende habe und auch kleinere Betriebe wieder überleben könnten. „Das Prinzip Wachsen oder Weichen ist die falsche Politik für unsere Landwirtschaft“, so Edith Lirsch.


"Biber-Probleme einvernehmlich lösen"

Eggenfelden. Anlässlich der Eröffnung einer Wander-Ausstellung zum Thema „Biber – die guten Geister des Wassers“ konnte Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzender Matthias Schmöller in den Räumen der Sparkasse Rottal-Inn rund 50 interessierte Gäste begrüßen. Besonders hieß der Kreisvorsitzende Landtagsabgeordnete Reserl Sem, den stellvertretenden Landrat Helmuth Lugeder, die dritte Bürgermeisterin der Stadt Eggenfelden, Johanna Leipold, von der Sparkasse Rottal-Inn den Regionaldirektor Leonhard Kapser, den Leiter des Marktgebietes Eggenfelden, Gerhard Franz sowie Andreas Zagler als Leiter der Hauptgeschäftsstelle Eggenfelden, den Kreisobmann Rottal-Inn des Bauernverbandes, Hermann Etzel, Vertreter der Fischereiverbände sowie die Leiter von Schulen und Kindergärten willkommen. Als Hauptreferent und Experten hatte man den Wildbiologen und Bibermanager für Bayern beim BN, Gerhard Schwab, eingeladen.
Leonhard Kapser betonte für das Geldinstitut, dass die Sparkasse gerne ihre Räume für informative Veranstaltungen zur Verfügung stelle und dass sich bestimmt durch die Ausstellung und den Fachvortrag die gute Gelegenheit ergebe, eigenes Naturwissen aufzufrischen und Neues zu erfahren.
BN-Vorsitzender Matthias Schmöller dankte der Sparkasse für die Möglichkeit, diese Ausstellung zu präsentieren und bemerkte, dass gerade zum Thema Biber Diskussionsbedarf bestehe: „Anlass zu dieser Ausstellung und dem folgenden Vortrag war für uns beim Bund Naturschutz die Tatsache, dass es Stimmen gab, den Biber, der prinzipiell eine geschützte Tierart darstellt, bei auftretenden Schäden in der Landwirtschaft zur "Entnahme“ freizugeben. Wir möchten hingegen herausstellen, dass dieses Tier nicht nur aus naturschutzfachlicher, sondern auch als wasserwirtschaftlicher Sicht wertvolle Leistungen als Landschaftsgestalter für die Renaturierung von Gewässern und die enorme Förderung der Artenvielfalt dort erbringt. Aber insgesamt soll natürlich ganz offen über dieses Thema diskutiert werden, gerne auch kontrovers.“
Reserl Sem schloss sich dieser Auffassung an und betonte, dass es aus Sicht des Landwirts auf jeden Fall auch Probleme gebe: "Ich stehe nach wie vor zur Aussage 'Mensch vor Tier'. Letztlich ist es aber gut, dass über unterschiedliche Meinungen diskutiert wird und dass es bei uns im Landkreis das so genannte 'Bibermanagement' gibt. Diese Ausstellung kann sicher einen Beitrag leisten, Informationen und Fakten zu liefern, was nicht zuletzt für unsere Jugend sehr nützlich ist.“
Stellvertretender Landrat Helmuth Lugeder plädierte dafür, dass man mit Fingerspitzengefühl an einvernehmlichen Lösungen arbeiten solle, dass der Naturschutz aber nicht an den Landwirten vorbeigehen dürfe und dass man auch auf die Interessen von Grundeigentümern achten müsse. Insofern sei auch seiner Meinung nach diese Ausstellung ein wesentlicher Faktor, für die notwendige Diskussion eine entsprechende Informations-Grundlage zu liefern.
Nach einer kleinen Erfrischung am Büffet und einer Erläuterung der Ausstellung, die neben Informations-Plakaten auch als Blickfang eine nachgebildete Biber-Burg zeigt, informierte der BN-Biberberater Gerhard Schwab das mittlerweile auf rund 100 Personen angewachsene Publikum über Leben und Wirkungskreis des Bibers in der Natur, über dessen vielfältigen Nutzen, aber auch über die Problemlösungsmöglichkeiten, die es in Form des "Bibermanagements" gebe. „Die Biber-Bestände regulieren sich grundsätzlich selbst“, so der Referent, „sein Vorkommen beschränkt sich auf die ufernahen Bereiche von fließenden Gewässern, wo er durch Damm-Bauten Wasser anstaut, um den Eingang zu den seitlich im Trockenen liegenden Wohnhöhlen unter Wasser und damit geschützter zu halten. Dadurch schafft der Biber ein reichhaltiges Mosaik von Lebensräumen für die unterschiedlichsten Tierarten wie Amphibien, Fische, Vögel und Kleinlebewesen. Durch das Aufstauen von Wasser bilden sich auch Rückhalte-Räume bei drohenden Hochwasserlagen. Dies hat übrigens auch schon Edmund Stoiber erkannt, der einmal gesagt hatte, dass die Wiederherstellung natürlicher Rückhalteflächen dem Hochwasser- und Artenschutz gleichzeitig dienen sollte. Genau das tut der Biber. Und entsprechend der staatlich gewollten biologischen Artenvielfalts-Steigerung arbeitet der Biber auch hierbei sehr sinnvoll. Für den Landwirt ergeben sich aber einerseits durch das angestaute Wasser, durch die Dämme, unterirdischen Gänge und Höhlen und eventuell durch Fraß-Schäden Probleme.“
Doch als Konfliktlösung gebe es seit rund zwei Jahrzehnten in Bayern das Bibermanagement, das über die untere Naturschutzbehörde im Landratsamt zur Verfügung stehe und das immer auch die Interessen betroffener Grundstückseigentümer berücksichtige, so der Referent. Geschulte Biberberater würden dabei vor allem einen Schadens-Ausgleich anstreben. "Aber wenn es gar nicht anders geht, muss auch eine fachgerechte Entnahme in Betracht gezogen werden“, so Gerhard Schwab. Als präventive Maßnahmen empfahl der Experte Elektrozäune, die Sicherung von Durchlässen mit Drahtgittern, den Draht-Schutz wertvoller Bäume, die Damm-Entfernung mit entsprechender Genehmigung, Damm-Drainagen oder die Vergitterung. "Wichtig ist aber, dass man sich zuerst mit der unteren Naturschutzbehörde in Verbindung setzt und fachlichen Rat beschafft. Man muss miteinander reden, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen", resümierte der Referent, der mit den Worten schloss: "In 10 oder 15 Jahren brauchen wir hier dieses Thema hier nicht mehr zu erörtern, weil sich bis dahin garantiert alles eingespielt hat, wie es viele Landkreise bereits gezeigt haben.
Besucherfragen bezogen sich großenteils auf Einzelfälle, für deren Problemlösung der Referent die unbedingte Kontaktaufnahme mit der unteren Naturschutzbehörde empfahl.
BN-Vorsitzender Matthias Schmöller dankte abschließend dem Referenten, der Sparkasse und allen Zuhörern, und hob erneut hervor, dass man auch in einem Spannungsfeld mit gegensätzlicher Meinung stets gut miteinander auskommen müsse, und dass man sowohl die Interessen des Naturschutzes als auch der Landwirtschaft nötigenfalls in Form von Kompromissen in Einklang bringen müsse. 

 Eröffnung in Pfarrkirchen

Pfarrkirchen. Im Rahmen einer Eröffnungsveranstaltung wurde in der Schalterhalle der VR-Bank am Stadtplatz die Bund-Naturschutz-Informationsausstellung "Biber - die guten Geister des Wassers" dem Publikum vorgestellt. Vorstand und Direktor Albert Griebl und Geschäftsstellenleiter Franz Zehentreiter konnten neben Bürgermeister Wolfgang Beißmann auch die BN-Initiatoren, den Kreisvorsitzenden Matthias Schmöller, den BN-Ortsvorsitzenden Karl-Heinz Steiner sowie Naturpädagogin Marianne Watzenberger, mehrere Stadträte und zahlreiche interessierte Gäste begrüßen. Direktor Griebl freute sich, dass diese informative Natur-Ausstellung für Kunden und Mitarbeiter zustande gekommen sei und dass sich dadurch die gute Gelegenheit ergebe, eigenes Naturwissen aufzufrischen und Neues zu erfahren. Matthias Schmöller wies auf den Nutzen des Bibers in der Natur hin, er erwähnte aber auch, dass es in der Landwirtschaft Probleme gebe: „Wenn menschliches Wirtschaften und tierische Lebensweise kollidieren, entsteht nun mal ein Spannungsfeld.“ Durch das "Bibermanagement" und die über das Landratsamt erreichbaren Biberberater seien aber in der Regel einvernehmliche Lösungen zu finden. Bürgermeister Wolfgang Beißmann bezeichnete den Biber als beeindruckendes Tier, mit dem man durchaus achtsam umgehen solle, da er viele Renaturierungs-Maßnahmen des Menschen kostenlos unterstütze: "Wenn es Probleme gibt, soll man nicht gleich zur Entnahme, also zum Abschuss schreiten, sondern zunächst Präventivmaßnahmen wie z.B. Elektrozäune oder Vergitterungen nutzen. In jedem Fall muss man Probleme aktiv angehen und sich fachlichen Rat bei den Biberberatern holen. In diesem Zusammenhang begrüße ich es, dass der Bund Naturschutz ausgewogen sowohl Nutzen als auch Probleme anspricht, was unter anderem mit dieser Ausstellung geschieht."
Schließlich erläuterte Naturpädagogin Marianne Watzenberger die einzelnen Plakate der Ausstellung, die den Lebensraum, die Verbreitung, die Leistungen des Bibers als Landschaftsgestalter und die Reibungspunkte aufzeigen. Sie wies darauf hin, dass zur Vermeidung von Konflikten so genannte Ufer-Randstreifen-Programme sehr hilfreich seien: "Wenn man allein einen 5 m breiten Streifen neben Gewässern frei ließe, wären 90 Prozent der Probleme vermieden, denn der Biber lebt nur sehr nahe am Wasser, wo er seinen Unterschlupf hat." Als Blickfang wies die Referentin noch auf eine ebenfalls zur Ausstellung gehörende, nachgebildete Biber-Burg hin, die vor allem für Kinder sehr interessant sei.

Eröffnung in Arnstorf

In Arnstorf hatten Bürgermeister Alfons Sittinger und Kreisvorsitzender Matthias Schmöller einen Dank an die Sparkasse gerichtet. Alfons Sittinger betonte weiter, dass man den Biber durchaus achten solle und bei Problemen unbedingt fachlichen Rat durch die Biberberater einholen solle. Seiner Meinung nach ist die Bewirtschaftung nahe an den Gewässern mit schweren Maschinen natürlich problematisch - ein wenig Abstand und Uferrandstreifen würden hier helfen. Der Bürgermeister: "Viele Menschen schätzen den Biber, denn durch ihn entstehen letztlich wieder eine große Naturvielfalt und schöne Biotope. Er ist es wert, dass er geschützt wird. Und der Biber hilft auch den Kommunen Geld sparen, denn er unterstützt deren Bemühungen, naturnahe Ausgestaltungen an den Gewässern dritter Ordnung zu schaffen." Sparkassendirektor Martin Ruhland würdigte in seinem Grußwort schließlich die Bemühungen des BN um den Erhalt einer artenreichen Umwelt, wozu auch der Schutz des Bibers gehöre. Anschließend führte Naturpädagogin Marianne Watzenberger die anwesenden Gäste durch die informativen Ausstellungs-Poster. Und einige Kinder erkundeten gleich die aufgebaute Biberburg. - In der Sparkasse Arnstorf war die Ausstellung bis zum 26. Februar zu sehen.


Dr. Holzner: "Der Natur helfen, sich selbst zu helfen"

Pfarrkirchen. In der diesjährigen Jahreshauptversammlung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe im Schachtl-Saal präsentierte Kreisvorsitzender Matthias Schmöller zunächst die Aktivitäten der letzten zwölf Monate. Er wies darauf hin, dass vor allem der Arten-, Flächen- und Biotopschutz vorrangige Bedeutung gehabt hatten. Auch die Themen rund um die Landwirtschaft, den Ökolandbau, die Tierhaltung, die Energiewende, die Informations-, Ausstellungs- und Aufklärungsarbeit seien wieder im Mittelpunkt gestanden. Als wichtigsten Problempunkt des abgelaufenen Jahres nannte er die durch Gülle aus einer Biogas-Anlage südwestlich Arnstorf verursachte massive Gewässer-Verschmutzung im Zeller Bach und der Kollbach. In diesem Zusammenhang erwähnte er, dass es im Landkreis etwa 100 Biogasanlagen gebe, bei denen man seit  dem Jahre 2007 insgesamt 50 Havarien registriert habe - bei wahrscheinlich noch größerer Dunkelziffer. Der BN habe deshalb wiederum die Forderungen zur Einführung eines "Betreiber-Führerscheins", zu verbindlich einzuhaltenden  Sicherheitsstandards und zu einem Anlagen-TÜV erheben müssen. Schmöller: "Es muss doch möglich sein, die Umweltgefährdungen endlich zu stoppen." Dieses Thema sei übrigens auch Anlass für das Hauptreferat des Abends gewesen.

Auch die Arbeit mit Kindergruppen, die Erwachsenen-Umweltbildung, Ferienprogramme und Exkursionen, die von der Naturpädagogin Marianne Watzenberger koordiniert würden, hätten wieder breiten Raum eingenommen, so Schmöller. Erfreut zeigte er sich über die nunmehr nahe bei 2000 liegende und weiter steigende Mitgliederzahl im Landkreis. In seinem Ausblick ging Schmöller auf mögliche Schwerpunkte des BN-Jahres 2016 ein: So stünden ab Januar die großen Biber-Ausstellungen in Eggenfelden, Pfarrkirchen und Arnstorf auf der Agenda, ebenso wie die Beschäftigung mit den Themen „Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft“ oder das Kommunal-Projekt „Rottal-Inn blüht auf“.

Im anschließenden Hauptreferat erwähnte der Gewässerökologe und Gutachter Dr. Manfred Holzner zunächst, dass man derzeit nur eine allgemeine Übersicht über die Gewässerverschmutzung und Renaturierungsmaßnahmen an Kollbach und Zeller Bach durch die Biogas-Anlagen-Havarie im Sommer dieses Jahres vorstellen könne. Zum Schadensverlauf erwähnte er, dass am 15. und 16. Juni eine erhebliche Schadstoffeinleitung aus einer Biogasanlage südwestlich Arnstorf erfolgt sei, woraus u.a. ein drastischer Abfall des Sauerstoffgehalts resultierte, auch eine massive Giftwirkung z.B. durch Ammoniak sei erfolgt und deshalb die Tier- und Pflanzenwelt massiv geschädigt worden. Das sei umso fataler, weil mit Zeller Bach und Kollbach noch relativ naturnahe Gewässerstrukturen mit großer Vielschichtigkeit vorhanden gewesen seien.

Bezüglich der Verbesserungsmaßnahmen erwähnte er, dass am Zeller Bach schon Arbeiten begonnen hätten. Dr. Holzner: „Im Wesentlichen müssen saubere Kiesstrukturen geschaffen werden, um die Laichmöglichkeiten zu verbessern. Auch die Fisch-Wanderungsbedingungen vor allem an der Kollbach müssen weiter optimiert werden. Man muss der Rest-Fauna möglichst gute Bedingungen bieten, um sich durch Neu-Besiedelung aus den nicht betroffenen Zuläufen zu erholen. Dadurch bleiben auch die speziellen genetischen Bedingungen der hier vorkommenden Gewässer-Tierwelt erhalten. Ein Besatz aus anderen Gewässern kann dies nicht leisten. Wir müssen aber mit einem guten Jahrzehnt rechnen, bis ein einigermaßen brauchbarer Zustand durch Regenerierung der örtlichen Bestände wieder hergestellt ist. Der Mensch kann jetzt nur die Randbedingungen schaffen, dass sich das Ökosystem wieder erholt. Man muss der Natur helfen, sich selbst zu helfen. Das bedeutet in erster Linie, die Durchgängigkeit der Gewässer zu erhöhen, damit durch Wanderungsbewegungen die Wiederbesiedelung vorankommt." Breite Uferrrandstreifen, wie sie z.B. der BN seit Jahren unermüdlich fordert, würden hierbei ebenfalls die Entwicklung gesunder und stabiler Gewässer unterstützen.

Für die Zukunft wünschte sich Holzner, dass rasch Alarmpläne geschaffen werden, um bei Schadensfällen besser reagieren zu können und dass genauere Regeln zum Betreiben von Biogas-Anlagen geschaffen werden müssten, die dann aber auch durchgesetzt und deren Nicht-Einhalten sanktioniert werden müsse. Dem stimmte Kreisvorsitzender Schmöller zum Schluss der Veranstaltung zu: „Es ist für uns und übrigens alle beteiligten Verbände wie die Fischer und viele Landwirte völlig unverständlich, dass es immer noch keine verbindlich greifenden präzisen technischen Vorschriften und Betreiber-Führerscheine, Notfallpläne und TÜV-Richtlinien für Biogas-Anlagen gibt. Entsprechende Forderungen werden wir als Bund Naturschutz aber weiterhin unermüdlich stellen, alles rund um die Biogas-Problematik aufmerksam beobachten und auch auf Missstände weiter deutlich hinweisen.“


"Ein ewiges Wachstum kann es nicht geben"

Pfarrkirchen. „Viele Menschen stellen sich heute die Frage, ob die von Politik und Wirtschaft stets propagierten Wachstums-Forderungen in unserer begrenzten Welt auf Dauer Bestand haben können“. Mit diesen Worten eröffnete der Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzende Matthias Schmöller vor über 70 Zuhörern in der Aula des Gymnasiums Pfarrkirchen einen Informations- und Diskussionsabend, der unter dem Thema stand "Wachstum stößt an Grenzen – Was kommt nach dem Wirtschaftswachstum?"  Als Referent war Prof. Dr. Werner Wild geladen, der Dozent an der technischen Hochschule Nürnberg ist und auch im Arbeitskreis für Wirtschaft und Finanzen beim BUND mitwirkt.

Hier geht es direkt zu den Vortrags-Bildern und -Grafiken

„Mit dem Bund Naturschutz setzen wir uns für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen ein, also auch für den schonenden Umgang mit Ressourcen aller Art. Daher bezweifeln wir, dass dauerhaftes, exponentielles Wachstum gesund und nachhaltig sein kann, vor allem wegen der endlichen Ressourcen auf unserem Planeten“, so Schmöller einleitend. „Aber was ist die Antwort darauf? Gibt es bereits Konzepte für eine Wachstumswende?“ Mit dieser Fragestellung übergab er das Wort an den Experten.

Prof. Dr. Werner Wild nannte zunächst das stets als Maßzahl für Wohlstand und Wachstum herangezogene „Bruttoinlandsprodukt“, das heute aber nicht mehr sinnvoll tauglich wäre, da zum Beispiel Ressourcen-Abbau, die Wertigkeit von Energie, die Folgekosten von Umweltzerstörung sowie sozial relevante Faktoren wie zum Beispiel Zufriedenheit, Bildung und sozialer Zusammenhalt der Menschen nicht in dieser Maßzahl enthalten seien. Wirtschaftswachstum erhöhe wegen Rationalisierung auch nicht, wie oft propagiert, die Beschäftigtenzahl, bestenfalls im Niedriglohnsektor, sodass soziale Ungerechtigkeit entsteht. „Und die Vergangenheit hat gezeigt“, so Professor Wild, „dass die Sozialsysteme gerade nicht durch Wachstum besser finanziert sind, da die Gelder zweckentfremdet werden und dass auch die Staatsverschuldung trotz Wachstum nicht geringer, sondern sogar gesteigert wird. Und ein Freihandelsabkommen wie TTIP könnte an diesen Negativ-Fakten erst recht nichts ändern, da bestenfalls die Machtgier der Großkonzerne gesteigert wird. Herkömmliches Wirtschaftswachstum geht an die Substanz unseres Planeten und schadet letztlich dem Menschen.“

In diesem Zusammenhang ging der Referent auch mit dem menschlichen Verhalten ins Gericht: „Global betrachtet gibt es immer mehr Menschen, die – allen voran die Bevölkerung der Industrienationen – für immer weniger Geld immer mehr und unterschiedliche Waren besitzen wollen. Diese Gier führt einerseits zur Ausbeutung von Menschen, zu Tierquälerei und zu einem Raubbau bald auch der letzten Ressourcen unseres Planeten. Letztlich ist heutzutage der Wachstums-Begriff mit einer Zerstörung unserer Lebensgrundlagen eng verkoppelt. Das kann und darf nicht so weitergehen. Die Beanspruchung der Natur müsste erheblich mehr in Kostenbilanzen einbezogen werden, Politik und Wirtschaft arbeiten aber Hand in Hand hier dagegen. Wenn wir uns alle nicht mäßigen, gerät unser ganzes Lebensumfeld aus den Fugen. Übrigens hat selbst Ludwig Erhard schon 1957 zur Mäßigung aufgerufen, sicher all diese Negativ-Aspekte schon ahnend.“

Professor Wild nannte als Ausweg eine nachhaltige Wirtschaftsweise, die die Ressourcen schont, das CO2 verringert und Maßnahmen zum Schutz des Ökosystems ebenso verbessert wie die Biodiversität. „Doch die Anreize, in Richtung wirklich nachhaltiger Wirtschaftsweise zu gehen, sind derzeit sehr gering, weil auch mit höheren Kosten verbunden, was unsere Billig-Gier natürlich nicht möchte“, so Werner Wild, „das derzeitige VW-Debakel entstammt übrigens derselben Denkweise.“

Eine bessere Zukunftsfähigkeit könne aber erreicht werden durch größere Effizienz, also mehr Nutzen aus dem Einsatz von Materie und Energie zu ziehen. Darüber hinaus müssen naturverträgliche Technologien genutzt und entwickelt und schließlich die so genannte „Suffizienz" gefördert werden: „Gut leben statt viel haben, sich regional und ökologisch zu ernähren, die Entschleunigung als Marktchance zu erkennen, die Fixierung auf Arbeit und Konsum aufzuheben und die Forderung nach Produktpreisen, die die ökologischen Kosten widerspiegeln - das sind hier die Stichpunkte. Hinzu muss eine neue Ordnungspolitik mit Rücksicht auf Mensch und Umwelt kommen, die auch den gnadenlosen Turbo-Kapitalismus bremst und für mehr soziale Gerechtigkeit sorgt“, ermahnte Wild. Konkret müsse man wieder mehr Wert auf die Lebensqualität in Stadt und Land legen, umweltschonende Mobilität fördern, Arbeitsbedingungen und Gesundheit verbessern, die Natur schonen und die Abkehr vom Konsum als primären Wachstumsmotor unterstützen.

Professor Wild abschließend: „Das großflächige Umdenken in diese Richtung ist allerdings extrem schwer“, resümierte er, „aber jeder sollte versuchen, von der Politik die Abkehr vom Paradigma des ewigen Wachstums zu verlangen und gesellschaftliche Debatten über Nachhaltigkeit, über ein besseres und gerechteres Leben für alle sowie die Schonung der Ressourcen unseres begrenzten Planeten anzuregen.“ Schmöller, der zu Beginn neben mehreren Stadt- und Kreisräten auch Regionaldirektor Jürgen Müller von der Sparkasse Rottal-Inn sowie Direktor Albert Griebl von der VR-Bank Rottal-Inn begrüßt hatte, bedankte sich nach einer angeregten Diskussion abschließend beim Referenten und entließ die Zuhörer mit einem Appell: „Jeder von uns ist für sein Handeln selbst verantwortlich. Bitte lassen Sie uns diese Verantwortung auch tatsächlich übernehmen, als Bürger und als Konsument, für uns und vor allem auch für die Generationen nach uns.“     -wh

Hier unten sehen Sie die Vortrags-Bilder und -Grafiken


Prof. Wild Wachstumsgrenzen-Vortrag